Tobias O. Meißner: Die Soldaten

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Tobias O. Meißner: Die Soldaten

Autor

Biografie & Bibliografie von
Verlag
ET (D)
2011
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783492701853

Informationen zum Buch

Seiten
512

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die Sonne zappelte am Himmel.

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Handlungsort

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Die Festung Carlyr ragt über weites, unbekanntes Feindesland. Hinter ihren Mauern bedeutet ein einziger Fehler den Tod. Um nach einer gewaltigen Niederlage neue Soldaten auszubilden, wird Leutnant Fenna nach Carlyr versetzt. Doch der Norden hat seinen eigenen Schrecken zu bieten. Im verbrannten Land jenseits der Festung verbergen sich die Affenmenschen, die schon einmal einen großen Feldzug zum Scheitern gebracht haben. Und als Leutnant Fenna zusammen mit der unerfahrenen Akademieabsolventin Loa Gyffs seine Kompanie ins Land der Feinde führt, entdeckt er, dass die Wüste ein weitaus gefährlicheres Geheimnis birgt.

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Die Soldaten

Ich mag Ausbildungsszenarien, anscheinend bin ich dem Internatsreihen-Alter nie so ganz entwachsen. Umso erfreuter war ich, dass sich „Die Soldaten“ zunächst einmal ausführlich mit ihrer Ausbildung in einem abgelegenen Grenzposten befasst. Die Ausbildung einer Rekruteneinheit wird hier allerdings nicht von einem der Neulinge, sondern sozusagen von oben herab erzählt, nämlich vom Ausbilder, Leutnant Fenna, dessen bisheriger Einsatzort gerade an einer Seuche und ihren katastrophalen Folgen zugrunde geht. Sein erfolgloser Kampf um Recht und Ordnung und vor allem das Leben der dortigen Bevölkerung hat ihn mitgenommen, heutzutage würde man wahrscheinlich von einem Burnout-Syndrom sprechen. Auch wenn das Fort an der Grenze zu den Gebieten der Affenmenschen liegt, so ist es eher ein ruhiger Posten und sein Vorgesetzter hat mit dieser Versetzung eigentlich versucht, dem widerwilligen Fenna einen Gefallen zu tun.

Einen guten Teil des Buches nimmt also die Ausbildung ein und Meißner beschreibt, wie es Fenna recht gut gelingt, die Stärken der einzelnen Rekruten zum Vorschein zu bringen und sie zu einer Einheit zusammenzuschweißen. Auch mit der ihm zur Seite gestellten Akademieabsolventin, die eher ihre theoretischen Modelle anwenden möchte, statt wie Fenna auf einfache Menschenkenntnis zu setzen, arrangiert er sich erfolgreich. Doch dann zeigt der erste Einsatz, dass das Soldatenleben nicht nur aus warmem Essen, Sold und Routine besteht, sondern tatsächlich tödlich enden kann.

Meißners Welt zeigt nur wenige phantastische Elemente, der Alltag könnte genauso gut in einem Fort im Wilden Westen spielen und die Gebiete hinter der Grenze, werden zwar als verheertes Land beschrieben und erinnern in Teilen an eine radioaktiv verseuchte Wüste, aber das ändert nur wenig an ihrem Grad der Tödlichkeit gegenüber ganz normalen Wüstengebieten. Die Parallelen zu Randgebieten unserer eigenen Zivilisation sind sehr deutlich. Auch die Personen sind durch und durch menschlich und damit meine ich nicht nur ihre physischen Eigenschaften, sondern auch ihr Verhalten. Die Figuren haben ihre unterschiedlichen Motive für ihren Eintritt in die Armee und stets ihren eigenen Charakter. Sie verschmelzen so nicht zu einer gesichtslosen Masse, sondern selbst ich, mit meinem chronisch schlechten Namensgedächtnis, hatte keine Probleme, die einzelnen Persönlichkeiten auseinanderzuhalten.

