Eigentlich wollte ich nur ein bisschen jammern am 07.11. auf Facebook. Überall begegneten mir in diesen Tagen Ankündigungen und Schwärmereien von Wohnzimmerlesungen und wie gerne würde ich so etwas auch mal veranstalten. Deshalb ließ ich mich im Social Network zu dem Kommentar "Ich will auch mal einen netten Autoren in meinem Wohnzimmer lesen lassen" hinreißen. Aber in Badisch Sibirien? In einer Gegend, in der sich einzig kältetolerante
Füchse und Hasen Gute Nacht sagen? Wie sollte man so etwas denn finanzieren?

Petra Durst-BenningPerfektes Timing, denn kurz nach dem Eintrag vermeldete Petra Durst-Benning "MEINE LIEBE! Ich lese heute Abend in Möckmühl, das liegt gerade mal 13 km von dir entfernt. Da würde ich sagen: VERGISS DAS WOHNZIMMER UND KOMM
ZU MIR! Grüßis, Petra"

Und so begab ich mich am 07.11. auf eine spontane Lesereise ins Frankreich des 19. Jahrhunderts und in die Bibliothek Möckmühl, wo Petra Durst-Benning ihr aktuelles Buch "Die Champagnerkönigin" vorstellte.

Möckmühl! Nicht gerade eine Weltstadt, aber ein kleines Städtchen mit viel Charme und Hand aufs Herz: Sollte man sich so eine Gelegenheit wirklich entgehen lassen? Natürlich nicht. Petra "kenne" ich nun durch ihre Bücher schon seit rund 10 Jahren. Sie meinte sogar, dass ich eine der ersten gewesen sei, die vor "gefühlten hundert Jahren" ihr Buch "Die Zuckerbäckerin" im Internet vorgestellt hat (Tatsächlich war es übrigens "Die Silberdistel"). Ein Jahrzehnt "gemeinsame Vergangenheit" und nun endlich ein Treffen in Natura.

Dank Petra hatte ich einen wirklich wunderschönen Abend. Sie hat eine unvergleichliche Art, ihre Lesungen zu gestalten. Genau die richtige Mischung aus Lesung und persönlichen Erzählungen. So wundert es mich nicht, dass einige "Wiederholungstäter" da waren: Für eine Besucherin war es sogar schon die sechste (oder siebte?) Lesung mit der charmanten Autorin.

Das Buch "Die Champagnerkönigin"

Doch worum geht es überhaupt in dem Buch? Bei "Die Champagnerkönigin" handelt es sich um den zweiten Band der neuen großen Trilogie "Jahrhundertwind" - wie der Titel vermuten lässt, spielt die Haupthandlung in der reizvollen Champagne:

"Die Berliner Fabrikantentochter Isabelle hat gegen den Willen ihrer Eltern den attraktiven Leon Feininger geheiratet. Sie geht mit ihm in die Champagne, wo er ein Weingut geerbt hat. Isabelle ist verzaubert von der einzigartigen Landschaft. Der schöne Schein trügt jedoch; eine erfolgreiche Rivalin wartet nur darauf, sich das vernachlässigte Weingut einverleiben zu können. Als Leon tödlich verunglückt, steht Isabelle vor dem Nichts. Hilfe bekommt sie von zwei so unterschiedlichen wie außergewöhnlichen Männern. Für eine neue Liebe ist sie noch nicht bereit, aber durch die Arbeit in den Weinbergen findet sie ihren Lebensmut wieder. Sie schwört sich, für den Jahrhundertwechsel 1900 den besten Champagner zu kreieren und als Veuve Feininger Geschichte zu schreiben. Für Isabelle beginnt das Abenteuer ihres Lebens."

Die Lesung

Petra Durst-BenningIm Vergleich zu den bisherigen Lesungen der Autorin, in denen sie Szenen las, die im Rahmen des Buches eine wichtige Rolle spielen oder die für sie selbst eine besondere Bedeutung haben, folgte Petra Durst-Benning an diesem Abend einem ganz anderen Aufbau. Sie bewegte sich dieses Mal überwiegend auf den ersten fünfzig Seiten, was daher rührte, dass sie alle Hauptfiguren vorstellen wollte.

Josefine und Klara hatten keine Gelegenheit für einen Auftritt, aber sie tauchten natürlich reichlich im Buch auf. Nur nicht an diesem Leseabend.

Die Frage, die Petra beim Schreiben immer am meisten beschäftigte, wenn sie ihren Figuren Leben einhaucht, ist "Was treibt einen Menschen um? Was treibt einen Menschen an?" Denn, ob jemand aus Lust am kreieren, aus Arbeitswillen heraus ein Projekt beginne, oder ob er etwas aus Schuldgefühlen getrieben zur Wiedergutmachung etwas mache - das seien zwei Paar Schuhe. Sei jemand verbissen? Werde er von krankhaftem Ehrgeiz getrieben? Wolle er seinen Eltern etwas beweisen? All' dies seien Fragen, die größtmögliche Auswirkungen auf ein Menschenleben haben, was der Grund sei, weshalb sich die Autorin beim Schreiben intensiv mit solchen Fragen auseinander setze.

"Wie tickt jemand? Was geschieht, wenn er nicht bekommt, was er will?"

Nachdem wir Isabelle kennenlernen durften, erzählte Petra mit ihrem bezaubernden schwäbischen Dialekt ausführlich über ihre Recherchearbeiten. Zahlen und Fakten könne sie aus jeder Bibliothek bekommen, aber wie es dort rieche, wie sich die Landschaft anfühle, die Lichtverhältnisse, der Menschenschlag - sind die Menschen eher offen und zugänglich oder verschlossen? Das alles erfahre sie nur vor Ort. Deshalb werde man von ihr wahrscheinlich nie einen Roman lesen, der auf einer exotischen Insel spielt, von der sie nicht einmal wisse, wo sie genau liegt. Ihre Geschichten spielten im Schwarzwald oder im Thüringer Wald - oder eben in der Champagne.

Was Petra bei dieser Recherche ganz besonders gereizt hat, war das Neuland, das sie damit betrat. Zu Champagner hatte sie überhaupt keinen Bezug - was ja auch kein Wunder sei: In Württemberg und in Baden gebe es so viele gute Winzer und damit gute Weine und Sekte, die man dann doch eher trinke.

Erst fuhr sie in die nördliche Champagne, in der die ganzen großen Winzer ansässig sind (deren Marken man auch hier in gängigen Supermärkten findet). Es sei auf den Meter genau festgelegt, wo die Champagne beginnt und endet und ausschließlich Perlwein, der dort angebaut wird, darf sich schließlich Champagner nennen. Ein Winzer, der ein Kilometer weiter unter gleichen Verhältnissen identische Trauben anbaut, dürfe seinen Wein höchstens Crémant nennen.

Zwischen der nördlichen und südlichen Champagne befinden sich rund 80 km Ackerland - beide Regionen pflegen eine kleine Feindschaft. Insgesamt ist die "Route du Champagne" 700 km lang (von Dorf zu Dorf, zu jedem Winzer - eine Strecke, die sie selbst auch nicht geschafft habe, obwohl sie sich viel angesehen und probiert hatte). Eine Empfehlung für einen "Geheimtipp" konnte sie nicht geben, was daran lag, dass es insgesamt 4765 selbstvermarktende Winzer, 65 Genossenschaften und zusätzlich 289 große Handelshäuser gebe. "Man muss sich einfach ein bissele durchprobieren."

Petra & ichErste Anlaufstelle von Isabelle im Buch ist Reims, die Hauptstadt der Champagne und deshalb besuchte auch Petra diese Stadt zuerst. Und sie war überrascht wie selten von einer Stadt - weil sie so unglaublich schön sei. Viele Jugendstilbauten, sehr viele Bauten aus dem typischen Kalksandstein. Durch diese mineralischen Effekte erschien ihr die Stadt wie in einem unwirklichen Schimmer. Doch der wahre Schatz liege unterhalb der Stadt in den mehr als 120 Kilometerlangen Kellergängen, in denen unvorstellbare Mengen an Weinflaschen gelagert werden. Die zweite Besonderheit von Reims sei die Kathedrale (Weltkulturerbe) und obwohl sie keine typische Touristin sei, die alle Kirchen ansehen muss, war sie von diesem Bauwerk überwältigt. Wer noch mehr über Petras Reise erfahren möchte, sollte unbedingt einen Blick in ihr Reisetagebuch werfen.

Einige Lacher gab es, als Petra Durst-Benning fragte, welchen Schauspieler die Zuhörer denn bei einer bestimmten männlichen Hauptfigur im Kopf hatten. Von George Clooney hin zu Sean Connery, Alain Delon bis hin zu Roy Black war fast alles vertreten. Das sei übrigens das Schöne am Schreiben und Lesen: Dieses Kopfkino und die Freiheiten, die man habe. Sehe man sich heute einen Film mit Isabelle Huppert an, dann sei das einfach ein Film mit Isabelle Huppert. Aber beim Lesen eines Buches habe man jede Möglichkeit, sich dieses auszumalen - was natürlich auch ein Problem bei Verfilmungen sei, denn die Bildschirme seien zu starr. Das Gezeigte komme nicht mit unseren Vorstellungen mit. Deshalb sei es wichtig, das zu trennen. Und doch sei genau das das Schöne beim Lesen: Diese Freiheiten, die man habe. Ob man sich eine schöne gebundene Ausgabe gönne oder lieber auf dem E-Book-Reader lese. Wann man lese, wie lange man lese. Das sei wichtig in unserem stark reglementierten Alltag.

Den Abschluss bildete eine kleine Fragerunde, bei der sie unter anderem erzählte, dass sie vom Verlag aus für ein Buch eineinhalb Jahre Zeit bekomme. Da ihre Bücher immer Spitzentitel seien, die als Hardcover herausgegeben werden, sei dieser etwas längere Zeitraum ganz angenehm.

Als Expertin, die ihre Champagnerkönigin auf fachliche Korrektheit prüfte, konnte sie die Weinsommelier Natalie Lumpp nennen, doch egal, wie oft man vor dem Druck darüber lese: Hinterher finde man doch noch Fehler.

Petra Durst-BenningSehr schön organisiert wurde die Lesung von der Mediathek Möckmühl und natürlich gab es ganz standesgemäß Champagner und Trüffel. Beidem wurde in der Pause reichlich zugesprochen. Und natürlich durften sich alle am Ende noch ihre Bücher signieren lassen.

Die Autorin

Petra Durst-Benning wurde 1965 geboren. Sie begann nach Abschluss eines Agrarwissenschaftlichen Gymnasiums eine Lehre zur staatlich anerkannten Wirtschaftskorrespondentin und Übersetzerin. Später arbeitete sie als Redakteurin einer Hundezeitschrift und als Sachbuchautorin zu natürlichen Heilmethoden bei Tieren. In den 1990er Jahren begann sie mit dem Schreiben von historischen Romanen.

Sie lebt mit ihrem Mann und Hund südlich von Stuttgart.

Neben dem Schreiben ist ihr der Kontakt zu ihren Fans sehr wichtig. Außerdem widmet sie sich sozialen Projekten wie dem Aufbau einer Schulbibliothek im nördlichen Senegal.

Weiterführende Links:

Alle Bücher von Petra Durst-Benning auf Literaturschock.de

Webseite von Petra Durst-Benning

Quellen: Wikipedia & Mediathek Möckmühl

Diese Lesung wurde in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Möckmühl organisiert.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

 

Affiliate-Programm von LCHoice (lokaler Buchhandel) und Amazon. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue