Bernhard Hennen: Der Wahrträumer

Bernhard Hennen: Der Wahrträumer

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Bernhard Hennen: Der Wahrträumer
Verlag
ET (D)
2002
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783492265416

Informationen zum Buch

Seiten
632

Serieninfo

Sonstiges

Erster Satz
Mit Beginn der Dämmerung zeigte sich der schneeweiße neue Stern am abendlichen Himmel.

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In einer Zeit, da dramatische Entwicklungen die Welt erschüttern, stellen sich vier Frauen den Herausforderungen ihres Lebens. Die Walfängerin Alessandra, eine Rebellin, die sich dagegen auflehnt, einem Gott geopfert zu werden, und dafür mit einem Leben auf der Flucht bezahlt. Die Kirchenfürstin Cosima, eine Intrigantin, die für ihre Überzeugungen über Leichen geht. Ernanda, die Söldnerführerin, die ihrer heimichen Liebe in eine Schlacht folgt, die mit Waffengewalt nicht gewonnen werden kann. Und Grasfeder, Auserwählte des Geistertänzers, deren Liebe den Tod besiegt.

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Der Wahrträumer ist der erste Band der Gezeitenwelt. Die Gestaltung des Buches gefällt mir sehr gut. Jeder Kapitelbeginn ist mit schönen Ornamenten verziert. Diese sind Teil der Umrandung der Chronik einer verlorenen Zeit, die von Schwester Dolores geschrieben wurde. Auszüge daraus sind über das Buch verteilt zu finden.

Mehrere detailreiche Zeichnungen und zwei Karten der Gezeitenwelt, um sich geographisch zurecht zu finden, geben Einblicke in die fremde Welt. Der Anhang hätte etwas ausführlicher sein dürfen, da einige Namen nicht auf den Karten vermerkt sind.

Die Gezeitenwelt ereilt eine Katastrophe. Ein Meteor schlägt ein. Die Völker der Gezeitenwelt sehen in ihm ein Zeichen. Während die einen noch versuchen durch Opfer ihren Gott gnädig zu stimmen, versuchen andere bereits mit den sich verändernden Umständen klar zu kommen. Wie die einzelnen Gruppen mit diesem Ereignis und seinen Folgen umgehen wird in mehreren Handlungssträngen erzählt.

Die teils sehr kurzen Kapitel springen häufig von einer Gruppe zur nächsten. So hat man stets vor Augen was sich zeitgleich an verschiedenen Orten ereignet. Das mag man sich vielleicht anstrengend vorstellen, ist es aber, nach kurzer Einlesezeit, keineswegs.

Hätte ich nicht Das Geheimnis der Gezeitenwelt zuerst gelesen, wüsste ich jetzt fast genau so wenig über die Gezeitenwelt wie vor der Lektüre. Denn nicht die Vergangenheit wird beschrieben, sondern eine Gegenwart, die für alle losgelöst ist von ihrem bisherigen Leben. Die umwälzenden Veränderungen durch den Kometeneinschlag verändern das Leben der Bewohner teils gravierend. Erdbeben und Tsunamis bedrohen die Menschen. Krankheiten und Hungersnot folgen. Die politischen Auswirkungen bleiben nicht aus.

Wie verändert sich die soziale Struktur, wie gehen die Menschen mit den Auswirkungen um? Darum dreht sich Der Wahrträumer. Aber auch um Veränderungen mit denen keiner gerechnet hat und deren Ursprung im Dunkeln liegt. Was hat es mit den Geschichten über seltsame Wesen auf sich? Wer sind sie? Woher kommen sie?

Alessandra, Tormo, Francisco, Orlando, Seruun, Steinfaust und all die anderen Charaktere haben eines gemein. Sie alle sind normale Menschen, mit ihren Stärken und ihren Schwächen. Kein strahlender Held oder Heldin, kein finsterer Bösewicht. Jeder hat seine guten und schlechten Seiten. Ein gutes Beispiel dafür ist Pater Francisco. Einerseits ist er als fanatisch zu bezeichnen, wenn er versucht Alessandra zu fangen, deren Opfer längst sinnlos geworden wäre, andererseits setzt er sich trotz aller Gefahren für die leidende Bevölkerung ein.

Seruun, der Geistertänzer der Windwanderer, ist von Zweifeln geplagt. Zu früh musste er den Platz seines Lehrers einnehmen. Seine Angst als Schamane zu versagen verstärkt sich noch durch die ablehnende Haltung seines Vaters. Er macht eine große Entwicklung durch und verändert dadurch die Zukunft seine Volkes.

Alessandra ist eine Figur, die eine wichtige Rolle spielt, denn sie hat eine Fähigkeit, die sie von der normalen Bevölkerung abhebt. Sie hat eine Art Sensor für die neuartigen Wesen, die die Menschen bedrohen.

Bernhard Hennen setzt seine Leser wenige Tage vor dem Einschlag des Kometen in der Gezeitenwelt ab und lässt sie drei Jahre des Wandels miterleben. In seiner bekannt flüssigen Schreibweise ist es ein Genuss sich durch die über 600 Seiten zu lesen. Aber es ist kein Happy End mit dem man von dem Buch Abschied nimmt. Manche liebgewonnene Figur konnte einen nicht bis zum Ende begleiten. Das Ende? Wie meist im Leben. Ein neuer Anfang. Gerne hätte ich erfahren, was aus mancher Figur noch geworden ist, aber ich hoffe den ein oder anderen Hinweis in einen der nachfolgenden Bände lesen zu können.

Mich plagen noch so viele Fragen, aber das ist wohl das beste Mittel um seine Leser bei der Stange zu halten.

Was mich etwas störte, war der Titel. Der Wahrträumer. Dadurch nahm ich an, dass die Geschichte aus der Sicht oder über den Wahrträumer erzählt wird. Das Buch ist aber wesentlich vielschichtiger angelegt, daher wäre mir ein weniger personenbezogener Titel sinnvoller erschienen.

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An sich bin ich kein Freund von sehr kurzen Kapiteln mit permanenten Perspektivwechseln. Das hat nichts damit zu tun, daß ich mich dann in die Personen nicht hineinversetzen kann, aber ich folge Handlungssträngen eben gerne auch mal über längere Zeit. Wenn bei einem Wechsel dann ordentlich auf die zeitlichen Bezüge hingewiesen wird, dann bekomme ich auch Gleichzeitigkeit bzw. Abfolgen gut auf die Reihe. Diese Aufsplittung hat mich hier auch zunächst gestört, den Anfang habe ich daher etwas schleppend gelesen, obwohl ich die Anlagen gar nicht uninteressant fand. Nachdem ich mich aber mit diesem Vorgehen und den Inhalten und Personen der einzelnen Fäden angefreundet hatte, hab ich es doch sehr zügig zu Ende gelesen.

Die Charaktere sind Bernhard Hennen für meinen Geschmack gut gelungen, gerade weil sie eben Menschen mit Stärken und Schwächen sind, mal liebenswürdig, mal zum Kopfschütteln, mal böse. Ich kann mich daher auch gar nicht für einen Lieblingscharakter entscheiden, jeder hatte etwas, was mich fesselte - selbst Joacino da Gona. Leider hätte das Buch mindestens 200 Seiten länger sein müssen, um alles auszuführen, was mich noch interessiert hätte. So hätte ich gerne noch viel mehr z. B. über den roten Orden erfahren und über die corona (ich hatte dabei übrigens immer eine Vorstellung wie von der Mafia ...). Und auch das Ende hätte dann etwas weniger abrupt sein können, obwohl mich die offenen Fragen dabei weniger stören als die kurze Ausgestaltung.

Gut gefallen haben auch mir die "Schmankerl" wie Karte, Zeichnungen, Seitenverzierungen usw. Der Anhang hätte gerne noch ausführlicher sein dürfen. Insgesamt wirkt die Gezeitenwelt als Hintergrund eines solchen Epos sehr ausgereift und in sich logisch, das macht Lust aufs Weiterlesen. Stilistisch hat mir Bernhard Hennen auch wieder gut gefallen.

Wegen der genannten kleineren Kritikpunkte hatte ich im Forum 4,5 Ratten vergeben, runde hier aber auch auf 5 auf, weil es sonst zu schlecht wegkäme.

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Obwohl das Buch vom Aufbau her ziemlich anders ist als ich es gewohnt bin, hat es mir doch sehr gut gefallen. Die verschiedenen Handlungsstränge werden chronologisch Stück für Stück erzählt, daran musste ich mich erst gewöhnen. Die Versuchung war auch groß, einfach vorzublättern um zu erfahren, wie es mit einem Charakter weitergeht (es gab da schon den ein oder anderen fiesen Cliffhanger). Aber ich habe mich dann doch daran gewöhnt, es passt ja auch besser zur Geschichte, da wir nur einen kleinen Einblick in das Leben der verschiedenen Personen erhalten, und wie sie versuchen mit der Katastrophe klarzukommen.

Ich finde es beeindruckend, dass ich trotz dieser nur kurzen Ausschnitte so einen guten Zugang zu den Figuren hatte. Das schaffen einige Autoren nicht einmal bei nur einem Handlungsstrang! Die Charaktere sind sehr vielschichtig angelegt, kein reines schwarz oder weiß. Es ist interessant wie sich die verschiedenen Personen in der durch die Katastrophe veränderten Welt verhalten, da gibt es einige Überraschungen - und eine Person, die ich anfangs regelrecht gehasst habe, hat sich in meinen Augen sehr stark verändert (vielleicht kamen auch einfach nur seine anderen Seiten stärker zum Vorschein).

Die vielen Geheimnisse sind auch faszinierend, dadurch hing ich noch lange in dem Buch fest. Es ist schon irgendwie komisch, wenn man sich selbst beim Grübeln erwischt - da geht das Unterbewußtsein mal wieder eigene Wege. ;)

Die Verzierungen am Anfang jedes Kapitels und die Zeichnungen finde ich toll, leider fehlte ein Glossar - und eine Aufstellung der wichtigsten Personen und Völker wäre auch nett gewesen. Mit einigen Begriffen konnte ich überhaupt nichts anfangen, da musste ich mir dann was zusammenreimen oder/und google befragen.

Das Ende hat mich nicht enttäuscht (obwohl ich eine Menge Tränen wegen einer Person vergossen habe), im Gegenteil hatte ich schon einen gemeinen Cliffhanger befürchtet, als die Seiten bis zum Ende des Buches immer weniger wurden. Einige Fragezeichen blieben natürlich, aber es waren doch nicht so viele, wie ich durch die Elfen-Bücher befürchtet hatte. Manches davon bleibt sicher offen, aber vielleicht gibt es in den folgenden Büchern doch ein paar Antworten. Bei der Frage, wer Schwester Dolores eigentlich ist, könnte ich mir das z.B. gut vorstellen.

Ich bin jedenfalls gespannt was in der Gezeitenwelt noch so passiert, und werde mir die folgenden Bücher besorgen - die Vorgeschichte steht schon im Regal...

Im Forum hatte ich 4,5 Leseratten vergeben, da dies aber nur aufgrund des fehlenden Glossars geschah, vergebe ich hier 5 Leseratten (denn mit 4 Leseratten würde ich das Buch für meinen Geschmack zu gering bewerten).

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"Um Neues zu schaffen, muss Altes zerstört werden" - diesen Gedanken, der sich durch viele Sagen und Mythologien zieht, greifen vier deutsche Autoren auf und entwickeln daraus eine spannende Geschichte. Ein Meteor schlägt in der Gezeitenwelt ein, doch kein Mensch der mittelalterlichen Welt weiß, dass die Tsunamis und Erdbeben keine Strafe Gottes ist. Überall kämpfen die Menschen nun um ihr nacktes Überleben, gegen Hungersnot und Verzweiflung und für den Wiederaufbau. Dabei entwickeln sich zusehends neue Lebensformen, die vorher nur im Unterbewusstsein und in Legenden existierten. Doch auch einige Menschen haben plötzlich Fähigkeiten, die über ihren Verstand hinaus gehen.

