Robert Corvus: Grauwacht

 
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Robert Corvus: Grauwacht
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783492269940

Informationen zum Buch

Seiten
432

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Sarlos bewunderte die hellen Wolken, in denen sich unzählig viele Blautöne mischten.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Die Menschen Bisolas kennen nur finsterste Nacht. Der Tag ist anderen Wesen bestimmt. Doch wenn nur Licht und Dunkelheit den Frieden der Völker garantieren, sind die grauen Stunden des Zwielichts voller Gefahr. - Eine neue, faszinierende Welt von Deutschlands kompromisslosestem Dark-Fantasy-Autor. Ein Tag-Nacht-Zyklus in Bisola dauert ein Menschenleben. Während die Menschen mit der Nacht wandern, gehört den amphibischen Sasseks der Tag. Ein Abkommen sichert den Frieden zwischen den beiden Völkern, aber wenn die Dämmerung kommt, stehen nur die Guardista der Grauwacht zwischen ihnen. Diese Krieger mit besonderen Fähigkeiten überwachen den Abzug der Menschen aus den Städten und den Einzug der Sasseks. Doch etwas geschieht auf Bisola. Ein seltsames blaues Licht erhellt die Nacht, und der Frieden zwischen den Völkern steht auf der Probe. Remon, ein fahnenflüchtiger Guardista, und seine Frau Nata machen sich auf in die Stadt des Zwielichts, um dem Mysterium auf den Grund zu gehen.

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Ein typischer Corvus - fremdartig und reich an Ideen

Tag und Nacht sind auf Bisola ungewöhnlich lang, ein Zyklus dauert Jahrzehnte. Dieser Zustand erfordert auch besonderen Umgang der dort ansässigen Spezies. Die amphibischen Sasseks leben im Tag, die Menschen dagegen in eisiger Kälte der Nacht. Das sorgt natürlich immer wieder für Konflikte und unterschiedliche Auffassungen der Kulturen. Der friedliche Übergang wird in der Dämmerung durch die Grauwacht gewährleistet. Diese Eliteeinheit aus Guardistas mit besonderen Fähigkeiten wacht über den Pakt, der seit lang vergessenen Zeiten zwischen Menschen und Sasseks geschlossen wurde. Neuerdings gefährdet jedoch ein rätselhaftes Ereignis ihre Aufgabe. Die Monde verändern die Farbe und der Tag- Nachtzyklus verschiebt sich. Ein Krieg droht!

"Das Schicksal übertreibt gewaltig, wenn es die Monde als Signalfeuer verwendet, nur um uns zu warnen. So wichtig sind wir nicht."

Nach der grandiosen Schattenherren-Trilogie musste ich natürlich auch das neueste Buch von Robert Corvus lesen. In "Grauwacht" überzeugt der Autor erneut mit guten Ideen und einer seltsamen Welt, die von verschiedensten Charakteren bevölkert wird. Da gibt es Remon, einen Guardista auf der Flucht, der sich für ein einfaches Leben mit Familie und Liebe entschieden hat. Seine Frau Nata, neugierige und intelligente Tochter eines Forschers – mit einer Leidenschaft für die Sterne. Und dann noch Ssarronn, aufgeschlossener Sassek, der sich nicht vor Fragen und neuen Eindrücken scheut.

Das blaue Licht der Monde macht allen Angst, doch es gibt auch Menschen, die ein Geheimnis zu hüten scheinen. Die wenigen Metropolen auf Bisola bieten wichtige Gelegenheiten, sich Wissen anzueignen. Hat man sich erst einmal Zutritt in eine Bilteca verschafft und die Prüfung der Wächter überstanden, breiten sich die Rätsel der Welt um einen aus. Mir gefielen die magischen Details besonders gut. Das Energienetz Plexo, die Herzfeuer und heiligen Stätten sowie die Kristallbücher der Geister.

Abgerundet wird die Geschichte durch eine alte Präsenz, geweckt durch das Blau. Der Autor führt Stück für Stück auf den Spuren der Vergangenheit zu einer möglichen Lösung. Aber ist das eine dauerhafte Rettung für alle? Mich hat das Ende überzeugt. "Grauwacht" ist eine tolle, fremdartige Geschichte mit Tiefgang. Als Extras gibt es eine Karte von Bisola, ein Personenregister sowie ein Glossar, die zum erkunden und nachlesen einladen.

