Susann Rehlein: Das Politische fängt im Privaten an

Susann Rehlein, geboren in Leipzig, hat Germanistik und Slavistik studiert. Sie arbeitet als Journalistin und Lektorin und lebt mit ihrem Wolpertinger in Berlin-Kreuzberg.. Quelle: Dumont

Susanne Kasper: Damit die LeserInnen Sie ein bisschen besser kennenlernen: Wie würde Dorle Sie beschreiben und charakterisieren?

Susann rehleinSusann Rehlein: „Die Frau Rehlein ist meine Lehrerin“, könnte sie sagen, „aber man muss ja auch von Lehrerinnen nicht akribisch alles nachmachen. Also das Body Attack und den Sex würde ich weglassen. Aber mittags die Dehnübungen und den dicken schwarzen Lidstrich, das hab ich schon probiert. Das ist hilfreich. Man wird mit Lidstrich ganz anders angeguckt als ohne. Die Frau Rehlein müsste leiser lachen. So laut wie die lacht, da kann sie auch gleich wieder schreien. Und sie geht ständig zu Lesungen oder in Galerien, zuverlässig dahin, wo es so eng ist, dass einen die Leute beim Sitzen oder Stehen berühren. Ich frage mich, ob sie bloß wegen dem Berühren zu sowas geht.“

Susanne Kasper: Stellen Sie sich vor, Sie dürften für eine Woche die Rolle einer Figur aus einem Buch übernehmen. Egal welches Buch, egal welche Figur. In welches Buch werden Sie reisen und weshalb?

Susann Rehlein: Oh, was für ein verlockendes Angebot. Ich würde in Lucy Frickes Roman „Takeshis Haut“ reisen, die Hauptfigur ist zwar ein bisschen schlecht gelaunt, aber das Buch ist voller Klänge und Geräusche, das gefällt mir, und ich käme nach Tokyo, ohne fliegen zu müssen. Ich hab nämlich Flugangst. Außerdem würde ich in jede Erzählung von Raymond Carver reisen, so trist das Setting auch sein mag. Ich wäre sogar damit zufrieden, für den Rest meines Lebens eine karierte Tischdecke zu sein. Hauptsache von Carver geschrieben.

Susanne Kasper: Was sind Ihre persönlichen Glücksrezepte?

Susann Rehlein: Der erste Schritt ist tatsächlich das, was im Buch steht: Atmen, Schreien, Sport, Tanzen, kurz: das Energielevel anheben, alle Gefühle (auch die vermeintlich miesen) wahrnehmen und ausdrücken. Nicht so viel wollen, stattdessen genießen, was ist (falls man das denn hinkriegt). Dazu noch Inspiration fürs Hirn, ein herzliches Gegenüber, und alles ist fein.

Ich liebe das Schreiben

Susanne Kasper: Fällt Ihnen das Schreiben leicht? Oder gibt es auch Schwierigkeiten, die Sie immer mal wieder umschiffen müssen?

Die erstaunliche Wirkung von GlückSusann Rehlein: Ich mag meine Heldin, es fällt mir schwer, ihr Leid und Prüfungen überzuhelfen. Und ich hasse Recherche. Mein nächster Roman spielt in einem Kaufhaus. Mir graut schon vor den kommenden Wochen bei Karstadt. Das Schreiben selbst liebe ich. Das ist ein bisschen peinlich, aber ich kann mich tagelang über gelungene Formulierungen freuen. Meine Lieblingswendung in diesem Roman beschreibt Frau Sonne, Dorles Mentorin: „Sie ist steinalt und mager wie ein Wimpel“, gar nichts Besonderes eigentlich ...

Susanne Kasper: Neben Susann Rehlein, der Autorin, gibt es noch … ?

Susann Rehlein: Die Lektorin und die Journalistin. Beides tolle, inspirierende Berufe. Ich bin ein glücklicher Mensch.

Susanne Kasper: In der Autorenvita von DuMont wird erwähnt, dass Sie mit Ihrem "Wolpertinger" in Kreuzberg wohnen. Zeigen Sie uns ein Bild Ihres Wolpertingers?

Susann Rehlein: Mein Wolpertinger lässt grüßen, aber er scheut die Öffentlichkeit. Er hält es lieber wie Joachim Sauer: überlässt mir das Rampenlicht und kümmert sich um meinen Gefühlshaushalt, wenn ich heimkomme.

