Michelle Raven wurde 1972 in Hannover geboren. 2001 zog sie beruflich bedingt nach Köln, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann lebt. Die Diplom-Bibliothekarin arbeitet dort inzwischen ganztags als Leiterin einer Institutsbibliothek.

Literaturschock: Du bist Diplom-Bibliothekarin, arbeitest ganztags als Leiterin einer Institutsbibliothek und in Deiner Freizeit liest Du außerdem sehr viel. Bleibt da eigentlich neben der Schriftstellerei noch Zeit für andere Dinge?

Michelle Raven: Nicht besonders viel. Viele meiner Hobbys habe ich in den letzten Jahren ziemlich vernachlässigt. Wenn ich etwas wirklich machen will, dann nehme ich mir aber die Zeit dafür. Aber es stimmt schon, neben Arbeit und Schreiben bleibt sogar zum Lesen nicht mehr sehr viel Zeit, was doch ziemlich schade ist. Es gibt noch so viele gute Bücher da draußen ...

Literaturschock: Man sollte meinen, dass bei Deinem Beruf das Ziel Schriftstellerin auf der Hand liegt. Doch war es für Dich wirklich so einfach, Dich hinzusetzen und ein "Canyon der Gefühle" zu schreiben, das dann unter den Romance-Leserinnen so ein großer Erfolg wurde?

Michelle Raven: Also jetzt muss ich doch widersprechen. Bibliothekswesen hat wirklich nichts mit Schriftstellerei zu tun und ich habe auch nicht deswegen diesen Beruf gewählt. Natürlich liebe ich Bücher, aber ich hätte nie gedacht, dass ich selber mal eines schreiben würde. Ich glaube der Beruf wirkt sich so gut wie gar nicht darauf aus ob jemand Schriftsteller wird oder nicht. Geologen schreiben, Anwälte schreiben, Tischler schreiben, Hausfrauen schreiben.

Ich denke, es ist nie einfach sein erstes Buch zu schreiben. Besonders wenn man vorher nie auch nur versucht hat, z.B. eine Kurzgeschichte zu schreiben. Doch ich hatte eine Idee und wollte sehen wohin sie mich führen würde, also habe ich mich hingesetzt, den Plot ausgearbeitet, Figuren erfunden und dann angefangen zu schreiben. Ich habe nur für mich geschrieben, ich hatte nie die Absicht das Buch veröffentlichen zu lassen, geschweige denn gedacht, dass es bei den Romance-Leserinnen so gut ankommen würde.

Literaturschock: Was Deine Fans natürlich am meisten interessiert, nachdem das Bertelsmann-Projekt Moments unter der Leitung von Isolde Wehr aufgegeben wurde: Wie wird es nun weitergehen? Hast Du bereits einen neuen Verlag, der Deine Bücher veröffentlichen wird?

Michelle Raven: Ich werde auch weiterhin von Isolde Wehr betreut. Die Clubpremieren des Moments Clubs werden nach und nach im Buchhandel neu aufgelegt und zwar beim Moments Verlag, der zum Verlagsverbund Area und Christian Verlag gehört. Was meine noch unveröffentlichten Bücher angeht, werden wir noch etwas abwarten müssen.

Literaturschock: Du sagst, Clint aus "Riskante Nähe" sei Dein Liebling. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Michelle Raven: Eine gemeine Frage. Ich mag alle meine männlichen Hauptfiguren (ehrlich, ich mag sogar meine Bösewichte!), Shane ist ein Traum und Matt eine echte Versuchung. Aber es stimmt schon, ich liebe Clint. Bereits von der ersten Sekunde an, als er in „Canyon der Gefühle” in den Stall ritt, war ich hin und weg. Mir ging es da genauso wie Autumn, bzw. meine Reaktion ist dann wohl ihre geworden. ;-) Danach musste ich mich öfter daran erinnern, dass ich eine Geschichte über Shane und Autumn und nicht über Clint schreibe. „Riskante Nähe” ist mir dann nur noch so aus den Fingern geflutscht, Clint hat sich sozusagen selber sein Happy End geschrieben. Für mich stimmt bei Clint einfach alles, sein Aussehen, sein Charakter, sein Beruf, seine Familie.

Literaturschock: Möchtest Du weiterhin Suspense schreiben? Oder würdest Du vielleicht auch gerne mal einen Abstecher in andere Genres wagen?

Michelle Raven: Erst einmal schreibe ich weiterhin Suspense. Es ist einfach das Genre, das ich selber am liebsten lese und das mich reizt. Ob ich später eventuell mal etwas anderes versuche, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Literaturschock: Was sind Deine gegenwärtigen Projekte? Kannst Du uns einen kleinen Ausblick auf die nächsten Bücher geben?

Michelle Raven: Mein drittes Buch ist bereits fertig. Es spielt auf dem Colorado Plateau im Südwesten der USA und in einigen Städten in dieser Gegend. Der Held hat ziemliche Schwierigkeiten, in die er die Heldin unfreiwillig mit hineinzieht. Dadurch gerät auch sie in Gefahr und sie müssen fliehen. Der Roman dreht sich nicht um die Familie Hunter, wie meine beiden ersten Bücher, aber es kommen einige Personen aus „Canyon der Gefühle” als Nebenfiguren darin vor.

Ich schreibe gerade an meinem vierten Buch, das in Südafrika und dem Südwesten der USA spielt. Derzeit könnte man es wohl folgendermaßen betiteln: Safari from hell. ;-)

Literaturschock: Als Leser gewinnt man den Eindruck, der Charakter Shannon aus beiden Büchern und die Autorin Michelle Raven sind eine Person. Ist das wirklich so? Was unterscheidet euch?

Michelle Raven: Eine Frage, die mir schon öfter gestellt wurde. Ehrlich gesagt, habe ich bei Shannon nie an mich gedacht, sondern eher meine Lieblingsautorin Suzanne Brockmann als Vorbild genommen. Sie schreibt SEAL-Romane und sie ist sehr erfolgreich damit. Ihr Verhältnis zu ihren Fans ist wirklich vorbildlich. Natürlich habe ich auch einige meiner Gedanken und Gewohnheiten in die Figur einfließen lassen, aber das tue ich bei allen meinen Figuren. Was uns unterscheidet ... nun, ich könnte nie im Schneidersitz auf der Couch sitzen und an meinem Laptop arbeiten. ;-) Jedenfalls nicht für länger als 10 Minuten. Und ich schreibe nie die Nächte durch. Meine Eltern haben keine Ranch ... Ich habe keine 5 Geschwister ...

Literaturschock: Wie lange hast Du jeweils an den beiden Büchern geschrieben?

Michelle Raven: Für „Canyon der Gefühle” habe ich insgesamt 3 Jahre gebraucht. Natürlich habe ich nicht die ganze Zeit geschrieben, sondern nur hin und wieder und mit größeren Pausen dazwischen. „Riskante Nähe” habe ich in 4 Monaten geschrieben, die Geschichte hatte mich gepackt und ich habe sie mehr oder weniger ohne große Unterbrechungen heruntergeschrieben.

Literaturschock: Wie konntest Du zu diesem enormen Wissen über SEALs gelangen? Hast Du sehr akribisch recherchiert oder ist es - etwas provokant gefragt – angelesenes Wissen aus anderen Romances?

Michelle Raven: Provokant geantwortet: beides. ;-) Ich lese sehr gerne SEAL Romane und hatte daher schon vieles beim Lesen im Gedächtnis gespeichert. Allerdings habe ich auch einige Fachbücher gelesen (sehr gut: Dick Couch: The forging of class 228), die sich mit der Ausbildung und der Arbeit von SEALs beschäftigten. Außerdem habe ich auch einige interessante Artikel, Internetseiten, etc. gefunden. Im Prinzip ist es fast unmöglich, wenn man viel liest, nicht irgendwelche Informationen, die man dort erhalten hat, in den eigenen Büchern zu nutzen. Genauso ist es mit dem Fernsehen. Aber ich halte es für sehr wichtig, vorher nachzuprüfen ob die Informationen auch korrekt sind und nicht nur der Fantasie eines Anderen entsprungen sind.

Literaturschock: Was ist das schwerste, was das einfachste am Schreiben?

Michelle Raven: Für mich sind die Szenen in denen viel passiert, also Fluchtszenen z.B., oder Liebesszenen am einfachsten zu schreiben. Ich weiß wie sie anfangen und enden werden, daher kann ich einfach draufzuschreiben. Schwieriger zu schreiben finde ich dagegen Übergangsszenen, Szenen in denen die Gefühle der einzelnen Personen beschrieben werden oder auch Dialogszenen.

Literaturschock: Deine beiden Bücher sind wahre Page-Turner und ich habe Dich bereits in einer Rezension mit den "großen" amerikanischen Autorinnen Nora Roberts und Judith McNaught verglichen. Doch magst Du es überhaupt, verglichen zu werden?

Michelle Raven: Wenn ich mit so tollen Autorinnen wie Nora Roberts und Judith McNaught verglichen werde, kann ich natürlich schlecht etwas dagegen haben. Allerdings möchte ich schon meinen eigenen Stil durchsetzen und nicht als Kopie von amerikanischen Autoren gesehen werden. Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, habe ich mir nicht überlegt „ich möchte schreiben wie ...” sondern ich habe mich ganz darauf konzentriert meine Geschichte mit meinen Worten zu Papier zu bringen. Wenn das Ergebnis an jemand anderen erinnert, dann ist das purer Zufall.

Literaturschock: Was liest Du zur Zeit und welches Buch war Dein letzter persönlicher Page-Turner?

Michelle Raven: Lisa Gardner „Survivors Club”. Und ich denke, das ist dann auch mein letzter Page-Turner.

Literaturschock: Vielen herzlichen Dank, dass Du Dir Zeit für das Interview genommen hast!

Michelle Raven: Bitte, gern geschehen.

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