Ernst Peters – sehr vielen begeisterten Lesern und Leserinnen wird dieser Name absolut kein Begriff sein – denn Ernst Peters ist ein „junger“ sehr unbekannter Autor.

Warum ich jung in Anführungsstrichen setze? Weil das kleine Wörtchen jung in diesem Fall nicht auf das Alter hindeuten soll – Ernst Peters hat das Rentenalter längst erreicht – sondern darauf, das er bisher nur ein einziges Buch veröffentlicht hat.

Die Idee zu diesem Interview entstand zwischen Susanne K. und mir, nach dem ich das Buch „Geheimnisse hinter der Pferdedecke“ für sie gelesen und rezensiert hatte und ihr anschließend davon vorgeschwärmt habe.

Wer meine Rezension zu dem Buch gelesen hat, weiß was mich an dem Buch angesprochen hat, was mich überhaupt gereizt hat, das Buch zu lesen. Für alle die, die diese Rezension nicht gelesen habe möchte ich es gern noch einmal sagen. Der Untertitel „Erlebnisse eines Erzgebirgsjungen in den Jahren 1945 bis 1948“ hat mich neugierig auf dieses Buch gemacht und ich habe nicht eine Sekunde meiner Zeit, die ich in das Lesen des Buches investiert habe, bereut.

Die Idee, ein Interview mit Ernst Peters zu führen, war also schnell geboren. Jetzt musste ich ihn nur noch anschreiben und hoffen, dass er dazu bereit ist. Es folgte ein reger E-Mail-Wechsel, in dem er meine Fragen gern beantwortete und in dem sein erstes Interview entstand. Seine dringenste Bitte, und die habe ich gern respektiert, war und ist, das sein richtiger Name und der Ort, in dem die Handlung spielt, weiterhin nicht genannt wird.

Die Fotos, mit denen ich dieses Interview gestaltet habe, haben absolut nichts mit dem Autoren und/oder der Handlung zu tun. Sie zeigen aber das Erzgebirge und sind von mir bzw. von meiner Familie zur Verfügung gestellt wurden.

Und hier kommen nun die Fragen (gestellt von Sternchen28) und die doch sehr interessanten Antworten des Autoren:

Literaturschock: Gab es einen besonderen Anlass, ihre Erlebnisse in den Jahren 1945 bis 1948 niederzuschreiben und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen?

Ernst Peters: Im engeren Familienkreis feierten wir in einer Gaststätte im Elbsandsteingebirge meinen letzten Lebensabschnitt – den Eintritt in die Rentnerschar. Heute wird da ja nicht mehr gesungen wie es früher oft war. Warum eigentlich nicht? Jeder hat da etwas zu erzählen. Ich fing nun an, was ich mit den Behörden durchmachen musste bis es zur Rentenzahlung kam. Mir fehlten 3 belegbare, versicherungspflichtige Tage in meiner Arbeitsbiografie. Mein Vorschlag, 3 Tage unbezahlten Urlaub einzutragen ging nicht – ich dachte der Beamte fällt bald vom Stuhl. Den Rentenbescheid hatte ich zu dieser Zeit noch nicht aber die erste Rente war überwiesen. „Was willst du mehr “, war der Kommentar in der Runde dazu. Als in einiger Entfernung ein Traktor seine Feldarbeiten verrichtete erzählte ich einige meiner Erlebnissen mit dem Lanz – Bulldog. Das erregte schon eher, zu meinem Erstaunen, die Gemüter. Ich soll es aufschreiben und ein Buch daraus machen war die allgemeine Meinung. Also habe ich damit angefangen. So ein richtiger Anfang war nicht zu finden und vom Umfang her war es eher ein Heftchen. Ein Verlag wollte, als das Buch fertig war, tatsächlich, diese 413 Seiten auf maximal 140 Seiten gekürzt haben. Aber ich nicht!

Bei einem Rundflug und vor allem bei dem monotonen Motorengeräuch des Flugzeuges, kam mir die Erinnerung an die letzten Kriegsmonate verbunden mit den Bombenangriffen. Jetzt hatte ich auch einen Anfang für mein Buch. Und wie Sie es lesen konnten, sind 330 gedruckte Seiten daraus geworden.

Ich habe allerdings nicht gewusst, dass pro Jahr etwa 80 000 Bücher auf den Markt kommen, sonst hätte ich die Finger davon gelassen. Aber jetzt ist es da und da gibt es kein Zurück mehr, ich muss da durch. Deshalb bin ich auch für jede Mithilfe dazu sehr dankbar.

Literaturschock: In Ihrem Buch beschreiben Sie den Angriff auf Dresden, bei dem mir eine Gänsehaut über den Rücken gelaufen ist. Haben Sie Dresden vor dem Angriff damals gesehen?

Ernst Peters: In den letzten Kriegsjahren war ich nicht in Dresden, aber davor. Nun dürfen Sie bitte nicht erwarten, dass ich da etwas von den Barockstadt Dresden gekannt hatte. An den riesengroßen Bahnhof, die vielen Dampflokomotiven mit ihren Zischen und Fauchen, dazu die Dampfwolken, die sie ausstießen, dem Lautsprechergeplärre und den vielen Soldaten kann ich mich schon erinnern. Und natürlich geht mir die Straßenbahn nicht aus der Erinnerung. Das ging soweit, ich wollte unbedingt Straßenbahnfahrer oder zumindest Schaffner werden. In den Zoo wollte man immer mit mir gehen aber es wurde nichts daraus – erst viel später.

