Carriger, Gail (deutsches Interview)

Literaturschock: Hallo Gail, danke, dass du dir für dieses E-Mail-Interview Zeit genommen hast. In unserem Forum Literaturschock gibt es viele Fans deiner Bücher, diese Fragen sind das Ergebnis einer kleinen E-Mail-Diskussion, die ich mit einigen von ihnen hatte:

Durch die Buchmesse hattest du die Gelegenheit nach Frankfurt zu fliegen und deine deutschen Fans zu treffen. Ich hoffe, du hast deine Zeit in Deutschland genossen! Wie waren deine Reise und deine Erfahrungen hier? Warst du zuvor schon einmal in Deutschland?

Gail Carriger: Ich hatte eine ganz wundervolle Zeit in Deutschland! Ich bin im Jahr 2000 schon einmal durch Deutschland durchgereist, bin aber nicht geblieben. Ich erinnere mich, dass ich die gesamte Zugreise damit verbracht habe, meine Nase gegen das Fenster zu pressen und ich habe geschworen, dass ich für einen ordentlichen Besuch zurückkommen würde. Über 10 Jahre später habe ich es endlich geschafft. Die Messe war hauptsächlich geschäftlich, aber mein Lebensgefährte kam mit mir und wir sind noch eine extra Woche privat geblieben. Wir haben Wiesbaden besucht (ich bin besessen von Bade-/Kurorten), gleich nachdem wir gelandet sind – eine perfekte Art um sich von einem 13-Stunden-Flug zu erholen, wenn du mich fragst. Dann war die Messe, wobei der beste Teil daran war, meine Fans zu treffen. Eine kleine Gruppe ist extra nach Frankfurt gefahren um mich zu treffen. Es war ein „tweet up“ [ich nehme an ein über Twitter angekündigtes Treffen, Anm.] in letzter Minute, deshalb wussten nicht viele Leute davon, aber wir hatte eine großartige Zeit in einem überraschten British Pub und ich fühlte mich sehr, sehr geschmeichelt. Ich habe so viel über die Steampunk-Bewegung in Deutschland gelernt und außerdem über das Bildungssystem! Danach sind mein Lebensgefährte und ich nach Koblenz entwischt und haben Touristen gespielt. Es war spektakulär, wir sind am Rhein mit einem Boot gefahren, haben fantastisches Essen gegessen, köstlichen Wein getrunken und generell entspannt. Es war so wundervoll. Ich habe einen kleinen Blog-Eintrag darüber, wenn du interessiert bist: Gail Carriger Blog

Literaturschock: Du bist auf Twitter und Facebook sehr aktiv, du hast deinen eigenen Blog – wie wichtig ist dieser direkte Kontakt mit den Lesern für dich?

Gail Carriger: Das ist sehr wichtig für mich, ich genieße den Vorteil in einer Zeit zu leben, in der ein Autor tatsächlich mit Lesern auf der ganzen Welt Kontakt haben kann. Es ist auch eine schrecklich große Ablenkung, aber Social Media war sehr gut für mich. Ich versuche sehr diszipliniert zu sein. Wenn ich einen Entwurf abgeben muss und eine Deadline habe, dann verwende ich ca. 2 Stunden für Social Media, drei Tage in der Woche, und mache Dinge, wie zB meine Tweets bereits vorher zu planen oder mit dem Bloggen auszusetzen um Zeit zu sparen. Wenn es wirklich schlecht läuft, dann gehe ich in ein Café das kein kabelloses Internet hat. Es ist ziemlich schwer die Balance zu halten, weil ich für meine Fans da sein will, aber ich muss auch das nächste Buch schreiben. Glücklicherweise sind meine Leser ziemlich verständnisvoll, wenn ich untertauche. Das Schwierigste ist das schlechte Gewissen, wenn sich jemand Zeit nimmt, um mir zu schreiben und ich mich schrecklich fühle, weil ich nicht sofort antworte.

