Ulrike Schweikert wurde am 28. November 1966 in Schwäbisch Hall geboren und verbrachte ihre Kindheit und Schulzeit in der Kleinstadt im Fränkisch-Hohenlohischen. Ihre Leidenschaft galt den Naturwissenschaften, vor allem der Geologie. Gleich nach dem Abitur ließ sie das Landleben hinter sich. Eine Banklehre in Stuttgart brachte ihr zwar ein wenig Unabhängigkeit, doch zumindest in beruflicher Sicht keine Zufriedenheit. Dies konnte auch die Stelle als Wertpapierhändlerin, die sie zwei Jahre später bekam, nicht dauerhaft ändern. Ulrike Schweikert begann, sich in ihrer Freizeit immer intensiver an der Schreibmaschine oder auf dem Zeichenblock auszutoben, schrieb Reisereportagen, Kurzgeschichten und Gedichte, malte Aquarelle und ganze Wände mit Acrylfarben voll. Nach sechs Jahren Bankgeschäft hatte sie 1992 endgültig genug.

Literaturschock: Von der Bankangestellten zur Geowissenschaftlerin, danach ein Journalismusstudium. Unter den deutschen Schriftstellerinnen tummeln sich sehr vielseitige Talente, doch wie würden Sie sich selbst beschreiben? Erzählen Sie uns doch ein bißchen über sich.

Ulrike Schweikert: Ich bin die abenteuerliche Forscherin, die aber gern ein Netz unter ihrem Drahtseil hat. Wissenschaftliche Arbeit macht mir Spaß - mein Geologiestudium war jeden Tag ein tolles Erlebnis. Ich liebe die akribische Detektivarbeit meiner Recherchen und bin da mit mir sehr streng. Die Disziplin und den Ehrgeiz, an der Sache dran zu bleiben, bis alles perfekt ist, habe ich von meinem Vater geerbt.

Ich bin Einzelkämpferin - in einem Team könnte ich kein Buch schreiben. Es sind meine Geschichten und es fällt mir sogar manchmal schwer, die kleinen Änderungen des Lektorats anzunehmen. Anderseits liebe ich nach "einsamer" Schreibtischarbeit lange Nächte mit Freunden. Ich spiele sehr gern und das Tanzen ist meine Leidenschaft. Mit meinem Mann tanze ich Tango Argentino und ich gehe ins Ballett. Früher habe ich lange in der Standardformation in Ludwigsburg und Turnier getanzt.

Talent, hm, was würde ich als meine Talente beschreiben. Ich kann gut beobachten. Ich fühle mich in meine erfundenen Personen hinein, dass sie bald für mich "lebendig" sind - und dann kann ich ihre Geschichte schreiben, so dass sie auch für den Leser lebendig werden.

Literaturschock: Gab es einen besonderen Anlass für Sie, diesen Weg einer Schriftstellerin zu gehen oder war das Schreiben schon immer ein Traum von Ihnen?

Ulrike Schweikert: Geschichten erzählt und aufgeschrieben habe ich als Kind schon gerne. Anfang Zwanzig bin ich viel gereist - Trekkingtour durch die Wüste und so. Darüber habe ich dann Reisereportagen geschrieben und geträumt, sie zu veröffentlichen, doch man kann leider nicht einfach zu Geo gehen! Dass ich mal Schriftstellerin werde, daran habe ich damals noch nicht gedacht. Während des Geologiestudiums habe ich mit Freunden viel Fantasy-Rollenspiele gemacht. Ich war der Spieleleiter und habe mir die Geschichten ausgedacht. Daraus entstand dann das erste Buch "Die Drachenkrone" - und auch der heiße Wunsch veröffentlicht zu werden.

Literaturschock: Ihr erstes Manuskript war ein Fantasyroman. Werden wir den irgendwann auch lesen können?

Ulrike Schweikert: Die Drachenkrone erscheint im Juni bei Knaur. Bei "Amazon" ist es schon mit Bild gelistet und kann vorbestellt werden.

Literaturschock: Fantasy und historische Romane scheinen eine naheliegende Kombination für viele Schriftsteller/innen. Doch nicht nur in diesen Genres bewegen Sie sich, denn demnächst erscheint unter Ihrem Pseudonym Rike Speemann ein Vampirkrimi. Gibt es ein Genre, das Sie unbedingt ausprobieren möchten? Und vielleicht sogar eines, das Sie überhaupt nicht reizt?

Ulrike Schweikert: Das Genre, das mich am wenigsten reizt ist, zum Leidwesen meines Mannes, Sience Fiction oder Technikthriller. Das werde ich sicher nie schreiben. Ich bin eher der Romantiktyp, der seine Fantasyromane in einer archaischen oder mittelalterlichen Welt ansiedelt. Ich könnte mir auch vorstellen, eine moderne Frauengeschichte zu schreiben oder eine richtig dicke Familiensaga. Was ich unbedingt noch machen will ist Kinderbücher - so für 8 - 10 jährige.

