Sophie MathiszSophie Mathisz, geboren 1976, lebt und arbeitet als Kommunikationsdesignerin in der ­Oberpfalz. Seit 2007 ernährt sie sich vegan und hat dadurch ihre große Leidenschaft zum Kochen und Backen kreativ weiterentwickelt und ihre Kochkunst ­kontinuierlich perfektioniert. Für alles-vegetarisch.de, Deutschlands größten Online-Shop für rein pflanzliche Spezialitäten, kreiert sie leckere Rezepte und präsentiert in Kochkursen und Seminaren die bunte Vielfalt der veganen Küche.

Hinweis: Buchcover anklicken und Rezension lesen.

Susanne Kasper: Liebe Sophie zuerst einmal vielen Dank, dass Sie Sich Zeit für dieses kleine Interview nehmen. Damit die Leser Sie ein bisschen besser kennenlernen – meine Frage: Welche drei Adjektive charakterisieren Sie am Besten?

Sophie Mathisz: Puh, so eine Beschreibung der eigenen Persönlichkeit finde ich irre schwer…
Ich würde sagen, dass ich ein besonnener Mensch bin, diplomatisch, optimistisch.

Susanne Kasper: Ich klingle spontan an Ihrer Tür und lade mich zum Essen ein. Was kochen Sie mir?

Sophie Mathisz: Zunächst einmal ersparen Sie mir den Stress des vielen hin-und-her Überlegens des „was koche ich bloß?“ vor einem angekündigten Besuch, indem Sie mich spontan „überfallen“, haha!

Eine Kleinigkeit als Vorspeise lässt sich eigentlich immer schnell zaubern – wie wär´s damit:  
Knoblauch und ein gutes  Olivenöl sind immer in der Küche und verwandeln langweiliges Brot in hauchdünn knusprig angebratene Crostini.  Darauf eine Gemüse-Bruscetta aus dem gerade vorrätigen Frischgemüse im Haus, mit Kräutern und Gewürzen verfeinert. Oder ein schnelles Pesto aus Nüssen und Frischkräutern. Eigentlich lässt sich spontan immer etwas aus dem zaubern, was gerade da ist – man muss nur mit Spaß an die Sache rangehen!
Gerade experimentieren wir mit selbstgemachtem Senf und eingelegte Leckereien sind auch in der Speisekammer… da geht schon was!

Bleiben Sie gerne noch länger auf ein Glas Wein? Dann würde ich Ihnen sehr gerne ein Letscho anbieten, nach Familien-Art. Dieses Gericht kommt mit sehr wenigen Zutaten aus und ist schnell gekocht. Es besticht jedoch durch seinen unheimlich leckeren puren Gemüsegeschmack. Als Alltagsessen einfach wunderbar, aber auch für Gäste leicht aufzupimpen, indem man zum Letscho z.B. würzige Sojahack-Frikadellen oder gegrilltes Gemüse der Saison oder gebratene Edelpilze serviert.

Noch Lust auf eine Nachspeise? Kein Problem, als Süßkram-Fan habe ich eigentlich immer einen selbstgemachten Kuchen, Gebäck  oder irgendein Dessert zu Hause!

Susanne Kasper: Wow, ich glaube, ich muss Sie wirklich mal "überfallen". Das klingt unglaublich gut! Sie leben seit 2007 vegan. Gab es einen Auslöser? Wie hat es bei Ihnen "Klick" gemacht?

Vegane LieblingskücheSophie Mathisz: Eigentlich gab es keinen direkten „Auslöser“ in dem Sinne, daß mich ein Gespräch, ein Bericht oder Artikel den Anstoß gab. Leider hatte damals auch noch nicht einmal einen Vegetarier in meinem Bekanntenkreis, von „Vegan“ hatte ich kaum je was gehört.  Es hat tatsächlich einfach von selbst plötzlich „Klick“ gemacht und ich war bereit, nicht mehr wegzusehen sondern mich bewußt auseinanderzusetzen mit dem, wie wir, also auch ich selbst,  Tiere/unsere Umwelt behandeln. Ab da stand der Entschluß unverrückbar fest, von jetzt auf gleich Vegetarisch zu leben, für mich ebenso wie für meinen Freund. Wie bei den meisten folgte bei mir darauf die Neugier-Phase: entdecken und alles lesen zu wollen, was mit dem Thema Tierrechte und Ethik zu tun hat.

