Marion Grillparzer wurde 1961 geboren. Sie ist Diplom-Ökotrophologin und ausgebildete Journalistin. Sie lebt in München als freie Autorin und arbeitet für verschiedenen Magazine. Seit vielen Jahren führt sie Interviews mit internationalen Experten zu ihren Schwerpunktthemen Ernährung und Gesundheit.

Literaturschock: Für Ihr Fatburner-Programm erfanden Sie bereits 1999 den Begriff "GLYX". Erzählen Sie uns doch noch ein bißchen mehr über sich, ihre Hobbys, ihre Familie.

Marion Grillparzer: Ja, GLYX ist mir mit meinem Mann an einer unserer typischen Kreativ-Ratschrunde am Küchentisch eingefallen, als Abkürzung für „glykämischer Index“. Ich war leider zu dumm, um mir das schützen zu lassen. Das hat ein Großindustrieller dann gemacht. Der dann ein GLYX-Brot rausgebracht hat.

Wolf ist meine Familie. Wir erzählen uns abends oft, an was wir tagsüber rumknobeln. Wolf ist auch in der Medienbranche. Bei „Das Haus“. Und es macht uns Spaß gemeinsam an Titel, Konzepten, Ideen zu feilen. Eigene Kinder habe ich keine. Aber Xaver und Lina, meine Nichte und mein Neffe, schenken mir immer wieder Erlebnisse aus der Kinderwelt. Gestern: Popkorn und „Huhn und Himmel“. Und heute durfte ich zwei Stunden aufräumen spielen. Was nicht unbedingt zu meinen Hobbys zählt. Wie Reiten, Laufen, Spazieren gehen, Lesen, Fotografieren, so oft es geht Freunde treffen.

Literaturschock: Sie sind sehr tierlieb, oder? Ich selbst könnte mir ein Leben ohne meine Pferde und Hunde gar nicht mehr vorstellen. Geht es Ihnen da ähnlich? Was geben Ihnen Ihre Tiere?

Marion Grillparzer: Ja, da geht es mir wie Ihnen. Meine beiden Hunde Timmi und Fido, meine beiden Kater Rudi, Moritz und mein Pferd Moony sind meine Fitness-Coaches, Anti-Stress-Therapeuten – und die besten Freunde, die man sich vorstellen kann. Wenn sie das Alter von 6 Monaten erreicht haben und aufgehört haben Schuhe zu fressen und man nicht gerade mal wieder zum Tierarzt muss, dann ist jeder Augenblick mit ihnen pures Glück.

Meine beiden Laufenten Willi und Wulli haben leider das Einsperren nicht überlebt. Obwohl ich ihnen zwei Partyzelte in den Garten gebaut hab. Laufenten müssen nämlich viel laufen. Wie ich kürzlich gelesen habe, dass die Vogelgrippe über Fischmehl im Billigfutter übertragen wird und nicht über den Garten fliegende Wildenten, musste ich noch mal weinen. Aus Wut.

Literaturschock: Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Marion Grillparzer: Der beginnt im Grunde morgens um acht beim Joggen. Da brüt ich besten Ideen aus. Um zehn sitz ich am Schreibtisch (den ich um ca. 20 Uhr verlasse). Was nicht ausschließt, dass diverse Menschen vom Verlag schon um 8.45 anrufen. Im Grunde hat mein Tag, wie der anderer Menschen auch, viel zu wenig Stunden. 80 Prozent der Zeit vergehen mit Recherchieren. 20 Prozent mit Schreiben. Und die anderen 100 Prozent bin ich beschäftigt mit Leseranfragen, Website-Forum-Pflege, xunt-Eintrag, archivieren, telefonieren, Rezepte ausprobieren, Mitarbeiter motivieren, Verlagsmeetings, ... .

Literaturschock: Das erste Buch, das ich von Ihnen las, war "Die Glyx-Diät", das ich kaufte, um ein paar Kilos abzunehmen. Inzwischen will ich gar nicht mehr abnehmen, bin aber fast süchtig nach Ihren Büchern, weil sie so wunderbar zu gesunder Ernährung motivieren und die Rezepte einfach immer schmecken (davon abgesehen, dass ich durch die Bücher sogar die Freude am Kochen gefunden habe). Erhalten Sie oft Feedback zu den Büchern, den Rezepten oder der Methode?

Marion Grillparzer: Ja, ich finde auch, dass Martina Kittler, die mir seit Jahren die Rezepte entwickelt, ein dickes Lob verdient. Sie ist unglaublich kochkreativ. Ich kann nur nachkochen. Und das eher miserabel. Bei mir sieht die Küche aus wie ein Schlachtfeld. Das tat es damals schon, als ich auf der Landfrauenschule in Miesbach kochen lernte. Während der Abschlussprüfung hatte meine Kochlehrerin einen hochnotroten Kopf, so viel Angst hatte sie um mich, dass ich wieder mal Gries nehm’ statt Grieszucker (wie für eine Bisquittrolle, die im Mülleimer landete). Die Prüfung hab ich übrigens mit „sehr gut“ bestanden. Aber, ganz ehrlich: Nur, weil ich Glück hatte.

Ja. Feedback erhalt ich ganz viel. Ich freu mich auch über jeden Brief. Vor allem, wenn die Menschen nicht nur über ihre Gewichtserfolge (übrigens bis zu 50 Kilo) berichten, sondern, dass sie spüren, wie gut das ihrem Körper, ihrer Seele tut. Natürlich krieg ich auch Beschwerden: „Wo soll ich denn die Zeit fürs Kochen hernehmen...“ Gott sei dank nicht allzu viel. Denn ich bin ehrlich gesagt, ein bisschen sehr sensibel.

Literaturschock: Was ist Ihnen ganz besonders wichtig an Ihrem Programm?

Marion Grillparzer: Dass meine Leser verstehen, was sie ihrem Körper und ihrer Seele antun, wenn sie Essen nicht als Genuss und als wertvollen Treibstoff begreifen. Und dass sie auch spüren, wie gut ihnen Bewegung tut. Denn leider ist es so: Jeder Tag, an dem man sich nicht bewegt, befindet sich der Körper in einem Ausnahmezustand. Einem kranken!

Literaturschock: Ein Nachrichtenticker vermeldete neulich, dass inzwischen die Hälfte aller Deutschen unter Übergewicht leidet und jeder Fünfte deshalb sogar ärztlich behandelt werden muss. Was, glauben Sie, ist der Grund für diesen "Trend"?

Marion Grillparzer: Bequemlichkeit. Und die daraus resultierende Lust auf viereckiges Essen. Und die daraus resultierende Trägheit, die einen jegliche Art von Bewegung meiden lässt.

Literaturschock: Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kritisieren an der Glyx-Diät, dass die Nährstoffrelationen nicht ausgewogen seien. Als langfristige Ernährungsmethode eigne sich die Glyx-Diät laut DGE nicht. Bei Tests wurde Ihr Buch schlechter bewertet als andere - ich besitze diese anderen Bücher und konnte keinen nennenswerten Unterschied feststellen, bin aber auch keine Ernährungswissenschaftlerin. Was würden Sie einem Laien zu dem Thema sagen?

Marion Grillparzer: Eigentlich wollt ich erst schreiben: Kein Kommentar. Aber meine Finger wollen etwas anderes. „Nährstoffrelationen nicht ausgewogen“ heißt: Ich empfehle nicht 55 Prozent unserer Energie in Form von (billigen) Kohlenhydrate aufzunehmen. Acht mal am Tag in den Brotkorb zu greifen. Viele Kartoffeln zu essen, am besten mit Schweinefleisch. Warum empfehle ich das nicht? Weil der Körper nämlich nur ganz wenig Kohlenhydrate braucht. Er hat einen Energiespeicher von 1 Pfund. Er besteht aber aus Eiweiß und aus gesunden Fettsäuren. Das Gehirn besteht zu 60 Prozent aus Fett. Und nicht aus Kartoffeln. Die Menge an Kohlenhydraten, die wir brauchen, die mit Ballaststoffen, die uns gesund halten und fröhlich, stecken im Grunde schon in Gemüse, Obst. Wer dann noch zwei Portionen Vollkorn dazu isst, kriegt wirklich genug Kohlenhydrate.

Lassen Sie uns die DGE-Empfehlungen in zwei, drei Jahren lesen. Der Dampfer ist schon am umschwenken. Es dauert halt. Als ich mit meiner GLYX-Philosophie im „Fatburner“ anfing, bekam ich ein „Mangelhaft“. Weil man mit dieser Diät nicht abnehmen könne, wegen des excessiven Verbrauchs an Salatsauce. Damals wurden von offizieller Beraterseite noch die Salatöl-Fettaugen gezählt. Hat uns allen ziemlich geschadet. Immerhin bin ich schon auf „befriedigend“ gerutscht. Und bei Öko-Test bekam ich schon ein „gut“.

Aber das Wichtigste ist, meine Leser wissen: Die Glyx-Diät ist eine moderne Vollwertkost. Eine gesunde Ernährungsumstellung. Mit der man auch langfristig sein neues Gewicht halten kann.

Literaturschock: Ist die Glyx-Diät auch für Vegetarier geeignet?

Marion Grillparzer: Ja. Es ist etwas komplizierter, aber es funktioniert auch. Man kann ja Fleisch ersetzen durch Tofu oder Eier, oder wer das isst, Fisch. Ich achte immer drauf, dass in den Kochbüchern viele vegetarische Gerichte sind. Irgendwann mach’ ich ein GLYX-Buch für Vegetarier.

Literaturschock: Was sind Ihre gegenwärtigen Projekte? Zur Zeit erscheinen ja in regelmäßigem Abstand Bücher von Ihnen. Ist das Thema nicht irgendwann ausgeschöpft?

Marion Grillparzer: Ich arbeite gerade an einem Buch über Körperwissen. Wer weiß, was in seinem Körper vor sich geht, verliert an Hilflosigkeit. Und das ist ganz wichtig, in einer Welt, in der achtzig Prozent der Studien von der Industrie finanziert werden, in der ständig widersprüchliche Schlagzeilen auftauchen, wie kürzlich: „Gemüse schützt doch nicht vor Krebs.“ „Omega-3-Fettsäuren schützen doch nicht vor Krebs...“

Literaturschock: Da es sich bei Literaturschock um eine sehr belletristiklastige Webseite handelt, darf natürlich nicht die Frage fehlen, ob und was sie ansonsten lesen? Gibt es da Lieblingsbücher und Lieblingsschriftsteller oder bleibt neben dem Schreiben dafür keine Zeit?

Marion Grillparzer: Es gibt für mich nichts Schöneres für mich, als mit Henning Mankell im Liegestuhl zu liegen. Meine große Leseleidenschaft gilt Krimis. Ich mag aber auch gute Romane. Meine beiden Lieblingsbücher 2005: Emmas Glück von Claudia Schreiber. Und: Zusammen ist man weniger allein von Anna Gavalda.

Literaturschock: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben!

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