Kathrin Tsainis wurde 1967 in Nürnberg geboren, studierte Psychologie in Erlangen und besuchte die Hamburger Journalistenschule. Sie arbeitete lange Zeit für Brigitte und ist mittlerweile bei MAX. Kathrin Tsainis lebt in Hamburg.

Literaturschock: Erzählen Sie uns zuerst ein bißchen was über sich? (Familie, Hobbys usw.)

Kathrin Tsainis: Ich bin 35, stamme aus Nürnberg, habe dort mein Uni-Diplom in Psychologie gemacht und bin dann nach Hamburg gezogen, um erst die Henri-Nannen-Journalistenschule besuchen und von dort aus gut in diesen Beruf zu starten. Ich lebe hier zusammen mit meinem Freund und kinderlos. Was die Arbeit mir an Freizeit lässt (leider nicht besonders viel) verbringe ich am liebsten mit ihm. Ansonsten fresse ich Bücher weg wie nichts Gutes, am liebsten Romane, die nicht auf den Bestsellerlisten stehen. Ich, die früher nie gekocht hat und alle Pflanzen vertrocknen ließ, habe außerdem die meditative Wirkung von Brutzeln und Gärtnern entdeckt, und seit wir einen neuen Grill haben gibt's in unserem Haushalt sehr viel fettes Fleisch.

Literaturschock: Sie arbeiten bei der Zeitschrift MAX. Wurden Sie deshalb zum Schreiben Ihres Romans "Dreißig Kilo in drei Tagen" inspiriert? Ich könnte mir vorstellen, dass man besonders in der Medienwelt den Schlankheitswahn mitbekommt.

Kathrin Tsainis: Der Roman ist während meiner Zeit bei BRIGITTE entstanden, wo ich mich vorher schon mehrfach mit journalistischen Stücken zu diesem Thema beschäftigt habe.

Literaturschock: Haben Sie sich selbst schon Diäten ausgesetzt? Falls ja, welchen?

Kathrin Tsainis: So ziemlich allen, die Sie sich vorstellen können (außer Weight-Watchers und Atkins vielleicht)

Literaturschock: War es schwierig für Sie, einen Verlag zu finden?

Kathrin Tsainis: Rowohlt kam auf mich zu, da sie einige meiner Arbeiten kannten.

Literaturschock: Wie haben Sie sich auf "Dreißig Kilo in drei Tagen" vorbereitet? Die Trefferanzahl, als Vicky im Internet nach Diäten gesucht hat - haben Sie selbst die Suchmaschine angeworfen?

Kathrin Tsainis: Natürlich recherchiert man, was es zu recherchieren gibt, z.B. eben auch im Internet. Zum anderen muss man sich nur mal umhören, was viele, viele Frauen zum Thema Schlanksein, Schönsein, Richtigsein in dieser Gesellschaft, Normen und Ängste zu sagen haben, sich mit eigenen Gedanken auseinander setzen, und es dann möglichst so schreiben, dass man einen guten Ton trifft.

Literaturschock: Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben?

Kathrin Tsainis: So lange wie eine Schwangerschaft dauert: 9 Monate, allerdings neben meinem Vollzeitjob bei BRIGITTE.

Literaturschock: Wieviele Ihrer eigenen Erfahrungen teilen Sie mit Vicky?

Kathrin Tsainis: Einiges, wobei sich nicht eins zu eins übersetzen lässt. Es ist ja kein autobiographischer Roman, sondern eine Art Momentaufnahme, in deren Focus viele Frauen stehen könnten. Man erlebt etwas, denkt etwas, hört oder sieht etwas und das wird dann zu einer Grundlage, aus der sich letztendlich der Text formt, der mit real existierenden Einzelpersonen nur noch in Tendenzen zu tun hat.

Literaturschock: Was ist Ihr Lieblinsessen?

