Tad Williams: Der Drachenbeinthron

Tad Williams: Der Drachenbeinthron

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Tad Williams: Der Drachenbeinthron
ET (D)
1988
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Dragonbone Chair
ET (Original)
1988
ISBN-13
9783608938661

Informationen zum Buch

Seiten
975

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
An diesem Tag aller Tage rührte sich etwas Fremdartiges tief im dämmernden Herzen des Hochhorstes, im verwirrenden Kaninchenbau der Burg mit ihren stillen Gängen und von Efeu überwucherten Höfen, in den Mönchszellen und den feuchten, schattendunklen Kammern.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Der betagte König Johan liegt im Sterben, und um die Thronfolge entbrennt ein hinterhältiger Kampf unter seinen Söhnen Elias und Josuah. Der Küchenjunge Simon,wegen seiner Zerstreutheit auch Mondkalb genannt, gerät mitten in die Auseinandersetzungen um die Herrschaft über Osten Ard. Welche Ziele verfolgen aber die geheimnisvollen Elbenvölker der Nornen und Sithi, denen einst das Land gehörte?

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Simon Mondkalb, seines Zeichens wissbegieriger Küchenjunge, schlacksig und mit roten Haaren wächst auf der alten Feste Hochhorst heran. Als er schließlich von dem schrulligen Doktor Morgenes als Lehrling angenommen wird, lernt er Lesen und Schreiben und erfährt mehr über die Geschichte seines Landes und den Sithi, dem Elbenvolk, das einst im Land herrschte, bevor es von den Menschen vertrieben wurde. Als der weise König Johann Presbyter stirbt, gerät dessen ältester Sohn und Thronfolger Elias in die Fänge des dunklen Ratgebers und Zauberpriesters Pryrates. Schließlich bewegt dieser Elias dazu, seinen Bruder ins Verlies zu werfen und Simon weiß nichts besseres zu tun, als einen Rettungsversuch zu wagen. Dabei muss er auf einer waghalsigen Fluch seine Heimat verlassen - verfolgt von Pryrates Schergen.

Ich glaube, "Der Drachenbeinthron" bietet die gefürchtetsten ersten 200 Seiten der gesamten Fantasyilteratur. Immer wieder wird das Buch gleichermaßen empfohlen, wie vor besagten Seiten gewarnt. Geschildert wird pure Langeweile, als sich Simon durch die unterirdischen Fluchttunnel der Feste schlägt. Dunkelheit, Düsternis und ein bisschen Ungeziefer - viel mehr begegnet uns nicht, während wir Simon auf seiner Flucht begleiten. Doch auch ich rate: Durchhalten! Es lohnt sich. "Der Drachenbeinthron" bietet großartige Fantasy auf höchstem Niveau und hat mir persönlich sogar besser gefallen als Tolkiens "Der Herr der Ringe" (alle Tolkien-Fans mögen mir bitte verzeihen).

Tad Williams überzeugte mich mit jeder Seite, nahm mich gefangen mit seinem anspruchsvollen, aber doch nie zu überladenen Sprachstil. Die Charaktere sind vielschichtig, die Atmosphäre ist so dicht, dass man meint, neben Simon zu stehen, zu kämpfen, zu lachen und zu weinen. Auch nach der Lektüre erinnert man sich gerne an Binabik, den Troll mit seiner grauen Wölfin Qantaqa oder an Herzog Isgrimnur, den so leicht nichts erschüttern kann.

Für die Neuauflage wurde die alte Übersetzung mit etwas Feinschliff versehen. Der Klett-Cotta ist für seine herausragende Qualität in Sachen Buchausstattung bekannt und übertrifft sich hier fast - vor allem, wenn man die alten Taschenbuchausgaben daneben sieht. Diese gebundene Ausgabe hat ein Lesebändchen, einen ausführlichen Anhang zu den Personen, Orten und Völkern. Außerdem natürlich die obligatorische Karte Osten Ards. Die Übersetzung von verschiedenen Ausdrücken der Sprache des Landes runden das ganze zu einem perfekten Gesamtpaket ab.

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Heute las ich die letzten Seiten des letzten Buches (Der Engelsturm). Lange hatte ich mich davor gedrückt die letzten Seiten zu lesen. Nicht etwa weil ich nicht wissen wollte wie es weiter geht, sondern vielmehr weil ich tatsächliche Angst davor hatte nach dem ENDE nicht mehr weiterlesen zu können. Sobald ich wieder ein Stück in den Büchern las, hatte ich das Gefühl die Personen wirklich zu kennen. Ich kann mir noch nicht vorstellen, nun nach dem mich die Reihe genau ein Jahr meines Lebens begleitete, dass ich nun nicht mehr erfahren kann wie es ihnen weiter ergeht. Nie hatte ich beim lesen eines Buches so einen "Wirklichkeitseindruck" gehabt. Das alles Stimmt mich sehr Traurig. Schade, dass es keine Fortsetzung gibt (vielleicht auch Jahre später). Auch würde ich mir ein Buch über Camaris (einem der größten Helden in der Reihe) oder anderen wichtigen Personen wünschen, das vor der Zeit von Simon angesiedelt wäre. Ich werde alle sehr vermissen !!

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Ich habe das Buch zu meinem 21. Geburtstag geschenkt bekommen. Inzwischen bin ich 26 und habe alle vier Bücher innerhalb des letzten Jahres gelesen. Dass es so lange gedauert hat liegt nicht daran, dass ich kein begeisteter Leser bin, sondern daran, dass ich das Buch zig Male zu lesen begonnen hatte und einfach nicht über die ersten 10 Seiten hinauskam.

Aber, wenn man den Anfang erst einmal gelesen hat, ist es als packe einen eine liebevolle Hand, die mich die ganze Reise Simons und seiner Kameraden miterleben ließ, mir alle Menschen,die eine Rolle, eine große oder kleine, spielen auf eine Art und Weise vorstellte, dass ich das Gefühl hatte bis in ihr tiefstes Inneres blicken zu können. Tad Williams versteht es den Leser an seinem Erzählfaden entlangzuleiten und ihn trotz aller allzu genauen Details nicht des Buches müde werden zu lassen. Spannung, gute Dialoge, unglaubliche Landschafts- und Charakterbeschreibungen machen das Buch zu einem Erlebnis.

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Ein wundervolles Buch, wenn auch zeitweise etwas langatmig, an dessen Ende ich gar nicht fassen konnte, dass es einfach vorbei sein sollte! Zu sehr nimmt einen die detailliert beschriebene Welt gefangen. Eine Buchreihe von der es sich lohnt, sie zweimal zu lesen!

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Handlung:

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Erst wenige Generationen ist es her, seit die Menschen ins Land Osten Ard kamen und die ersten Beherrscher dieses Landes, die Sithi, mit der Macht des Eisens vertrieben haben. Heute leben die letzten Sithi-Elben versteckt in unzugänglichen Gegenden, aber einige von ihnen schmieden Pläne, um Osten Ard zurückzuerobern. Hinter diesen finsteren Ränken steht der Sturmkönig Ineluki, ein schreckliches, untotes Wesen, das die letzte Schlacht zwischen Menschen und Sithi nur mit Hilfe eines bösen Zaubers überstanden hat und jetzt wieder in die Welt zurückkehren will. Die Chancen dafür stehen gut, denn im Reich der Menschen steht seit dem Tod des Hochkönigs Johan Presbyter nicht alles zum Besten. Johans ältester Sohn Elias besteigt als neuer Hochkönig den Drachenbeinthron im Hochhorst, einer uralten Burg, die auf den Ruinen einer noch viel älteren Sithi-Festung errichtet worden ist. Zwischen Elias und seinem Bruder Josua schwelt seit dem Tod von Elias’ Gemahlin ein bitterer Zwist, denn Elias gibt Josua die Schuld am Tod seiner Frau. Doch erst durch den verderblichen Einfluss des gewissenlosen Magiers Pryrates gerät Elias auf den falschen Weg. Pryrates knüpft Kontakte mit den Nornen, einem dunklen Sithi-Volk, um Elias das geheimnisvolle Schwert „Leid“ zu verschaffen. Ineluki selbst hat diese Klinge seinerzeit geschmiedet und mit ihrer Hilfe will Elias seine Macht sichern. Doch der Preis, den er für den Erwerb der Klinge zahlen soll, ist schrecklich: Er soll seinen Bruder Josua opfern. Mehr und mehr verliert Elias seine Menschlichkeit, alle Völker Osten Ards stöhnen unter seiner unbarmherzigen Herrschaft.

Von all diesen Vorgängen ahnt der Küchenjunge Simon Mondkalb, der seine Eltern nicht kennt und unter den Fittichen der obersten Dienstmagd des Hochhorsts aufgewachsen ist, natürlich nichts. Verärgert über seine eigene Fähigkeit, sich immer wieder in Schwierigkeiten zu bringen, wünscht Simon sich weit weg. Er träumt von einer glanzvollen Karriere als Krieger – oder als Magier. Letzteres Ziel rückt in scheinbar greifbare Nähe, als der weise alte Doktor Morgenes ihn als Lehrling aufnimmt. Eines Tages entdeckt Simon zufällig einen versteckten Kerker und einen Gefangenen, der darin schmachtet. Und das ist niemand geringerer als Prinz Josua! Zusammen mit Doktor Morgenes verhilft Simon dem Prinzen zur Flucht, doch die von Pryrates angeführten Häscher sind ihnen schon auf den Fersen. Auch Simon muss den Hochhorst verlassen, während Morgenes sich opfert, um Simons Flucht zu decken. Einsam und unglücklich irrt Simon durch die Wildnis, bis er dem Troll Binabik und der Wölfin Qantaqa begegnet. Dieses Zusammentreffen ist kein Zufall: Binabik wurde ausgesandt, Simon zu helfen – Morgenes war Angehöriger eines Geheimbunds und hatte Binabiks Meister, der ebenfalls zu dem Geheimbund gehörte, verständigt. Auf ihrer gefahrvollen Reise zur Burg Naglimund, wohin Prinz Josua sich mit einigen Getreuen zurückgezogen hat, begegnet Simon noch weiteren Personen, die später noch eine wichtige Rolle spielen werden: Dem Sithi-Prinzen Jiriki und einer jungen Frau, die mehr ist, als sie zu sein scheint…

Während Josua sich in Naglimund auf den Angriff seines Bruders vorbereitet, werden Binabik und einige Krieger auf eine wichtige Mission geschickt. Um die Wiederkehr Inelukis zu verhindern, müssen drei magische Schwerter zusammengebracht werden. Das Schwert „Leid“, das sich bereits im Besitz des wahnsinnigen Elias befindet, ist eines davon. Deshalb müssen die Schwerter „Dorn“ und „Minneyar“ beschafft werden, bevor sie Elias oder Pryrates in die Hände fallen. Simon begleitet den Trupp auf der beschwerlichen Reise in den Norden. Doch die Häscher der Nornenkönigin sind schon auf ihrer Spur…

Kringels Meinung:

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Tad Williams kann zweifellos gut Geschichten erzählen und er hat es auch mit diesem Buch (dem ersten von vieren des Osten Ard - Zyklus) wieder geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen. Wer epische Fantasy mag, dürfte mit dem Osten Ard – Zyklus bestens bedient sein. Dabei sind die ersten ca. 100 Seiten für Leser mit kurzem Geduldsfaden vielleicht so etwas wie ein Stolperstein. Williams nimmt sich nämlich fast zu viel Zeit, um die Hauptfiguren (vor allem Simon Mondkalb) einzuführen, ihre Beziehungen untereinander festzulegen und die grundlegenden Strukturen der Fantasywelt, in der die Geschichte spielt, auszuarbeiten. Diese Ausführlichkeit hat zwar einerseits den Effekt, dass man sich wirklich alles hervorragend vorstellen kann, denn Williams hat das Talent, Personen, Orte und Situationen ungemein plastisch und lebendig darzustellen. Auf der anderen Seite ist aber gerade die Charakterzeichnung Simons für meinen Geschmack zu plakativ ausgefallen. So dumm, wie der Knabe sich anstellt, kann kein Mensch sein! Wahrscheinlich sollte so der Effekt erzielt werden, dass der Leser sich besser mit der Hauptperson identifizieren kann. Der Leser soll die Welt Osten Ard zunächst durch die Augen des geringsten ihrer Bewohner sehen, bevor die großen und wichtigen Ereignisse mit Wucht herangerollt kommen. Das funktioniert durchaus, d.h. man kommt gut in die Geschichte „hinein“, aber wenn Simon zum x-ten Mal tolpatschig eine Rüstung umwirft oder vor lauter Träumerei sonst irgendeinen Unfug treibt, dann nervt das irgendwann. Ungeduldige Leser werden sich also erst einmal durch einige Kapitel quälen müssen, bevor überhaupt irgendetwas passiert. Sobald Simon aber erst einmal den Hochhorst verlassen hat, nimmt die Geschichte enorm Fahrt auf und reißt den Leser mit. Soweit also: Gutes Lesefutter, spannend und phantasievoll geschrieben, mit vielen parallel ablaufenden Handlungssträngen und interessanten Schauplätzen. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Ich hatte aber praktisch die ganze Zeit das Gefühl, dass nichts an diesem Roman wirklich neu ist. Oder, anders ausgedrückt: Dass Williams praktisch jedes einzelne Element irgendwo geklaut hat. Ständig hatte ich das Gefühl, einem ähnlichen Charakter schon mal irgendwo begegnet zu sein, ähnliche Handlungsmuster und gar manche Dialoge schon mal irgendwo gelesen zu haben. Besonders großzügig bedient Williams sich offensichtlich beim großen Vorbild „Der Herr der Ringe“, aber auch keltische, nordische und sonstige Mythen dienen als Ideen- und Namenlieferanten. Teilweise werden die Begriffe nur leicht abgewandelt, teilweise werden sie auch eins zu eins übernommen. Viele Charaktere, Orte und Situationen bestehen quasi aus neu zusammengewürfelten Versatzstücken diverser Vorbilder aus anderen Fantasy-Werken. Helden aus dem Baukasten nach Schema F, könnte man auch sagen. Wenn eine kleine Gemeinschaft, die aus Angehörigen verschiedener Völker besteht, sich auf die Suche nach etwas enorm wichtigem macht, das benötigt wird, um das ultimativ Böse zu bannen, dann erinnert das doch schon sehr an Frodos Reise zum Schicksalsberg. Übrigens fehlt auch ein geheimnisvoller goldener Ring mit unverständlicher Runenschrift bei Tad Williams nicht…

Das gleiche gilt für die Verwendung der Religion. Wenn ich diesen Roman so lese, kann ich nicht umhin zu sagen, dass Tolkien gut daran getan hat, keinerlei religiöse Aspekte in sein großes Werk einzubinden. Denn wenn man bei Tad Williams dauernd etwas von Gottes Sohn „Usires Ädon“ liest, dann wird das recht bald peinlich. Man muss nur den Namen mit „Jesus Christus“ überschreiben und sich anstelle des Baums, an dem Usires aufgehängt wurde, ein Kreuz vorstellen – schon ist aus der ädonitischen Religion das Christentum geworden. Das ist einfach zu offensichtlich.

Ich will Tad Williams wirklich nicht als Plagiator bezeichnen – und wenn, dann hätte er immerhin gut geklaut, denn der Roman bietet beste Fantasy-Kost und fesselnde Unterhaltung. Den Osten Ard - Zyklus jedoch als „Meilenstein des Fantasy-Genres“ zu bezeichnen oder mit Tolkien zu vergleichen, halte ich für absolut unangebracht.

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Mein Endruck von Tad Williams´ Osten-Ard-Zyklus will sich nicht vollständig in die Reihen der mehrheitlich doch über alle Maßen positiven Rezensionen gesellen (siehe bspw. „Kritiken“ auf Amazon.de), nicht, weil mir die Geschichten um Seoman Schneelocke, den Hauptprotagonisten, nicht gefallen hätten (davon kann wirklich keine Rede sein), sondern weil trotz aller Pluspunkte der eine oder andere Fehlgriff von Williams nicht ungenannt bleiben sollte.