Ein Forum machte mich bekannt mit den Veganern, diesen „extremen Spinnern“, wie sich ein user selbst bei mir vorstellte ;-) Es war in einem aufrüttelnden Sinne sehr interessant Dinge zu erfahren, die ich bis dahin nicht gewusst hatte. Ich bin ein Mensch, der Dinge kritisch prüft und im Zweifel gerne gegenrecherchiert. Doch die Fakten waren für sich klar und Grund genug nicht bei vegetarisch stehen zu bleiben. So war mein persönlicher Plan, Schritt für Schritt meine Ernährung auf Vegan umzustellen, das Kochen neu (kennen)zu lernen und mir langsam Überblick über die ganz neue Produktpalette zu verschaffen. Kosmetik, Putzmittel usw. eben alles was dazu gehört. Ich bin kein Freund von Aktionismus und so wollte ich mir selbst ohne Druck die Zeit geben, die ich für die Umstellung brauchen würde. Zu meinem eigenen Erstaunen passierte dann doch alles sehr sehr schnell, innerhalb weniger Wochen.  Und dabei hatte ich zu keinem Zeitpunkt je das Gefühl mir etwas versagen zu müssen oder auf etwas zu verzichten. „Verzichten“  hat so etwas von „ich würde ja schon gerne etwas bestimmtes tun oder konsumieren, verbiete es mir aber aus Vernunftgründen.“  Deswegen mag ich das Wort überhaupt nicht. Denn der „Klick“-Moment bedeutet für mich, das einfach überhaupt kein Interesse mehr besteht an Dingen, die ich aus gutem Grund ablehne.


Ich werde manchmal gefragt, welches die positivste Veränderung seit der Umstellung auf Vegan gewesen sei. Erwartet wird meist ein Hinweis auf gesundheitliche Verbesserungen, Fitness etc. Ehrlich gesagt, nichts davon habe ich bei mir beobachten können – ich war vorher gesund und bin es „in vegan“ geblieben, ohne zusätzliche Wunderwirkungen. Aber diese „positive Veränderung“ gab und gibt es natürlich schon: das Wissen, nicht mehr aktiver Teil einer Maschinerie zu sein, die ich früher nur sein konnte, indem ich mein eigenes Verhalten und meine Mittäterschaft schöngeredet hatte.   
Einige Zeit später passierte etwas Verrücktes – ich „entdeckte“ einen ehemaligen Studienkollegen wieder und in einem Gespräch stellte sich heraus, das er langjähriger Veganer war. Diese wunderbare Fügung half mir viel durch die Anfangszeit als „Neuveganer“ zumal ich durch diesen Freund Kontakt zu weiteren Veganern fand, die auf meiner Wellenlänge waren. So entstand eine freundschaftliche und später auch berufliche Verbundenheit zu alles-vegetarisch.de für die ich mit meinem Lebenspartner seit einem Jahr die Rezepte der Woche entwickle, koche und fotografisch in Szene setze.

Susanne Kasper: Was bedeutet Ihnen Veganismus bzw. was verbinden Sie damit? Was ist Ihnen besonders wichtig am Veganismus?

Sophie Mathisz: Ich gehöre nicht zu denen, die denken, dass wegen meines persönlichen Veganismus auch nur ein Tier weniger leidet/gezüchtet/ermordet wird. Ich wünschte, ich könnte das anders sehen, doch ich bin da wohl zu rational. Das Wichtigste am Veganismus ist für mich persönlich daher zunächst mal das Statement, das ich mit meiner Lebensweise abgebe und nach außen transportiere: ich will nichts mit dem schrecklichen Leid, das unvegane Lebensweise anrichtet, zu tun haben. Denn wenn ich etwas als grundlegend Falsch erkannt habe und ablehne, dann beteilige ich mich einfach nicht an diesem Falschen, auch wenn ich keine oder wenig Hoffnung habe, das mein Handeln allein das Falsche ändern kann. Veganismus ist für mich das aus ethischer Sicht alternativlos verantwortliches Handeln pro Leben, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit auf vielen Ebenen, für Mensch und Tier.

Susanne Kasper: Gehört für Sie zum Veganismus auch Nachhaltigkeit?

Sophie Mathisz: Veganismus und Nachhaltigkeit gehören nicht zwingend zusammen, in der Praxis. Ich kenne Menschen, die unterstützen Nachhaltigkeit in ihrem Leben, indem sie z.B. tatsächlich auf Flugreisen verzichten und ihre Familienurlaube dementsprechend Ressourcen schonend planen oder das Auto stehen lassen und aus Prinzip und bewusst mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln reisen aber nicht vegan leben. Natürlich ist es faktisch richtig, dass eine vegane Lebensweise genauso einen sehr wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leistet. Der Markt jedoch passt sich meiner Meinung nur bedingt an – wenn Veganismus lukrativ erscheint, wird er in den bestehenden Markt integriert, nicht automatisch aber werden wirtschaftlich profitable Wege durch Nachhaltigere ersetzt. Am Ende geht es um die Summe der Dinge, die jeder einzelne Mensch breit ist zu tun bzw. zu lassen für eine nachhaltigere Welt. Und ob sich schließlich ab einer entsprechend großen Masse an Bereitschaft in der Gesellschaft insgesamt eine Entwicklung zum Besseren hin entwickelt, bleibt abzuwarten.

