Rebecca Gablé wurde am 25. September 1964 am Niederrhein geboren, absolvierte eine Lehre als Bankkauffrau und arbeitete auf einem Stützpunkt der Royal Air Force.

Rebecca Gablé begann 1990 ein Literaturstudium in Düsseldorf und 1995 erschien ihr erster Krimi "Jagdfieber", der für den "Glauser"-Krimipreis nominiert wurde. Sie ist seit Ende ihres Studiums als freie Schriftstellerin und Literaturübersetzerin tätig.

Als ich im Diana Gabaldon Forum davon las, dass Rebecca Gablé (immer noch eine meiner unbestrittenen Lieblingsautorinnen) zu einer Lesung ins pfälzische Frankenthal kommen wollte, fasste ich sofort den Entschluss, dies mitzuerleben. Hatte ich Frau Gablé, die mit "Das Lächeln der Fortuna" - einem Roman aus der Zeit des Mittelalters - in Deutschland den Durchbruch schaffte, doch schon per eMail als sehr sympathisch kennen gelernt (siehe auch das Interview, das sie mir am 17. November 2001 für www.literaturschock.de gab).

Die Lesung, die auf den 12. März 2002 für 19.30 Uhr von der Buchhandlung GONDROM festgelegt wurde, begann mit einem kurzen einführenden Diavortrag über die Eroberung Englands durch die Normannen im Jahre 1066 in der berühmten Schlacht von Hastings und dem damit einhergehenden Umbruch in Geschichte, Literatur und Sprache - Schwerpunkt des Buches "Das zweite Königreich", aus dem Frau Gablé an diesem Abend lesen sollte.

Der Diavortrag beinhaltete in erster Linie Bilder des Teppichs von Bayeux, der die Idee für das Buch lieferte. Dieser Wandteppich entstand kurz nach 1066, als die Normannen bei Hastings unter Herzog Wilhelm dem Eroberer die Angelsachsen unter König Harold besiegten. Zur Verherrlichung dieser Ereignisse wurde das Meisterwerk vermutlich von Bischof Odo, einem Halbbruder Wilhelms, für die Kathedrale von Bayeux in der Normandie in Auftrag gegeben. Die Stickereien sollen unter Anleitung von Herzogin Mathilde, Wilhelms Gemahlin, entstanden sein. Der Wandteppich beschreibt in einzelnen Episoden sämtliche Vorbereitungen, die für die Überfahrt getroffen werden, und schildert ausführlich den Verlauf der Schlacht von Hastings. Dieser Teppich, der wohl bedeutendste und "älteste Comic" der Christenheit, schildert eindrucksvoll und lebendig das mittelalterliche Leben. Jede der 72 Szenen ist mit einer kurzen Erklärung in lateinischer Sprache versehen. Insgesamt zeigt der Teppich über 1500 Einzelfiguren, wobei das letzte Stück leider fehlt. Untermalt wurde der Diavortrag außerdem mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen aus der Normandie.

Rebecca GabléNach dieser wunderbaren Einleitung begann Frau Gablé mit einer weiteren Einführung: Sie las den ersten Auszug aus "Das zweite Königreich", in dem man Hauptcharakter, Caedmon kennen lernen konnte und die Zuhörer miterlebten, wie er zu seiner Behinderung kam, der er später seine Tätigkeit als Übersetzer verdanken sollte. Anschließend konnten sich alle herrlich über die Szenen amüsieren, die sich zwischen Caedmon und Aliesa abspielten. Schließlich - nach einer kleinen Pause, in der sich einige der Gäste mit Frau Gablé unterhalten konnten - wurde die Lesung mit einer Szene in der Normandie beendet, in der Caedmon von seinen "Gastgebern" ins Gefängnis geworfen werden sollte.

Rebecca Gablé verstand es, mit ihren Stimmlagen und Pausen dem Buch ein solches Leben einzuhauchen, dass man ständig das Gefühl hatte, mittendrin zu sein. Sie lächelte viel und man merke, dass die Lesung ihr selbst auch sehr viel Spaß machte. Das primäre Ziel der Lesung wurde meiner Meinung nach zu 100 % erreicht: Wer das Buch noch nicht gelesen hatte, bekam eine fast unbezwingbare Lust darauf, genau dieses sofort nachzuholen.

Auch in der anschließenden kurzen Fragestunde erwies sich Frau Gablé als eine sehr sympathische Frau, die sich Zeit für die Beantwortung der Fragen ihrer Fans nahm. Sie erklärte, dass die Idee für "Das zweite Königreich" eigentlich ihren Ursprung in ihrem Studium der "Mittelalterlichen Literatur und Geschichte" habe. Dort wird die Schlacht von Hastings und die Zeit um 1066 als großer Umbruch in der Geschichte angesehen, was vor allem auch ersichtlich wird, wenn man bedenkt, dass zwei Menschen, die zu dieser Zeit ca. 200 Jahre auseinander geboren worden waren, keine Verständigungsmöglichkeit gehabt hätten. So sehr wandelte sich die Sprache damals nach der berühmtesten Schlacht der Weltgeschichte. Um zu ergründen, woran dies gelegen haben könnte, las sich Frau Gablé in diese Materie ein und fasste den Entschluss, das Buch zu schreiben, für das sie insgesamt ungefähr zwei Jahre brauchte.

Rebecca GabléMan erfuhr außerdem, dass sich Charaktere und Geschichte durchaus im Laufe des Buches entwickeln - wie zum Beispiel Hyld, Caedmons Schwester, die erst während des Romanes "erfuhr", dass sie den Teppich von Bajeux knüpfen sollte. Allerdings stand von vornherein schon fest, dass Caedmon Sohn einer normannischen Mutter und eines englischen Vaters sein sollte, um dessen "Neutralität" zu wahren und die Tätigkeit des Übersetzers glaubhaft zu machen.

Frau Gablé bestätigte auch, dass es für deutsche Autoren sehr schwer sei, einen Verlag zu finden. Sie selbst habe sehr viele Absagen erhalten und sie fände es außerdem sehr schade, dass der deutsche Krimi ein Schattendasein führe (mit "Jagdfieber", das für den Glauser-Preis nominiert wurde, gab Frau Gablé ihr Romandebüt). Natürlich wurden auch Fragen zu ihrem nächsten Buch gestellt, das im Herbst erscheinen soll und ebenfalls das Thema Mittelalter hat (ein Stadtroman, der hauptsächlich in London spielt und den Namen "Der König der purpurnen Stadt" trägt). Ein derzeitiges Projekt sei zwar schon wieder vorhanden, es sei aber noch zu früh, um etwas darüber erzählen zu können. Dem Mittelalter werde Frau Gablé aber noch eine Weile treu bleiben.

Eine Verfilmung von "Das zweite Königreich" wird es ihrer Meinung nicht geben, da historische Verfilmungen sehr teuer seien und eine deutsche Produktion dafür nicht in Frage komme. Sehr interessant war auch die Information, dass historische Romane eigentlich nur in Deutschland so erfolgreich seien. In England und Amerika seien auch Werke von Autoren wie Ken Follett bei weitem nicht so gefragt wie hier, was eine Übersetzung ebenfalls fraglich mache.

Rebecca GabléAuch während der anschließenden Signierstunde hatte Frau Gablé für jeden ihrer Fans ein Lächeln und Zeit für eine kurze Unterhaltung.

Das Fazit ist also, dass ich sehr froh bin, diese bemerkenswerte Frau nun endlich auch persönlich kennen gelernt zu haben. Meine - nun signierten - Bücher werden natürlich einen Ehrenplatz erhalten. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele weitere Romane dieser Qualität erscheinen werden und ich würde mich sehr freuen, Frau Gablé mal wieder bei einer Vorlesung besuchen zu dürfen.

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