Else Buschheuer ist in Eilenburg bei Leipzig in Sachsen geboren, ihr Abitur machte sie in Potsdam und studierte danach in Berlin Bibliothekswissenschaften. Sie war u.a. in der Zentralbibliothek der Charité tätig.

Literaturschock: Else Buschheuer, Schriftstellerin, Journalistin, Ex-TV-Moderatorin, lebt und arbeitet in New York. Sie sind ein sehr vielseitiges Talent nach der recht kurz gefassten Biografie bei BoD zu schließen. Doch wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Else Buschheuer: Ich würde mich als Suchende beschreiben.

Literaturschock: Ich bin ein großer Fan Ihres Manhattan Tagebuches. In den letzten Tagen beschäftigt Sie - wie wohl uns alle - das Thema Krieg gegen den Irak. Keine Angst, ich möchte jetzt keine politischen Fragen stellen, aber verraten Sie uns, wie Sie sich (und was Sie) zur Zeit fühlen?

Else Buschheuer: Warum möchten Sie keine politischen Fragen stellen? Dieser Krieg ist dumm und falsch, so wie alle Kriege dumm und falsch sind. Ich fühle mich in meiner Wahlheimat gerade extrem unwohl.

Literaturschock: Aktuelle Theman haben Sie bereits in Ihrem Schaffen beeinflusst. Sie lebten damals nur wenige Kilometer entfernt in Soho und so entstand www.else-buschheuer.de nach Ihren eigenen Eindrücken des 11. September. Haben Sie vor, auch die aktuellen Ereignisse in ein neues Buch umzusetzen? Oder was sind Ihre nächsten Projekte?

Else Buschheuer: Ich weiß es nicht. Vielleicht schreibe ich ein Stück. Vielleicht schreibe ich nur noch Internet-Tagebuch. Vielleicht häre ich ganz mit dem Schreiben auf und gehe einem normalen Beruf nach.

Literaturschock: In der Widmung von www.else-buschheuer.de steht "Ausdrücklich nicht 'Für den WDR'" - eine kleine (verständliche) Rache, weil Sie im Zusammenhang mit dem 11. September Ihre Stelle als Moderatorin des Kulturweltspiegel verloren hatten. Möchten Sie uns mehr darüber verraten?

Else Buschheuer: Der WDR, einer der reichsten öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland, hat mich gefeuert, weil und während ich krank war. Weil ich seit anderthalb Jahren vor gericht versuche, Recht zu bekommen, deutlich zu machen, dass mir Unrecht geschehen ist, diffamiert mich der WDR und verbreitet, ich sei unzuverlässig und würde nicht zu Sendungen erscheinen (In Wirklichkeit hatte ich am 14.9.01, also zwei Tage vor der Kulturweltspiegel-Sendung, einen Nervenzusammenbruch, und bin von der Redaktion freigestellt worden). Vor einigen Tagen habe ich erfahren, dass sich der WDR aus dem bereits finanzierten Verfilmungsprojekt "Masserberg" zurückgezogen hat, es wird also den Film "Masserberg" nicht geben, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. All das wäre ohne den 11.9. nicht geschehen.

Literaturschock: Worüber ich mich herrlich amüsieren konnte: Bei Amazon gibt es vernichtende Kritiken zu "Ruf!Mich!An!", weil Sie sich beispielsweise über "Ossis" lustig machen. Dabei sind Sie selbst in der ehemaligen DDR aufgewachsen und nehmen sich damit auch selbst auf die Schippe (zumindest vermute ich das einfach mal). Ist es Ihnen wichtig, über sich selbst lachen zu können?

Else Buschheuer: Überlebenswichtig.

Literaturschock: "Ruf!Mich!An" brachte Ihnen den Ruf als "Skandalautorin" ein. Würden Sie sich selbst ebenfalls in diese Schublade stecken? Was ist so skandalös an schwarzem Humor und frechen Sprüchen? Ist diese Einstufung ein deutsches Phänomen?

Else Buschheuer: Einstufung ist wichtig für die Imagebildung. Ohne Einstufung können manche Menschen nicht verstehen. Der Zugriff wird erleichtert, das ist eine Marketingstrategie. Ich hab mir das nicht ausgedacht, und ich hab auch nichts dagegen. Können mich alle nennen wie sie wollen.

Literaturschock: Sie leben in einem Hare-Krishna-Tempel in Manhattan. Wie sind Sie da reingeraten?

Else Buschheuer: Ich habe fast ein Jahr in einem Hare-Krishna-Tempel in New York gelebt. Das hat sich so ergeben. Ich hab dort sehr viel gelernt über Geduld, Warten, Sucht und eingebildete Sucht, über die Funktionsweise von Religion, aber auch viel über mich. Die Sehsnucht der Menschen, sich in Klöstern und Tempeln aufzuhalten, ist die Sehnsucht, dem Leistungsdruck, dem Kaufrausch, der Reizüberflutung zu entkommen. Ich kann nur jedem mal eine Auszeit empfehlen.

Literaturschock: Was lesen Sie momentan? Bleibt Ihnen für das private Lesevergnügen überhaupt noch Zeit? Welches Buch könnten Sie uns spontan empfehlen? (Es darf aber keines von Ihren Büchern sein ;-) )

Else Buschheuer: Ich lese ein Buch vom Dalai Lama über das Glück. Ich weiß den Titel jetzt nicht und kann nicht nachsehen, weil ich grade umgezogen bin. Es hat das Glück im Titel.

Literaturschock: Ganz spontan: Was gefällt Ihnen in New York am besten?

Else Buschheuer: Dass in jeder U-Bahn die ganze Welt sitzt, Schwarze, Asiaten, orthodoxe Juden, Araber, Latinos, Amis, und Reisende von Sonstwo.

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