Mary Doria Russell wurde 1950 im einer Vorstadt von Chicago geboren. Ihre Mutter war Marinekrankenschwester, ihr Vater war Drillsergeant bei den Marines. Mary besuchte die katholische Grundschule Sacred Heart und die Glenbard East High School (wo sie lernte wie Sätze analysiert werden). Später studierte sie an der Universität von Illinois, an der Northeastern University in Boston und an der Universität von Michigan Anthropologie. In den Achtziger Jahren lehrte Dr. Russell Anatomie an der Case Western Reserve University.

Literaturschock: Bevor wir anfangen: Gibt es eine Frage, die Ihnen nie gestellt wurde, von der Sie es sich aber wünschten?

Mary Doria Russell: Hey, Mary -- wie ist das, wenn man mit den Rolling Stones auf Tournee ist?

oder

Ist es schwer für Dich, so bildschön zu sein?

oder

Wie fühlt es sich an, wenn man den Friedensnobelpreis bekommt?

oder

War es schwer, den Krebs zu besiegen oder hattest Du einfach Glück?

Literaturschock: Mary, wenn Sie in den Spiegel und Ihre Seele schauen, was werden Sie sehen? (Erzählen Sie doch Ihren deutschen Fans etwas über sich)

Mary Doria Russell: Ah. Nun, in den Spiegel sehen oder in meine Seele schauen sind zwei unterschiedliche Erfahrungen. Der Spiegel sagt, "Du brauchst einen neuen Haarschnitt. Und vielleicht auch eine kleine kosmetische Operation". Meine Seele sagt, "Sei nicht so oberflächlich. Und nichtsdestotrotz bist Du gar nicht so übel für Deine 53 Jahre."

Sie könnten vermuten, dass Anne Edwards und ich uns sehr ähnlich sind. Das sind wir auch bis zu einem gewissen Punkt, aber mein Ehemann und ich adoptierten ein Kind in dem Alter, in dem Anne beschloss, die medizinische Schule zu besuchen. Kinderlosigkeit erlaubt einem eine Art von wehmütiger Freiheit, das zu tun, was man möchte, Orte zu besuchen und Risiken einzugehen, die Eltern nie in Erwägung ziehen würden. Also ließ ich Anne und Edward auf einen anderen Planeten gehen, gerade als mein Ehemann und ich uns zur Elternschaft entschlossen. Achtzehn Jahre später haben wir nun einen herrlichen Sohn, der über moralische Grundsätze verfügt, humorvoll und intelligent ist, hart arbeitet und den Abfall herausbringt, ohne zu viel zu argumentieren. Das ist viel besser als tot und 4,6 Lichtjahre von hier entfernt zu sein.

Literaturschock: Falls Sie eine Zeitmaschine wie die von H.G. Wells hätten, in welche Zeit(en) und an welche(n) Ort(e) würden Sie reisen und was würden Sie dort tun?

Mary Doria Russell: Ich wäre gerne ein Teil der Verhandlungen, die zum Versailler Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg führten und ich würde jeden warnen "Sie erschaffen Bedingungen, die uns in ein weiteres Zeitalter der Kriege führt." Ich würde ihnen erzählen, dass Erniedrigung die Wurzel allen Übels und aller Gewalt ist und dass Respekt nicht Beschwichtungspolitik ist, also seid nicht solche Arschlöcher im Umgang mit besiegten Feinden. Und ich würde Frankreich und England raten, die Stammes- und ethnischen und linguistischen Gruppen bei der Erschaffung von Staatsgrenzen in Betracht zu ziehen, anstatt nur aufgrund der Orte, wo sich die Ölquellen befinden.

Dann würden sie mich ignorieren und ich könnte mit Gertrude Bell einen trinken gehen und sie fragen wie T:E. Lawrence wirklich ist.

Literaturschock: Sie studierten sieben Sprachen und Anthropologie und spezialisierten sich auf Knochenbiologie und Biomechanik. Zusätzlich vermischen Sie Ihr Wissen und schrieben zwei Bücher. Bleibt da überhaupt noch Zeit für Sie selbst?

Mary Doria Russell: Nein. Deshalb brauche ich auch einen neuen Haarschnitt. Keine Zeit für Verabredungen...

