Tobias O. Meißner: Klingenfieber

Tobias O. Meißner: Klingenfieber

Hot
 
4.7 (3)
 
5.0 (1)
1783   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Tobias O. Meißner: Klingenfieber
Verlag
ET (D)
2013
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783492703116

Informationen zum Buch

Seiten
432

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Wie ein Schwarm goldener Schmetterlinge tanzte das Licht über dem Fluss, und in diesem Licht sah Stenrei sie zum ersten Mal.

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei Thalia kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Erenis ist eine Amazone, eine wunderschöne und mächtige Meisterschülerin der Kriegskunst. Getrieben von einer rastlosen Raserei, fordert sie die stärksten Männer heraus – doch kämpft sie nicht, um zu siegen, sondern um zu töten. Gnadenlos. Fanatisch. Ohne einen einzigen Fehler zu machen. Dann erfährt Erenis, dass die Feinde ihrer Kindheit noch immer am Leben sind, und zieht los, um sie endgültig im Kampf zu besiegen. Doch ahnt die Amazone nicht, welch monströse Gegner sie damit zum Duell fordern wird ...

Autoren-Bewertungen

3 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.3  (3)
Charaktere 
 
5.0  (3)
Sprache & Stil 
 
4.7  (3)
(Aktualisiert: 23 August 2014)
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Von unbändiger Frauenemanzipation und triebhaftem Wahnsinn

Ich kann mir wieder einmal nicht erklären, was sich Lektoren und Verleger dabei denken, wenn sie Klappentexte zu Romanen verfassen. Für dieses Buch liest sich das so an, als würde eine Amazone auf einem blutigen Feldzug drei ihrer Feindinnen zum Kampfe stellen wollen und dann noch Größeres, Ungeahntes erwarte.
Im Grunde stimmt der Beginn: Ja, eine weibliche Schönheit, die mit dem Schwert umzugehen weiß, ist auf Reise und hinterlässt eine blutige Spur hinter sich, mit der einzigen Motivation, ihre Ablehnung – ihren Hass vielmehr – gegenüber Männern und deren Herrschaften auf resolute, konsequente Weise zum Ausdruck zu bringen. Ihr weiteres Vorgehen, nachdem sie davon erfährt, dass ihre drei „Rivalinnen“ doch noch am Leben zu sein scheinen, ist mitnichten von Kampfeslust oder dergleichen geprägt. Mehr hierzu wird aber aus Spoilergründen nicht erwähnt.
Und es wäre eben kein Meißner, wenn es denn keine verkleideten Realitätsbezüge oder anderweitige Besonderheiten gäbe. Und eine Besonderheit ist sicherlich auch eine Novität: Tobias O Meißner bringt dem Fantasyroman einen Hauch von subtiler Erotik ein, dieser Hauch legt sich während des Lesens in die Luft, ist immer wieder präsent wird dabei aber nie zu aufdringlich oder gar belästigend.
Dazu beitragen tut auch das – endlich einmal – gut gelungene Cover. Ganz im Gegensatz zum eher plump wirkenden Cover von Barbarendämmerung, dem Vorgängerroman, der (zeitgleich) in der gleichen Welt angesiedelt ist. Wie passend zu diesem Gegensatz sind weitere Gegensätze festzustellen, denn während Barbarendämmerung eine Ansammlung von chronologisch angeordneten Kurzgeschichten mit je unterschiedlichen Erzählstilen ist, hat Klingenfieber gar keine Kapitel, die gesamte Geschichte ist wie in einem Fluss geschrieben. Außerdem hat dieser Roman eine Frau als Hauptprotagonistin und keinen schweigenden Barbaren.
Neben dieser Amazone, mit dem Namen Erenis, stehen noch zwei weitere Charaktere im Rampenlicht. Zunächst ist da Stenrei, ein sechzehnjähriger, der damit von Glück sagen kann, noch kein Mann zu sein, da er sonst mit Erenis ganz und gar schlechte Karten gehabt hätte. Man taucht in den Roman ein und begleitet zunächst die Erlebnisse von diesem Knaben. Er beobachtet zufällig Erenis beim Baden an einem Fluss, worauf in ihm ein Feuer gezündet wird. Von nun an schwärmt er nur noch von dieser Frau, was dazu führt, dass er am liebsten ganz nahe bei ihr sein möchte. Und so wird er stets vor ein Dilemma gestellt: Auf der einen Seite möchte er bei ihr gut Wetter machen und auf der anderen Seite hat er ein Problem damit, was sie nahezu tagtäglich macht, nämlich Männer zum Kampf herausfordern um diese dann zu töten.
Später tritt dann noch eine weitere Figur in Erscheinung, deren Entwicklung meiner Meinung nach die interessanteste ist. Der Autor hat es in wunderbarer Weise geschafft, dem Leser Stückchen für Stückchen vor Augen zu führen wie ein Mann durch eine schier unnahbare Frau wahrlich in den Wahnsinn getrieben werden kann.
Hier sind die Rollen ganz hervorragend ausgearbeitet, von einer Frau, die sich von der Herrschaft entsagt und radikal handelt, sich von dieser befreien will und dabei zu töten bereit ist, von einem heranwachsenden Jugendlichen, der alsbald auch ein Mann wird, der schwärmt und wohl alles tut, um seiner Traumfrau möglichst nahe zu kommen; und von eben jenem schicksalhaftem zweiten Mann.
Dieser Fantasyroman, der im Übrigen zu 99% ohne Fantasyelemente auskommt, ist ein Lesevergnügen. Wieder einmal konnte ich mich kaum vom (Meißner-)Buch lossagen, zumal wurde dies dadurch erschwert, dass es keine Kapitel gibt. Ich empfehle dieses Buch allen, die gerne in die Tiefe gehen, welche sich für die Gegenüberstellung der Rollen von Frau und Mann interessieren, die auch mal einen Sinn für Details haben, wie in eben jenen zwar raren aber dafür sehr wertvollen und tiefgründigen Szenen in denen aufblitzt, wie die Dominanz und der Glanz des Mannes gegenüber der zu gehorchenden Frau häufig nur Schein ist, in denen zu erkennen ist, wie stark eine Frau in Wahrheit ist, wenn sie beschützt oder es versteht, soziale Bindungen zusammen zu halten.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Kein Fantasy, aber spannende Unterhaltung!