Das Politische fängt im Privaten an

Susanne Kasper: Sie schreiben wunderbare Wohlfühlbücher. Es geht in Ihren Romanen um sympathische Figuren, die uns humorvoll ihre Geschichten präsentieren. Streben Sie in Zukunft auch mal zu etwas ganz anderem? Zum Beispiel ein Buch über soziale Brennpunkte?

Susann Rehlein: Ich sehe mein Buch nicht als reines Wohlfühlbuch. Meine Heldin ist der traurigste Mensch der Welt - als Kind misshandelt, demütig und einzelgängerisch. Es braucht schon beinahe übermenschliche Anstrengungen und übersinnliche Kräfte, um jemanden, der so schlecht gestartet ist, ins Leben zu schubsen. Wie das gehen kann, zeige ich hoffentlich mit Humor und Charme, insofern stimmt der Ausdruck dann doch. Das ist quasi mein Beitrag zum Weltfrieden. Das Politische fängt im Privaten an. Soziale Brennpunkte interessieren mich eher als Journalistin.

Auch die Liebe hat drei SeitenSusanne Kasper: Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch wurde der diesjährige Literaturnobelpreis für ebensolche brisanten Themen verliehen. Hand aufs Herz: Kannten Sie die Autorin vorher?

Susann Rehlein: Ich kannte ihre Arbeit aus Gesprächen, aber ich hab noch nichts von ihr gelesen. Wird nachgeholt!

Susanne Kasper: Zum Abschluss: Verraten Sie uns noch Ihre aktuelle Lektüre und ihren liebsten literarischen Geheimtipp?

Susann Rehlein: Gern. „Das Liebesleben des Nathaniel P.“ (Liebeskind) von Adelle Waldman ist mein absoluter Favorit die letzten Monate: Hätte ich das Buch ein paar Jahre früher lesen können, ich hätte mir viel Kummer in Liebesdingen erspart. Auch toll: Meg Wolitzer: „Die Stellung“. (DuMont) Was wird aus Kindern, deren Eltern mit einem Sexratgeber berühmt geworden sind. Sehr präzises Sittenbild, sehr komisch. Eigentlich beide Romane.

Susanne Kasper: Vielen Dank, Susann, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben!


Das Interview wurde im Rahmen einer Blogtour geführt von Susanne Kasper. Die Blogtour findet vom 10. bis zum 14. Oktober statt.

Am ersten Tag hat euch Frau Hauptsachebunt das Buch mit einer schönen Rezension vorgestellt. Bei About Books - LilstarLilstar folgte am zweiten Tag dann ein  Artikel über die Bedeutung von Glück. The Read pack teilte danach mit uns persönliche Glücksrezepte und am vierten Tag habt ihr auf Kielfeder-Blog etwas über Glückssymbole erfahren. Heute ist  der letzte Tag der Blogtour und nun geht es zum

Gewinnspiel

Wie könnt ihr eines von fünf Exemplaren dieses wunderbaren Buches gewinnen? Ganz einfach: Kommentiert dieses Interview und verratet mir doch einfach, wie euch unsere Blogtour gefallen hat, was eure Hightlights waren und ob wir es geschafft haben, euch auf das Buch neugierig zu machen.

Doppelte Gewinne werden ausgeschlossen. Die Gewinner_innern werden voraussichtlich ab dem 19.10. auf Literaturschock bekannt gegeben und per E-Mail benachrichtigt. Zum Kommentieren habt ihr also ein bisschen mehr Zeit (bedingt durch die Buchmesse).

Werft unbedingt auch einen Blick auf unsere Leserunde ab dem 16.10. zu "Die erstaunliche Wirkung von Glück" - natürlich dürft ihr dort auch gerne direkt einsteigen und mitdiskutieren oder der Autorin Fragen stellen.

© Autorenfoto: Birte Filmer

SuseÜber die Autorin

Susanne K. (Literaturschock.de)

Susanne Kasper ist Gründerin und Chefredakteurin von Literaturschock und Leserunden.de. Sie liebt es, andere für die Literatur zu begeistern, ist Preisträgerin des Virenschleuderpreises der Kategorie "Persönlichkeit des Jahres" 2016 und bietet unter Social-Reading.media einen Autoren- und Verlagsservice. Über schamlose Mails freut sie sich ebenso wie über vegane Keksspenden. Sie nutzt in ihren Artikeln immer mehr das Femininum, weil sie der Ansicht ist, dass damit auch Männer gemeint sind.

 

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