Williams macht bisweilen den Fehler, den an und für sich sehr greifbaren und realistischen Charakteren einen Hauch allzu „tatsächlicher Realität“ verleihen zu wollen – so möchte ich in meinem Leben nie wieder die Wörter „Mondkalb“ und „Küchenjunge“ (beides sind Attribute von Simon/Seoman) hören, die ständige Bezugnahme auf die Schwächen des Helden macht ihn zwar menschlicher, ist jedoch in ihrer Übertreibung (das gilt selbstverständlich nur für einige Passagen) beinahe schon lächerlich und an die Satire grenzend (was nun ja wirklich nicht bezweckt war – eine unfreiwillige Komik also, die den Leser stellenweise auch zur Weißglut treiben kann). So stolpert Simon zaudernd, flennend, blutend und stets am Ende seiner Kräfte von einer Misere in die nächste – wenn man zu allem Überfluss alle vier Bände in Folge liest, sprich sich keine Abwechslung gönnt, stößt dieser Umstand besonders bitter auf... Gegenüber dem Charakter Maegwin entwickelte ich bisweilen sogar Aggressionen – unglaubwürdiger und fadenscheiniger konnte Williams diese Figur wohl kaum gestalten: erneut beging er den Fehler, den grundsätzlich begrüßenswerten, realistischen Ansatz in ein Extremum zu treiben, das den Leser im Laufe der Lektüre irgendwann den Kopf schütteln und laut aufstöhnen lässt - kurz: manchmal verkommt das Buch zu einer Seifenoper billigster Machart.

Den oftmals angestellten Vergleich mit Tolkien und dem Herrn der Ringe (das Silmarillion ist ohnehin ein anderes Genre) kann Osten-Ard meines Erachtens nicht bestehen – die Qualität der Sprache (ich spreche von der Übersetzung ins Deutsche HdR: Margaret Carroux / Osten-Ard: V.C. Harksen) ist bei Tolkien eine vollkommen andere: anspruchsvoller, in einer gewissen Hinsicht weltfremder, dem Epos entsprechender. Allerdings war Williams´ Priorität, der Anspruch, den er an sein Buch stellte, zweifelsohne ein anderer, als jener von Tolkien: wo Josua ein sorgengeplagter Querulant war (...um es übertrieben zu formulieren), war Aragorn beinahe ein Übermensch, Frodo und Simon, Maegwin/Miriamel und Eolair/Simon, Isegrimnur und Gimli, immer dasselbe Schema... ich will die Bücher von Osten-Ard nicht als Strandlektüre abtun – das sind sie zweifelsohne nicht! Aber die Bezeichnung „Literatur“ gebührt dem HdR zweifelsohne in einem höheren Maße.

Und schließlich das „große Finale“ – „der Engelsturm“: ohne das Wesentliche vorwegzunehmen, möchte ich dennoch die übertriebene „Effekthascherei“ der letzten hundert Seiten nicht unerwähnt lassen. Auch konnte mich letztlich die Auflösung der Geschehnisse um Ineluki, die Nornenkönigin und natürlich Simons eigene Person nicht gänzlich überzeugen – vielem haftete ein etwas konstruierter Charakter an, was allerdings bei der Fülle an Charakteren und Verhältnissen, politischen sowie persönlichen, auch nicht weiters verwunderlich, und somit entschuldbar ist...

Um aus diesen Kritikpunkten eventuell resultierenden Mißverständnissen vorzubeugen, sei gesagt, dass dennoch alle vier Bücher des Osten-Ard-Zyklus gleichermaßen zu empfehlen sind; die Schwachstellen werden durch die Stärken der Erzählung mehr als ausgeglichen und letztlich stellt man die Bücher mit einem guten Gefühl zurück ins Regal – und das ist die Hauptsache. Wer also epische Fantasy zu schätzen weiß, gegen die eine oder andere Länge nichts einzuwenden hat, bzw. die nötige Konsequenz aufbringt, das Buch wegen einer u.U. redundanten Passage ad acta zu legen und schließlich, wer die nötige Zeit aufzubringen in der Lage ist – dem kann ich die Osten-Ard-Saga nur wärmstens empfehlen.

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