Kathrin Tsainis: Spaghetti Bolognese

Literaturschock: Ich habe das Gefühl, dass humorvolle Frauenromane derzeit (seit Bridget Jones?) sehr beliebt sind und mir fällt auf, dass vermehrt sehr gute deutsche Autorinnen veröffentlicht werden. Als Beispiel könnte ich nun Ihr Buch oder auch "Mondscheintarif" nennen, die mir beide mindestens genauso gut wie Bridget Jones gefallen. Wie sehen Sie die Zukunft deutscher Autorinnen und Autoren?

Kathrin Tsainis: Es bleibt zu hoffen, dass Verlags- und Leserakzeptanz auch für solche Autorinnen/Autoren zu Stande kommt, die sich nicht "Popliterat" an die Stirn kleben, möglichst gut und damit TV-tauglich aussehen und hauptsächlich durch geschmacklose Provokationen (siehe M. Walser) Kasse machen wollen.

Literaturschock: Gibt es bald noch mehr von Ihnen zu lesen? Was sind Ihre nächsten Projekte? Ihr Buch "Tagediebe" erscheint demnächst. Können Sie uns darüber schon etwas verraten?

Kathrin Tsainis: Tagediebe ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die zeigt, dass der moderne Glaube, alles im Leben steuern und kontrollieren zu können, tatsächlich nur Glaube ist.

Literaturschock: Wie sieht Ihr normaler Arbeitstag aus?

Kathrin Tsainis: Glücklicherweise erst gegen acht aufstehen, Hygiene, Kürbiskernstange (zur Zeit mein Lieblingsfrühstück) beim Bäcker um die Ecke kaufen, in die Redaktion radeln, bis mindestens sieben (oft länger) arbeiten, dann erschöpft nach Hause. Wenn ich für Geschichten unterwegs bin: Hotel, Arbeiten, Hotel.

Literaturschock: In einem Bericht auf der MAX-Website habe ich gelesen, dass ein Mann für Sie "kernig-animalisch" und "kompakt" sein sollte. Sie mögen also keine Milchbubies, aber damit wir uns das besser vorstellen können: Welcher Schauspieler ist am ehesten mit Ihrer Idealvorstellung eines (Traum)Mannes zu vergleichen?

Kathrin Tsainis: Puh, habe kein definiertes Beuetschema. Zur Demonstration der Bandbreite: Robert De Niro, Jeremy Irons, Gérard Depardieu. Ich kann eben mit diesen ganz glatten Jüngelchen wie Matt Damon oder Brad Pitt nichts anfangen.

Literaturschock: Haben Sie einen Lieblingsautor oder ein Lieblingsbuch? Und umgekehrt: Gibt es auch Werke, die Sie überhaupt nicht ausstehen können und deren Erfolg Ihnen unerklärlich bleibt?

Kathrin Tsainis: Unerklärlich? Einiges, aber das behalte ich für mich. Lieblingsbücher: "Der Menschen Hörigkeit" vo. W.S. Maugham zum Beispiel oder z.Zt. "Frau Sartoris" von Elke Schmitter.

Literaturschock: Haben Sie Kontakt zu weiteren Autorinnen oder Autoren?

Kathrin Tsainis: Einen engeren, weil befreundet, ansonsten eher flüchtig.

Literaturschock: Glauben Sie, daß es gefährliche Bücher gibt?

Kathrin Tsainis: Gefährliche Bücher? Ja! Alle, die versuchen eine zerstörerische, intolerante, sexistische oder rassistische Ideologie zu verbreiten.

Literaturschock: Die Frankfurter Buchmesse rückt näher. Werden auch Sie dort anzutreffen sein?

Kathrin Tsainis: Nein, leider nicht

Literaturschock: Welches Buch lesen Sie gerade?

Kathrin Tsainis: Jessica Durlacher "Das Gewissen"

Literaturschock: Zum Abschluß: Haben Sie irgendwelche Tipps für die Frauen dieser Welt?

Kathrin Tsainis: Aufrecht gehen und versuchen für sich herauszufinden, wer man ist, was man möchte und mit sich Frieden zu schließen. Außerdem ist es ganz hilfreich, mal über den Horizont der eigenen Probleme und Problemchen hinauszuschauen.

Literaturschock: Vielen herzlichen Dank, daß Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben!

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