Autor Thema: Bud Spencer – Mein Leben, meine Filme. Die Autobiografie  (Gelesen 659 mal)

Offline Myriel

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Bud Spencer – Mein Leben, meine Filme. Die Autobiografie

Der Name Bud Spencer dürfte so ziemlich jedem ein Begriff sein, egal ob jung oder alt. Schließlich laufen die „Hau drauf“-Filme dieses Hünen in regelmäßigem Abstand im Fernsehen. Doch wie viele Leute kennen den Namen Carlo Pedersoli? Und selbst wer weiß, dass dies ein italienischer Schwimmchampion ist, der an mehreren olympischen Spielen teilgenommen hat, wer kann die Verbindung zu Bud Spencer ziehen? Dank dieser Autobiografie dürften es jetzt jedenfalls ein paar mehr sein, denn in ihr kommen sowohl Carlo Pedersoli als auch Bud Spencer zu Wort, die beide Aspekte ein und derselben Person verkörpern.

Carlo Pedersoli wurde am 31. Oktober 1929 in Neapel als Sohn eines reichen Industriellen geboren und genoss eine sorgenlose Kindheit, der jedoch der 2. Weltkrieg ein Ende bereitete, als die Fabrik seines Vaters zerstört wurde. Als begnadeter Schwimmer ging es ihm jedoch immer noch besser als vielen seiner Landsleute und dank seiner Sportlerkarriere kommt er in Italien herum. Nach Ende des Krieges beschließt sein Vater nach Brasilien und später nach Argentinien auszuwandern und sich dort ein neues Leben aufzubauen. Obwohl diese Phase nur 4 Jahre andauert, begründet sie Pedersolis Verbundenheit mit der ursprünglichen Wildnis der Urwälder Südamerikas.

Zurück in Italien tritt der Schwimmsport wieder in den Vordergrund und Pedersoli hat die Gelegenheit, an mehreren olympischen Spielen teilzunehmen. Dazwischen schlägt er sich mit diversen Jobs mehr schlecht als recht durch und hat schließlich einen beträchtlichen Schuldenberg angehäuft. Um diesen wieder abzutragen, verschlägt es ihn erneut nach Südamerika, wo er einen lukrativen Job nutzt, um seine Finanzen wieder zu bereinigen. Seiner Heimat Italien bleibt er so wiederum einige Jahre fern, doch wie es im Buch so schön heißt: „Alle Straßen führen zurück nach Rom“.

Nachdem er dort seine künftige Ehefrau kennengelernt und schließlich geheiratet hat, schlägt er sich wiederum mit diversen Jobs durch. Auf finanzielle Unterstützung durch die wohlhabende Familie seiner Frau will er nicht angewiesen sein und lehnt diese stets stolz ab. Zum Film kommt er erst recht spät und nur durch Zufall. Nach einigen Statistenrollen erhielt er ein Angebot für einen sog. Italo-Western, wo er an der Seite von Mario Girotti, besser bekannt als Terence Hill, spielen sollte. Mit „Gott vergibt … Django nie!“ wurde das unverwechselbare Duo Bud Spencer & Terence Hill geboren, das nachfolgend noch viele gemeinsame Filme drehte, die in Italien allesamt Kassenschlager waren.

Diese Filme sowie seine Solo-Projekte nehmen in der zweiten Hälfte der Autobiografie für meinen Geschmack zu viel Raum ein. Sie spielen sicherlich eine große Rolle, doch wenn man nur in einem Nebensatz erfährt, dass er einen Sohn und zwei Töchter hat, dann stimmt für mich das Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben nicht mehr.

Dies ist aber auch das einzige große Manko an dieser sonst sehr gut lesbaren Autobiografie, die Pedersoli seinem jüngeren Selbst als eine Schilderung  seines zukünftigen Lebens angelegt hat. Der lockere Tonfall nahm mich während des Lesens gefangen und bei vielen der erwähnten Filme hatte ich Bilder vor Augen. Nach Beendigung der Lektüre haben sich bei mir 3 Wünsche ergeben:
  • der 2. Teil der Autobiografie von Bud Spencer „In achtzig Jahren um die Welt“
  • eine Biografie über Terence Hill
  • eine Box mit den Filmen des bekannten Duos
3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Offline Keshia

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Nach Beendigung der Lektüre haben sich bei mir 3 Wünsche ergeben:
  • der 2. Teil der Autobiografie von Bud Spencer „In achtzig Jahren um die Welt“
  • eine Biografie über Terence Hill
  • eine Box mit den Filmen des bekannten Duos
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Hast Du einen Fernseher?