Ernsthaft? Ich habe diesen ganzen Kram nicht auf einmal gemacht. Ich habe alles nacheinander erledigt. In jedem Stadium meines Lebens war ich in der Lage, eine angemessene Balance zwischen Arbeit, Familie und persönlichen Bedürfnissen zu halten. Ich habe ungefähr vier Stunden morgens, in denen ich mich intellektuell fordern und produktiv sein kann. Nach dem Mittagessen bezahle ich Rechnungen, mache die Wäsche, gehe Lebensmittel einkaufen, verbringe Zeit mit meinem Sohn, bereite das Abendessen vor usw. Nach dem Abendessen sehe ich fern oder lese (oder beides zugleich). Ich sollte trainieren, aber die meiste Zeit bin ich nicht so motiviert. Andererseits haben wir ein sehr großes Haus mit drei Treppenhäusern vom Keller bis nach oben und so erklettere ich alle vier Monate das Äquivalent des Mount Everest. Wirklich. Ich hatte mal Mathe.

Literaturschock: Wir diskutierten kürzlich in unserer Lesegruppe, ob die Art der Verträge wie der, an den Sofia Mendes zu Anfang von "Sperling" gebunden ist (was Sie als "geistige Prostitution" bezeichnen), ethisch vertretbar wäre. Da Sie im Buch keine direkte Wertung darüber abgeben (wenigstens konnten wir keine ausmachen :-)), was ist Ihre Einstellung zu diesem Thema?

Mary Doria Russell: Ich bin eine alternde Linke, und deshalb denke ich, dass es der Gesellschaft nutzt, wenn Steuern dafür verwendet werden, die Ausbildung frei zugänglich und ohne direkte Kosten für den Studenten zu erhalten. Menschen wie George W. Bush glauben, dass der Zweck der Regierung ist, die Welt für Unternehmen zu sichern und dass der Markt den Preis von allem und jedem bestimmt. Ich lebe inzwischen in einem Land, das durch diese Form von Idiotie, Habgier und kurzsichtigem Denken beherrscht wird und es würde mich nicht überraschen, wenn meine Prognose wahr würde.

Würde Sofias Vertrag mit Jaubert besser sein als das Erschießen brasilianischer Straßenkinder, weil es ihnen einen Marktwert gibt? Ja. Ist es ein ethischer Weg, eine Gesellschaft zu ordnen? Nein. des Vertrages mit Jaubert besser sein, als schießender Brasilianer streetchildren, weil es ihnen einen Marktwert gibt? Ja. Ist es eine ethische Weise, eine Gesellschaft laufen zu lassen? Nein.

Literaturschock: Was bedeutet Ihnen der Glaube?

Mary Doria Russell: Für viele Menschen bedeutet Glaube die blinde Akzeptanz von etwas. Es gibt in den USA Menschen, die sagen, "Es steht in der Bibel. Gott sagte es so und das genügt mir." Für mich erfordert der Glaube Ungewissheit und Zweifel. Wenn Du sicher bist, wozu musst Du dann noch glauben? Man muss nicht an die Schwerkraft glauben. Man nimmt es einfach als gegebene Tatsache unseres Daseins auf diesem Planeten hin.

Wie Anne brauche ich nicht mit dem Himmel bestochen oder der Hölle bedroht zu werden, um ethisch zu handeln. Und dennoch, was die Menschen als Spezies so interessant macht ist nicht, dass wir opponierbare Daumen und einen aufrechten Gang haben, sondern dass wir Dinge wie Musik und Kunst und Poesie und Religion erschaffen. Und selbst wenn Gott "nur" dem menschlichen Intellekt oder durch Poesie entsprungen ist, ist Gott doch eine Idee, die es Wert ist, darüber nachzudenken.

Außerdem sind fiktive Charaktere oft realer als tatsächliche Menschen. Ich würde argumentieren, dass Sherlock Holmes realer als 99.9% der echten Menschen ist, die im 19. Jahrhundert gelebt haben. Sie sind tot und vergessen, während Sherlock Holmes nun sein drittes Jahrhundert erlebt.

Auf der anderen Seite gibt es eine praktische Überlegung: Du lebst Dein Leben, Tag für Tag, und es ist wichtig, wie Du das tust. Es gibt Ideen und Menschen, die es Wert sind, für sie zu leben, und es gibt Ideen und Menschen und Dinge, die Deine begrenzte Zeit hier vergeuden. Religionen sind im wesentlichen Versuche, zu definieren was lohnend ist und was eine Vergeudung der Zeit bedeutet. Die großen Weltreligionen gehören zu denen, die jahrhundertelang von verschiedenen Kulturen geprüft und für nützlich befunden wurden. Jeder von uns kann versuchen, das Leben, das Universum und den Rest auf seine Weise zu verstehen, aber es kann hilfreich sein, das was andere Menschen als bedeutsam genug zu Bewahren und für die Ewigkeit befunden haben, zu betrachten.

Übrigens: Viele Leute sehen nur den Schaden, den Religionen anrichten, aber ich würde dem entgegensetzen, dass dies die Kombination von Religion und Macht ist, die den Schaden anrichtet. Wenn der Dalai Lama die Kontrolle über eine Armee gehabt hätte - ich glaube nicht, dass der Buddhismus sehr viel länger als eine Generation so friedvoll gewesen wäre.

Literaturschock: "Sperling" war Gewinners des BSFA in der Sparte "Bester Roman" im Jahre 1997 und "Gottes Kinder wurde beim für die Sparte "Bester Roman" des Hugo Award 1999 nominiert! Herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet das für Sie privat und für die Schriftstellerin Mary Doria Russell?

Mary Doria Russell: Und vergessen Sie nicht den Kurd Lasswitz Preis, der für mich sehr aufregend war!

Als ich mit "Sperling" begann, glaubte ich noch fest daran, dass das, was ich als Experiment schrieb, um zu erfahren, wie es ist, wenn man Dialoge schreibt und Charaktere erschafft, eine Kurzgeschichte würde.

Es wurde aber nicht nur ein Roman, es wurde veröffentlicht und von der Mainstream Presse positiv beurteilt, dann erhielt es auch noch den Tiptree Award und es tauchte es unter den Science Fiction lesern auf, schließlich machte es den Sprung über den Atlantik und wurde von den britischen Lesern bemerkt, anschließend entdeckten auch die deutschen es für sich. Ich erhalte jeden Tag eMails von Lesern, die stark emotional auf die Geschichte reagierten und einige davon wurden enge Freunde von mir. Und das alles bei einem Manuskript, das von 31 Literaturagenten abgelehnt wurde. So hat das Buch meine Erwartungen weit überstiegen. Und nun gibt es bald eine buchgetreue Oper, so etwas wie eine Rock Oper und vielleicht noch einen Film, obwohl Hollywood immer recht unzuverlässig ist. Meine Gesamterfahrung war also erstaunlich und äußerst unerwartet.

Natürlich habe ich bei alldem auch ein großes Verantwortungsgefühl. Ich erhalte jeden Tag eMails von Lesern, die mir erzählen, wie leidenschaftlich sie meine Charaktere mögen. Ich weiss, dass die Menschen das, was ich schreibe, sehr sorgfältig lesen, dass jedes Detail bemerkt wird und dass meine ganze Recherche und Sorgfalt, die ich in das erste Buch steckte, von mir erwartet werden. Und so arbeite ich wie eine Verrückte, damit jedes Wort geprüft und geschätzt wird und weil ich es hasse, Menschen enttäuschen zu müssen.

Literaturschock: Was glauben Sie ist das schwerste und das einfachste am Schreiben?

Mary Doria Russell: Oh, meine Liebe ... nichts ist einfach. Jeder einzelne Aspekt des Vorgangs ist ein Kampf, aufgrund dessen ich ständig schwöre "Das ist mein letztes Buch! Wenn ich dieses gottverdammte Ding beendet habe, werde ich nie mehr schreiben!"

Dialoge sind am wenigsten schwierig und so erwachen auch meine Charaktere in meinem Geist zum Leben. Die schwerste Sache ist die tiefe Struktur -- was enthülle ich wann? Was ist das Skelett des Buches und wie werden die Handlungsstränge am besten verknüpft? Ich überarbeite sehr viel und schreibe viel neu, oft passe ich die Handlungen den Charakteren an. Und ich ordne oft die Reihenfolge der Ereignisse neu. Immer wenn ich das tue, erfordert dies Änderungen quer durch den Handlungsstran, um die Übereinstimmung und das Gleichgewicht zu erhalten. Endloses Herumflicken und mehrfaches Reogranisieren des gesamten Romanes ...

Literaturschock: Was sind Ihre gegenwärtigen Projekte? Geben Sie uns einen kleinen Ausblick auf die nächsten Bücher?

Mary Doria Russell: "A Thread of Grace" handelt vom Zweiten Weltkrieg im von Deutschland besetzten Italien. Ich fing vor ca. 7 Jahren an, mich für dieses Thema zu interessieren, als ich las, das 85-87% der Juden in Italien die Besetzung durch die Nazis überlebten, was das genau Gegenteil von dem ist, was anderswo geschah. 60 Jahre lang haben die Menschen gefragt "Was lief falsch in Deutschland, Österreich, Frankreich und Polen?" Warum verrieten die Leute alte Freunde, Nachbarn und Fremde? Was ließ die Leute entscheiden, dass einige von uns entbehrlich, andere von uns wichtig sind? Ich entscheid, dass es wichtig ist zu fragen, "Was lief richtig in Italien?" Mussolini erfand den Faschismus, Italien war ein Mitglied der hauptlinie, es war ein katholisches Land, gefüllt mit Bauern ohne Ausbildung, die den gleichen Christus-Mörder Mythos gehört hatten, wie es auch die Deutschen, Österreicher, Polen und Franzosen hatten. Die Besetzung war einfach brutal, gefährlich für jeden, der Widerstand leistete. Also warum riskierten so viele Italiener alles für Leute, die sie nicht mal kannten?

Zur gleichen Zeit wollte ich deutsche Charaktere erschaffen, die weder Karikaturen des Colonel Klink, noch schreiende, schäumende Irre darstellen sollten. Die Ideologie der Nazis war ungeheuer populär und autoritäre Regierungen sind gebräuchlicher als liberale Regierungen, historisch und geographisch. Tyrannei funktioniert, und nicht nur für die Männer an der Spitze. Sadaam Hussein war ein so schlimmer Tyrann, wie jeder andere in der Geschichte, aber es gab Elektrizität und Öl und sehr geringfügige Verbrechen, und viele Menschen werden nostalgisch wegen der guten alten Tage, als der Irak ein netter Ort für einen sunnitischen Moslem aus Tikrit war. Meine Nazi Charaktere sind Männer und Frauen, die rationale und praktische Gründe haben für das, was sie tun.

Vermutlich werde ich für dieses Buch gelyncht werden. Ich möchte Kriegsverbrechen verständlich machen, aber ich nehme vorweg, dass manche Leute glauben werden, dass ich die Ideen billige, die zu den Verbrechen führen.

Literaturschock: Wer sind Ihre Lieblingsschriftsteller? Was lesen Sie gerade?

Mary Doria Russell: Nun, jeder gute Schriftsteller in der westlichen Zivilisation weiss, dass Du nicht mit falsch liegen kannst, wenn Du von Shakespeare oder aus der Bibel stiehlst. Aber es sind die anderen, die mir so einfallen:

Dorothy Dunnett-- eine schottische Autorin historischer Romane. Ich liege ihr zu Füßen. Sie war in allen Gebieten großartig: Sprache, Handlungsstrang, Charaktere.

Karen Joy Fowler-- eine amerikanische Autorin zeitgenössischer Romane. Listig, subversiver Witz, große sprachliche Schönheit, wundervolle Charaktere. Eines der Geheimnisse des Lebens ist, warum ist Karen Joy Fowler nicht reich? Warum lesen die Leute beschissene Autorinnen wie Anne Rice, wenn es Karens Bücher gibt? Karen selbst sagt, dass ihre Schwäche im Handlungsstrang liegt -- sie setzt ihre Charaktere nicht Situationen aus, die starke Gefühle beinhalten. Aber alles andere, das sie tut ist wundervoll.

Ich mag auch Simon Mawbry sehr gerne. Sein Roman Mendels Zwerg hat alles: Sprache, große Themen, denkwürdige Charaktere, eine gute Handlung.

Ich lese zur Zeit Vamped von David Sosnowski. Ich liebte sein erstes Buch Rapture und sein Neues ist genauso gut. David ist nicht so bekannt wie Karen, aber er sollte es sein. Das erste Buch war über ein Virus, das sich wie AIDS auf der Welt verbreitet, das aber seine Opfer in einem Kokon ins Koma verfallen und mit Flügeln wieder auftauchen lässt. Nichts sonst ist verändert -- sie rauchen, trinken und fluchen immer noch, aber sie haben Flügel, und die ganze Gesellschaft wird davon beeinflusst.

Die Welt teilt sich in Engel und Fußgänger ein (mit einer Minderheitengruppen, die Pinguine genannt wird -- sie haben Flügel, aber sie haben nie herausgefunden, wie man fliegt). Autohersteller beginnen, Autos ohne Sitze herzustellen, damit Engel fahren können etc. Im zweiten Buch haben Vampire herausgefunden, wie man Menschen auf die Art und Weise wie Henry Ford Autos baute, "vampirisch" macht: Schnell und in großer Zahl, und wieder wird die ganze Gesellschaft auf eine Art verändert, die urkomisch und rühren ist und wundervoll beschrieben wird.

Literaturschock: Was ist das eine, das aus einem Buch ein besonderes Buch für Sie macht? Und/Oder was macht ein Buch (eines anderen Autoren) für Sie wichtig? Muss es eine Botschaft enthalten? Oder muss es nur unterhalten?

Mary Doria Russell: Ich habe zwei Reifen, durch die ein Roman springen muss, um durch die ersten Seiten zu bringen.

1. Ich habe keien Geduld mit ungenauem, nachlässigem oder trägem Gebrauch von Sprache. Das erste Mal, wenn jemand schwarzes Haar als "rabenfarbig" beschreibt, ist es ein netter Vergleich. Das zweite Mal ist es Nachahmung und danach ist es ein Klischee. Ich arbeite hart an meiner eigenen Sprache und ich erwarte das gleiche von anderen Autoren.

2. Ich genieße selten die Erzählung in erster Person, weil der Gesichtspunkt so begrenzt ist. Und eine Erzählung in der ersten Person, die einfach die Geschichte von Anfang bis Ende erzählt, langweilt mich so gut wie immer. Eine verdammte Sache nach der anderen...

David Sosnowskis Vamped ist in der ersten Person geschrieben, aber weil der Gesichtspunkt des Hauptcharakters so verdreht und lustig ist und weil die Sprache so wunderbar ist, liebe ich es. Als Kontrast las ich letzte Woche Anita Diamants The Red Tent, das fast durch beide meiner Tests fiel, obwohl es ein sehr erfolgreiches und bekanntes Buch in den USA war. Die Erzählweise in der ersten Person ist flach, die Sprache gewöhnlich, aber es gibt genügend interessante Ideen, die mich weiterlesen ließen.

Eine andere Sache, die ich hasse ist Anachronismus. Weibliche Charaktere, die wie Frauen des 20ten Jahrhunderts handeln, für die sie sie geschlagen oder getötet worden wären, weil sie ihren Platz im 15ten Jahrhundert nicht kannten. Sklaven, die gescheit sind und sich sprachlich gut ausdrücken können, und die nicht einfach zu erschöpft und ungebildet sind, um mehr zu tun als eine weitere Stunde überleben, ohne geschlagen oder getötet zu werden, weil sie ihren Platz nicht kennen.

Mächtige weiße aristokratische Männer, die sensibel und freundlich sind, obwohl sie im realen Leben jeden genügend geschichtlicher Hintergründe bewusst, um zu wissen, wann Ereignisse und Veränderungen der Sprache und Erfindungen auftragen. Ein Charakter, der zu früh in der europäischen Geschichte erleuchtet wird ist so schlecht wie einer, der ein Telefon 1750 benutzt, oder wie einer, der spricht wie wenn er Seinfeld im 27ten Jahrhundert im Fernsehen schaut.

Tut mir leid. Ich schätze, ich habe eine ziemlich negative Antwort gegeben. Aber es ist wahr: Ich höre bei allem zu lesen auf, das solche offensichtliche Fehler beinhaltet. Damit ich mich an ein Buch erinnern kann, muss es das volle Programm erfüllen: Gute Sprache, interessanter Plot, emotional handelnde Akteure und Originalität.

Literaturschock: Vielen herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben, Mary! Viele Grüße aus dem Schwarzwald!

Mary Doria Russell: Ebenfalls vielen Dank, Susanne. Und beim nächsten Mal, wenn ich meine Freundin Dr. Susanne Bach in Freiburg besuche, können wir uns vielleicht treffen!

Mary

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