Susanne Gerdom alias Frances G. Hill wurde 1958 geboren und arbeitete nach einer Buchhändlerlehre viele Jahre als Schauspielerin und Regisseurin, bevor sie sich dem Schreiben von Fantasy- und Science-Fiction-Werken widmete. Die Autorin lebt heute in Düsseldorf.

Literaturschock: Erzähle doch erst einmal ein bißchen etwas über Dich (Familie, Hobbies usw.)

Susanne Gerdom: Ich lebe in Düsseldorf, bin hier auch geboren, aber am Niederrhein (in Rheinhausen) aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach dem Abi habe ich eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht - das habe ich mir schon als Kind toll vorgestellt: den ganzen Tag nur lesen .

Ganz so war's dann nicht ... ich bin dann meiner zweiten großen Liebe neben dem Lesen gefolgt und habe hier am Opernhaus angefangen. Natürlich weniger als Sängerin - nicht mit _dieser_ Stimme! - sondern in der Kostümabteilung. Da hab ich zuerst den Fundus verwaltet (Zehntausende von Kostümen und Accessoires) und später in der Färberei gearbeitet. Das war aber nur mein halbes Leben - die andere Hälfte galt dem freien Theater. Ich habe gespielt, inszeniert und ein paar Jahre mit drei FreundInnen ein kleines Studiotheater geleitet.

Was noch? Ich lese immer noch gerne und viel - auch wenn die Zeit dafür immer viel zu knapp ist, und versorge meinen Zoo - zur Zeit vier Wellensittiche und zwei kranke Tauben, die ich von der Straße und von meinem Balkon aufgesammelt habe.

Ich bin Vegetarierin, esse für mein Leben gerne gut und habe das Riesenglück, daß meine beste Freundin eine Spitzenköchin ist.

Literaturschock: Wann und wieso hast Du den Entschluß gefasst, "Ellorans Traum" zu schreiben? War das schon immer ein Traum von Dir?

Susanne Gerdom: Nein, eigentlich nicht. Ich war eher der Meinung, daß ich außer dem täglichen Schreibkram - Briefen und so - nicht wirklich schreiben kann. Ich habe mir als Kind und auch später zwar immer selbst Geschichten erzählt, aber ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, sie aufzuschreiben. Der Impuls, mit Elloran anzufangen, kam durch eine meiner Theater-Freundinnen - die schrieb an einem Fantasy-Roman, gab ihn mir zu lesen und das hat mich motiviert, mich auch mal dranzusetzen. Ganz allein für mich, ohne den echten Glauben daran, das auch fertigzuschreiben und ganz sicher ohne Blick auf eine Veröffentlichung. Dazu haben mich erst zwei Freundinnen regelrecht gezwungen. ;-)

Literaturschock: Wie war das Gefühl, als Du "Ellorans Traum" veröffentlichen konntest?

Susanne Gerdom: Irre. Unbeschreiblich. Ich habe den Brief von Heyne noch im Treppenhaus aufgemacht und dann fast einen Herzschlag bekommen. Danach hab ich dann noch vier Absagen von anderen Verlagen bekommen - die haben mich natürlich gar nicht mehr gekratzt. ;-)

Literaturschock: In einer Rezension bei Amazon wird Dein Buch mit den Worten "ruhig, mysteriös und sehr menschlich" bezeichnet. Besser könnte ich es eigentlich nicht ausdrücken. Wie kamst Du auf Deine Charaktere und überhaupt auf die Idee, eine Fantasygeschichte zu schreiben, die sich doch ganz deutlich von dem üblichen Einheitsbrei und dumpfen Schlachtengetümmel abhebt?

Susanne Gerdom: Schwierige Frage. Zunächst einmal: Der übliche Fantasy-Einheitsbrei interessiert mich als Leserin überhaupt nicht. Ich habe mein ganzes Leben lang phantastische Literatur geliebt - schon, bevor es das Etikett 'Fantasy' hier in Deutschland überhaupt gab. Das heißt: ich habe recht viele gute Sachen gelesen, ehe ich anfangen mußte, die echten Perlen aus dem plötzlich in Massen veröffentlichten Müll zu sortieren.

Das hat mich sicherlich geprägt. Die Figuren meines Romans begleiten mich in meiner Phantasie (in wechselnder Gestalt, unterschiedlichen Umgebungen) schon seit langem, ich bin nur nie vorher auf die Idee gekommen, eine dieser Geschichten auch aufzuschreiben. Und natürlich mag ich nur das schreiben, was ich auch selbst gerne lesen würde. Zwischenmenschliche Beziehungen, Spiel mit Täuschungen, 'Verkleidungen', wechselnden Identitäten - das sind Themen, die mich einfach anlachen. Als Leserin und als Autorin. Schwertgefuchtel, Schlachten und heroischer Krimskrams liegen mir einfach nicht. Aber zu dem Thema gibt es ja auch genug andere SchreiberInnen ...

Literaturschock: Schreibst Du nun bevorzugt Fantasy oder wird Dein Name irgendwann auch in einem anderen Genreregal vertreten sein?

Susanne Gerdom: Ich mag auch ab und zu mal Ausflüge in die Science Fiction (ein SF-'Krimi' liegt auf meiner Festplatte), aber meine Liebe gehört der Fantasy.

Literaturschock: Wie gehst Du vor, wenn Du ein neu Buch in Angriff nimmst? Wie recherchierst Du dafür? Wie sieht Dein ganz normaler Arbeitstag aus?

Susanne Gerdom: Recherchieren ... Uhhh. Ich bin faul. Für "Ellorans Traum" hab ich immerhin ein bißchen Literatur über Burgen gewälzt und mich von einer Fachfrau zum Thema 'Unterricht im Schwertkampf' coachen lassen. (Ich war dem Irrtum aufgesessen, daß es hölzerne Übungsschwerter geben müßte ...)