Bernhard Hennen hat sich den ersten Teil der Gezeitenwelt "vorgenommen" und schildert vier verschiedene Geschichten, die lose verknüpft sind, sich manchmal treffen und dann wieder trennen. Der Klappentext, der von dem Schicksal vierer Frauen spricht, ist irreführend, denn im Mittelpunkt steht die Walfängerin Alessandra neben dem Priester Francisco, dem Wahrträumer Seruun und dem Soldaten Joacino - von vier weiblichen Hauptcharakteren kann also nicht die Rede sein.

Sowohl die gebundene Ausgabe als auch das Taschenbuch bestechen durch wunderschöne Illustrationen: Jede zweite Seite zieren Ornamente, feine Zeichnungen veranschaulichen verschiedene Szenen der Handlung und eine Karte runden das positive Bild ab. Schmerzlich vermisst habe ich allerdings ein Glossar mit Erklärungen der vielen verschiedenen Begriffe und Ausdrücke, obwohl man sich vieles schon vom Namen her ableiten kann (mercator = Kaufmann, uidicator = Rechtsprechter usw.).

Die Handlung hält, was ein Bernhard Hennen verspricht: Schwarz-Weiß-Malerei und oberflächliche Charaktere sucht man vergebens. Bernhard Hennen schafft es wie kein Zweiter, seine Figuren so vielschichtig darzustellen, dass sie weder ausschließlich gut oder böse sind. Die Walfängerin Alessandra ist nicht besonders hübsch, ihr Freund Tormo ist mit einem "Makel" behaftet, Francisco überrascht mit seiner Bereitschaft, sich für Arme und Kranke aufzuopfern und zugleich mit seiner Härte gegen "Feinde". Seruun ist nicht weniger interessant: Er ist ein von Selbstzweifeln geplagter Schamane, der erst noch seinen Platz in der Welt finden muss und Joacino ist schlicht lebensmüde und wird vor einem ungnädigen Schicksal oft nur von seiner Kampfgefährtin Ernanda bewahrt. Die verschiedenen Handlungsstränge birgen die Gefahr, dass man sich nicht richtig auf die einzlenen Protagonisten einlassen kann, nicht "warm" mit ihnen wird. Es dauert deshalb eine Weile, aber irgendwann konnte ich mich nicht entscheiden, bei wem ich lieber verweilen wollte und da so gut wie jede Szene spannend endet, war ich immer wieder versucht, vorzublättern, um zu sehen, wie es weitergeht.

Bernhard Hennen wäre nicht er selbst, wenn er mit einem völlig unerwarteten Schluß überraschen würde. Man darf bei diesem Autor wohl kein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende erwarten. Es bleiben Fragen offen, die wohl auch nicht in den Folgebänden beantwortet werden, aber die Handlungsstränge sind auch eher als kurze Einblicke in verschiedene Leben zu sehen. Einblicke, wie die Menschen nach einer Katastrophe weiterleben. Sie haben keine bestimmten "Fantasy-Queste", die sie lösen müssen. Sie müssen nur einfach klarkommen und überleben - jeder auf seine (oft grausame) Art und Weise. Dass diese Leben dann natürlich nach dem Ende des Buches weitergehen (oder nicht), ist nur logisch und realistisch. Ich finde mich damit ab, dass sich meine Wege mit denen der Charaktere gekreuzt haben, dass ich sie nun aber wieder aus den Augen verliere - so ist das nunmal.

Der gesamte Zyklus der Gezeitenwelt soll sich aus drei Romanstaffeln zusammensetzen, von denen "Der Wahrträumer" der erste Teil des ersten Zyklus ist. Derzeit widmet sich das Autorenquartett anderen Projekten - es bleibt zu hoffen, dass sie bald in die Gezeitenwelt zurückkehren. Bis dahin haben wir mit den restlichen Bänden des ersten Zyklus sicher noch spannende Unterhaltung vor uns.

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