Andreas Grabolle ist Biologe, Klimaexperte, Wissenschaftsjournalist und – inzwischen – Veganer. Der Verfasser des Buches »Pendos CO2-Zähler« lebt mit Frau und Tochter in Berlin.

Andreas GrabolleAm 18.11.12 fand der erste  - und hoffentlich nicht letzte - Vegan Brunch der Tierbefreier OG Rhein-Neckar in Mannheim statt! Zusätzlich zur fast maßlosen Schlemmerei und Völlerei gab es noch eine Lesung von Andreas Grabolle zu seinem neuen Buch "Kein Fleisch macht glücklich".

Die Lesung sollte zwar erst um 12.30 Uhr beginnen, da sich aber bereits über 100 Teilnehmer über Facebook angemeldet hatten, wollten wir, eine Gruppe von vier Veganern, möglichst schon zur "Toröffnung" vor Ort sein und so konnten wir rechtzeitig um 11 Uhr perfekte Sitzplätze ergattern.

Die Veranstaltung fand im Jugendkulturzentrum FORUM in Mannheim statt und bot damit reichlich Platz in geselliger Atmosphäre. Wie es bei Veranstaltungen von Tierrechtsorganisationen meistens der Fall ist, war auch hier der Eintritt frei. Finanziert wird der ganze Spaß einzig über Spenden.

Pünktlich um 11 Uhr wurde das Buffet eröffnet und es wurde wirklich alles geboten, was das Herz begehrte: Chili sin Carne und Borschtsch auf der einen Seite, und eine fast unglaubliche Auswahl an Kuchen, Muffins, Minipancakes, Müsli auf der anderen Seite. Zusätzlich deftige Veganitäten wie verschiedene Salate, Kartoffeln, kleine Schupfnudeln, Pilzsauce und eine Warmhalteplatte mit irritierend echt aussehendem und schmeckendem veganem Fleischkäse. Letzteren musste ich, neugierig wie ich bin, natürlich probieren und ich muss zugeben: Der hat mir zu authentisch geschmeckt. Das war ein seltsames Essgefühl. Da ich bereits seit 20 Jahren kein totes Tier mehr esse, vermisse ich solche Ersatzprodukte nicht und werde auch in Zukunft darauf verzichten. Ansonsten: Die Leckereien waren göttlich!

ZuschauerDie Völlerei schritt voran und schließlich fand sich auch Andreas Grabolle zur Lesung ein. Gegen 12.30 Uhr ging es dann nach einer kurzen Vorstellung los. Zwei Jahre habe der Wissenschaftsjournalist für sein Buch "Kein Fleisch macht glücklich" recherchiert. Sein Ziel war es, sich sachlich mit dem Thema auseinander zu setzen und dennoch wurde daraus ein sehr persönliches Buch, das seinen Weg vom Fleischesser zum Veganer dokumentierte und so schildert das Buch chronologisch die Meinungsbildung des Autors.

Seit zwei Jahren lebe er nun vegan, doch sein Buch richte sich vor allem an Menschen, die Fleisch essen. Da es wissenschaftlich fundiert und dabei sehr undogmatisch daher komme, eigne es sich übrigens perfekt als Geschenk für ebensolche. Doch auch Veganer erhielten Antworten auf offene Fragen und Argumentationshilfen, falls sie immer wieder mit altbekannten Fragen (oder Vorwürfen) von Allesessern konfrontiert würden.

Kein Fleisch macht glücklichEinige Schmunzler entlockte Andreas Grabolle den Zuhörern, als er von Steffi erzählte, die im ersten Kapitel als Fleischesserin vorgestellt wird. Bei einem Treffen mit ihr vor einiger Zeit habe sie ihm erzählt, dass sie nun seit vier Wochen weder Fleisch noch Wurst gekauft habe. Auch sie scheint das Buch oder die gemeinsame Recherche dazu beeinflusst zu haben.

Die Auswahl der Texte war offensichtlich wohlüberlegt und so lieferte der sympathische Autor einen sehr einvernehmenden Überblick zu seinem Buch. Vom ersten Kapitel "Mr und Mrs Rumpsteak" (er begeht den Weltvegetariertag in einem Steakhaus) hin zu "Bauernopfer" (gemeinsam mit dem investigativen Journalisten und Tierrechtsaktivisten Jan Pfeifer nachts einen Pustenmaststall erkunden) ging es über den "Fleischporno", hin zum "Planet vegan", in dem mich besonders das Fazit zum Treffen mit Sebastian Zösch (Vegetarierbung) und Mahi Klosterhafen (Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt") beeindruckt hat: "Mein Vorurteil, dass Veganer naive und die Natur verklärende Realitätsverweigerer sind, fand ich hier absolut nicht bestätigt." Zusätzlich räumt er mit der Aussage was Veganer essen "dürften" auf: "Überhaupt 'dürfen'! Ich entscheide noch immer selbst, was ich essen will. Meine "Essbehinderung" ist freiwillig, was meine Motivation noch mehr steigert." Zuletzt gab es noch eine Kostprobe aus dem Kapitel "Vegane Starterwoche"

Das Thema "Vitamin B12" liegt Andreas Grabolle ebenfalls sehr am Herzen, da er es immer etwas peinlich finde, wenn Veganer Vitaminmangel nachgewiesen wird. So las er zuletzt noch aus dem Kapitel "B12 - Begründete Sorgen". Er selbst habe es mit der Nahrungsergänzung über Veg1 versucht (ein bei Veganern beliebtes Produkt), doch das habe bei ihm keine nennenswerte Auswirkungen gehabt. Erst mit der B12-Zahncreme von Sante konnte er seinen nachgewiesenen Mangel vollständig beheben.

Das Buch lese ich übrigens gerade - und ich kann es jedem empfehlen. Keine Angst: Man wird deshalb nicht automatisch zum Veganer, aber die Zusammenhänge werden klarer.

Noch eine kleine Geschichte am Rande: Auf der Heimfahrt saß ich gegenüber meiner Mitfahrerin und neben mir eine ältere Dame. Ich schmökerte in "Kein Fleisch macht glücklich" und las einige Passagen daraus meiner Bekannten vor. Irgendwann mischte sich die Dame aktiv ein und wir unterhielten uns über das, was in der Nutztierhaltung so vorgeht (z.B. die Fehlbetäubungsrate: Bei den jährlich 60 Millionen geschlachteten Schweinen wachen rund eine halbe Million im Brühbad wieder auf, weil die Narkose nicht ausreicht - neulich ging davon sogar mal ein Bild auf Facebook herum. Allerdings wurde hier ein Hund im Brühbad gezeigt, weil das Foto bei einer Schlachtung in China aufgenommen wurde. Gibt sich vom Vorgang her aber nichts).

Sie war bestürzt und regte sich darüber auf. Dachte nach! Ich schätze, das ging so rund 30 Min. und ich habe das Gefühl, wir haben einen kleinen Samen gepflanzt. Als Veganer haben wir uns übrigens nicht geoutet und ansonsten auch nicht viel erzählt. Wir ließen eher die Frau ihre eigenen Gedanken fassen. Hat wohl sogar recht gut funktioniert.

Liebe Grüße

Suse (von Literaturschock)

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

 

Affiliate-Programm von LCHoice (lokaler Buchhandel) und Amazon. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue