Rebecca Gablé wurde am 25. September 1964 am Niederrhein geboren, absolvierte eine Lehre als Bankkauffrau und arbeitete auf einem Stützpunkt der Royal Air Force. Rebecca Gablé begann 1990 ein Literaturstudium in Düsseldorf und 1995 erschien ihr erster Krimi "Jagdfieber", der für den "Glauser"-Krimipreis nominiert wurde. Sie ist seit Ende ihres Studiums als freie Schriftstellerin und Literaturübersetzerin tätig.

Literaturschock: Erzählen Sie doch erst einmal ein bißchen etwas über sich (Familie, Hobbies usw.)

Rebecca Gablé: Ich bin 37 Jahre alt, verheiratet und habe keine Kinder. Mein Mann und ich leben auf dem Land und sind beide heimische Schreibtischtäter. Mein größtes Hobby ist natürlich das Lesen, aber ich betätige mich auch sehr gern in meinem Garten, jogge einigermaßen regelmäßig und liebe lange Spaziergänge. Musik spielt in meinem Leben eine große Rolle und ich bin Gelegenheitssängerin in einer Oldieband. Mein kostspieligstes Hobby ist das Reisen.

Literaturschock: Wann und wieso haben Sie den Entschluß gefasst, Ihr erstes Buch zu schreiben? War das schon immer ein Traum von Ihnen?

Rebecca Gablé: Nein, eher eine natürliche Entwicklung. Ich habe immer schon Geschichten geschrieben (bzw. erzählt, bevor ich in die Schule kam und schreiben lernte). Irgendwann wurde eine Geschichte eben immer länger und länger, bis sie plötzlich ein Roman war.

Literaturschock: Wie war das Gefühl, als Sie ihren ersten Roman veröffentlichen konnten?

Rebecca Gablé: Euphorisch.

Literaturschock: Wurden Ihre Bücher auch in anderen Ländern veröffentlicht?

Rebecca Gablé: Nein. Ausländische Verlage haben gelegentlich Interesse an meinen historischen Romanen bekundet, schrecken dann aber immer vor den immensen Übersetzungskosten zurück. Man kann's ihnen kaum verdenken - nirgendwo sind historische Romane so beliebt wie in Deutschland, der Erfolg wäre also ungewiss.

Literaturschock: Ihre ersten Romane waren Thriller. Würden Sie gerne noch in ein anderes Genre wechseln?

Rebecca Gablé: Ja, es gibt viele Dinge, die ich noch ausprobieren möchte. Ich habe diesbezüglich aber keine konkreten Pläne, außer meine beiden bisherigen Genres einmal zu verbinden und einen historischen Krimi zu schreiben. Leider wird es noch ein Weilchen dauern, bis ich dazu mal die Zeit finde ...

Literaturschock: Schreiben Sie bevorzugt über das Mittelalter oder wird es irgendwann auch historische Romane über andere Geschichtsepochen von Ihnen geben?

Rebecca Gablé: Das koennte schon sein, aber das Mittelalter ist meine Lieblingsepoche, schon allein deswegen, weil ich mich dort am besten auskenne. Aber das Mittelalter ist eben ein begrenzter Zeitraum. Wenn ich beispielsweise eine Fortsetzung zu "Das Lächeln der Fortuna" schreibe (was ich vorhabe) wird sie zur Zeit der Rosenkriege spielen und vermutlich 1485 enden. Mit diesem Jahr bezeichnet man üblicherweise das Ende des englischen Mittelalters. Ich könnte also dann nur weiter in der Zeit zurückgehen, wenn ich denn im Mittelalter bleiben will.

Literaturschock: Es gibt ja bekanntermaßen sehr viele verschiedene Arten von Liebe. Ich selbst habe viele Ihrer Romanfiguren aus "Das zweite Königreich" liebgewonnen und ich habe dementsprechend mitgelitten, wenn einige von ihnen immer wieder neues Leid erfahren mussten. Wie geht es Ihnen dabei? Ich könnte mir vorstellen, dass ein Autor einen noch engeren Bezug zu seinen Figuren hat. Sind Sie versucht, manche grausamen Schicksalsschläge aus dem Buch zu nehmen, um die Charaktere nicht zu sehr leiden zu lassen? Fällt die Beschreibung solcher Gegebenheiten leichter, wenn sie Figuren treffen, die man sowieso nicht so mag?

Rebecca Gablé: Ich hänge sehr an meinen Figuren -- manchmal glaube ich, zu sehr -- an den Schurken ebenso wie an den Sympathieträgern. Aber natürlich muss ich ihre jeweilige Entwicklung und die Schicksalsschläge, die sie treffen, vor allem unter dramaturgischen Gesichtspunkten sehen: Niemand würde wohl ein Buch lesen wollen, in dem Robin ohne alle Irrwege Earl of Waringham wird und glücklich und zufrieden ein langweiliges Landleben führt. Oder stellen Sie sich vor, der Pfeil hätte sein Ziel verfehlt, Caedmon wäre nie in die Normandie gekommen und hätte die Schlacht von Hastings verpasst. Das geht natürlich nicht. Es sind ja gerade die Rückschläge, die einem die Figuren nahe bringen und einen mitfiebern lassen (nicht nur beim Lesen, sondern beim Schreiben ist das genauso). Ich muss meinen Figuren also mit einer gewissen gnadenlosen Unerbittlichkeit begegnen. Trotzdem wachsen mir manche mehr ans Herz als andere, und es fällt mir nicht immer leicht, ihnen ihre Katastrophen anzudichten. Und ich gebe zu: als der Duke of Lancaster im Lächeln der Fortuna starb (und mir blieb ja nichts anderes übrig, als ihn sterben zu lassen, denn er IST nun mal im Februar 1399 gestorben) musste ich ein Ründchen heulen.

