Mayer, Gina (deutsches Interview)

Im Gespräch mit Gina Mayer

Katja: Hallo Gina, erst einmal vielen Dank dass ich Dich mit meinen Fragen löchern darf. Fangen wir doch mal ganz harmlos Gina Mayer Portraitan. Erzähl uns erst einmal etwas über Dich. Was bringt Dich zur Weißglut und was macht Dir besonders viel Freude?

Gina Mayer: Wütend machen mich Mahnungen, Steuererklärungen, Menschen, die immer nur reden und nicht zuhören, Kritiker, die meine Bücher verreißen, Klatsch und Tratsch.

Schreiben macht mich glücklich. Meine Familie auch (aber nicht immer), singen, im Regen schwimmen und den Rhein, wenn die Sonne untergeht.

Katja: Wie sieht ein „Arbeitstag“ bei Dir aus?

Gina Mayer: Eigentlich läuft jeder Schreibtag genau gleich ab: Ich stehe um sieben auf, frühstücke mit der Familie, schreibe von acht bis um eins, koche Mittagessen für alle, die so eintrudeln. Dann ist erst mal Pause angesagt – bis um vier oder so. Und dann schreibe ich noch mal weiter bis um sieben oder acht.

Katja: Brauchst Du zum Schreiben eher absolute Ruhe? Oder tobt um Dich herum das pure Leben, das Radio läuft und es ist Trubel?

Gina Mayer: Nein, ich brauche Ruhe. Ich würde gerne mit Musik schreiben oder im Café und im Zug wie richtig coole Autoren. Aber es geht einfach nicht.

Katja: Und Dein Schreibtisch, wie müssen wir uns den vorstellen? Über und über mit Recherchematerial und anderen Dingen bedeckt oder penibel aufgeräumt und alles hat seinen Platz?

Gina Mayer: Es ist ziemlich chaotisch. Im Moment liegt hier ein Stapel von Fachbüchern über Ratingen und Düsseldorf im 19. Jahrhundert, mehrere Broschüren, Hefte, Kram, meine Notizbücher und die Zugtickets für meine nächste Lesereise, die ich in drei Wochen panisch suchen werde, ich weiß es jetzt schon.

Wenn ich mit einem Buchprojekt fertig bin, dann räum ich einmal gründlich auf und am nächsten Tag sieht es wieder genauso aus.

Katja: Eine Freundin von mir ist von Deinen Büchern begeistert, ich selbst habe jedoch bisher noch keines gelesen. Welches würdest Du mir - und anderen die noch keines Deiner Bücher gelesen haben - ans Herz legen? Welches von denen, die Du geschrieben hast, ist Dir besonders wichtig?

Gina Mayer: Kommt darauf an, was du gerne liest. Ich mach ja sehr unterschiedliche Sachen. Grundsätzlich ist es immer das letzte Buch, an dem mein Herz am meisten hängt. Also im Moment „Das Maikäfermädchen“ bei den Erwachsenenromanen und „Morgen wirst du sterben“ bei den Jugendbüchern.

Katja: Sicherlich wirst Du sehr oft gefragt, warum Du gerade Bücher zu solchen Themen wie dem zweiten Weltkrieg schreibst. Darum spare ich mir die Frage an dieser Stelle. Was mich interessieren würde – hast Du schon einmal eine der KZ-Gedenkstellen besucht? Ich war vor einigen Wochen in Mittelbau-Dora und muss gestehen, dass mich die Bilder, die Erlebnisse dort gerade immer noch begleiten.

Gina Mayer: Ich war als Jugendliche in Buchenwald, ansonsten hab ich noch keine KZ-Gedenkstätte besucht.

Katja: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es nicht immer leicht ist, über solche Themen, wie Du sie gewählt haben, zu schreiben. Was tust Du, um mal abzuschalten?

Gina Mayer: Ich mache viel Sport: Ich jogge und schwimme und fahre, so oft es geht, Rad. Und ich singe in einem Chor.

Katja: Hast Du ein Mitspracherecht bei der Auswahl / der Gestaltung des Covers gehabt oder liegt das ganz allein in den Händen des Verlages?

Gina Mayer: Ich habe natürlich ein Mitspracherecht, der Verlag möchte ja, dass mir mein Buch gefällt. Aber die letzte Entscheidung liegt laut Vertrag beim Verlag. Und es gab auch schon Fälle, in denen mir das Cover ÜBERHAUPT KEIN BISSCHEN gefallen hat. Manchmal ändert sich das im Laufe der Zeit, da wächst einem ein Cover doch noch ans Herz. Aber einige Cover mag ich nicht und werde sie niemals mögen.

Katja: Als Autor muss man ja heute ja fast gezwungenermaßen in der Welt des Internets präsent sein, eine eigene Homepage haben, auf Facebook aktiv sein. Die Leser wollen ja auch immer mehr über ihre Lieblingsautoren wissen und schätzen die Präsenz sehr. Ist das für Dich eher Lust oder Frust?

Gina Mayer: Gezwungenermaßen? Wer sollte mich dazu zwingen? Ich mache nur das, was mir Spaß macht. Ich habe eine Autorenseite auf Facebook, aber ich poste nie mehr als ein oder zwei Einträge in der Woche. Twitter und Xing habe ich ausprobiert, gefällt mir beides nicht. Und alles andere kostet zu viel Zeit, da schreib ich doch lieber tolle Bücher.

Katja: Du bestreitest - unter anderem auf Leserunden.de - Leserunden zu Deinen Büchern. Liest diese quasi gemeinsam mit interessierten Leserinnen und Lesern, diskutierst mit Ihnen und gehst auf Fragen ein. Was gibt Dir das direkte Feedback der Leser? Ist das für Deine weitere Arbeit wichtig und fließt eventuelle Kritik in die nächsten Projekte mit ein?

Gina Mayer: Leserunden sind mir wichtig, weil sie einen besonders intensiven Kontakt mit Lesern ermöglichen. So viel direkte Resonanz bekommt man durch keine Lesung. Natürlich nehme ich Kritik und Anregungen sehr ernst.

Arbeitszimmer Gina MayerKatja: Immer mehr Bücher erscheinen ganz oder zumindest parallel auch als E-Book. Wie stehst Du zu dieser neuen Art Buch? Und wie entscheidest Du Dich? Lieber das „richtige“ Buch in der Hand halten oder liest Du lieber E-Books?

Gina Mayer: Auf Reisen lese ich e-books, zu Hause meistens „echte“ Bücher. Ich mag beides.

Katja: Bist Du selbst eine große Leseratte? Welches Genre bevorzugst Du? Welches Buch liegt derzeit auf Deinem Nachttisch und welchen Autoren kannst Du uns ganz besonders empfehlen?

Gina Mayer: Ich lese sehr viel und gehe niemals ohne Reader oder Buch aus dem Haus. Aufs Schreiben könnte ich zur Not noch verzichten, aber ich kann mir kein Leben ohne Lesen vorstellen.

Und ich lese alles – außer Fantasy. Zurzeit mag ich Krimis – z. B. von Håkan Nesser, Elisabeth Herrmann und Oliver Bottini. Ich liebe Alex Capus (also seine Bücher), Marten `t Haart, Marilynne Robinson, Marjana Gaponenko und Amitav Gosh. Und viele andere.

Katja: Wie entdeckst Du „Neuheiten“ für Dich? Stöberst Du stundenlang im Buchladen; lässt Du Dich beraten oder verlässt Du Dich auf Empfehlungen von Freunden?

Gina Mayer: Ich lese Rezensionen auf Blogs und in Feuilleton und ich entscheide mich oft für Empfehlungen von Freunden. In Buchhandlungen bin ich nicht so oft, ich gebe da immer so entsetzlich viel Geld aus.

Katja: An welchen Projekten arbeitetest Du derzeit? Auf welche Bücher können wir Fans uns demnächst freuen?

Gina Mayer: Ich habe gerade einen Thriller geschrieben, der im Herbst bei Script 5 erscheinen wird: In guten wie in toten Tagen“ ist der Titel. Es geht um das Gruselthema „Junggesellinnenabschied“. Das Cover hab ich auch schon gesehen, es sieht cool aus!

Als nächstes steht ein historischer Familienroman an, der in Paris, Düsseldorf und Ratingen spielt (deshalb die historischen Fachbücher auf meinem Schreibtisch). Einen Titel gibt’s noch nicht, aber das Buch soll im Herbst 2014 bei Aufbau erscheinen.

Katja: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast um meine Fragen zu beantworten. Bei Deinen weiteren Projekten und Vorhaben wünsch ich Dir viele treue Leser und natürlich ganz viel Erfolg.

Text: Sternchen28 (Katja)
Portraitfoto: © Sibylle Pietrek, Duesseldorf
Arbeitszimmer: Gina Mayer

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