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Unruhen auf Bisola

Auf Bisola wird das Leben durch den Wechsel von Tag und Nacht bestimmt: jahrzehntelang herrschen Tag bzw. Nacht, bevor die Dämmerung anbricht. Die Menschen leben in der Nacht in eisiger Kälte, während die Sasseks, amphibische Wesen, den heißen Tag bevölkern. Ein alter Pakt besagt, daß die Menschen beim Tag-Nacht-Wechsel mit der Nacht zu wandern haben, während die Sasseks nachrücken. – so wird das friedliche Zusammenleben zwischen Mensch und Sassek gewährleistet. Die Grauwacht sorgt dafür, daß die Wanderungen und Übergaben der Metropolen reibungslos vonstatten gehen. Nun ist es wieder soweit, die Dämmerung zieht herauf, aber es geschehen mysteriöse Dinge: die Monde verändern ihre Farbe und die Dämmerung schwindet nicht.

In diesem Buch erweckt der Autor eine Welt mit einer faszinierenden Ordnung zum Leben, in der es jahrzehntelang dauert, bis die Nacht bzw. der Tag zu Ende gehen. Dadurch entstehen in dieser langen Zeit ganz eigene Lebensräume, die von ihren Bewohnern teilweise das Äußerste abverlangen. Sehr geschickt gibt der Autor Stück für Stück Einblick in die Herausforderungen, die durch diese Lebensräumen entstehen.

Der Fokus der Handlung liegt zu Beginn mitten in der Nacht, in einer eisigen Ödnis und auf dem abtrünnigen Grauwachtmitglied Remon, der von einer ehemaligen Kameradin aufgespürt und der Gerechtigkeit überführt werden soll. Remon lebt heimlich mit seiner Frau Nata und dem gemeinsamen Kind in der abgeschiedenen Gemeinschaft Erdblut – ein hartes Leben, in dem nur die Starken eine Chance haben.

Wie der Autor dann den Leser mit auf eine Reise durch Bisola nimmt, ist sehr raffiniert gelöst und gemeinsam mit dem Protagonisten kommt man dem Geheimnis von Bisola und des ungewöhnlichen blauen Lichts auf die Spur.

Ich kannte bisher nur die Schattenherren- und -kultromane des Autors, die sehr düster sind und mit ihren Charaktere nicht gerade glimpflich umgehen. „Grauwacht“ ist deutlich weniger düster und auch die Protagonisten werden pfleglicher behandelt, was mir sehr gut gefallen hat.

Die Charaktere sind wieder sehr gut gelungen: Remon ist als Mitglied der Grauwacht ein Kämpfer, aber seine Familie bedeutet ihm noch mehr. Sehr gut hat mir seine Besonnen- und Aufgeschlossenheit gegenüber den Sasseks gefallen, ebenso wie seine ausgeprägte Diplomatiefähigkeit.

Remons Frau Nata ist ebenfalls für einige Überraschungen gut, mit denen ich anfangs nicht gerechnet hatte. Sie ist sehr wissbegierig und will herausfinden, was es mit dem mysteriösen blauen Licht auf sich hat.

Und natürlich war ich sehr gespannt, die amphibischen Sasseks kennen zu lernen und ihre Art zu leben.

Die Auflösung bzw. das Geheimnis von Bisola hat mich schlußendlich überrascht, auch wenn ein paar Hinweise zuvor gestreut wurden, die eine bestimmte Richtung angedeutet haben – und es ist in der Geschichte eine wichtige Botschaft versteckt, die mir sehr gut gefallen hat.

Hervorheben möchte ich auch die wunderschön gestaltete Karte von Bisola, die man gleich zu Beginn des Buches findet..

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(Aktualisiert: 16 März 2015)
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Eine Reise nach Bisola

