Sabine Wassermann wurde 1965 in Simmern geboren, studierte Kunst, unter anderem an der Städelschule in Frankfurt / Main und lebt zur Zeit als Malerin in Bad Kreuznach.

Literaturschock: Wann und wieso hast Du den Entschluß gefasst, Dein erstes Buch zu schreiben? War das schon immer ein Traum von Dir?

Sabine Wassermann:Nein, gar nicht. Ich hab mir zwar selber Geschichten erzählt, aber sie aufzuschreiben, auf die Idee kam ich nie. Bis ich 1988 "Die Feuer von Troia" von Marion Zimmer Bradley gelesen habe. Und da mir das leider überhaupt nicht gefallen hat und die Ilias schon immer mein Lieblingsthema war, hab ich mir gedacht, ach, das probier ich auch mal, aber aus der Sicht meines Lieblingshelden, Achilleus. Ich hab mir also eine Schreibmaschine gekauft und zum ersten Mal, seit ich mich in der Schulzeit durch Aufsätze gequält habe, an einer Geschichte geschrieben. Es war aufregend und hat großen Spaß gemacht, auch wenn ich bald den Faden verloren und erst nach ein paar Jahren wiedergefunden hab. Dann aber, das war 1993, habe ich das Buch konsequent fertiggeschrieben

Literaturschock: Wie war das Gefühl, als Du Deinen ersten Roman veröffentlichen konntest?

Sabine Wassermann: Daran erinnere ich mich kaum noch, kaum zu glauben, was? ;-) Viel aufregender war der Moment, als mich der Schneekluth Verlag anrief. Da hatte ich geweint vor Erleichterung. Zwei Tage vorher hatte man mir aus berufenem Munde erklärt, dass es unmöglich für einen Neuling wäre, so einen umfangreichen Roman an den Mann zu bringen. In diesen zwei Tagen hab ich mich unter der Bettdecke verkrochen. *g* Für meinen nächsten historischen Roman, "Goldhorus", musste ich praktisch bei Null anfangen, denn bei Schneekluth hatte ich keine Zukunft gesehen. Natürlich ist es dann leichter, wenn man schon Veröffentlichungen im Gepäck hat. Aber wenn dann z.B. einer der großen Verlage Montagmorgen anruft und man feststellt, dass die das Manuskript tatsächlich übers Wochenende gelesen haben, weil man es ja erst am Donnerstag zuvor weggeschickt hat, das ist schon ein klasse Gefühl (dieser Verlag hat es dann allerdings nicht genommen *g*).

Literaturschock: Du hast bisher historische Romane geschrieben, aber auch einen Unterhaltungsroman. Würdest Du gerne nochmal in ein anderes Genre wechseln?

Sabine Wassermann: Ja, ich habe Ideen für zwei Gegenwartsromane auf meiner Festplatte schlummern: einen Thriller und eine heitere Liebesgeschichte.

Literaturschock: Gibt es eine bestimmte historische Epoche, über die Du gerne noch schreiben würdest? Oder gibt es eine, über die Du auf gar keinen Fall schreiben willst? (Warum?)

Sabine Wassermann: Da bieten sich noch viele Epochen an, und mir fällt eigentlich nur eine ein, die ich völlig reizlos finde: das klassische Griechenland. Aber das scheint nicht nur mir so zu gehen, denn darüber es gibt kaum Romane

Literaturschock: Wie gehst Du vor, wenn Du ein neues Buch in Angriff nimmst und dafür recherchierst? Wie sieht Dein ganz normaler Arbeitstag aus?

Sabine Wassermann: Wenn es eine Kultur ist, über die ich nur wenig weiß, dann besorge ich mir erst einmal mit reichbebilderten Sachbüchern einen nicht sehr tiefen, aber breitgefächerten Überblick. Die Grundidee für einen Roman dürfte dann schon vorhanden sein. Dann heißt es natürlich: viel Sach- und Fachliteratur lesen. Man entdeckt dann ja auch historische Begebenheiten, die sich wunderbar in die Handlung einpassen lassen. Und wenn ich halbwegs sattelfest bin, fange ich an zu schreiben. Mir ist dann zwar klar, dass ich beim späteren Überarbeiten noch Ungenauigkeiten wegretuschieren muss, aber das macht nichts. Und nebenher recherchiere ich dann natürlich noch weiter. Wenn ich so richtig drin bin im Schreiben, dann tu ich wirklich den lieben langen Tag kaum etwas anderes. Das heißt, eher nachts. Ich bin ein Nachtmensch. Das kann dann sein, dass es draußen schon wieder hell geworden ist, und ich hock immer noch am PC

Literaturschock: Wie lange hast Du an "Goldhorus" geschrieben?

