Rick Yancey: Der Monstrumologe

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Rick Yancey: Der Monstrumologe
ET (D)
2010
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
The Monstrumologist
ET (Original)
2009
ISBN-13
9783785760406

Informationen zum Buch

Seiten
416

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Der Direktor der Einrichtung war ein kleiner Mann mit roten Backen und dunklen, tief liegenden Augen, dessen markante Stirn von einer Explosion flaumiger weißer Haare eingerahmt wurde, die sich af dem Marsch zu seinem Hinterkopf lichteten und aus deren Masse sich Haarwirbel wie Wellen erhoben und am schwach rosafarbenen Eiland seiner Glatze brachen.

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1888: Der Junge Will Henry ist ein Waisenkind und arbeitet als Assistent des kauzigen Dr. Warthrop. Der gute Doktor hat sich auf ein ganz besonderes Gebiet spezialisiert: Er ist Monstrumologe, das heißt, er studiert Monster und macht Jagd auf sie. Eines Abends kommt ein Grabräuber zu Will und dem Doktor ins Labor. Er hat einen schrecklichen Fund gemacht: eine Leiche, in die sich ein Monster verbissen hat. Der Doktor weiß, diese Monsterart ist äußerst gefährlich, da sie Menschen tötet. Und die einzigen, die nun zwischen diesen Bestien und den Menschen stehen, sind der Doktor und der kleine Will.

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Die Geschichte des „Monstrumologen“ ist in eine Rahmengeschichte eingefasst, der vermeintliche Autor erhält die Tagebücher eines Altersheiminsassen zur Lektüre, der angeblich über 120 Jahre gewesen sein will und bei dem es sich um die Hauptfigur des weiteren Romans – Will Henry – handelt.

Offiziell behauptet Warthrope stets, er sei ein Doktor der Philosophie, doch in Wirklichkeit gehört er zum kleinen Kreis der professionellen Monstrumologen. Der Waisenjunge Will Henry wird von Warthrope als sein Assistent bezeichnet, kümmert sich aber eigentlich um alles. Während Warthrope abwechselnd in manischen Studienorgien und depressiven Anfällen versinkt, kümmert Will Henry sich um den Haushalt und versorgt den Doktor mit allem, was dessen Herz begehrt – gerne auch mal mehr als 24 Stunden am Stück. „Mach fix, Will Henry“ ist der Ausruf, den man ständig hört und wäre ich Will Henry, hätte ich Doktor Warthrope bereits nach 20 Seiten erschlagen gehabt. Er gönnt dem armen Jungen keine ruhige Minute und stellt unerfüllbare Vorgaben (mal eben diese im ganzen Haus verteilten 20 Sachen zusammensuchen – wie noch nicht damit fertig?), deren eilige Erfüllung er dann praktisch im Minutentakt anmahnt.

Selbst unter Berücksichtigung eines „verrückter Wissenschaftler“-Bonus, macht das Warthrope nicht sonderlich sympathisch und dass Will Henry das klaglos akzeptiert, konnte ich nicht verstehen und hat mich ungeduldig darauf warten lassen, dass dem Jungen endlich mal der Kragen platzt. Am Ende des Buches gab es noch einmal eine Überraschung, die ein neues Licht auf das Verhältnis zwischen dem Doktor und Will Henry geworfen hat, eine Wendung, die ich sehr gelungen fand und meinen bis dahin bestehenden Eindruck der Beziehung der beiden deutlich relativiert hat.

Der „Monstrumloge“ befindet sich meiner Meinung nach auf der Grenze zwischen Jugend- und Erwachsenenroman. Der jugendliche Hauptdarsteller und die recht gradlinige Handlung lassen mich zum Jugendroman tendieren, einzelne Beschreibungen sind aber ganz bestimmt nicht jugendfrei, ein Film, der die beschriebenen Gemetzel zeigt, wäre vermutlich erst ab 18 freigegeben.

Mindestens eine halbe Bonusratte verdient das Buch für seine Aufmachung. Das beginnt mit dem gelungene Cover, ganz in schwarz-weiß mit einem gelungene kleinen roten Blutfleck, zieht sich durch tolle Illustrationen, teils ganzseitige Darstellungen von Szenen aus dem Buch, teils an den Seitenrand gezeichnete Instrumente (Säge, Spatel, Zange,…) und endet damit, dass sich aus der hinteren Klappe ein passendes Lesezeichen im heraustrennen ließe. Das ergibt einfach ein tolles Gesamtbild und natürlich sind die Illustrationen auch hilfreich dabei, sich die Monster besser vorstellen zu können – auch wenn man das eigentlich gar nicht wirklich will…

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Ein Monstrumologe widmet sich dem Studium von Monstern, und wenn es sein muss, jagt er sie auch. Der zwölfjährige Will Henry ist Waise und steht im Dienst von Dr. Warthrop, eines Monstrumologen – und wird eines Nachts tatsächlich mit einem sogenannten Antropophagen konfrontiert. Das Scheusal ähnelt in seiner Gestalt zwar einem Menschen, ist aber deutlich größer – und kopflos. Seine Augen sitzen in den Schultern und sein Rumpf wird von einem großen, zahnbewehrten Maul dominiert. Und Antropophagen fressen Menschenfleisch. Zum Glück ist das besagte Exemplar bereits tot, doch geraten Will Henry und Dr. Warthrop in die missliche Lage, einem lebendigen und äußerst hungrigen Rudel entgegentreten zu müssen. Dieses Rudel gilt es nun zu jagen und zu erlegen, während außerdem dunkle Familiengeheimnisse ans Licht kommen.

Yancey bedient sich eines alten Tricks, um die Geschehnisse in der Realität zu verankern: er bettet die Handlung in einen modernen Rahmen. Ein Journalist gerät an Wills Tagebücher, welche er wiederum dem geneigten Leser präsentiert, und natürlich gibt es auf den letzten Seiten einen Twist, der in Frage stellt, ob die gerade gelesene Geschichte tatsächlich nur eine Geschichte ist.

Obwohl das Buch als Jugendbuch gehandelt wird und Coverillustration und Klappentext es auch genau dort verortet, sprechen meiner Meinung nach wesentliche Punkte dagegen. Erstens: Blut, Gewebeteile und abgerissene Glieder. Yancey scheut sich nicht davor, seinen jungen Helden bildhaft davon berichten zu lassen, was er zu Gesicht bekommt. Sei es der vermeintlich unspannende Seziertisch im Keller des Wissenschaftler, der blutige Schauplatz eines Antropophagen-Gemetzels oder eine Zelle in einem zwielichtigen Irrenhaus, der Leser wird schonungslos mit den Schilderungen konfrontiert. Und auch wenn es mal nicht ganz so blutig zugeht, lässt Yancey keinen Zweifel daran, dass Monster genau dort lauern, wo man sie vermutet, unterm Bett und in dunklen Ecken – aber keinesfalls auch dort bleiben.

Zweitens: Selbstzweifel, Verlust und die ewige Frage nach Gut und Böse. Zwar sind die Fronten auf den ersten Blick klar vergeben, die Menschen sind gut, die Menschenfresser böse. Doch sehr schnell zeigt sich, dass Monster auch dort lauern können, wo man sie nicht vermutet, nämlich als innere Dämonen im vermeintlichen Freund und Helfer. Auch der Mensch kann ein Monster sein. Diese inneren Monster werden genauso thematisiert wie die offensichtlichen, auch wenn es zum Beispiel darum geht, dass Waise sein keineswegs ein romantischer Zustand ist. Der zwölfjährige Will Henry stellt sich schmerzlichen Erkenntnissen und kämpft genauso tapfer gegen Selbstzweifel und Einsamkeit wie gegen handfeste Bedrohungen. Zwischen ihm und dem Doktor entspannen sich manches Mal moralische Diskussionen, während derer ein zu junger Leser wahrscheinlich „verloren geht“.

Drittens: acheronische Gänge, cherubische Züge und hyperbolische Vorstellungskraft. Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass Yancey versucht, sich sprachlich den klassischen gothic novels anzunähern. Mir hat das sehr gefallen, doch kann es bestimmt auch den gegenteiligen Effekt haben. Einzelne Fremdworte mag man noch überlesen können, aber insgesamt ist das Sprachniveau eher gehoben und Yancey hält sich nicht unbedingt mit langen Erklärungen auf.

Insgesamt ergibt das eine Mischung, die mich an einer Leseempfehlung „ab 14 Jahren“ zweifeln lässt, für mich aber sehr gut funktioniert hat. Die Atmosphäre stimmt, die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten und die Handlung folgt einem abwechslungsreichen Spannungsbogen bis zu einem schlüssigen Ende. Lediglich zwei, zeitweise während des Lesens drei Punkte ließen mich mit einem Stirnrunzeln zurück. Der eine Punkt klärt sich während des Lesens und sorgt sogar für einen Aha-Effekt, die anderen beiden sind … ärgerlich.

Ein definitiver Pluspunkt des Buches ist die Gestaltung. Im Stil des Covers gibt es im Buch zahlreiche (unblutige) Illustrationen von Jürgen Speh. Neben ganzseitigen, zu der jeweiligen Handlung passenden Grafiken werden die Seiten durch die Darstellungen verschiedenster (Sezier-)Instrumente bebildert.

Alles in allem eine empfehlenswerte Lektüre für Leser mit starken Nerven (und Mägen). Wenn man sich von der Erwartung lockerer, vielleicht sogar lustiger Jugendfantasy verabschiedet, die durch Cover und Klappentext geschürt wird, und darauf eingestellt ist, auch mal „bis zu den Knöcheln im blutigen Schlamm“ zu stehen, wird man mit fesselnder Unterhaltung belohnt.

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