Literaturschock: Für mich als Leserin ist es sehr interessant was andere Leute lesen. Also ist meine Frage, welche Bücher du am liebsten magst? Welche Bücher oder Autoren generell haben dein Schreiben beeinflusst?

Gail Carriger: Als ich 8 Jahre alt war, kam das erste Buch der „Im Zeichen der Löwin“-Serie von Tamora Pierce heraus. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich nie ein Fantasy-Buch gelesen, wo die Hauptfigur ein Mädchen war, das es krachen ließ. Dann, als ich 14 war, hat es wieder mein Leben verändert. Es war der Weg, durch den ich zu einer Freundin der Damen wurde, die bis zum heutigen Tag meine Geschichten lektorieren. Mein Schreiben ist stark von viktorianischen Schrifstellerinnen wie Elisabeth Gaskell beeinflusst, ebenso wie von Primärquellen wie Amelia B. Edwards und humoristischen Schriftstellern wie P.G. Wodehouse. Einige meiner liebsten Bücher sind: „Die vergessenen Tiere von Eld“ von Patricia McKillip, „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams, „By the Sword“ von Mercedes Lackey und „Taming the Forest King“ von Claudia J. Edwards [beide afaik nicht ins Deutsche übersetzt worden, Anm.].

Literaturschock: Schreibst du jeden Tag?

Gail Carriger: Wenn ich eine Deadline habe, dann schreibe ich 2000 Wörter am Tag. In den wenigen Momenten, in denen ich eine Schreibpause habe, editiere ich noch und/oder arbeite an Kurzgeschichten, blogge, denke über neue Projekte nach oder sehe die Lektoratsarbeit, Korrekturen oder Probedrucke durch.

Literaturschock: Woher kommt deine Faszination für Steampunk? Und was magst du an der viktorianischen Zeit? Die Hüte? *g*

Gail Carriger: Ich bin zu Steampunk erst durch ästhetischen Richtung gekommen. Ich bin schon lange ein Fan von Vintage-Kleidung und Goth-Stil; Steampunk hat mich als fröhliche Verschmelzung dieser beiden Stile angezogen. Ich liebe es außerdem, wiederverwertete Technologie zu sehen, die für Schmuck verwendet wird bzw. andere Beispiele wie kreativ die Community, die diese Dinge produziert, in den letzten Jahren geworden ist. Bezüglich der viktorianischen Zeit, nun, meine Mutter ist eine teetrinkende Ex-pat [Ausgewanderte, Anm.]. Ich wurde mit britischen Kinderbüchern aufgezogen („Als die Uhr dreizehn schlug“, „Ein Fall für die Borger“, „Die Wasserkinder“, „Der Wind in den Weiden“), ich habe viele Sommer meiner Jugend in Devon verbracht und zwei Schuljahre in den Midlands. Ich liebe die viktorianische Ära. Ich habe als Kind aus meinen Hula-Hoop-Reifen Reifröcke gemacht – zu viele BBC Kostümfilme.

Literaturschock: Viele Fans deiner Bücher in unseren Forum lieben das Ankleide-Spiel, in dem man Alexia die wundervollen Kleidungsstücke, die du in deinem ersten Buch beschreibst, anziehen kann. Also, hast du schon einmal ein Korsett oder andere viktorianische Kleidungsstücke getragen?

Gail Carriger: Ich habe fast 10 Jahre lang für die Great-Dickens-Weihnachts-Messe hier in San Francisco gearbeitet. Ich war Verkäuferin einer Firma für Couture-Korsette. Das heißt, dass ich 18 Stunden am Tag in Korsetten und vollständiger viktorianischer Kleidung verbracht habe. Ich weiß also nicht nur, wie man ein Korsett trägt, ich besitze auch zehn Stück und ich kann auf einen Blick erkennen, welche Qualität eines ist und ob es ordentlich sitzt. Ich bin außerdem eine der schnellsten, engsten Schnürerinnen auf dieser Seite des großen Teichs. Schau, jetzt hast du mich zum Angeben gebracht. Aber ich bin ganz unsinnig stolz auf diese seltsamen kleinen Fähigkeiten. Und du glaubst mir besser, wenn ich in meinen Büchern über Kleidung schreibe, das ist korrekt bis zu den geteilten Pumphosen und dem Pferdehaar-Petticoat. Ich weiß, ich weiß, sehr schnittig.

Literaturschock: Welche Figur, außer Alexia, hast du am liebsten? Ändert sich das von Buch zu Buch? Ich denke ich bevorzuge Lord Adeldama und Ivy (aber um ehrlich zu sein, ist das sehr schwierig zu sagen^^).

Gail Carriger: Ich liebe Lord Akeldama, weil es so herrlich lustig ist, ihn zu schreiben – all diese verrückten italienischen Schwingerei-Aktionen [da ich die Bücher noch nicht gelesen habe, weiß ich nicht, ob das stimmt bzw. was das bedeutet, vielleicht kann jemand das erklären/verbessern? Anm.] Ich habe den Eindruck, dass man ihn nur lesen muss um zu verstehen warum.

Literaturschock: Ivy ist eine ganz besondere Figur, nun, ich liebe sie aufgrund ihrer Hüte. *gg* Wie ist dir die Idee von ihr als Person gekommen?

Gail Carriger: Ah, das ist ein bisschen ein Geheimnis, aber sie beruht auf einer sehr guten Freundin von mir... wenn diese betrunken ist. Die Hut-Obsession ist ganz meine eigene. Ich liebe Hüte.

Literaturschock: Wann war klar, dass du über Prudence in ihrer eigenen Serie schreiben wirst? Es ist sehr spannend für mich, mehr über sie zu lesen!

Gail Carriger: Eigentlich hatte ich ursprünglich vor, „Glühende Dunkelheit“ als Einzelwerk stehen zu lassen, das eine Prequel zur Prudence-Serie ist. Also kann man sagen, dass meine Idee für die Prudence-Serie vor der Lady-Alexia-Serie kam! Es wird sehr lustig über sie zu schreiben, nicht zuletzt aufgrund ihrer streitsüchtigen Beziehung zu ihrer Mutter!

Literaturschock: Kannst du uns ein bisschen von deiner neuen Serie „Finishing School“ erzählen? ["Mädchenpensionat"-Serie, Anm.]

Gail Carriger: Die „Finishing School“-Serie spielt in der selben Welt wie die Lady-Alexia-Serie, nur 25 Jahre früher, und beinhaltet ein Mädchenpensionat auf einem riesigen raupenartigen, lenkbaren Luftschiff, das über Dartmoor schwebt und in dem unseren jungen Damen beigebracht wird … alles... und jeden... zu beenden... je nach Bedarf. Die Hauptfigur, Sophronia, wird rekrutiert ohne das zu bemerken, was in Ausgelassenheit und Belustigung resultiert. Es gibt eine Steampunk-Etiquette. Es gibt gut gekleidete Spionage. Es gibt herumgeschleuderte Käsekuchen, wohl oder übel. Es gibt einen mechanischen Dackel namens Bumbersnoot. Ich bin sehr aufgeregt. Das erste Buch, „Etiquette & Espionage“ [Etiquette & Spionage, Anm.] wird im Herbst 2012 herauskommen. Und ich bin gerade dabei mit dem Schreiben für das zweite Buch „Deportment & Deceit“ [Benehmen & Betrug, Anm.] anzufangen.

Literaturschock: Vielen Dank für dieses kleine Interview!

Gail Carriger: Gerne!

Das Interview wurde von Carolin Kiener für Literaturschock geführt

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Unterstütze uns auf Steady

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Newsletter abonnieren

Informationen zum Versand über den US-Anbieter MailChimp, der statistischen Auswertung sowie deinen Abbestellmöglichkeiten, erhältst du in unserer Datenschutzerklärung

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2017 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue