Lilian Braun ist eine Podencofreundin fast der ersten Stunde. Sie hat ein Buch über ihre bisherigen Erlebnisse/Erfahrungen mit ihren Podencos geschrieben und die Möglichkeiten zu einer artgerechten Ausbildung von Jagdhunden aufgezeigt.

Am 03. Mai 2008 war ich auf einer ganz besonderen "Lesung". Nein, natürlich war es keine Lesung, die Lilian Braun da zum Besten gab. Es handelte sich um ein ganz wunderbares Freizeittraining für Podencos (wobei alle anderen Rassen auch willkommen waren), das sich eng an Lilians Erlebnisse, die sie in ihrem Buch "Der Podenco Ibicenco: Ein etwas anderer Jagdhund" beschrieb, anlehnte.

An diesem einen Tag bekamen insgesamt vier Podencos und Podencomischlinge mit ihren Besitzerinnen einen Einblick in die umfangreiche Arbeit mit Jagdhunden. Doch mehr als Arbeit war es Spiel, das uns und unsere Hunde erwartete und so durften sowohl die Zwei- als auch die Vierbeiner sich erst ausgiebig in Lilian Brauns Garten beschnuppern und kennenlernen.

Anschließend wurde es ernst - die hochentwickelte Spürnase unserer Podencos sollte gefordert und gefördert werden:

Geruchsdifferenzierung mit Bierdeckeln und Geldmäppchen:

Podenco FreizeittrainingZu dieser Übung erhielt jede Besitzerin einen unbenutzten Bierdeckel, den sie eine zeitlang in der Hand halten sollte, damit dieser ihren Geruch annimmt. Dann wurde ein weiterer, neutral riechender, Bierdeckel (ratsam ist die Benutzung von Handschuhen, damit der Bierdeckel auch wirklich neutral riecht) von Lilian Braun auf der Wiese ausgelegt, der "riechende" Bierdeckel in einigem Abstand daneben. Die Aufgabe für unsere Hunde war nun, den richtigen, also den nach Frauchen duftenden, Bierdeckel zu erschnuppern. Als kleine Starthilfe durfte unter dem (geknickten) Bierdeckel ein Leckerchen versteckt werden.

Natürlich meisterten alle unsere Spürnasen diese Übung mit Bravour und die gleiche Übung mit ausgelegten Geldbörsen klappte natürlich auch. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe kann man durch die Entfernung der beiden Bierdeckel/Geldmäppchen/Sonstige Objekte variieren: Je weiter auseinander die Objekte liegen, umso einfacher kann der Hund die Gerüche unterscheiden. Auch wechselten wir immer mal wieder unsere Positionen bzw. die der ausgelegten Objekte. Ausdehnen kann man die Übung später, indem man mehr Objekte auslegt oder die Hunde diese gar apportieren lässt (das konnten allerdings noch nicht alle vierbeinigen Teilnehmer).

GeruchsdifferenzierungKeine Frage, dass so viel für die meisten Hunde ungewohnte Nasenarbeit eine kleine Spielpause verdient hatte?

Nachdem manch einer schon dachte "Mein Hund ist ja jetzt schon todmüde" ging es raus in des Podencos Liebstes: Den Wald.

Nasenarbeit im Wald: Schweiß & Schleppe

Zuerst wurde von Lilian eine Schweißfährte mit Rinderblut gespritzt. Dafür ging sie einige Meter in den Wald hinein (nachdem sie den Beginn der Fährte mit einem Stock markiert hatte - dies erleichtert den Hundeführern das Wiederfinden) und spritzte gleichmäßig in mehr oder weniger gerader Linie die Fährte. Die Hunde mussten etwas entfernt warten, damit sicher war, dass sie ihre Nase zum Suchen einsetzten und die Fährte nicht einfach mit den Augen vorab verfolgten. Schließlich wurde immer ein Hund auf die Fährte angesetzt und mit dem Kommando "Such Verwund" losgeschickt. Am Ende der Fährte - die meisten Hunde hatten wenig Schwierigkeiten sie zu verfolgen - wartete dann eine geschlossene Plastikdose mit abgekochten Hühnerherzen zur Belohnung.

GeruchsdifferenzierungSchweißfährten werden dann verfolgt, wenn z.B. ein Jäger sich "verschossen" hat: Wenn er ein Reh also nur verwundet hat und dieses noch fliehen konnte. Es ist selbstverständlich, dass der Schweißhund dann bei Auffinden des verletzten oder verendeten Tieres dieses nicht ohne Kommando aufnehmen oder gar fressen darf. Deshalb die geschlossene Dose Hühnerherzen - die Belohnung gab es dann direkt am Ende der Fährte aus der Besitzerhand. Nicht anders wurde die Schweißfährte mit Hühnerbrühe gehandhabt (nicht jeder hat schließlich immer Rinderblut im Kühlschrank).

Nachdem alle Hunde und deren Besitzerinnen mit Feuereifer ihre Schweißfährten verfolgten, ging es an das Ziehen einer Schleppfährte. Erst gab es eine recht einfache Pansenschleppe (dank des Geruches hätten fast die Besitzerinnen die Fährte mit der Nase verfolgen können) und hier habe ich mich besonders über meine Lara gefreut: Am Ende der Fährte nahm sie das Pansenstück nicht auf, sondern wartete auf mein Kommando - was dann natürlich auch gleich ihre Belohnung war. für die Felldummyfährte wurde ein einfaches Hasenfell geschleppt, doch hier wartete am Ende dann wieder die Dose Hühnerherzen als Leckerei. Die Fellsuche war sichtlich schwieriger für alle Hunde, doch es scheiterte keiner an der Aufgabe.

Nach der aufregenden und durchaus für beide Seiten anstrengenden Arbeit hatten sich sowohl Zwei- als auch Vierbeiner eine Pause verdient. Erstere bekamen zurück in Lilian Brauns Garten eine wunderbare Torte mit wachmachendem Kaffee, während letztere doch nicht genug bekommen konnten und wie verrückt auf der Wiese tobten. Podencos sind in dieser Hinsicht fast unermüdlich.

Intelligenzspiele für schlechtes Wetter

IntelligenzspieleDen krönenden Abschluss - jedenfalls für meine Lara und mich (die anderen trafen sich noch zum gemeinsamen Essengehen) - bildeten die Intelligenzspiele, die speziell für Hunde angefertigt wurden. Im Training benutzten wir Spiele der Marke "Nina Ottoson", aber es gibt noch viele andere Hersteller, über deren Qualität ich allerdings nichts aussagen kann.

Fast jedem Podencobesitzer ist der vorwurfsvolle Hundeblick bekannt, der einen trifft, wenn man den Hund bei "Hundewetter" aus dem Haus schleppen will. Bei Regen fallen Spaziergänge bei nicht ganz so Hartgesottenen in der Regel etwas kürzer aus, doch der Podenco will trotzdem gefordert werden. Eine schöne Alternative bilden hier die bereits genannten Intelligenzspiele. So gibt es zum Beispiel den sog. "Dog Smart": Unter seinen Hütchen werden Leckerlies versteckt und der Hund muss nun entweder durch Anstubbsen mit der Nase, Kratzen mit den Pfoten oder - die intelligenteste Variante - Fassen mit dem Fang und Herausziehen der Hütchen an die Leckereien kommen (in unserem Fall waren es wahlweise Käsewürfel, Wurststückchen oder normales Trockenfutter).

Der "Dog Torando" ist etwas schwieriger, denn hier muss der Hund drei sich gegeneinander drehende Scheiben verschieben, um an die mit Leckerchen gefüllten Leerräume zu kommen. Am schwersten war wohl der "Dog Turbo", denn hier muss der Hund die Leckerchen zu den 6 Kanalenden schieben oder ziehen. Einfacher war dagegen der "Dog Brick", denn hier mussten nur einzelne Klötze verschoben werden. Unermüdlich zeigte sich bei den Spielen wieder meine Lara - waren die anderen Hunde bereits gesättigt und müde, wollte sie immer wieder "ihr" Spielzeug neu von mir befüllt haben.

SpielspaßNatürlich gab es eine abschließende Spielerunde unter den Hunden und als ich schließlich zu Hause war, merkte ich nur noch zum Füttern etwas von meinem Hund - den Rest des Tages und den ganzen nächsten Tag (damit sie nicht überfordert wurde in ihrem zarten Alter von einem Jahr bekam sie diese Pause) verbrachte sie nahezu im Schlafkoma.

Das Freizeittraining für Podencos ist nicht nur empfehlenswert für Hunde dieser Rassen(mischung) - so ziemlich jeder Hund wird an diesen intelligenten Beschäftigungsmöglichkeiten seine wahre Freude haben (vielleicht sogar mehr als einem dagegen eher langweiligen Spaziergang). Lilian Braun nahm sich viel Zeit für Erklärungen und die Beantwortung von Fragen, hat ein ruhiges Händchen für die Hunde und schaffte eine gemütliche Atmosphäre. Ich kann so ein Training wirklich jedem ans Herz legen, der aus dem Alltag "Sitz-Platz-Hier" etwas ausbrechen und seinen Horizont und den seines Hundes erweitern möchte.

Mein herzlicher Dank für diesen wunderschönen Tag gilt Lilian Braun, ihren Hunden Canela, Tarifa & Serafin, sowie den anderen Teilnehmerinnen und ihren Vierbeinern Lopez, Nico & Speedy.

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