Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Dort und in Berlin studierte sie Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft. Mit ihrem Debüt, dem Schafskrimi "Glennkill", der 2005 im Goldmann Verlag erschien, gelang der jungen Frau auf Anhieb ein internationaler Bestseller.

George ist tot. Er hat einen Spaten in seiner Brust - und seine Schafe ermitteln in dem Mordfall. Tatort: Musikschule in Neckarsulm, Tatzeit: 14. Oktober 2005, 20 Uhr. Täter: Es luden die Buchhandlung "Bücher & mehr" und die Musikschule Neckarsulm zur Lesung von Leonie Swanns Schafskrimi "Glennkill" ein. Leider besuchen nicht viele bekannte Autor(innen) die kleine schwäbische Stadt und so war meine Freude umso größer. Dass es viele Literaturinteressierte im Kreis Heilbronn gibt, sah man an der Zuschauerzahl: Alle Plätze waren besetzt und somit lauschten ca. 100 Zuschauer der jungen Autorin.

Anfangs gab es eine eher kurze Begrüßungsansprache von den Organisatoren: Der Leiter der Musikschule freute sich, den Lesungsabend mit irischer Musik seiner Schüler(innen) bereichern zu können. Die Organisatorin der Buchhandlung kam auch kurz zu Wort und man konnte sichtlich sehen, wie sehr sie sich auf den Abend freute. Einige Worte über Leonie Swann bereiteten die Zuschauer auf das Folgende vor. Bei dem Namen handele es sich um ein Pseudonym und bis heute wolle Frau Swann den Angestellten der Buchhandlung nicht verraten, wie sie wirklich heißt.

Musikschule NeckarsulmDie Autorin schaffe es, dass man Schafe mit etwas anderen Augen sehe. Ihr Debütkrimi sei witzig, humorvoll, spannend und hintersinnig und Neugierde wurde geweckt durch den Spruch "In Irland ist unter jedem Dach ein Ach!". Doch bevor wir etwas mehr über Schäfer George und dessen Schafsherde hören durften, erhielten wir eine Kostprobe irischer Musik: Zwei Schülerinnen (Gitarre & Geige) und ein Schüler (Zieharmonika) spielten zwei passende irische Musikstücke.

Geduldig wartete Leonie Swann an ihrem Lesungstisch, lauschte der Musik und stellte sich schließlich auch nochmals selbst vor. Schafe seien ja auch sehr musikalisch, meinte sie und ließ auch ihr neues Schaf "Olle" nicht unerwähnt. Sie hatte es wohl von den Organisatoren als kleines Präsent erhalten. "Olle" wich während der ganzen Lesung nicht von ihrer Seite, wie man auch den Bildern entnehmen kann. Doch was erwartete uns? Laut Frau Swann sollte uns der Abend Mord, Abenteuer, Leidenschaft und sehr viele Schafe bringen. Damit begann sie auch schon, ihre Hauptprotagonisten, die Schafe, etwas genauer vorzustellen. Allen voran, Sir Ritchfield, der nicht mehr ganz so gut hörende Leitwidder, der aber aufgrund seiner guten Augen sehr wichtig für die Ermittlungen werden sollte. Nicht minder wichtig sei natürlich Miss Maple, das klügste Schaf der Herde - ja, vielleicht sogar das klügste Schaf der Welt. Auch Mopple the Whale, der dicke Merinowidder, immer hungrig, aber mit ausgezeichnetem Gedächtnis ausgestattet, helfe bei der Aufklärung des Mordfalles. Und dann sei da noch der etwas zwielichtige Othello.

Die OrganisatorenGanz konventionell begann Leonie Swann die Lesung mit dem ersten Kapitel: Der Schäfer wird tot aufgefunden und die Schafe beraten, was nun zu tun sei. Frau Swann merkte man ein bißchen an, dass sie noch nicht viele Lesereisen bestehen musste. So las sie mit zwar sehr ruhiger, oft aber etwas emotionsloser Stimme. Doch das Mikrofon funktionierte und wir durften der klaren und deutlichen Stimme Frau Swanns für das gesamte erste Kapitel ungefähr 30 Minuten lang lauschen.

Gegen 20.45 Uhr gab es dann eine kleine Verschnaufspause für die Autorin, wo die Zuschauer sich am Getränkestand mit Wasser, Cola und Guinness versorgen konnten - und hatte die Autorin neugierig genug gemacht, war da natürlich noch ein Verkaufstisch mit den Büchern, die Leonie Swann auch in der Pause signieren wollte. Beide Angebote nahmen die Zuschauer gerne in Anspruch und so wurde schon die erste Runde ein voller Erfolg.

GlennkillNach 15 Minuten spielten die drei Schüler(innen) nochmals zwei Stücke und ließen uns ein bißchen irische Atmosphäre schnuppern. Auch Leonie Swann hatte sich offensichtlich aufgewärmt und eingestimmt. Das folgende zweite Kapitel las sie mit deutlich mehr Gefühl und Leben, der feine Humor ihres Buches wurde offensichtlicher und die Zuschauer waren noch begeisterter als sie es ohnehin schon waren. Mitte des zweiten Kapitels unterbrach die Autorin und erzählte einen Teil der folgenden Geschichte, um dann später wieder im Buch einsteigen zu können. Einige Schafe waren verschwunden und der Metzger war über die Klippen gestürzt. Wieder mussten die Schafe beraten, was zu tun war.

So las Frau Swann nochmals ca. 30 Minuten und machte immer neugieriger. Wer das Buch noch nicht kannte, wollte es kennenlernen. Anschließend stand die Autorin noch für eine kleine Fragerunde zur Verfügung. Erst traute sich natürlich niemand, doch als Leonie Swann sich schon grinsend verabschieden wollte, hoben sich die ersten fragenden Hände.

Irische MusikWas alle brennend interessierte:

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Schafskrimi zu schreiben?

Leonie Swann erzählte, dass sie Tiere sehr gerne mag. Sie ist der Meinung, dass man viel von ihnen lernen kann, wenn man sie beobachtet. Auch störten sie die Vorurteile gegenüber angeblich dummen Schafen. Auf einer Fahrt durch Irland fiel ihr auf, welch interessantes Verhaltensspektrum Schafe doch bieten. Dass in jedem Schaf wohl viele Geschichten schlummern müssen. In Paris wurde dann die Idee des Schafskrimis geboren. Sie begann mit dem Mordfall des toten George und entwickelte die Geschichte weiter.

Den Mörder kannte sie damals selbst noch nicht und probierte immer wieder verschiedene Lösungen aus. Schließlich kam ihr Freund irgendwann und meinte "Ich weiß, wer Georges Mörder ist!" - "Achja? Dann rück mal raus damit!".

Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben?

Intensive Arbeitsphasen, an denen Leonie Swann fast ununterbrochen an dem Buch arbeitete, wechselten mit längeren Pausen, in denen gar nicht geschrieben wurde. Mit Unterbrechungen schrieb Frau Swann ungefähr 2 Jahre an "Glennkill" - berücksichtigt man das Lektorat, seien es wohl 2 1/2 Jahre gewesen.

Bei Leonie Swann handelt es sich um ein Pseudonym. Wie kamen Sie darauf?

Leonie SwannLeonie Swann hatte eine sehr interessante Antwort auf diese Frage: Sie wolle ihr Privatleben möglichst privat halten. Auch empfinde sie das Ungleichgewicht einer in der Öffentlichkeit stehenden Persönlichkeit als störend: "Viele Menschen wissen dann meinen Namen, doch ich kenne keinen von ihnen." Auch sei "Leonie Swann" ein eher internationaler Name. Deutsche Namen hätten nach wie vor weniger Chancen vor allem im englischsprachigen Raum, wo um deutsche Autoren eher ein Bogen gemacht werde, weil sie angeblich unspannende Bücher schreiben.

In welche Sprachen wurde "Glennkill" bereits übersetzt?

Englisch, französisch, spanisch, holländisch, dänisch, tschechisch, israelisch, brasilianisch .... und weitere Sprachen, die ihr spontan nicht mehr einfielen.

Wird es eine Fortsetzung des Schafskrimis geben?

Eine Fortsetzung ist geplant, allerdings wird es vielleicht eher ein Schafs-Thriller. Auch plant Leonie Swann, etwas Richtung phantastischer Literatur mit weniger Schafen zu schreiben.

Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?

Vor "Glennkill" schrieb Leonie Swann nichts, das über 20 Seiten hinausging. Mit dem "richtigen" Schreiben begann sie vor ungefähr 3 1/2 Jahren.

Auf wievielen Lesungen waren Sie bisher?

SignierstundeDies sei ihre 4. Lesung in Folge und das reiche ihr persönlich auch. So eine Lesereise sei sehr anstrengend und sie freue sich nun auf etwas Ruhe. Im Jahr 2005 seien es insgesamt 12 Lesungen.

Haben Sie auch schon vor Schafen gelesen?

Auf diese witzige Frage antwortete Leonie Swann ebenfalls mit viel Humor: Sie habe es versucht, doch die Schafe hatten daran weniger Interesse gehabt. Dennoch glaube sie an das literarische Verständnis in Schafen, man müsse sie nur darauf vorbereiten.

Die Fragestunde wurde schließlich beendet und erneut spielten die Schüler(innen) irische Musik. Nachzügler durften ihre Bücher nochmals signieren lassen. Leonie Swann nahm sich viel Zeit für ihre Fans und war am Ende der Lesung sichtlich erschöpft, wirkte aber trotzdem sehr zufrieden und glücklich.

Für mich und meine Freundin war es ein sehr schöner Abend. Ich kannte bisher nur das Hörbuch (das übrigens von der Autorin selbst gekürzt wurde) und war erneut von der Geschichte begeistert. Leonie Swann ist eine sehr sympathische junge Autorin, der ich weiterhin viel Erfolg wünsche und auf deren folgende Bücher ich sicherlich sehnsüchtig warten werde.

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