Nina Maria Marewski: Die Moldau im Schrank

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Nina Maria Marewski: Die Moldau im Schrank
Verlag
ET (D)
2011
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783037620151

Informationen zum Buch

Seiten
496

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Auszeichnungen
Seraph 2012 in der Kategorie "Bestes Debüt"
Erster Satz
Aus dem Nebenzimmer drangen Geräusche an sein Ohr.

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Handlungsort

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Von einer Grenzgängerin, einem Serienmörder und Reisen in parallele Welten. Wenn das Unglaubliche wahr wird, ist nichts mehr wie zuvor. MIt Mann und Kindern hat sich Helena im Frankfurter Alltag eingerichtet. Unversehens öffnet sich ihr der Weg in eine andere Welt, die der unseren nur auf den ersten Blick ähnelt. Helena trifft auf ihr eigenes Ich ­ auf eine Helena, die ein völlig anderes Leben führt als sie. Voll Angstlust erkundet Helena die faszinierend unendlichen Möglichkeiten ihres anderen Ichs: Was wäre wenn ...? Aber auf bedrohliche Weise kreuzen sich Lebenswege: Markus taucht auf, ein Mann, der schon als Kind mehr gesehen hat als andere Menschen und der schuldlos schuldig zum Mörder geworden ist. Helena hat eine Entscheidung zu treffen, die über Leben und Tod entscheidet.

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Was wäre wenn?

"Hast du jemals wissen wollen, was aus deinem Leben geworden wäre, wenn du dich an einem wichtigen Punkt für etwas anderes entschieden hättest?"
"Klar, diese Frage stellt sich jeder einmal."


Der kleine Mitja wächst bei seiner lieblosen Mutter auf, die sich in der eigenen Wohnung prostituiert. Immer wieder muss er sich aus einer versteckten Nische mit anhören, wie sie des Nachts Männer empfängt. Als ein Freier zu brutal wird und sie schwer verletzt, ist es an Mitja, sich um seine Mutter "zu kümmern", was ihn schließlich in ein Pflegeheim bringt, in dem man nicht weniger gefühllos mit ihm umgeht. Jahre später wird aus ihm ein gutaussehender, erfolgreicher Mann - und ein Serienmörder.

Helena ist eigentlich glücklich mit ihrem Leben. Sie hat einen Mann und liebe Kinder. Alles könnte wunderbar sein, würde sie nicht durch Zufall den Zugang in eine Parallelwelt entdecken. Eine Welt, in der sie frei und ungebunden einem Leben als erfolgreiche Künstlerin entgegen strebt. Das Gedankenspiel "Was wäre wenn ...?" fasziniert sie immer mehr und schließlich kreuzen sich Helenas Wege mit Markus - der früher auch Mitja genannt wurde.

"Die Moldau im Schrank" wurde 2012 mit dem Seraph in der Kategorie "Bestes Debüt" ausgezeichnet - zu recht, wie ich finde. Die Geschichte nahm mich von Anfang an gefangen und ich verzeihe der Autorin sogar vereinzelt eingestreute Anglizismen. In der Geschichte liegt eine poetische Kraft, wie sie mir in der letzten Zeit leider nur selten in Neuerscheinungen begegnet ist. Das Wesen der Grenzgänger basiert rein auf ihrer Fähigkeit, zwischen den Welten zu wandern. Sie können dies nur als Beobachter tun und nicht steuernd eingreifen, um ihre parallelen Existenzen zu beeinflussen. So fühlt sich Helena auch hilflos, als sie entdeckt, dass sich ihr anderes Ich in einen Serienmörder verliebt.

Das Buch ist voller wunderbarer Zitate und Lebensweisheiten, die so unaufdringlich daherkommen, dass sie einen fast umhauen:

"Es ist nicht so, dass nach dem Verlust eines geliebten Menschen das Leben nicht mehr weitergeht. Es geht immer weiter, aber es ist nichts mehr so, wie es war. Anfangs sind es fast körperliche Schmerzen. Ein Mühlstein liegt tonnenschwer auf der Brust, das Herz bricht auseinander, der Kopf zerspringt vor bohrenden Gedanken. Das befreiende Weinen versiegt irgendwann, ausgeweint und leer bleibt man zurück, und es schmerzt noch mehr. Vor Erschöpfung schläft man ein, um am Morgen festzustellen, dass der Albtraum aufs Neue beginnt. Die Nacht ist in schweren Zeiten gnädig, sie verschont einen meist vor Träumen.
Allmählich lernt man das Lachen wieder, macht Pläne, aber der Schatten bleibt. Er begleitet uns überall hin. Man spricht nicht mehr über den Verlust, alles ist gesagt, aber er bleibt allgegenwärtig."


Nina Marewski spielt geschickt mit den Emotionen ihrer Leserschaft. Sie lässt Helena in der Ich-Form erzählen, was die Bindung noch verstärkt. Die philosophischen Fragen, die sie aufwirft, sind nicht neu: Was wäre wenn? Darf oder kann man sein eigenes Schicksal verändern oder ist es fest in unserer Existenz verankert? Und doch verpackt sie ihren Plot so spannend und faszinierend, dass man sich über die Preisverleihung nicht wundern muss.

Noch ein Wort zur Gestaltung des Buches: Schon alleine der Titel ist eher ungewöhnlich. Welche Moldau ist gemeint? Das Lied? Der Fluss? Und was sucht sie im Schrank? Passend dazu das sehr ungewöhnliche Cover mit Raubvogelaugen. Auf den ersten Blick hätte es mich nicht zum Kauf gereizt, aber nach der Lektüre empfinde ich es als sehr passend. Ein kleines Juwel mit ganz wenigen Abstrichen unter den phantastischen Neuerscheinungen.

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Mäuschen spielen beim zweiten Ich


Der Erstling von Nina Maria Marewski liest sich als gelungene Mischung aus Psychothriller, Krimi und Science-Fiction-Roman. Er spielt im Frankfurt am Main von heute und führt einen in eine Welt, die einem einerseits sehr vertraut ist, andererseits aber auch Facetten zeigt, die man nicht mal in seinen kühnsten Träumen für möglich gehalten hätte.

Man entdeckt das Alter Ego der Protagonisten, man spielt Mäuschen in ihrem zweiten Ich und erlebt gebannt, wie der Wettlauf um Leben und Tod in der hiesigen und in einer fremden, anderen Welt gewonnen werden will.

Bis zur letzten Seite bleibt das Buch spannend. Und es findet im Gegensatz zu vielen dieser Zeitsprung-Filme aus Hollywood ein logisches, nachvollziehbares und vor allem zufriedenstellendes Ende... Nina Maria Marewski nimmt quasi auf den allerletzten Metern auch noch diese Hürde.

Ich kann nur sagen: Weiter so! Und freue mich aufs nächste Mal.

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