Andreas Eschbach - ein Phänomen der deutschen Science Fiction - wird sowohl von der nationalen als auch von der internationalen Presse als Schriftsteller von Weltklasseformat gefeiert. Geboren 1959 in Ulm schreibt er seit seinem 12. Lebensjahr. Den Weg zum professionellem Schriftsteller ebnet ihm 1994 ein Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung.

Ende Oktober ist zwar schon eine Weile her, aber ich möchte dann doch noch von meinem Besuch einer Lesung mit Andreas Eschbach berichten, mal sehen, was mein löchriges Gedächtnis noch hergibt. Die Veranstaltung fand schon am 24. Oktober in der Buchhandlung Welsch in Homburg/Saar statt.

Eine Lesung mit "Vorgruppe".

Wir sind spät dran und wir haben, abgesehen von der Adresse, keinen blassen Schimmer, wo wir hin müssen. In Homburg angelangt, stellen wir fest, dass sich die Buchhandlung in einer Einbahnstraße befindet - und wir uns natürlich am falschen Ende derselben. Es ist 18.55 Uhr, nur noch 5 Minuten, bis die Lesung anfängt. Also die Kiste auf dem nächstbesten Parkplatz abgestellt, den Rucksack mit den zu signierenden Büchern auf den Rücken und zu Fuß weiter. Um Punkt 19 Uhr erreichen wir das Etablissement - und wären fast noch daran vorbei gerannt . Für zwei Euro pro Nase ergattern wir eine Eintrittsberechtigung in Form eines Zettels mit dem handschriftlichen Vermerk "Lesung, 24.10.03 2,-" und suchen uns zwei freie Plätze. Offenbar wird bei Autorenlesungen das akademische Viertel sehr großzügig eingehalten, denn erst gegen 19.30 Uhr tritt die Inhaberin vor die mittlerweile wohl ca. 80 Besucher und gibt ihrer Freude ob des Andrangs Ausdruck.

Zuerst gibt sich der Homburger Fantasy- und Science-Fiction-Autor Markus Heitz (Ulldart, Die Zwerge, Shadowrun) die Ehre, als lokale "Vorgruppe", wie er sich selbst bezeichnet. Ich kenne bisher keines seiner Bücher, aber der Mann kommt mir irgendwie bekannt vor. Er ist auch als Journalist für die "Saarbrücker Zeitung" tätig, vielleicht hat er mal von der Kappensitzung in meinem Heimatort berichtet . Heitz liest zwei kurze aber witzige Passagen aus seinem Ulldart-Zyklus und eine Episode aus einem seiner Shadowrun-Romane. Letztere kommt besonders gut an, spielt die Szene doch "vor Ort", in einem strahlenverseuchten Homburg der Zukunft, was für einige Lacher sorgt. Wann gibt es in der SF mal so viel Lokalkolorit? Und obwohl ich bisher an der Shadowrun-Serie gar kein Interesse hatte: das Buch muss ich haben.

Eine kurze Fragerunde später dann the man himself, the one and only Andreas Eschbach. Wie schon von dem Zwei-Meter-Pappaufsteller neben der zur Bühne umfunktionierten Kassentheke suggeriert, gibt es einen Ausschnitt aus dem neuen Buch "Der Letzte seiner Art". Für die, die das Buch schon kennen: ab der Stelle, als Fitzgerald von dem Anwalt Itsumi vor der Bibliothek angesprochen wird, bis zu seinem darauffolgenden Besuch bei Dr. O'Shea.

Eschbach liest sehr angenehm, mit einem Tick schwäbischem Akzent, stets mit einem etwas ironischen Unterton, ohne Hänger oder Versprecher. Der Mann kann seine Hörbuchausgaben auch selbst lesen - so es denn welche gibt. Obwohl man ja mitten in das Geschehen geworfen wird und ohne die Zusammenhänge zu kennen, ist die ganze ca. halb- bis dreiviertelstündige Lesung sehr fesselnd. Eine kurze Unterbrechung gibt es nur, als eine Gruppe Irre auf Freigang gröhlend vor der Buchhandlung vorbeizieht - ein Kopfschütteln später geht es nahtlos weiter. Wie ich mittlerweile festgestellt habe, war die gelesene Passage auch gut ausgewählt: ein richtiger Heißmacher .

Viele der Fragen in der anschließenden Fragerunde (an der dann auch Markus Heitz wieder teilnimmt) drehen sich - natürlich - um die umstrittene Verfilmung von "Das Jesus-Video". Eschbach erzählt, vermutlich zum x-ten Mal, wie es zu dem Filmprojekt kam und betont immer wieder, dass er in keinster Weise an der Verfilmung beteiligt war, sondern nur zufällig ein Buch gleichen Namens geschrieben habe - sinngemäß das also gleiche, was man auch auf seiner Homepage lesen kann. Dabei findet er allerdings wesentlich, ähem, deutlichere Worte.

Reichlich Andrang gibt es dann beim Signieren. Ich habe nur meine drei Hardcover dabei (man muss es ja nicht übertreiben) und stehe, natürlich , ziemlich am Ende der Schlange. Es geht aber trotzdem recht flott voran, obwohl Eschbach sich bei jedem die Zeit für einen kurzen Plausch nimmt. Eine hibbelige Viertelstunde später bin ich dann auch endlich dran und ernte mit meinem Jesus-Video-HC einen erstaunten Blick: "Ach? Sie waren das?" So darf ich mich jetzt ganz offiziell also "Leser der ersten Stunde" schimpfen, bekomme "die besten Wünsche für ewigen Wohlstand" ("Eine Billion Dollar") und "weiß ab jetzt, sinnvolles mit meinen Nächten anzufangen" ("Der Letzte seiner Art"). Eine Taschenbuchausgabe von "Eine Billion Dollar", die wir gerade vor Ort gekauft haben um sie am gleichen Abend noch zu verschenken, lassen wir ebenfalls signieren: "immer diese Geldgeschenke...". Und dann sind wir auch schon wieder weg, denn mittlerweile stehen doch noch einige Leute hinter uns und warten.

Gegen 22.30 Uhr sind wir wieder am Auto und freuen uns über einen gelungenen Abend mit zwei sehr sympathischen Autoren. Beim nächsten Mal sind wir ganz sicher wieder dabei.

Der Lesungsbericht wurde von dem Forenmitglied bch für Literaturschock geschrieben.

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