Helge Thielking wurde 1975 in Bremen geboren, wo er zur Schule ging und seinen Zivildienst absolvierte. Studium der Tourismuswirtschaft, "aus Frust Beginn mit der Schreiberei". Auslandssemester in Los Angeles, zur Zeit wohnhaft in Köln. Helge Thielking ist Mitglied im "Syndikat", der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren. "King of Pain" ist sein erster Roman.

Literaturschock: Ich erwarte jetzt zwar keinen ausgeschmückten, tabellarischen Lebenslauf, aber ich bin sicher, meine Besucher würden sich für einige Details Deines Lebens brennend interessieren. Erzählst Du uns etwas über Dich?

Helge Thielking: Ich bin 26 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Bremen. Während meines Studiums der Tourismuswirtschaft habe ich angefangen zu schreiben. Das Ergebnis ist der Roman "King of Pain", der im Februar 2002 im Aufbau Verlag erschienen ist. Zur Zeit lebe ich in Köln. Wenn mir mein Job die Zeit lässt, lese ich, gehe ins Kino, schwimme, fahre Inline-Skates oder treffe mich mit Freunden... und versuche natürlich so viel wie möglich zu schreiben.

Literaturschock: Auf Deiner Homepage schreibst Du, Dein Hobby sei die Weltenbummelei. Abgesehen davon, dass Du eine zeitlang in den USA verbracht hast - gibt es ein Land, in das Du sofort auswandern würdest? Warum oder warum nicht?

Helge Thielking: Die USA stehen auf meiner Auswanderungswunschliste noch immer ganz oben. Unangefochten eigentlich. Ich habe mich während meiner Zeit in Kalifornien sauwohl gefühlt und habe bisher noch keine Region kennen gelernt, die mir annähernd dieselbe Lebensqualität bieten könnte. Kanada gefällt mir sehr gut, ist immer wieder eine Reise wert, doch das Klima wäre auf Dauer nichts für mich. Australien empfand ich immer als klassisches Auswanderungsziel - bis ich den Kontinent bereist habe. Zweifelsohne ein schönes, faszinierendes Land, aber leben möchte ich dort nicht. Einiges ist mir zu provinziell, und 24-Stunden-Flüge wären mir für regelmäßige Familienbesuche einfach zu lang.

Literaturschock: Fällt Dir spontan eine Sache ein, die Dich auf Deinen Reisen am meisten fasziniert hat und würdest Du sie uns erzählen?

Helge Thielking: Oh, da fällt mir ganz spontan eine Sache ein. Aber die kann ich hier leider nicht erzählen. Sorry. ;-)

Literaturschock: In Deinem Roman "King of Pain" ist das Hauptthema die Adoption. Du scheinst ein Mensch zu sein, der nicht die Augen vor Tabuthemen verschließt. Warum gerade das Thema Adoption?

Helge Thielking: Wahrscheinlich da ich selbst adoptiert bin. Das Thema hat sich also irgendwie aufgedrängt. Ich bin der Meinung, dass es keinen Grund gibt, Adoption zu tabuisieren. Wenn sie richtig durchgeführt wird, profitieren alle Beteiligten. Warum also den Mantel der Verschwiegenheit darüber legen? Das führt nur zu Misstrauen und Vorurteilen. Zum anderen fand ich die Idee reizvoll, dieses Thema, das in der Literatur ja eher in Dramen oder Liebesromanen verarbeitet worden ist, in eine Krimihandlung einzubringen.

Literaturschock: Anfangs konnte ich Nick nicht so richtig leiden - irgendwie erschien er mir wie ein perfekter Jammerlappen und ich konnte seine Beweggründe nicht nachvollziehen. Seine Adoptiveltern waren ihm richtige Eltern und er war meiner Meinung nach nur undankbar. Das macht ihn allerdings auch menschlicher. Glaubst Du, dass die meisten Adoptivkinder so reagieren oder reagieren würden?

Helge Thielking: Nick ist seinen Eltern gegenüber nicht undankbar, dies lässt er sie im Roman auch wissen. Es geht ja um etwas ganz anderes: Nick weiß nicht woher er kommt, er weiß nicht wer er ist. Da können ihm sein Vater und seine Mutter noch so gute Eltern sein, bei diesen quälenden Fragen sind sie ihm keine große Hilfe. Das können sie gar nicht sein. Im Gegenteil: Ihre Fürsorge verkompliziert alles nur noch mehr. Nick hat ein schlechtes Gewissen, er hat Angst, seine Eltern zu verletzen. Ich habe Post von Adoptierten bekommen, die sich in der Figur des Nick wiedergefunden haben. Doch jede Adoptionsgeschichte nimmt einen individuellen Verlauf. Manchmal fallen die Reaktionen noch viel radikaler aus, in Extremfällen kann es zum Bruch zwischen Eltern und Kind kommen. Dies ist dann meist auf die mangelnde Unterstützung und das fehlende Verständnis der Eltern zurückzuführen. Dies ist in Nicks Geschichte ja eindeutig nicht der Fall.

Literaturschock: War es schwer für Dich, einen Verlag zu finden?

Helge Thielking: Ich habe dieselbe Odyssee hinter mir wie wahrscheinlich die Mehrheit aller Autoren, sprich: unpersönliche Standardabsagen im Dutzend. Bis ich den Tipp bekam, mich an eine Literaturagentur zu wenden. Plötzlich wurde das Manuskript in den Lektoraten gelesen.

Literaturschock: Durftest Du Cover und Titel selbst aussuchen?