Am Ende werden sie alle auf die Probe gestellt und müssen sich entscheiden, ob Disziplin, Kameradschaft, Loyalität zum Reich oder egoistischer Überlebenswunsch bei ihnen an erster Stelle stehen. Der Leser hingegen verzweifelt an dem Bewusstsein, dass ein eigentlich unsinniger Krieg immer noch mehr Tod und Verderben bringen wird.

Meißners Roman mangelt es an der für Fantasyromane obligatorischen Rettung der Welt oder zumindest des Königreichs. Das macht aber gar nichts, dem Buch mangelt es nämlich glücklicherweise nicht an Qualität, hinter dem Fantasylabel versteckt sich ein hochwertiger Antikriegsroman. Ich weiß nur nicht, ob durch den Titel nicht eher Menschen angesprochen werden, die von dieser Botschaft gar nichts hören wollen, während viele, für die das Buch etwas wäre, eher abgeschreckt werden – und das fände ich doch sehr schade.

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(Aktualisiert: 08 März 2012)
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Das Soldatensein - authentisch und nachhaltig

In diesem Roman geht es vorrangig - wie der Titel schon sagt - um Soldaten, um das Soldatensein. Dass die Handlung in einer Fantasywelt spielt ist nahezu nebensächlich, sie dient lediglich als Verkleidung des Eigentlichen.
Die Verkleidung der grundlegenden Idee, dem Soldatensein, stellt die fiktive Welt dar, die im Epos IM ZEICHEN DES MAMMUTS angesiedelt ist und lässt stets Projektionen auf unsere Realität zu, wodurch die Geschichte an Glaubwürdigkeit gewinnt und zunehmend nachdenklich macht.
Dieser Roman steht für sich alleine und ist ebenso für Nicht-Fantasy-Leser geeignet.
Tobias O Meißner setzt sich hier mit unterschiedlichen Themen und Fragen auseinander, die mit dem Soldatensein unmittelbar verbunden sind:

Wie geht ein Soldat (Mensch) mit äußerst bedrückenden Erfahrungen um?
Als Beispiel steht hier ein Leutnant, der bereits vierzehn Jahre im Dienst ist. Er wurde versetzt aus seiner Heimat, die sich in ein Katastrophengebiet verwandelte, wo die Menschen wegsterben, weil sich die Luft in Gift verwandelte und "jeder Atemzug war, als würde man rotglühende Nadeln in sich hinein schlürfen." Immer wieder wird er in seinem neuen Posten, der Festung Carlyr, von Albträumen heimgesucht, immer wieder begegnen ihm die unschuldigen Opfer, denen er hilflos beim Sterben zusehen musste.

Mit welchen Motiven melden sich Menschen freiwillig, um in Dienst der Armee zu treten und wie entwickeln sie sich in ihrer Ausbildung?
Hierzu werden Personen unterschiedlichster Art beschrieben. Jede Person reagiert auf gegebene Situationen oder bestimmte Erlebnisse anders. Durch diese Charakterisierung und Vielschichtigkeit, werden die Figuren als Menschen und nicht als bloße Statisten dargestellt, was der Geschichte insgesamt auch diese Authentizität verleiht.
Wer und wie viele dieser Freiwilligen und schließlich vereidigten Soldaten haben es wirklich ernst damit gemeint, Soldat zu werden? Wie vielen war es bewusst, welches Risiko sie mit ihrer Verpflichtung eingehen? Wie viele würden ihre Entscheidung am liebsten wieder rückgängig machen, weil sie sich selbst überschätzt haben, weil sie die Realität nun doch viel härter trifft als die Theorie?
Dieser letzten Frage stellt sich auch ein zweiter weiblicher Leutnant, der gerade frisch aus seiner eigenen Ausbildung kommt, um dem oben erwähnten Leutnant bei der Ausbildung der freiwillig gemeldeten Personen zu unterstützen.