Sabine Wassermann: Der ging flott: drei Monate für die Rohfassung. Aber normalerweise brauche ich schon länger. Mit Recherche, Rohfassung, Überarbeitungen geht schon ein Jahr drauf.

Literaturschock: Welches Deiner Bücher ist Dir besonders ans Herz gewachsen und warum?

Sabine Wassermann: Goldhorus, weil ich die Story wirklich sehr gut gelungen finde.

Literaturschock: War es schwer für Dich, einen Verlag zu finden, der Dein erstes Buch, "Achill", veröffentlichte?

Sabine Wassermann: Nein, auch wenn es sich weiter oben vielleicht so liest, es ging wirklich schnell. Bevor Schneekluth kam, hatte ich drei Absagen kassiert

Literaturschock: Konntest Du auf die Gestaltung (Cover, Titel) Einfluß nehmen?

Sabine Wassermann: Beim "Achill" stand für mich fest: das Titelbild wollte ich malen (ich bin ja auch Malerin). Eben auch aus dem Grund, weil es gerade bei diesem Thema - Trojanischer Krieg - eine unangenehme Überraschung hätte werden können: irgendeine Vasenmalerei aus dem klassischen Griechenland, oder - noch schlimmer - ein barockes oder klassizistisches Gemälde. Ich hatte vorsorglich schon für das Manuskript einen Entwurf gemalt. Der wurde dann auch tatsächlich genommen, wenn auch nicht mit Begeisterung. Der Autor soll schreiben, und für alles andere gibt es andere Fachleute - so haben es die Verlage am liebsten. Aber dafür hatte ich beim Titel nichts zu melden. Der ist jedenfalls nicht auf meinem Mist gewachsen, was man beim Lesen unschwer merkt: im Text heißt es "Achilleus" und nicht "Achill". Es hat auch eine Weile gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. "Wer hält sich schon den Mann im Keller" und "Goldhorus" sind meine eigenen Titel, die wurden auch anstandslos akzeptiert, was mich besonders bei "Goldhorus" gefreut hatte - diesen Titel hatte ich schon im Kopf, bevor ich wusste, worum es in dem Buch geht. "Der Zorn des Seth" haben der Verlag und ich gemeinsam erarbeitet. Man muss wirklich "erarbeitet" sagen, denn es gibt schon so viele Ägyptenromane, dass es wirklich schwer ist, noch einen guten, griffigen Titel zu finden. Ansonsten habe ich noch das Cover von "Goldhorus" gemalt. Das Cover für "Der Zorn des Seth" war ein Vorschlag des Verlages, mit dem ich wirklich sehr zufrieden bin. Mit der Covergestaltung beim "Mann im Keller" hatte ich auch nichts zu tun, das wäre wegen der einheitlichen Gestaltung des Programms auch undenkbar gewesen. Aber es ist okay. Insgesamt hab ich wirklich Glück gehabt.

Literaturschock: Glaubst Du, daß es in Zukunft für deutsche Autoren leichter werden wird, einen Verlag für ihr Buch zu finden?

Sabine Wassermann: Wohl eher nicht. Ich habe den Eindruck, dass immer mehr schreibende Leute auf Veröffentlichung drängen. Aber vielleicht entsteht dieser Eindruck nur durchs Internet, durch die vielen Autorenseiten und Literaturplattformen, und in Wirklichkeit sind die Zahlen der Manuskripte, die auf den Lektorenschreibtischen landen, gleich geblieben - ich weiß es nicht! Wahrscheinlich aber haben die Lektoren immer weniger Zeit, sich diesen Stapeln zu widmen, und da wird ein Agent, der für sie vorsortiert, immer wichtiger. Und den zu finden, ist auch nicht leichter.

Literaturschock: Arbeitest Du derzeit schon wieder an einem neuen Projekt? Erzählst Du uns etwas darüber?

Sabine Wassermann: Ich sitze an einem neuen Roman, und der spielt nicht in Ägypten ;-)

Literaturschock: Hast Du selbst einen Lieblingsautor und ein Lieblingsbuch oder gibt es ein Buch, das Du immer wieder lesen kannst?

Sabine Wassermann: Ken Follett, Pauline Gedge, Ingrid Noll, wobei jeweils ihre jüngsten Romane nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbüchern zählen. "Der Hahn ist tot" ist mein absoluter Favorit, das hab ich vier- oder fünfmal gelesen

Literaturschock: Vielen Dank, daß Du Dir die Zeit für dir Fragen genommen hast!

Sabine Wassermann: Aber gern, hat Spaß gemacht.

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