Susanne Kasper: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der veganen Lebensweise?

Sophie Mathisz: Inzwischen ist die vegane Lebensweise ja in der Gesellschaft angekommen. Zumindest schon mal als Begriff, der mehr und mehr positiv besetzt ist und weitgehend aus der „Spinnernische“ herausgekommen ist – das war vor sieben Jahren noch ganz anders, insofern staune ich nicht schlecht über diese schnelle positive Entwicklung. Zwar muss immer noch viel diskutiert und erklärt werden – ich finde trotz der vermehrten medialen Aufbereitung und Präsenz der Themen rund um den Veganismus immer noch viele Vorurteile und Halbwissen bei den Menschen. Aber immerhin sind die Themen öffentlich auf dem Tisch und damit eine Infrastruktur zu Gesprächen und damit verbunden Veränderungen gelegt. Auch die Praktizierbarkeit des eigenen Veganismus ist heute vereinfacht durch die bessere Zugänglichkeit besonderer veganer Produkte. Als Konsument wäre ich glücklich, wenn diese Entwicklung in Riesenschritten weiter geht und sehr bald ALLE Konsumartikel für jedermann in Supermärkten zugänglich sind. Das ist ein Aspekt, der die gängigsten Alltags- „Argumente“ (Stichwort Alltagstauglichkeit, Machbarkeit, Angebot usw.) entmachten könnte sodass man im Diskurs den Focus mehr auf die wesentlichen Tierrechtsthemen,  Aufklärung und Problemlösungen legen könnte.

Susanne Kasper: Was sollte Ihre Henkersmahlzeit sein?

Sophie Mathisz: Das ist eine gemeine Frage! Tatsächlich aber eine, über die ich mir in diversen geselligen Gesprächsrunden schon Gedanken gemacht habe ;-)

Ich kann sie nur so beantworten: der arme Kerkermeister, der meine Bestellung aufnehmen müßte, würde entnervt das Weite suchen! Denn ich könnte mich tatsächlich für kein einzelnes Gericht entscheiden… Da ich ein sehr leidenschaftliches Verhältnis zu Essen habe, habe ich sehr viele liebste Speisen, die ich auch alle mit positiven Erinnerungen  besetzt habe. Mama´s beste Zwetschgenknödel? Oder meine Lieblingstorte (gibt es jedes Jahr zum Geburtstag, Geheimrezept!)? Oder... oder… oder…

Susanne Kasper: Und was treiben Sie sonst noch so? Haben Sie irgendwelche Leidenschaften oder Hobbys?

Sophie Mathisz: Ich würde sagen, mein Beruf ist tatsächlich auch gewissermaßen mein „Hobby“. Als Kommunikationsdesignerin bin ich sehr gerne kreativ und konzeptionell tätig. Mein Partner ist ebenfalls Designer und kreative Arbeit ist besonders produktiv und positiv, weil wir als Team gleich ticken und gut funktionieren.  Die schönsten Projekte sind natürlich wie jetzt ganz aktuell die Gestaltung des Kochbuchs „Vegane Lieblingsküche“, in dem viel Herzblut und Passion steckt. Eine Leidenschaft ist aber definitiv das Lesen, Sachbücher ebenso gerne wie gute Romane – mein Traum wäre eine Kombination aus Bibliothek und Restaurant!

Susanne Kasper: Vielen Dank, liebe Sophie, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben! Ich hoffe, Ihnen haben die Fragen gefallen.

Sophie Mathisz: Sehr gerne! Ich möchte Danke sagen an die vielen begeisterten Köchinnen, die sich entlang der Blogtour durch die Lieblingsküche gekocht haben! Es hat großen Spaß gemacht zu verfolgen, wie die Leibspeisen aus dem Kochbuch auf die Tellern gewandert sind und ich freue mich über das feedback und die schönen Bilder, die dabei entstanden sind. Ich hätte große Lust gehabt, eine große Kochsession mit allen Damen zu erleben mit allem was dazu gehört: kochen, naschen, ratschen. Besonders schön ist es natürlich zu hören, daß das ein oder andere Rezept seinen Platz auf der Liste persönlicher Leibspeisen gefunden hat!

Das Interview wurde im Rahmen einer Blogtour geführt von Susanne Kasper. Kommentiert und gewinnt. Die Blogtour findet vom 28. September bis zum 05. Oktober statt. Natürlich gibt es auch eine genauere Übersicht zu den einzelnen Stationen und Gewinnen.

© Autorenfoto: Sophie Mathisz

© Autorenintro: Ventl Verlag

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