Andreas Eschbach - ein Phänomen der deutschen Science Fiction - wird sowohl von der nationalen als auch von der internationalen Presse als Schriftsteller von Weltklasseformat gefeiert. Geboren 1959 in Ulm schreibt er seit seinem 12. Lebensjahr. Den Weg zum professionellem Schriftsteller ebnet ihm 1994 ein Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung.

Passend: Andreas Eschbach stellte sein Buch "Eine Billion Dollar" am 25.06.2002 ausgerechnet in der Sparkasse des kleinen Schwarzwaldstädchens Bühl vor. Pünktlich um 20.00 Uhr begann der in Deutschland sehr erfolgreiche Autor vor ca. 50 Zuhörern seine Lesung, nachdem er darauf aufmerksam gemacht hatte, daß im Anschluß ausschließlich Bücher signiert wurden, die auch von ihm stammten.

Die Lesung wurde von der Buchhandlung Papillon im Rahmen des Literatursommers organisiert, deren Zweigstellen sich sowohl in Bühl als auch in Achern befinden. Nähere Informationen über aktuelle Lesungen kann man auf der dazugehörenden Website erfahren.

Mit einer sehr mitreißenden Leseweise führte Herr Eschbach eine Stunde lang den Hauptcharakter des Buches ein: John, der am 25. April 1995 eine Billion Dollar erbt und der damit - laut einer Vision - der Menschheit die verlorene Zukunft zurückbringen soll. Das Buch handelt von unvorstellbarem Vermögen, Zins und Zinseszins. Der Autor schaffte es bei der Lesung, den Personen Leben einzuhauchen. Als Zuhöhrer erkannte man John's Zweifel und dessen Freude, Gefühl und Witz schwang in jedem gelesenen Wort mit, so daß am Ende der viel zu kurzen Lesung nach einer Zugabe verlangt wurde.

Sehr informativ war die anschließende Fragerunde.

Auf die Frage nach den Beweggründen, einen solchen Roman zu schreiben, zerstörte Andreas Eschbach wohl so einige Illusionen nach höheren Beweggründen: Es selbst verfolge keine künstlerischen Ideale, sondern habe das Ziel, daß jeder Leser, seine Bücher einfach haben MÜSSE. Sie sollten Spaß machen und er liebe die Vorstellung, die Menschen von ihrem Nachtschlaf abhalten zu können; zu wissen, daß sie die Lektüre auch noch mit auf die Toilette nehmen - und zu denken "Haha, und damit kriege ich sie noch ein Kapitel weiter!".

Sehr interessant fand ich die - schon fast philosophische - Feststellung "Ein Autor schreibt nicht, was er träumt, sondern er träumt, was er schreibt".

Doch wie kam der Autor auf die Idee, ein Buch über Geld zu schreiben? Angefangen hatte alles in seiner Jugend, als er Bücher las, die Kindern und Jugendlichen die Wunder des Lebens nahebringen sollten. Darin fand er einen Bericht über Zins und Zinseszins. Das aufgeführte Beispiel hatte ihn damals sehr beeindruckt: Hätte Josef bei der Geburt Jesu einen Pfennig angelegt, so wäre inzwischen ein riesiges Vermögen daraus geworden, das man nicht in Worte ausdrücken könnte. Doch als kritischer Jugendlicher glaubt man solche Dinge nicht leichtfertig. Andreas Eschbach fing an zu rechnen. Er rechnete vom Jahre Null und dann Jahr um Jahr nach. Anfangs ergab dies noch Kleinstbeträge, dann aber nach 500 Jahren sollte daraus eine runde Billion geworden sein. Dieser Gedanke ließ ihn jahrelang nicht los.

Andreas Eschbach wollte jedoch kein Buch darüber schreiben, wie jemand ein Vermögen erbt, dieses dann gegen Widersacher verteidigen muß (inklusive Mord und Verfolgungsjagden), um am Ende glücklich prassen zu können. Dies erschien ihm so unsinnig wie kitschige Liebesgeschichten, die dort aufhören, wenn die beiden Hauptpersonen "sich kriegen" (und somit erst interessant werden).

Durch diese Vorgeschichte ist auch nicht ganz geklärt, wie lange Herr Eschbach denn nun für "Eine Billion Dollar" brauchte. Waren es 2 1/2 Jahre inklusive Recherche oder vielmehr 30 Jahre seit seiner Jugend?

Wie geht ein Autor vor, wenn er ein Buch schreibt? Andreas Eschbach meinte, er bilde sich ein, das Ziel am Anfang zu kennen. Die Mindestvoraussetzungen beim Schreiben sei, Anfang und Ende im Kopf zu haben. Doch die Figuren entwickelten ein Eigenleben, Randfiguren würden wichtiger, drängelten sich sogar in den Vordergrund. Ein Buch verändere sich beim Schreiben und irgendwann gelange man zu einem Schluß, den man anstatzweise so vorgesehen hatte.

Die Bücher des von den Kritikern verwöhnten Autors (bereits Schirrmacher schrieb "Es ist mir unerklärlich und ich entschuldige mich dafür, daß die FAZ Sie bisher ignoriert hat"), wurden in mehrere Sprachen übersetzt: französisch, italienisch, tschechisch. Russisch und japanisch sollen folgen. Einzig der englischsprachige Raum ziere sich noch, da sie anscheinend nur vom Export und nicht vom Import der Bücher wüssten.

Andreas Eschbach ist nach eigenem Verständnis kein Science Fiction Autor, sondern er nutze dieses Element aufgrund seiner Vorprägung: Als Jugendlicher waren seine meistgelesenen Autoren Jule Verne und Perry Rhodan. Fantastische Elemente würden deshalb immer in seinen Büchern zu finden sein und er freue sich über Erlebnisse wie er sie mit einer Nachbarin hatte. Diese kaufte heimlich seine Bücher, las sie und meinte "Ich lese so etwas normalerweise nicht, aber ihres hat mir gefallen". Solche Bücher wolle er schreiben!

Hat ein Autor in erster Linie die Dramaturgie im Sinn oder weiß er vorher bereits, welche Botschaft sich in seinem Werk verstecken wird? Andreas Eschbach hat eine Auffassung, mit der viele Lehrer vermutlich nicht ganz einverstanden wären: Es sei nicht so, wie es immer im Schulunterricht weisgemacht würde: Daß ein Autor die Botschaft im Hinterkopf habe, sie entsprechend verpacke und andere dann interpretieren und auspacken lasse. Vielmehr sei die Intension die Magie des Geschichtenerzählens. Ein Autor versuche, eine Geschichte so gut wie möglich zu erzählen. Sie führe ihn in Tiefen, die er selbst nicht erwartet hätte. Er entdecke Dinge, sei verblüfft über das, was er herausgefunden habe.

Während Herr Eschbach an "Eine Billion Dollar" arbeitete, bemerkte er, wie wenig die Menschen doch über Geld wissen (die Aussage gelte auch für Bankleute). Diese Unwissenheit hänge wiederum mit Mechanismen zusammen, die uns heute noch völlig unbekannt seien. So ist es nur logisch, daß am Anfang des Buches nicht die Botschaft im Vordergrund stand - denn die habe er erst während des Schreibens erkannt.

Nach Auffassung des Autors habe er mit diesem Buch ein neues Genre geschaffen, da er bisher kein vergleichbares Buch gefunden habe - ein Buch, in dem Geld die zentrale Rolle spielt.

Doch was denk der Künstler über andere Autoren? Er ist der Meinung, daß jeder Schriftsteller gegen jeden Schriftsteller kämpfe, die es bis heute gegeben habe. Man achte darauf, was die Konkurrenz macht, wen man zitieren könne. Für "Eine Billion Dollar" habe er ebenfalls nach solchen Möglichkeiten gesucht - doch keine gefunden.

Und was liest Herr Eschbach zum Vergnügen? Bücher, die im Spaß machen, denn beim Lesen sei es wie mit dem Essen: Hauptsache es schmeckt.

Fazit: Auch hier wieder eine sehr lohnenswerte Lesung, die Neugierde und das Verlangen, sofort danach weiterzulesen weckt.

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