Tilman Röhrig wurde 1945 in Hennweiler/Hunsrück geboren. Er war das dritte von fünf Kindern einer evangelischen Pfarrersfamilie. Er besuchte die Staatliche Schauspielschule in Frankfurt und hatte Engagements in Frankfurt, Bonn, Hannover; außerdem war er sieben Jahre bei den Städtischen Bühnen Köln. Seit 1973 arbeitet er als freischaffender Schriftsteller, Film-, Funk- und Fernsehautor. Er schrieb zahlreiche Fernsehdrehbücher, z.B. für die Serien "Neues aus Uhlenbusch", "Löwenzahn" und "Schüler-Express"(ZDF), Spielfilmserien für den WDR und das ZDF.

Literaturschock: Bevor wir anfangen: Gibt es eine Frage, die Ihnen nie gestellt wurde, von der Sie es sich aber wünschten?

Tilman Röhrig: nein

Literaturschock: Sie arbeiten als freischaffender Schriftsteller, schrieben mehrere Fernsehdrehbücher, halten Vorlesungen ab. Bleibt da überhaupt noch Zeit für ein bißchen Privatleben?

Tilman Röhrig: Meine Freunde sagen immer: Das einzige was du unbedingt lernen musst ist Freizeit genießen. Mein Privatleben rangt sich um mein Schreiben. Da gibt es köstliches Essen und guten Rotwein, morgens Radfahren und manchmal, wenn es die Zeit erlaubt auch Wandern ... Ich gebe zu, viel Privatleben ist es nicht.

Literaturschock: Sie wurden bereits mehrmals mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet (darunter auch der Friedrich-Bödecker-Preis 2002). Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg! Damit gehen vermutlich einige Autorenträume in Erfüllung?

Tilman Röhrig: Ganz sicher stärken die Preise das Ego. Auch trösten sie ein wenig, wenn die Einsamkeit am Schreibtisch zu groß wird. Das Schöne an diesen Auszeichnungen ist, dass ich nicht vorher an einem Wettstreit teilnehmen musste, denn für solche 'Wortmuskelspiele' hätte ich nie meine Zeit vergeudet.

Literaturschock: Würden Sie selbst in die Zeit eines Ihrer (historischen) Romane reisen, wenn Sie eine Zeitmaschine hätten? Falls ja: Was würden Sie tun? Falls nein: Wohin würden Sie sonst reisen?

Tilman Röhrig: Die Zeitmaschine würde mir nicht genügen. Ich müsste auch verändern dürfen, verbessern. Zugegeben, ein vermessener Gedanke. Deshalb verzichte ich auf das Angebot und reise lieber nach Mittelengland, dort gibt es Herzgegenden für mich, in denen meine Seele aufantmen kann.

Literaturschock: Als Leser eines historischen Romans geht man beinahe zwangsläufig davon aus, dass der Autor sich mit der Thematik und der Zeit der Handlung intensiv beschäftigt hat. Kennt man sich selber nicht gut aus, ist man dem Autor quasi ausgeliefert. Wie gehen Sie selbst bei der Recherche zu ihren historischen Romane vor? Was bedeutet Recherchearbeit für Sie?

Tilman Röhrig: Ich schreibe nicht einfach einen historischen Roman. Ich erfülle mir von Roman zu Roman einen großen Plan. In einer Zeit der Spezialisten - hervoragende, wissende Menschen eines schmalen, abgegrenzenden Fachgebietes - befürchte ich, dass die Kenntnis des Ganzen, des großen Entwicklungsbogens verloren geht. So schreibe ich über die entscheidenden Wendepunkte, Kreuzwege der europäisch und deutschen Geschichte. Natürlich will und muss ich genauestens recherchieren. Von den dann erworbenen hundert Prozent fließen letztlich nur zwanzig Prozent in den Roman, um den Leser nicht mit Wissen zu ersticken. Allerdings achte ich darauf, dass möglichst alle Fakten, Umstände und Kleinigkeiten stimmen. Der Leser soll sich getrost auf meine genauigkeit verlassen können.

Literaturschock: Ich stelle es mir schwierig vor, als Schriftsteller vorbehaltlos ein Buch zu lesen. Denkt man da nicht oft "Das hätte ich aber besser gemacht"?

Tilman Röhrig: Ich kann nicht vorbehaltlos lesen. Erfreue mich dennoch an Lyrik und den Werken der schon 'Dahingegangenen'. Ich lese in der Regel keine historischen Romane anderer Autoren.

Literaturschock: Was ist für Sie das schwerste, was das einfachste am Schreiben?

Tilman Röhrig: Das einfachste ist der Plan, das Schwerste, ihn lebendig werden zu lassen.

Literaturschock: In der letzten Zeit werden immer mehr deutsche Autoren / Autorinnen erfolgreich veröffentlicht, und dennoch haben es deutsche Schriftsteller/innen schwer, einen Verlag zu finden. Was glauben Sie, woran das liegt? An fehlenden Talenten oder der fehlenden Bereitschaft der Verlage?

Tilman Röhrig: Den Verlagen fehlt oft der Mut. Es gibt zuviele nicht literarische Überlegungen um ein Manuskript. Die schnelle 'Verkaufbarkeit' wird oft der Qualität vorgezogen. Eine gefährliche Entwicklung greift um sich. Längst gibt es Bücher in recht angesehenen Verlagen, die nicht einmal in der Bildzeitung abgedruckt würden.

Literaturschock: Was sind Ihre gegenwärtigen Projekte? Würden Sie uns einen kleinen Ausblick auf die nächsten Bücher geben?

Tilman Röhrig: Schauen Sie in meine Homepage. Dort habe ich eine Geburtsanzeige meines jüngsten Kindes veröffentlich. Am Pfingsmonatg bin ich nach dreijähriger 'Tragezeit' mit dem neunen Roman 'niedergekommen'. Die Handlung führt in die Wirren und Umwälzungen des fünften Jahrhunderts. Der Leser muss sich auf den ersten 'Weltkrieg' zwischen Ost und West einstellen (Schlacht auf den katalaunischen Feldern 451), er begleitet den Aufstieg und Fall des Hunnenkönigs Attila, erlebt den Niedergang des römischen Reiches, die Dekandenz am Kaiserhof zu Ravenna, weiß nach der Lektüre mehr über die Burgunder als ihm das Niebelungenlied zu singen vermag, und er darf meine Goldrun durch den Roman begleiten, die Verlassene, die Geliebte, die verzeifelt um ihr Glück ringende Frau. Unerbittlich scheint das Gesetz des Königshauses ... Ich muss hier innehalten. Freuen Sie sich auf 740 Seiten Leben im 5. Jahrhundert.

Literaturschock: Was lesen Sie zur Zeit? Haben Sie besondere Lieblingsbücher und -autoren?

Tilman Röhrig: Ich war früher so dumm, ein Lieblingsessen zu haben. Jeder, der es gut mit mir meinte, kochte mir diese Speise. So bekam ich stets das gleiche Essen aufgetischt. Heute bin ich klüger und lasse mich überraschen ... Nein, ich habe keinen Lieblingsautoren. Zur Zeit lese ich mich in meinen neuen Stoff ein ...

Literaturschock: Vielen herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben!

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