Helge Thielking: Der Titel ist der, den das Manuskript von Anfang an trug. Er drängt sich ja quasi auf, und der Verlag hat es glücklicherweise genau so gesehen. Zum Cover wurde ich gefragt, welche Farben ich partout nicht leiden könne. Ansonsten hatte ich kein Mitspracherecht. Ich bin aber absolut zufrieden mit dem Ergebnis.

Literaturschock: Was war für Dich die schwerste Sache während des Schreibens? Was die leichteste?

Helge Thielking: Am schwersten fällt es mir, verlockenden Alternativen zu widerstehen. Dies ist ja vor allem in den Sommermonaten häufig der Fall. ;-) Wirklich leicht fällt mir nur wenig. Schreiben ist halt bei allem Vergnügen vor allem harte Arbeit.

Literaturschock: Wieviele Deiner eigenen Erfahrungen teilst Du mit Deinen Charakteren?

Helge Thielking: Bezogen auf die Hauptfiguren ist es bei "King of Pain" die Adoption, bei meinem neuen Buch wird es der Beruf sein. Das wäre aber auch alles. Andere Eigenschaften der Figuren übernehme ich häufig aus Beobachtungen oder Charaktereigenschaften mir bekannter oder begegneter Personen. Eigene Erfahrungen bilden also eher so etwas wie ein Gerüst.

Literaturschock: Wie lange hast Du an "King of Pain" geschrieben?

Helge Thielking: Das kann ich so genau gar nicht sagen, da ich das Buch nicht an einem Stück geschrieben habe, sondern mit einigen Unterbrechungen. Alles in allem waren es anderthalb Jahre, denke ich.

Literaturschock: Die Musik, die in "King of Pain" genannt wird, ist genau nach meinem Geschmack - ich musste direkt meine Plattensammlung durchwühlen. Hörst Du diese Gruppen ebenfalls bevorzugt oder haben sie einfach nur in das Buch gepasst?

Helge Thielking: Die meisten Titel, die im Roman Erwähnung finden, stehen auch in meinem CD-Regal. Bei dem Song "King of Pain" ging es mir natürlich in erster Linie um den Text, trotzdem höre ich die Musik von Sting und The Police sehr gern.

Literaturschock: In diesem Monat findet eine Lesung in München auf der Criminale statt. Ist das Deine erste Lesung? Bist Du schon aufgeregt?

Helge Thielking: Ja, die Lesung in München ist meine erste. Jetzt sind es nur noch wenige Tage, und langsam beginnt das kribbelige Gefühl in der Magengegend...

Literaturschock: Die Criminale ehrt die Nominierten und Sieger des Friedrich-Glauser-Krimipreises: Ist dieser Preis auch ein Wunschtraum von Dir?

Helge Thielking: Natürlich ist es toll, Anerkennung für seine Arbeit zu ernten. Doch eine Auszeichnung wie der Glauser ist sicher nicht Motor meiner Motivation. Zumal ich befürchte, dass "King of Pain" nicht hundertprozentig den Anforderungen an einen "typisch deutschen Krimi" entspräche - das fängt schon beim englischsprachigen Titel an ;-)

Literaturschock: Möchtest Du weiterhin Krimis schreiben? Oder planst Du auch einen Ausflug in andere Genres?

Helge Thielking: Erst einmal werde ich den Krimis und Thrillern treu bleiben.

Literaturschock: Was sind Deine gegenwärtigen Projekte? Kannst Du uns einen kleinen Ausblick auf Dein nächstes Buch geben?

Helge Thielking: Zur Zeit schreibe ich an meinem zweiten Roman - wieder ein Thriller, diesmal allerdings mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Politik. Ich weiß, das ist sehr weit gefasst, aber mehr wird noch nicht verraten.

Literaturschock: Du erwähnst auf Deiner Homepage, dass man als Autor von anderen Autoren inspiriert wird. Gibt es aber auch Autoren, deren Werke Du nicht ausstehen kannst? Ich beziehe mich auf Bücher, die man entweder liebt oder hasst (bei mir ist das z.B. "Das Parfüm" von Süßkind - ein literarisch wertvolles Buch...aber ich kann es nicht ausstehen!)

Helge Thielking: Oh ja, das kenne ich. "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" von Peter Høeg ist solch ein Fall. Zweifelsohne sprachlich brilliant. Aber es hat mich unglaublich viel Überwindung gekostet, es zu Ende zu lesen.

Literaturschock: Welches Buch liest Du gerade?

Helge Thielking: "Das Fest des Ziegenbocks" von Mario Vargas Llosa.

Literaturschock: Liest Du hauptsächlich Krimis oder auch anderes?

Helge Thielking: Hin und wieder dürfen es auch Bücher außerhalb des Genres sein, z.B. Nick Hornby oder eben Vargas Llosa. Überwiegend lese ich jedoch Krimis und Thriller.

Literaturschock: Durch das Syndikat hast Du bestimmt engeren Kontakt zu anderen Autoren. Hast Du auch Kontakt zu Deinen Fans? Du erhältst bestimmt schon einiges an Fanpost?

Helge Thielking: Ich habe einige tolle Reaktionen auf meinen Roman bekommen. Solche Briefe und Mails ermutigen und spornen an. Wenn es den Lesern gefällt hat man Gewissheit, dass man nicht ganz daneben gelegen haben kann...

Literaturschock: So, das wars von mir. Noch wach?

Helge Thielking: Yep, noch voll da! ;-) Das Interview hat mir sehr viel Spaß gemacht; die Fragen fand ich klasse!

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