Ansonsten: Ich sammele natürlich Material. Bilder, die mir einfallen, Dialoge, Personen, Orte ... alles, was mir irgendwie auf- oder einfällt. Das wandert alles in kleine Notizbücher, völlig unsortiert, und wartet darauf, wo es ins Konzept paßt. Hmmmm - Konzept. Also: Ich mache mir vorher _kein_ Konzept. Die Romane entstehen und entwickeln sich aus den Figuren. Ich habe natürlich, wenn ich anfange zu schreiben, schon eine Kernidee ausgesponnen, aber das heißt nicht, daß das letztlich auch auf dem Papier landet. Es kann sich eine ganz andere Geschichte daraus entwickeln (tut es auch meistens).

So zu schreiben, sich quasi von der Geschichte selbst führen und überraschen zu lassen, wird natürlich dann arbeitsintensiv, wenn man daraus eine runde Sache mit Anfang, Mitte und vor allem einigermaßen plausiblem Schluß machen will. Bisher hab ich das einigermaßen im Griff gehabt - bis auf einen fast fertigen Roman, der sich einfach nicht abschließen lassen will. Der ruht jetzt und wartet auf eine Eingebung.

'Normale' Arbeitstage in dem Sinne, daß ich nur schreiben konnte (ach, wäre das SCHÖN!!) kenne ich leider nicht. Ich habe immer neben meinen diversen Jobs schreiben müssen oder eben an den Wochenenden (die aber dann nonstop - gerade mal mit Pinkelpause ...)

Literaturschock: Wie lange hast Du "Ellorans Traum" geschrieben?

Susanne Gerdom: Drei Monate. Inklusive Überarbeitung ...So schnell hab ich das danach nie wieder hingekriegt, es war wirklich wie ein Schreibrausch. Als hätte sich da jahrelang was angestaut, was rausmußte.

Literaturschock: War es schwer für Dich, dafür einen Verlag zu finden

Susanne Gerdom: Nein, ich habe riesiges Glück gehabt. Fünf Verlage (große! Ich dachte, wenn schon, denn schon - und den nimmt sowieso keiner) angeschrieben - und einer von ihnen hat drauf genickt.

Literaturschock: Konntest Du auf die Gestaltung (Cover, Titel) Einfluß nehmen?

Susanne Gerdom: Ja und nein. Der Covervorschlag von Heyne war okay, hat mir gleich gefallen. Aber daran hätte ich andernfalls auch wenig ändern können. Der Titel ist ein Vorschlag des Verlages, aber da ich mich mit Titeln unendlich schwer tue, war ich sogar eher dankbar dafür.

Literaturschock: Glaubst Du, daß es in Zukunft für deutsche Autoren leichter werden wird, einen Verlag für ihr Buch zu finden?

Susanne Gerdom: Hmmm. Ja, ich glaube schon. So langsam weicht die Position 'Nur amerikanische AutorInnen sind gut verkäufliche AutorInnen' doch ein wenig auf. Aber die Verlage sind da recht langsam und vorsichtig. Es geht ja schließlich um Verkaufszahlen.

Literaturschock: Ist Frances G. Hill Dein richtiger Name oder ein Pseudonym?

Susanne Gerdom: Pseudo. Höchst Pseudo. Als ich den Vertrag mit Heyne machte, legten die noch Wert auf den amerikanischen Sound ... Inzwischen ist das anders, heute würde ich unter meinem eigenen Namen veröffentlichen können. Na ja, ich beginne mich inzwischen an das Pseudonym zu gewöhnen.

Literaturschock: Arbeitest Du derzeit schon wieder an einem neuen Projekt? Erzählst Du uns etwas darüber?

Susanne Gerdom: Ich habe eine Trilogie an Heyne verkauft, die ursprünglich ein einzelner Roman war - ich muß halt jetzt noch etwa achthundert Seiten an die bereits existierenden achthundert 'dranflicken', damit es für drei Bücher reicht. (Trilogien bzw. Serien verkaufen sich anscheinend besser als Einzelromane ...)

Das ist jetzt das erste Mal, daß ich eine Auftragsarbeit habe, und der Gedanke macht mir manchmal schon Magenschmerzen. Was, wenn ich 'nen Schreibblock kriege, mir nichts mehr einfällt, ich plötzlich nicht mehr weiß, wie man einen Roman fertigschreibt ...

Aber andere schaffen das ja auch. Das ist wahrscheinlich der entscheidende Unterschied zwischen einer Hobbyschreiberin und einer, die Geld dafür bekommt.

Literaturschock: Hast Du selbst einen Lieblingsautor und ein Lieblingsbuch?

Susanne Gerdom: Hmm. Eigentlich nicht. Oder, besser gesagt, eigentlich ziemlich viele. Ich liebe Terry Pratchett. Wenn ich _so_ schreiben könnte ...Aber ich mag auch Mary Gentle, die süffige Barbara Hambly (das ist so Sonntagsnachmittagslektüre), Neil Gaiman, Dorothy Dunnett, Dorothy Sayers, Dianna Wynne Jones, Edith Nesbit, Michael Bulgakow, E. Th. A. Hoffmann, Erich Kästner, James Krüss, Isaac Asimov, Samuel Beckett, Stephen King, Margery Allingham, Tove Jansson ... Eine unendliche Liste. Frag mich morgen, und es sind neue Namen dazugekommen.

Literaturschock: Vielen Dank, daß Du Dir die Zeit für die Fragen genommen hast!

Susanne Gerdom: Hat Spaß gemacht!

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