Lieber Leser, du willst eine Reise nach Bisola buchen? Glücklicherweise ist gerade keine Einreisesperre, denn in seiner blauen Phase dürften wir dich nicht dorthin lassen. Es ist eine gute Wahl, du wirst eine Welt erleben, die völlig verschieden ist von unserer. Im Gepäck brauchst du viel Phantasie. Wir können dir eine, unserer Meinung nach sehr gut gestaltete, Karte der Welt mitgeben.
Vielleicht landest du im Tag. Deine Schiffsensoren werden verhindern, dass du in das Zentrum der Hitze gelangst und gleich verbrennst. Auf die kühlende Nacht wirst du lange warten müssen, hast du noch 60 Jahre Zeit? Ja, du liest richtig, 60 Jahre Tag und auf der anderen Seite 60 Jahre Nacht. Hitze und Kälte im absoluten Gegensatz der Lebensweisen. Auf der Tagseite wirst du interessante Amphibien entdecken. Sie sind intelligent, körperlich durch ihr dickes Schuppenkleid vor der Hitze geschützt und verändern ihr Geschlecht in verschiedenen Lebensphasen. In der letzten Lebensphase sind sie ungeschlechtlich und können so die Weisheit des Alters ausstrahlen. Viel mehr wissen wir nicht über sie. Leider ist uns auch nicht bekannt, welche Gefahren sie eventuell für dich bedeuten würden.
Möchtest du also lieber Menschen treffen? Dann lande in der Nacht. Es herrscht eisige Kälte. Das Leben wird durch die Bemühungen zu überleben dominiert. Es ist nicht ungefährlich, sich dort allein herum zu treiben, denn der Kampf um Nahrung könnte dein Schicksal besiegeln. Nomaden ziehen durch Eis und Schnee auf der Suche nach Beute. Möglicherweise landest du in der Nähe eines Refugios: Höhlen in denen es Wärme und Schutz gibt, Gemeinschaften mit festen Regeln. Sie würden dich aufnehmen, wenn du ein guter Jäger bist oder ein guter Kämpfer. Bist du das? Also das ist unser Angebot für eine Abenteuerreise. Hast du genug Mut dafür? Wir können keine Versicherung für eine gesunde Rückkehr bieten.

Vielleicht nimmst du lieber unser Wohlfühlpaket. Du kannst dann die fremde Welt innerhalb einer Metropole entdecken. Dort hast du alle Annehmlichkeiten, die du dir wünschst. Du könntest als Wissenschaftler dorthin reisen und hättest die Möglichkeit der Forschungen in modernsten Astrolabios und Bibliotheken, wärest in der Lage, Kontakte zu den Menschen unterschiedlicher Schichten zu knüpfen und deiner Neugier Genüge zu tun.

Wir können dir auch noch ein Luxusangebot machen, denn es gibt eine Metropole, in der es möglich ist sowohl Menschen als auch Sassek kennenzulernen, welche dort zusammen leben.

Eine Verbindung von beiden Reisevarianten ist vom Zeitpunkt abhängig. Sowohl Menschen als auch Sassek sind gezwungen mit dem Tag bzw. der Nacht zu wandern. Vielleicht möchtest du deine Reise in einer Metropole beginnen, aber dann könnte es sein, dass du den Auszug miterleben musst und vielleicht als Nomade endest. Auch bei dieser Reisevariante ist es uns unmöglich eine Überlebensgarantie zu geben.

Leider können wir Dir kein Angebot machen, bei der dritten Gruppe auf dem Planeten, der Grauwacht, die Zeit zu verbringen. Diese Gruppe bleibt unter sich. Es sind Menschen, aber sie haben sich der Neutralität zwischen Menschen und Sassek verpflichtet. Ihre Anzahl ist limitiert und ihre Fähigkeiten sind besondere. Welche das sind möchtest du, lieber Leser, vielleicht selbst heraus bringen.

Meine persönliche Empfehlung wäre, in ein Refugio zu gehen und dir die Geschichte von Nata und Remon erzählen zu lassen. Nata, eine kluge Frau und liebevolle Mutter ist die Ehefrau von Remon, der eigentlich der Grauwacht angehört. Ihre Beziehung widerspricht den Regeln dieser Hüter der Ordnung des Planeten. Hat sie eine Chance? Wenn du ihrer Geschichte folgst, wirst du alle Facetten dieses interessanten Planeten kennenlernen; unter anderem auch einige spannende Vertreter der verschiedenen Gruppen. Zum Beispiel Vorena, eine Grauwächterin, die ohne Liebe aufwuchs und sich ihrer Ehre und ihrem Schwert verpflichtet hat, Ssarronn, einem Sassek in seiner vorletzten Geschlechtsphase, schon mit viel Weisheit gesegnet (vielleicht weil eine seiner besonderen Eigenschaften die Neugier ist) und Kress, eine junge Sassek, voller Leidenschaft und Feuer.
Diese Geschichte wird dich gefangen nehmen und deine Neugier anstacheln. Viel wirst du erfahren. Vielleicht werden dich Menschen enttäuschen und andere überraschen. Auch die Sassek werden einiges an Überraschungen für dich bieten und du wirst die Zeit auf Bisola nicht bereuen.

Sicher wird am Ende deiner Reise volle Zufriedenheit entstehen und vielleicht bleibt eine Sehnsucht und der Wunsch, den Planeten wieder zu besuchen.

Wir würden uns über einen Reisebericht von dir sehr freuen, denn dieser Planet ist erst neu in unseren Katalog aufgenommen und wir sind sicher, dass jeder, der einmal dort war, anderen diese Reise nur empfehlen kann.

Übrigens, solltest du in Erfahrung bringen, wer oder was die Krienos sind und welche Rolle sie auf Bisola spielen, dann wären wir dir für eine Information sehr dankbar.


:buchtipp:

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Grauwacht

*Was würdest du tun, wenn du an einem Punkt angelangt bist, an dem du entscheiden musst, ob du Macht ausspielst oder zurücknimmst, um eine Entwicklung zuzulassen, die viel mühsamer, aber gleichwohl lehrreicher und lebensechter ist?*

So faszinierend die Welt von Bisola auch sein mag, sie ist eine extremer Gegensätze. Tag und Nacht. Doch löse dich von deinen Vorstellungen des üblichen Zeitmaßes. Sechzig Doppelmonde dauert die Nacht, der im gleichen Rhythmus der Tag folgt. Während der Tag trocken ist und unter der Sonne brennt, dass selbst die Meere kochen, weist die Nacht eisige, klirrende Kälte auf.

Die Nacht ist Heimat der Menschen, und nur in dicke Pelze gehüllt sind sie in der Lage, sich ins Freie zu begeben. Wenn sie Glück haben, bewohnen sie Hütten in Refugios und leisten ihren Beitrag zum Fortbestand einer Communidad, oder sie leben unter einem Schutzschild in Häusern in Metropolen, können dort eventuell als Sabos in einem Astrovatorio Monde und Sterne beobachten oder in einer Bilteca Bücher lesen. Überall müssen sie sich allerdings festen Regeln unterwerfen. Als umherziehende Nomaden sind Menschen oft auf eine Unterkunft in natürlichen Höhlen angewiesen. Insgesamt ist es ein harter Alltag, der immer wieder vom Kampf ums Überleben bestimmt wird.

Der Tag ist den Sasseks vorbehalten. Amphibien, die mit ihrer äußeren schuppigen Hülle der Hitze trotzen. Sie sind empfindsame und fähige Wesen, die ihr Geschlecht mehrfach wechseln und nur im hohen Alter geschlechtslos leben.

Sobald der Tag naht, ist es für die Menschen Zeit, ihr jeweiliges Zuhause aufzugeben und mit der Nacht weiter zu ziehen. So will es der Pakt, der einst zwischen Menschen und Sasseks geschlossen wurde und ein friedliches Leben beider Völker ermöglicht. Damit dies so bleibt, gibt es die Grauwacht und ihre Krieger mit überragenden Fähigkeiten, die, wenn sie mit Nabo ausgestattet sind, äußerst langlebig mit verstärkten Sinnen, Kräften und Geschick handeln können. Dafür müssen sie andererseits auf eine eigene Familie und damit persönliche Bindungen verzichten, um neutral ihre Aufgabe, die Überwachung des Paktes, umzusetzen.

Bislang ist das stets gelungen. Plötzlich jedoch verändern sich in der Welt von Bisola nicht nur die zwei Monde Dya und Mezza, als sich ein grünes Band auf ihre gelbe Wölbung legt, das weiter wandert und zunehmend blaues Licht hinter sich herzieht. Sondern hinzu kommt, dass der Tag nicht weicht und ein ungewöhnliches blaues Licht erscheint. Überall zeigt sich das Blau, es ist ausgerechnet die Farbe, die unter den Sasseks als verflucht gilt und die Amphibien deshalb in große Unruhe versetzt. Und nicht nur sie. Die bekannte Ordnung droht, umgestoßen zu werden, und das verunsichert Angehörige beider Völker.