Literaturschock: Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen und dafür recherchieren? Wie sieht Ihr ganz normaler Arbeitstag aus?

Rebecca Gablé: Einen normalen Arbeitstag gibt es bei mir nicht, weil keiner dem anderen gleicht, aber ich verbringe meistens vierzehn Stunden am Tag am Schreibtisch. Die Arbeit an einem neuen Roman beginne ich in der Regel mit einer Reise zu den Schauplätzen. Dann besorge ich mir Literatur und fange an zu lesen. Sobald ich das Gefühl habe, einen einigermaßen guten Überblick über die Epoche zu haben, beginne ich mit den Schreiben und recherchiere parallel weiter.

Literaturschock: Wie lange haben Sie an "Das Lächeln der Fortuna" und "Das zweite Königreich" geschrieben?

Rebecca Gablé: Für "Das Lächeln der Fortuna" drei Jahre. Zu der Zeit war ich allerdings auch noch Studentin und habe mein Examen gemacht, konnte also oft wochenlang nicht an meinem Manuskript weiterarbeiten. "Das zweite Königreich" habe ich sozusagen als "Hauptberufliche" Schriftstellerin geschrieben, und darum ging es schneller: Zwei Jahre.

Literaturschock: War es schwer für Sie, einen Verlag zu finden, der Ihr erstes Buch veröffentlichte?

Rebecca Gablé: Ja. Die Suche hat fünf Jahre gedauert und mit den Absagen könnte ich ein ganzes Haus tapezieren.

Literaturschock: Konnten Sie auf die Gestaltung (Cover, Titel) Einfluß nehmen?

Rebecca Gablé: Zum Glück ja. Jedenfalls in den letzten Jahren, sprich, bei den historischen Romanen. Die Bilder fürs Cover suche ich meist selber aus. Über Gestaltung, Titel etc. wird viel diskutiert, aber bislang sind der Verlag und ich uns noch immer einig geworden.

Literaturschock: Glauben Sie, daß es in Zukunft für deutsche Autoren leichter werden wird, einen Verlag für ihr Buch zu finden?

Rebecca Gablé: Ich fürchte, nein. Die Profitorientierung der Verlage nimmt weiter zu, alle suchen immer nur nach dem neuen, todsicheren Bestseller. Die Lektorate werden immer kleiner, was dazu führt, dass Lektoren immer weniger Zeit haben, sich mit unverlangt eingesandten Manuskripten zu befassen. Dadurch bleiben viele gute neue Manuskripte unentdeckt. Ich vermute, dass es hier in einigen Jahren so sein wird wie in Amerika: ohne Literaturagenten, die praktisch eine Vorauswahl treffen und dann mit dem Manuskript zu den Verlagen gehen, wird nichts mehr laufen. Das ist aber nicht unbedingt schlecht, denn es wird verhindern, dass unerfahrene Kolleginnen und Kollegen bei ihrem ersten Verlagsvertrag über den Tisch gezogen werden.

Literaturschock: Ist Rebecca Gablé Ihr richtiger Name oder ein Pseudonym?

Rebecca Gablé: Es ist ein Pseudonym. Mein richtiger Name ist ein Doppelname, den sich kein Mensch merken kann. Aber Gablé war der Mädchenname meiner Mutter.

Literaturschock: Ihr nächstes Mittelalterepos erscheint im nächsten Jahr. Arbeiten Sie derzeit schon wieder an einem neuen Projekt? Erzählen Sie uns etwas darüber?

Rebecca Gablé: Nein, im Moment mache ich noch Pause. Ich brauche immer ein paar Wochen oder Monate, ehe ich etwas Neues anfangen kann. In der Zwischenzeit mache ich ein oder zwei Übersetzungen, aktuell zum Beispiel eine Neuübersetzung eines Romans von Agatha Christie.

Literaturschock: Haben Sie selbst einen Lieblingsautor und ein Lieblingsbuch?

Rebecca Gablé: Einen Lieblingsautor eigentlich nicht - sie wechseln ständig. Aber die ersten drei Plätze meiner persönlichen, ewigen Bestenliste belegen Oscar Wilde mit Das Bildnis des Dorian Gray, J.R.R. Tolkien mit Der Herr der Ringe und Emily Bronte mit Die Sturmhöhe.

Literaturschock: Vielen Dank, daß Sie sich die Zeit für die Fragen genommen haben!

Rebecca Gablé: Gern geschehen

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