Wie reagieren all diese Soldaten auf lebensbedrohliche Situationen, auf Gefechte, die auf Leben und Tod gehen, oder gar auf Himmelfahrtskommandos? Wie kritisch gehen verantwortliche Soldaten mit undurchsichtigen, wie auch mit überschaubaren Befehlen um? Können Begründungen für erteilte Befehle Glauben geschenkt werden, oder verbergen sich hinter den Befehlen anderweitige Motive, die man gar vertuschen möchte? Wie unterschiedlich wird mit der Verantwortung gegenüber anderem Leben umgegangen?
Immer wieder werden die Soldaten auf die Probe gestellt, indem sie immer wieder aufs Neue ihre Treue, ihr Pflichtbewusstsein, ihren Eid beweisen müssen. Doch so einfach ist das mit dem Beweisen nicht, da Soldaten nicht einfach nur Maschinen sind. Zweifel und Konflikte kommen mit aus Erlebtem herausgewachsenen Ängsten auf. Die Soldaten müssen sich entscheiden zwischen bindenden Befehlen, ihrem Treue-Eid und eigenen Interessen, Gefühlen oder Überlegungen, wobei ersteres - wie auch in Wirklichkeit - in der Regel die Oberhand behält.

Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich mit der Ausbildung der neuen Soldaten und wirkt noch wie ein Spiel, in dem man als Leser Zeuge einer sehr gelungenen Mischung aus Spaß und Humor, Herausforderungen, Rivalitäten nicht nur unter Gleichrangigen, Drill, aber auch rätselhafter und bedrückender Träume und Erzählungen wird.
Tobias O Meißner hat in diesem Roman für meinen Geschmack eine wunderbare Figur geschaffen, bei der man bei fast jedem Auftritt unwillkürlich lachen oder zumindest schmunzeln muss, weil er einfach alles und nichts ins Chaos zu stürzen vermag.
Dieser in Teilen humorvollen, verspielten und eher lockeren ersten Hälfte folgt im fließenden Übergang der ernstere zweite Teil, in dem die Soldaten das Feindesland betreten sollen. Hier geraten die Soldaten nun unter höher werdender psychischer Anspannung. Diffuse Erscheinungen oder Phänomene könnten die Soldaten mit Ehrfurcht bewundern, würden sie sich nicht im erklärten Feindesland befinden und demzufolge hinter allen Unbekannten Gefahren befürchten. Wie hier in großartiger Weise mit den Grenzen der psychischen Belastungstoleranz gespielt wird zeigt nur, mit welchem Feingefühl, mit welcher Menschenkenntnis und vor allem mit welcher Empathie Tobias O Meißner sein Handwerkszeug umzusetzen versteht.
Vermehrt kommen nun auch Fantasy-Elemente hinzu, die sich jedoch allesamt im Rahmen des Realismus halten. Magier zum Beispiel sind - wie auch im "Mutter-Epos" IM ZEICHEN DES MAMMUTS - keine Allmächtigen, die im Handumdrehen ein Geschehen auf den Kopf stellen können, ihnen sind Kräfte und Fähigkeiten begrenzt, wodurch sie ebenso antastbar sind wie Normalsterbliche. Ungeheuer und Fabelwesen werden gesichtet und mit manchen müssen sogar Gefechte geführt werden, denen ebenso realitätstreue Handlungen unterliegen, in denen sich beispielsweise kein Soldat zum Überhelden entpuppt oder sich das Ungeheuer als unschlagbares Wesen erweist.

In diesem Roman erscheinen einige Geheimnisse, Rätsel und Phänomene aus IM ZEICHEN DES MAMMUTS, viele werden aber nur angerissen und angedeutet. Wer Gefallen oder Interesse gefunden hat an dieser Verkleidung, dem ist der Zyklus nur wärmstens zu empfehlen, denn in diesem Zyklus stehen diese Phänomene zentraler als in DIE SOLDATEN.

