Jörg Juretzka, 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren, ist viel gereist und hat die unterschiedlichsten Jobs ausgeübt, unter anderem hat er in Kanada Blockhütten gebaut. Er schreibt, seit der denken kann (also seit dem 35. Lebensjahr). Vorher, sagt er, war einfach keine Zeit.

Für zwei seiner Kristof Kryszinski Romane erhielt der Autor den Deutschen Krimipreis.

Literaturschock: Sie wurden bereits zweimal mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und für den Glauser Krimipreis nominiert. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg! Damit gehen vermutlich einige Autorenträume in Erfüllung?

Jörg Juretzka: Preise und Auszeichnungen erlauben es den Rezensenten, einen gut zu finden. Sie sind wichtig, aber die Reaktionen meiner nicht-professionellen Leser sind mir im Grunde wichtiger.

Literaturschock: Nun sollen Ihre Bücher sogar verfilmt werden und Sie schreiben bereits an den Drehbüchern. Worauf legen Sie besonderen Wert bei der Verfilmung? Können Sie generell schon näheres darüber erzählen?

Jörg Juretzka: Mein Hauptaugenmerk liegt darauf, Kryszinskis wundervollen Charakter unverfälscht zu lassen.

Literaturschock: Inwiefern unterscheidet sich das Schreiben eines Romanes vom Schreiben des dazugehörenden Drehbuches?

Jörg Juretzka: Beim Roman hat man als Autor die Kontrolle über jedes geschriebene Wort, beim Drehbuch über kein einziges. Ein Buch für den Film zu adaptieren heisst in erster Linie, sich erstmal mit einem Haufen Leute darüber zu verständigen, was in dem Buch eigentlich drinsteht. Das ist nicht immer ganz einfach.

Literaturschock: Sie sprechen in einem anderen Interview davon, dass Sie das typische Serienkrimi-Schema aufbrechen wollen, indem Sie Ihren Hauptprotagonisten Kristof Krzyszinski nicht nur an einem Ort agieren lassen. So war er in Ihren Büchern schon in den Schweizer Alpen und auf Hoher See. An welche Orte lassen sie ihn denn in Zukunft noch aufbrechen?

Jörg Juretzka: Nach Buttercup, North Carolina, zur Zeit des Wilden Westens. Das Buch soll 'White Lightning' heissen und wird ziemlich, äh, wild. Auf eine westliche Art.

Literaturschock: Ich stelle es mir schwierig vor, als Schriftsteller vorbehaltlos ein Buch zu lesen. Denkt man da nicht oft "Das hätte ich aber besser gemacht"?

Jörg Juretzka: Oder aber: 'Das hätte ich in meinem ganzen, gottverdammten Leben niemals auch nur ansatzweise so hingekriegt'. Deshalb lese ich fast alles in Englisch. Da kommts einem vor wie eine andere Liga.

Literaturschock: Mich als Naturmenschen interessiert besonders, wie Sie dazu kamen, in Kanada Blockhütten zu bauen. Ich stelle mir so etwas recht schwierig vor? Wie kamen Sie dazu?

Jörg Juretzka: Auf Vermittlung einer Reisebekanntschaft. Und - nur unter uns - soo schwierig ist es nun wirklich nicht. Eine gewisse Freude am Umgang mit der Kettensäge vorausgesetzt.

Literaturschock: Seit ich dieses Jahr in Florenz war, kann ich Ihr Faible für Brücken voll und ganz verstehen. Besonders fasziniert hat mich die "Ponte Vecchio". Haben Sie selbst eine "Lieblingsbrücke"?

Jörg Juretzka: Firth of Forth Railway Bridge bei Edinburgh. Ein Hammer. Aber auch am Rhein-Herne-Kanal stehen ein paar ganz wundervolle Konstruktionen.

Literaturschock: Mir gefällt besonders, dass Sie den "Helden" Krzyszinski nicht glorifizieren, sondern als ganz normalen - etwas chaotischen - Menschen darstellen, der die gleichen Probleme hat wie jeder andere Mensch (jedenfalls fast jeder). Glauben Sie, das gehört zum Geheimnis Ihres Erfolges?

Jörg Juretzka: Keine Ahnung. Aber ich kriege immer wieder zu spüren, dass die Leser Kryszinski bei allen Defiziten wirklich mögen. Das macht mich glücklich.

Literaturschock: Krimis = Schundliteratur. Eine gängige Gleichung, die vor nicht allzu langer Zeit noch Gültigkeit hatte. Doch aus welchem Grund haben Sie sich den Krimis verschrieben? Was fasziniert Sie an diesem Genre?

Jörg Juretzka: Ich hab meinen ersten Krimi geschrieben, weil mir jemand gesagt hat, dadurch kriegt man am ehesten eine Veröffentlichung zustande. Er sollte recht behalten. Jetzt häng ich hier in diesem mittlerweile unfassbar breitgetretenen Genre und muss mir etwas einfallen lassen, damits mir und meinen Lesern nicht langweilig wird. Das reizt mich.

Literaturschock: Die Besucher von Literaturschock sind immer auf der Suche nach tollen - und manchmal ausgefallenen - Buchtipps. Was lesen Sie gerade und was sind Ihre Lieblingsbücher?

Jörg Juretzka: 'Die blauen Blumen' von Raymond Queneau und 'Tante Julia und der Lohnschreiber' von Mario Vargas Llosa zählen sicherlich zu meinen persönlichen Top Ten. Wer nach etwas Ausgefallenem, ziemlich Schrägem Ausschau hält, sollte es mal mit Magnus Mills versuchen. Und Terry Pratchett ist vollkommen uneingeschränkt immer zu empfehlen. Ich kaufe alles, was er schreibt noch am Tag des Erscheinens.

Literaturschock: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben!

Jörg Juretzka: Vielen Dank für die Gelegenheit dazu.

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