*Was steht Bisola noch bevor, wenn schon die Monde ihr Angesicht wechseln? Und geschieht dies alles zum ersten Mal? Oder gibt es eine Gefahr, die sowohl Menschen als auch Sasseks vergessen haben, die aber für beide bedrohlich ist?*

"Grauwacht" von Robert Corvus besticht durch seinen intelligenten Plot, den der Autor mit einem gradlinigen, klaren Schreibstil hervorragend in Szene setzt. Er baut eine fantastische Welt auf, die er erfreulicherweise neben den Menschen nicht mit Wesen wie Elben, Trollen, Zwergen usw. besiedelt ist, sondern mit einer reizvollen Spezies wie den Sasseks.

Hast du zunächst das Gefühl, auf Bisola mittelalterliche Strukturen zu finden, zeigen sich im Verlauf der Handlung Elemente, die eher dem Gebiet der Science Fiction zuzuordnen sind. Diese Mischung bildet einen originellen Reiz, der dadurch, dass du dich mit Menschen und Sasseks einem zu lösenden Rätsel gegenüber siehst, noch erhöht wird. Während das Geschehen, das in vier Teile aufgeteilt und durch Interludien ergänzt wird, anfänglich in ruhigen Bahnen zu verlaufen scheint, beschleunigt der Autor nach und nach das Tempo, wirft Hinweise ein und fesselt dich mehr und mehr bis zum Höhepunkt und der Lösung des Rätsels. Bis dahin wird nicht nur die Nacht ein Grund sein, dass es dich das eine oder andere Mal fröstelt oder sogar gruselt...

Einen bemerkenswerten Beitrag leisten die hervorragend ausgearbeiteten Charaktere. Sie agieren zum Teil unabhängig voneinander und arbeiten mit dir zusammen an der Aufklärung der geheimnisvollen Vorgänge.

Zunächst lernst du Remon kennen. Er ist ein abtrünniger Guardista der Grauwacht. Denn entgegen den Geboten der Grauwacht, nicht mit einem normalen Menschen zusammen zu sein, hat er eine Familie gegründet und auf diese Weise seinen Eid gebrochen. Als Kind wurde Remon von Sasseks aufgezogen, so dass er wie ein Sassek denken kann. Er ist ein einzigartiger Mensch, der seine Frau Nata und seine Tochter Enna liebt und versucht, sich nie in den Vordergrund zu drängen. Als er entdeckt wird, bedeutet es das Ende des Glücks und möglicherweise sogar den Tod. Trotzdem strebt Remon ständig danach, die auffallenden merkwürdigen Veränderungen Bisolas zu ergründen, wobei sich die Zugehörigkeit zur Grauwacht als Vorteil erweist.

Wenn dir Nata begegnet, wirst du Remons Liebe verstehen. Nata ist nicht nur warmherzig und fürsorglich, sondern darüber hinaus selbstbewusst, klug und mutig. Sie gehört nicht zu den Menschen, die Gegebenheiten akzeptieren, ohne sie zu hinterfragen. Denn es ist vorstellbar, dass Dinge ergründet und neu gestaltet werden können. Sie macht sich Gedanken und Sorgen um die Zukunft, gibt nicht so schnell auf und handelt zielstrebig auf der Suche nach Wissen. Dabei werden ihr indes Steine in den Weg gelegt. Sabos, die Gelehrten der Menschen, erwecken den Eindruck, dass sie nicht erkennen - oder sie vermögen und wollen es nicht -, dass Ungemach für beide Völker droht und Nichthandeln oder eine falsche Reaktion dies nicht verhindern kann.

Auch auf Seiten der Sasseks gibt es außergewöhnliche Figuren. Ssarronn wird dir gefallen. Er befindet sich in der späten männlichen Phase, ist intelligent und wissbegierig, die Menschen interessieren ihn besonders. Bei der Begegnung mit Nata spürt er sofort eine geistige Verwandtschaft.

Seiner ruhigen Wesensart steht Kress gegenüber. Die weibliche impulsive, ja zeitweise aggressive Sassek wird dich vermutlich oft verzweifeln lassen. Lass dich überraschen, ob ihr glühender Hass gegen alles, was blau ist, sie ins Verderben stößt oder ob Hoffnung besteht.

Die Geschichte ist in ihrer Entwicklung und mit den detailliert gestalteten Protagonisten uneingeschränkt bis zum Ende überzeugend, spannungsreich und mit Tiefgang versehen. Zudem enthält sie durchaus Botschaften, die zur eigenen Reflexion anregen. Sie wird dir ein unterhaltsames, niveauvolles Lese- und Ratevergnügen bescheren und (hoffentlich) letztendlich begeistern.