Literaturschock: Ihre Großmutter, die Dresdnerin, spielt in ihren Erinnerungen eine große Rolle. Sie beschreiben Sie als eine Frau, der keine Anstrengung zu groß ist, die es immer wieder schafft. Was hat ihnen Ihre Großmutter mit auf den Weg gegeben?

Ernst Peters: Eines hat mir meine Großmutter, wir sagten „Omi“ zu ihr, ganz bestimmt mit auf den Weg gegeben: Aufrichtig zu sein! Eine kleine Mogelei, wer macht das nicht, ist eigentlich bedeutungslos.

Sie war eine Großstädterin mit allem drum und dran. Bei ihr musste die Straßenbahn quietschen, wenn diese um die Kurven fuhr. Trat sie aus dem Haus, mussten Menschen zu sehen sein. Und wenn ihr danach war, gab es Cafe’s, Theater usw. All das hat sie mir nicht vererbt. Ich liebe die Ruhe diesbezüglich.

Literaturschock: Haben die Kriegsjahre, hat die Nachkriegszeit ihr Leben beeinflusst?

Ernst Peters: Ja, ganz selbstverständlich. Obwohl doch jede Generation nicht nur Engel hervorbringt und bei uns war es auch nicht anders – bis auf: Uns hat man noch bitte und danke sagen beigebracht und die Achtung vor den Mitmenschen. Das war ganz bestimmt nicht falsch. Bei dem allgemeinen Mangel an Allem damals, waren wir auch keine Spaßgesellschaft. Und irgendetwas, was einem gerade in die Hände kommt, zu zertrümmern, nur des Spaßes wegen, das gab es nicht. Wie gesagt, Engel waren wir auch nicht. Unsere Streiche waren eben harmloser. Sie hatten aber die Betroffenen damals durchaus auch in Rage gebracht. Und die Schimpfkanonaden auf die Jugend waren genau so wie heute die gleichen.

Literaturschock: Wie hat Ihre Kinder- und Jugendzeit insgesamt ihr Leben beeinflusst?

Ernst Peters: Wie in der vorhergebenden Antwort schon angedeutet: Etwas Bescheidenheit, allerdings keine Kratzbuckelei steht bestimmt auch in der heutigen Zeit nicht schlecht an. Ich jedenfalls bin damit bis heute sehr gut zurechtgekommen und kann es nur empfehlen.

Literaturschock: Was macht Sie glücklich?

Ernst Peters: Wenn man den Krieg miterlebt, die Nachkriegszeit dazu und sei es nur als Kind, muss man für jeden Friedenstag froh und glücklich sein. Unglücklich bin ich dagegen, obwohl die Frage nicht ansteht, dass heutzutage schon wieder Strömungen und Richtungen geduldet werden, die die Vorkriegszeit, den Weltkrieg und die Nachkriegszeit – teilweise zumindest – in Frage stellen.

Literaturschock: Was erfüllt Sie mit besonderem Stolz?

Ernst Peters: Auf die vielen guten Menschen, die ich kennen lernen durfte und das schon als Schüler, selbstverständlich auf die Familie, das Erreichte im Leben, darauf bin ich stolz.

Literaturschock: Den Erzgebirglern – und da nehme ich mich nicht aus – liegt die Advents- und die Weihnachtszeit besonders am Herzen. Da schmücken Sie ihr Haus, ihre Wohnung. Welche Jahreszeit lieben Sie besonders?

Ernst Peters: Zum ersten Teil der Frage stehe ich zu 100%. Das ist ganz bestimmt in einem mit hineingeboren oder man hat es mit der Muttermilch mitbekommen – wie man so sagt. Auch bei uns in der Familie ist die Weihnachtszeit schon etwas Besonderes. Jedes größere Gebiet hier in Deutschland hat da seine eigenen Festlichkeiten – zum Beispiel der Rheinländer seinen Karneval usw. Wir sind da eben für die Weihnachtszeit vorbestimmt. Das läuft mit einem bestimmten Ritual ab. Heutzutage nicht mehr ganz so streng, wie es vor Jahrzehnten noch der Fall war aber immerhin. Die Weihnachtszeit beginnt bei uns mit dem 1. Advent und nicht wie es einige Händler - armselige Krämerseelen nenne ich diese Herrschaften - es so wollen schon im September.

Aber nun zum zweiten Teil der Frage: So schön eine verschneite Landschaft auch sein kann, so gemütlich ist es, wenn das Holz im Ofen knistert, die Stube warm ist usw. Wir wohnen schon einige Jahrzehnte hier im Dresdner Raum, uns liegt das raue Gebirgsklima nicht mehr so recht. In dem doch etwas gemäßigten Klima hier lässt es sich auch sehr gut Weihnachten feiern.

Literaturschock: In diesem Sinne wünsche ich an dieser Stelle Ernst Peters und seiner Familie ein fröhliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und das seine Träume und Wünsche, die das Buch und sein Leben betreffen in Erfüllung gehen möchte.

Und ich bedanke mich für das interessante und aufschlussreiche Interview und für die sehr persönlichen Antworten auf persönliche Fragen.

Das Interview wurde von Katja Ezold für Literaturschock geführt

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