Bud-Spencer-Filme laufen regelmäßig auf Kabel 1, wann genau kann ich zwar nicht sagen, aber mir fällt das immer wieder auf, weil ein Freund von mir ein echter Fan ist und keine noch so x-te Wiederholung verpassen möchte.

Offline Myriel

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Hast Du einen Fernseher?

Bud-Spencer-Filme laufen regelmäßig auf Kabel 1, wann genau kann ich zwar nicht sagen, aber mir fällt das immer wieder auf, weil ein Freund von mir ein echter Fan ist und keine noch so x-te Wiederholung verpassen möchte.

Einen Fernseher habe ich, aber ich möchte nicht auf die Sendepolitik von Kabel 1 angewiesen sein, sondern die Filme sehen können, wann immer ich möchte.  :zwinker:

Offline Valentine

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Wer kennt sie nicht, die guten alten Spaghetti-Western mit dem ungleichen Duo Bud Spencer und Terence Hill in der Hauptrolle? Und wer wusste schon damals als Kind, dass die beiden Hauptdarsteller gar keine Amerikaner, sondern Italiener sind?

Bud Spencer, der eigentlich Carlo Pedersoli hieß, hatte ganz abgesehen von seiner Filmkarriere ein bewegtes Leben. Er wuchs als Sohn eines Fabrikanten in Neapel behütet auf, bis der Krieg dem beschaulichen Leben und auch der Fabrik seines Vaters ein Ende setzte. Die Familie wanderte für einige Zeit nach Südamerika aus, und Carlo, der übrigens ein sehr guter Schüler war, entpuppte sich als begabter Schwimmer und Wasserballspieler. Nach der Rückkehr in die Heimat vertrat er Italien sogar zweimal erfolgreich bei den Olympischen Spielen. Beruflich lief es hingegen nicht so rund, er brach gleich zweimal ein Studium ab und hielt sich mit allen möglichen Jobs über Wasser (wobei er sogar noch einmal alleine für einige Zeit nach Südamerika ging).

Eher zufällig geriet er durch seinen Schwiegervater, der im Filmgeschäft tätig war, an Statistenrollen und kam genauso zufällig zu seiner ersten Rolle in einem Westernfilm, an der Seite eines blonden, blauäugigen Italieners namens Mario Girotti, den wir alle eher unter seinem Künstlernamen Terence Hill kennen dürften.

Als "echten" Schauspieler hat sich Bud Spencer dabei nie gesehen, da er keine klassische Schauspielausbildung hat und nicht einmal Sprechunterricht oder ähnliches nahm. Seine mangelnden Englischkenntnisse überspielte er durch Nuscheln, weil die Filme später sowieso synchronisiert wurden. Und doch wurde das Duo Spencer/Hill ein durchschlagender Erfolg und prägend für ein ganzes Genre, viel kopiert und nie erreicht.

Aus der Perspektive eines altersweise gewordenen Mannes blickt er in diesem Buch zurück auf sein Leben und bedient sich dabei eines ganz witzigen Erzählkniffs: er beginnt das Buch nämlich als Dialog mit seinem jüngeren Ich und berichtet mehr oder weniger chronologisch in einem charmanten und oft selbstironischen Plauderton über seine Kindheit und Jugend, den Krieg, den Sport und seine völlig unerwartete Schauspielkarriere. Der Erfolg scheint ihm nicht zu Kopf gestiegen zu sein, er wirkt manchmal selbst erstaunt, dass seine Haudrauf-Streifen bei Alt und Jung so beliebt waren bzw. sind.

Über sein Privatleben schweigt er sich nach der Hochzeit weitgehend aus, dafür gibt es komische und weniger komische Anekdoten über Dreharbeiten und Promiveranstaltungen, den einen oder anderen Kommentar zu gesellschaftlichen Entwicklungen und die für mich zumindest neue Erkenntnis, dass Bud Spencer noch lange über den Zenit der Spaghetti-Western hinaus ein gefragter, aktiver Schauspieler war.

Abgerundet wird das Buch durch zahlreiche Fotos und eine detaillierte Filmographie.

4ratten
The difference between fiction and reality?
Fiction has to make sense.

Tom Clancy

 

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