Fantasy reizt mich - zur Erholung von der Historie - weil ich mich an keine Fakten halten muss. Hier darf ich meine Fantasie komplett ohne Schranken ausleben.

Literaturschock: In der letzten Zeit werden immer mehr deutsche Autoren / Autorinnen erfolgreich veröffentlicht, und dennoch haben es deutsche Schriftsteller/innen schwer, einen Verlag zu finden. Was glauben Sie, woran das liegt? An fehlenden Talenten oder der fehlenden Bereitschaft der Verlage?

Ulrike Schweikert: Den deutschen Autorinnen und Autoren fehlt es bestimmt nicht an Talent! Den Verlagen aber an der Bereitschaft Risiken zu tragen. Wieviel leichter ist es ein erfolgreiches, ausländisches Buch einzukaufen, als einen jungen Autor aufzubauen! Mein Glück war, dass Knaur es dennoch gewagt hat. Aber nur, weil ich einen Agenten gefunden habe, der dort auch bekannt ist! Direkt hat man so gut wie keine Chance, da die Lektorate keine Zeit haben, eingesandte Manuskripte zu lesen.

Literaturschock: Ihr Buch "Die Hexe und die Heilige", das sich intensiv mit der Hexenverfolgung in Ellwangen befasst, las ich gemeinsam in meinem Bücherforum mit zwei weiteren Leseratten. Nach etwas Recherche im Internet fiel uns auf, dass in Deutschland die Hexenverfolgung sehr stark war, in Österreichs Wien beispielsweise gab es dagegen nahezu keine Verurteilungen. Was glauben Sie, woran das lag? War Deutschland ein Herd des Wahnsinns?

Ulrike Schweikert: Nein. Vor allem in der Schweiz wurden die Hexen ebenso heftig verfolgt - und auch dann noch, als der Spuk in Deutschland schon vorbei war. Außerdem kann man Deutschland nicht als ein Gebilde sehen, wie das Beispiel Ellwangen und Leonberg zeigt. In ganz Württemberg gab es nur sehr wenige Prozesse und noch weniger Hinrichtungen. Es lag also an dem jeweiligen Landesfürst, ob und wie rigoros die Hexen verfolgt wurden.

Literaturschock: Was sind Ihre gegenwärtigen Projekte? Würden Sie uns einen kleinen Ausblick auf die nächsten Bücher geben?

Ulrike Schweikert: Ich fange gerade mit der Recherche für einen neuen historischen Roman an. Es gibt ein Wiedersehen mit Anne Katherina Vogelmann - der Tochter des Salzsieders. Sie ist inzwischen Mitte Dreißig, Ehefrau und Mutter und gerät in die Reformationskonflikte und den Bauernkrieg. - Es wird dieses Mal auch eine Liebesgeschichte. Danach werde ich meinen zweiten Jugendroman schreiben.

Literaturschock: Was ist für Sie das schwerste, was das einfachste am Schreiben?

Ulrike Schweikert: Der Anfang ist das schwerste - die ersten Wochen, bis ich richtig drin bin. Das Unangenehmste ist das Durcharbeiten, das sprachliche Handwerk, die Fehlersuche. Einfach? Das kann ich nicht so generell sagen. Es gibt Tage an denen alles ganz leicht von der Hand geht oder Szenen, bei denen ich nicht so schnell tippen kann, wie mir die Sätze einfallen. Das ist ein schönes Gefühl.

Literaturschock: Was lesen Sie zur Zeit? Haben Sie besondere Lieblingsbücher und -autoren?

Ulrike Schweikert: Ich lese zur Zeit "Die Töchter des Pflanzenjägers" von Roland Mueller, danach kommt "Englisches Requiem" von Charles Todd - sein dritter Krimi, der gerade erst erschienen ist hat mir so gut gefallen, dass ich mir dieses vergriffene Buch gebracht besorgt habe. Und dann liegt noch "Die Magistra" von Guido Dieckmann auf meinem Tisch und wartet darauf gelesen zu werden.

Einen richtigen Lieblingsautor habe ich nicht. Allerdings muss ich gestehen, wenn ich ein großes Harmonie- und Entspannungsbedürfnis habe, dann lese ich die Bände von Geogette Heyer - Ich habe alle - zum Teil sind das Familienerbstücke. Schon meine Großmutter hat sie gelesen. Krimis mag ich von Mary Higgins Clark - Die beiden Lieblingsbücher der letzten Jahre: "Drei Minuten mit der Wirklichkeit" von Wolfram Fleischhauer und "Die verbotenen Gärten" von Thomas Montasser. - Unter den Klassikern ist mein erklärter Liebling - liegt immer auf dem Nachttisch: Goethes Faust.

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