Die Wirklichkeitsnähe trotz Fantasykleidung, die Ehrlichkeit ohne Bloßstellung oder jemandem zu nahe zu treten, die Intensität der vielseitigen und abwechselnden Atmosphäre sowie die exemplarische Tiefzeichnung von Charakteren macht diesen Roman zu etwas ganz besonderen - nicht nur unter dem Fantasy-Genre.
Konsequent wird hier Qualität geboten, vom Anfang bis zum Ende, in dem Tobias O Meißner genau die richtigen Worte findet, um das - für mich zentral stehende Thema um das Soldatensein - ausgezeichnet abzurunden, sodass jeder AUFMERKSAME Leser mit unterschiedlichsten Gefühlen und mit Sicherheit nachdenklich zurück gelassen wird.

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#1 Rezensent
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Die Festung Carlyr im Nordosten des Kontinents ist Leutnant Fennas letzte Zuflucht, um traumatische Geschehnisse verarbeiten zu können. Das seelische Trauma hallt tief in ihm nach und dennoch sträubt er sich innerlich gegen den Auftrag, in Carlyr - so fern seiner Heimat - neue Soldaten auszubilden. In der Festung angekommen verstärken sich seine Zweifel noch mehr, denn die neuen Rekruten sind mehr als nur ahnungslose Frischlinge: die meisten von ihnen scheinen auf den ersten Blick völlig untauglich für den Militärdienst zu sein. Als wäre dieser Ärger nicht schon genug, wird Fenna die junge Akadamieabsolventin Loa Gyffs zur Seite gestellt und es ist fraglich, ob die beiden die ihnen Anvertrauten so gut ausbilden können, dass sie im Feindesland, dem Land der Affenmenschen, dem Land, in dem bereits ein großes Heer von den Feinden in seine Einzelteile aufgelöst wurde, bestehen können.

"Die Soldaten" spielt zwar in der gleichen Welt, in der auch Tobias O. Meißners Mammutzyklus angesiedelt ist - man kann das Buch aber völlig unabhängig davon lesen und verstehen. Allerdings möchte ich jedem die Mammut-Saga wärmstens empfehlen. Wie man es von dem Autor gewöhnt ist, steckt mehr hinter dem Buch, als man es eigentlich erwartet. Übermäßiges Schlachtengetümmel oder oberflächliche Charaktere sucht man vergebens. Vielmehr konzentieren sich große Teile des Buches auf das Leben innerhalb der Festung und hier beesonders auf die Ausbildung der jungen Rekruten. Nicht selten fühlte ich mich an das großartige "Das Paradies der Schwerter" erinnert. Der Autor versteht es immer wieder, eigentlich langweilige Szenen - wie zum Beispiel der Besuch der Kantine - so interessant zu verpacken, dass man gar nicht merkt, wie schnell man die Figuren lieb gewinnt.

Die Charaktere sind bis ins letzte Detail hervorragend ausgearbeitet. Es gibt kein Gut oder Böse, denn jeder Mensch hat für sein Handeln nachvollziehbare Beweggründe, die sich dem Leser nur nicht auf Anhieb offenbaren. Der beschriebene Alltag der Soldaten ist das, was den tatsächlichen Reiz des Buches ausmacht. Wie stark muss der Drill sein, damit es möglichst wenige menschliche Verluste gibt? Kann man das Verhalten in eskalierenden Notsituationen ausreichend üben? Wer bleibt auf der Strecke? Der Schwächste? Der Tapferste? Der Klügste? Der Krieg macht keinen Unterschied zwischen groß und klein, der Hautfarbe oder dem Geschlecht. Der Krieg ist ein Allesfresser, der einen vergessen lässt, Mensch zu sein und man fragt sich, wie zivilisiert eine Welt sein muss, um die Bedeutung des Wortes "Krieg" nur noch in einem Geschichtsbuch nachschlagen zu müssen.

Fans des Autors werden kaum davon überrascht sein, wie kritisch Tobias O. Meißner sich zum aktuellen Weltgeschehen in diesem Fantasygewand äußert. Leser, die einen epischen Roman über große Helden und Schlachtengetümmel lesen wollen, in der am Ende die "Guten" siegen, werden vielleicht enttäuscht sein - oder aber ihnen werden die Augen für eine ganz neue, wunderbare Welt geöffnet. Die Welt des Tobias O. Meißner. Kaufen! Lesen!

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