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Grauwacht

Mit „Grauwacht“ hat der Robert Corvus eine einzigartige Welt namens Bisola geschaffen, in der nicht nur die Menschen, sonder auch Echsenwesen – genannt Sasseks - leben. Bisher ist „Grauwacht“ ein eigenständiges Werk, das ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann.

Inhaltsangabe (Quelle: Klappentext):
Sie sind die Wächter der Dämmerung.
Das Leben der Menschen Bisolas wird durch den Wechsel von Tag und Nacht bestimmt. Jahrzehnte lang herrscht Nacht, bis die Morgendämmerung hereinbricht, und weitere Jahrzehnte vergehen bis zum Abendrot. Ein alter Pakt zwingt die Menschen dazu, mit der Nacht zu wandern und ihr Dasein in kalter Dunkelheit zu fristen. Denn wenn der Tag kommt, kommen die Sasseks – fremdartige Wesen, die nur in der Wärme leben können. Allein dieses Abkommen garantiert den Frieden zwischen den Völkern sowie die Grauwacht, die den Abzug der Menschen überwacht. Doch mysteriöse Ereignisse gefährden den Pakt. Die Monde verändern ihre Farbe. Die Dämmerung schwindet nicht. Kann der Krieg noch aufgehalten werden?

Zuerst möchte ich die Gestaltung des Buches loben. „Grauwacht“ verfügt über ein umfangreiches Glossar und ein ausführliches Personenregister. Auch die beigefügte Karte von Bisola finde ich wunderschön. Diese Karte kann man sich auf der Homepage von Robert Corvus auch in Farbe anschauen.
Der Schreibstil von Corvus gefällt mir immer wieder aufs Neue sehr gut. Der Stil ist sehr bildhaft und lässt sich flüssig lesen. „Grauwacht“ ist wohl eins seiner Bücher, welches nicht ganz so düster und brutal ist. Dennoch muss man durchaus mit seinen Charakteren mit fiebern und um diese bangen, ob sie den Roman heil überleben werden. Die Hauptcharaktere sind wohl Remon – ein abtrünniges Mitglied der Grauwacht, welches sich vor Jahren für seine Familie entschieden hat, nämlich seine Frau Nata und das gemeinsame Kind Enna. Diese bildet eine harmonische Familie, welche den schweren Bedingungen der Natur Bisolas in der Nacht trotzt. Im Roman ist diese harmonische Welt natürlich nicht von Ewigkeit. Das Schicksal nimmt u.a. seinen Lauf, als Vorena – auch ein Grauwacht-Mitglied – Remon auffindet und diesen mitnimmt, damit er für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wird. Vorena ist eine starke Frau, welche hohen Wert auf Ehre und den Verpflichtungen gegenüber der Grauwacht legt. Remon und seine Familie ist einen von Beginn sympathisch und es dauert nicht lange, da bangt man um das Wohl der einzelnen Familienmitglieder. Bei Vorena hat es etwas gedauert, aber nach und nach lernt man sie besser kennen. Man erkennt ihre raue Schale, aber auch ihren weichen Kern und kann sie dadurch besser verstehen. Auf Bisola leben auch echsenartige Wesen, genannt Sasseks. Zunächst ist ihre Schilderung – bedingt durch die Perspektive der Menschen – recht einseitig. Das Bild das von diesen Lebewesen gezeichnet wird, ist nicht immer positiv. Als die Sasseks jedoch ihren ersten Auftritt haben, erkennt man, dass die Schilderungen nicht immer der Wahrheit entsprochen haben. Man lernt z.B. Ssarronn kennen. Die Gestaltung der Sasseks hat mir sehr gut gefallen – man bekommt einen guten Einblick in ihre Kultur und ihre Hierarchie.
Gut hat mir auch die Welt Bisola an sich gefallen. Es ist eine interessante Welt, die unserer nicht komplett unähnlich ist – aber trotzdem sehr viele Unterschiede aufweist. Der Tag-und-Nacht- Zyklus ist ein ganz anderer. Dieser Zyklus dauert mehrere Jahrzehnte. Die Beschreibungen haben mir gut gefallen und auch die darauf lebenden Wesen fand ich sehr interessant.
„Grauwacht“ ist wie eine Rätselgeschichte aufgebaut. Etwas Ungewöhnliches passiert auf Bisola. Alles beginnt mit dem blauen Licht. Und stückchenweise werden Informationen gestreut, was es damit auf sich haben könnte, was die Zusammenhänge sein könnte. Das Ende dieser Rätselgeschichte ist meiner Meinung nach wirklich gelungen und kam für mich überraschend.
Zu Beginn des Buches musste ich mich erst mal an die vorherrschende Situation gewöhnen und mich auf das Rätsel einlassen. Wenn dies aber erst mal geschehen ist, dann kann man „Grauwacht“ nur noch schwer aus den Händen legen.
Für mich ist „Grauwacht“ ein durchaus gelungenes Werk, welches mich in eine wunderbare Welt katapultiert hat. Es hat Spaß gemacht, das Rätsel zusammen mit den Charakteren zu lösen und zu gerne würde ich mehr über Bisola lesen. Hierfür vergebe ich 4 von 5 möglichen Sternen.

