Bewertungsdetails

Fantasy & Phantastik 3811
Eine komplexe und ungewöhnliche Geschichte mit einer starken mythologischen Seite
Gesamtbewertung
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert
 
5.0
Charaktere
 
5.0
Sprache & Stil
 
5.0
An dem letzten gemeinsamen Abend, den Ash und ihr Ex-Freund Ravi miteinander verbringen, sterben die beiden bei einem Motorradunfall. Aber es gibt ein Leben nach dem Tod, denn sie landen im Limbus – einem Schlachtfeld der Dämonen und Himmlischen Heerscharen, auf dem für den Weltuntergang trainiert wird. Ash hat die Erinnerung an ihr früheres Leben verloren, aber sie gibt nicht auf, weil sie deutlich spürt, dass dort noch etwas wichtiges auf sie wartet. Kann eine Liebe stärker als der Tod sein? Kann eine große Aufgabe sie selbst bis in den Tod verfolgen? Kann beides ihr Schicksal sein?

Und dann ist da Odin, der einsame Wanderer und Anführer des Göttergeschlechts der Asen aus der nordischen Mythologie. Dieser verzweifelt, weil er seine geliebte Enkelin nicht mehr aufspüren kann – jemand hat sie ihm genommen, ihre Verbindung durchtrennt. Dieser jemand kann nach all der Zeit nur Ragnarök im Sinn haben – den Untergang der alten Welt. Armageddon. Aber warum, wo doch die meisten Götter durch den Verlust von Iduns goldenen Äpfeln, die ihnen Unsterblichkeit verleihen, verschwunden sind?

Ich habe es sehr genossen, so tief in meine Lieblings-Mythologie entführt zu werden. Da gab es nicht nur unzählige Andeutungen und Verbindungen, über die ich hier und da schonmal etwas gelesen hatte, sondern auch wundervoll dargestellte Figuren. Bei Odin war ich ja vorbelastet, weil er mich einfach sehr fasziniert. Von Loki kann man das aber ganz bestimmt nicht sagen – und doch war er mir hier sehr nah, ich habe andere Seiten von ihm kennengelernt. Auch wenn ich ihm immer noch nicht ganz traue, sind die Dinge, die mich normalerweise einen großen Bogen um ihn schlagen lassen, hier immer mehr in den Hintergrund gerückt.

Da ich so auf diese Mythologie anspringe, hat es mich nicht wirklich überrascht, dass ich mich in der Nebenhandlung am wohlsten gefühlt habe. Das bedeutet aber nicht, dass ich mit der Haupthandlung nichts anfangen konnte. Ganz im Gegenteil! Sie hat mich vielleicht nicht ganz so intensiv erwischt, aber es gab nur sehr wenige Momente, wo ich nicht tief in der Geschichte versunken war. Zu Ash hatte mir am Anfang der richtige Zugang gefehlt, obwohl ich sie gleich mochte und als einen spannenden Charakter empfand. Dies wurde aber bald besser – mit jedem gelesenen Kapitel spürte ich eine größere Nähe, auch wenn sie nicht zu meiner Lieblingsfigur wurde.

Die Geschichte wirkt “erwachsener” auf mich, sie ist sehr komplex und sorgt für Verwirrung – bei dem einen eher, bei dem anderen später. Aber ich mag es, wenn ich da gefordert werde und mich auch dadurch so intensiv mit einem Buch auseinandersetzen kann. Außerdem ist sie ein wenig schräg und oft sehr humorvoll – beides Dinge, mit denen ich meinen Lesegeschmack jetzt nicht unbedingt beschreiben würde. Vorsichtig formuliert. Ganz im Gegensatz zu der mythologischen Seite, damit “kriegt” man mich ja immer. Aber selten habe ich da etwas gelesen, was mich so intensiv erwischt und solche Begeisterung bei mir ausgelöst hat!

Außerdem gibt es so viele wundervolle Stellen und poetische Beschreibungen, die zu der für mich ganz besonderen Atmosphäre beigetragen haben. Die Szenen mit Odin und Jörd liebe ich, da ist mir einfach immer das Herz aufgegangen. Wegen der mythologischen Stimmung, der Herzenswärme, dem milden liebevollem Spott und ihrem Miteinander. So schön! Die Sprache hat mir sehr gefallen, auch wenn diese manchmal ungewohnt ist – sie passt ganz wunderbar zu der mythologischen Seite und “klingt”. Ich habe mich auf sie eingestimmt, ohne es so richtig zu bemerken – das kam erst, als das Buch ausgelesen war und mir danach so einiges fehlte…

Die Mischung aus all den verschiedenen Elementen macht das Ungewöhnliche und Besondere dieser vielschichtigen Geschichte aus, die meinen Geschmack voll getroffen hat. So sehr, dass “Projekt Armageddon” ganz eindeutig zu meinem Lieblingsbuch von Susanne Gerdom geworden ist. Ich musste oft in mich hineingrinsen und zum Schrecken meiner Katzen auch öfter kichern. Oder glücklich vor mich hinseufzen, wenn ich mal wieder eine besonders schöne Szene mehrfach las. Oft war ich aber auch einfach nur still und klebte förmlich an den Seiten – dann hatte ich meist Kopfkino. Richtiges Kopfkino mit ganzen Filmen! Dabei habe ich manchmal sogar vergessen, mich um meine Lieblingsfiguren zu sorgen…
S(
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