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Rezension "Grauwacht"

Auf dem Planeten Bisola gibt es nur zwei Seiten: Tag und Nacht. So scheint es zumindest. Doch es kommt plötzlich eine Bedrohung hinzu: Ein seltsames, unerklärliches blaues Licht. Bei dessen Erforschung wird klar, dass dies bei weitem nicht das Bedrohlichste auf Bisola zu sein scheint.

Ich muss zugeben, dass es mir bei "GrauWacht" besonders schwer fällt, eine Rezension zu schreiben. Dies liegt nicht nur daran, dass ich bereits "Feuer der Leere" von Robert Corvus gelesen habe, welches mir wirklich gut gefallen hat, sondern auch daran, dass ich es schwer finde, das, was das Buch in mir ausgelöst hat und welche Probleme ich damit habe, in Worte zu fassen.
Am Grundkonzept und an der Sprache liegt es nicht. Detailreich und bildgewaltig beschreibt Robert Corvus die Welt von Bisola, die so geregelt ist, dass ein Tag-Nacht-Wechsel ein Menschenleben dauert und es per Pakt gesetzlich vorgeschrieben ist, dass die Menschen in der Nacht leben und die amphibienartigen Sasseks im Tag. Diese Grundstimmung macht neugierig auf das Buch. Wo liegt also meine Kritik?
Ein Grundproblem sind für mich die Charaktere. Die Anzahl derer, die ich wirklich unsympathisch fand, war bei "GrauWacht" nämlich ungewohnt hoch. Zunächst dachte ich, dass diese ruppige Art und die meines Erachtens auch unreflektierte und einseitige Denkweise vieler Charaktere auch die düstere und feindselige Grundstimmung des Buches auffasst. Denn die Nacht präsentiert sich als Eiswüste, wohingegen es im Tag so heiß ist, dass die Meere kochen.
Das ist ja noch nicht weiter schlimm, wenn nicht der Punkt käme, an dem bei mir die unsympathische Haltung der Charaktere penetrant wurde. Und zumindest in diesem Fall ist ein penetrant unsympathischer Charakter durchaus mit einem nervigen gleichzusetzen. Dies zeigte sich bei mir besonders deutlich in einer recht makaberen Todesszene eines dieser Charaktere, bei der ich nicht etwa Ekel oder Entsetzen empfand, sondern eine Genugtuung und innere Befriedigung, die eigentlich vollkommen unangebracht sein sollte.
Das größte Problem ist aber mein Zugang zu diesem Buch. Wäre "GrauWacht" ein Videospiel, würde ich sagen, dass ich den Eindruck hatte, gespielt zu werden, statt aktiv zu spielen. Das heißt, dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, in die Handlung hineingezogen zu werden und Teil von ihr zu sein. Ich fühlte mich als stummer Beobachter und Betrachter einer Handlung, der es egal zu sein scheint, von mir beachtet zu werden, oder nicht.

So sollte man wohl merken, dass ich bei diesem Buch zwiegespalten bin. Setting und Grundkonzept des Buches sind hervorragend durchdacht und gerade die Szenen, in denen die Welt in all ihrer Feindseligkeit, aber auch Schönheit beschrieben werden, sehe ich als die stärksten des Buches. Leider haben mich aber die Charaktere und vor allem die auf mich distanziert wirkende Handlung im Vergleich dazu eher abgeschreckt.

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