Stenrei ist in seinem kleinen Heimatdorf aufgewachsen und hat in seinen 16 Lebensjahren noch nicht viel von der Welt außerhalb der Dorfgrenzen gesehen, doch er träumt von Abenteuern und der großen weiten Welt.

Eines Tages kommt die Schwertkämpferin Erenis in sein Dorf. Sie fordert den stärksten Kämpfer heraus und bietet ihm einen Beutel voll Goldmünzen, wenn er sie im Kampf besiegt. Eine Gegenleistung, falls sie gewinnt, fordert sie nicht, es scheint ihr nur um den Kampf selbst zu gehen.
Stenrei ist fasziniert von der fremden Frau und will sich ihr anschließen. Doch Erenis weist ihn zurück, sie hat keinen Bedarf an einem Jüngling, der sie nur aufhalten und behindern würde. Stenrei allerdings ist fest entschlossen, ihr zu beweisen, dass er ihr nützlich sein kann und heftet sich an ihre Fersen, um ihr Vertrauen zu erwerben und hinter ihre Geheimnisse zu kommen. Inbesondere die Frage nach den Gründen für ihre Kämpfe von Dorf zu Dorf brennt ihm hierbei auf der Seele!

Ich muss gestehen, ich bin mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen. Von Tobias O. Meißner hatte ich einen Fantasy-Roman erwartet, auch das Cover deutete für mich in diese Richtung.
Die Handlung ist dann aber eine ganz andere, spielt zwar in einer fiktiven Welt, weist aber ansonsten keine phantastische Elemente auf.

Dennoch fand ich das Buch durchaus spannend. Stenrei und Erenis sind zwei völlig unterschiedliche Figuren und die Entwicklung ihres Zusammenspiels wurde nach einem langsamen, ausführlichen Beginn immer interessanter, je mehr Stenrei und der Leser über Erenis erfahren. Später kommt mit dem Rittrichter Vardrenken noch eine weitere Figur ins Spiel, der sich als unerbittlicher Verfolger von Erenis entpuppt und so ebenfalls eine große Rolle für den weiteren Verlauf spielt.

Ich kenne noch nicht viele Bücher des Autors, so fehlt mir der Vergleich zu anderen Werken, Klingenfieber hat mich aber trotz des eher ruhigen Handlungsverlaufs gut unterhalten und mir spannende Leserunden beschert.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Die Geschichte einer Klingentänzerin

Als der 16-jährige Stenrei mal wieder durch die Wälder stromert, beobachtet er zufällig eine Frau bei einem Bad im Fluss. Er ist nicht nur von ihrer Schönheit fasziniert, sondern auch von ihrem Schwert, das mit blutroten Ornamenten verziert ist. Er begleitet sie in sein Dorf, um dort Zeuge zu werden, wie sie den mutigsten Mann des Dorfes herausfordert, gegen sie zu kämpfen. Gewinnt er, bekommt er einen Beutel voller Geldmünzen. Aber Erenis hat nicht die Absicht, die Männer gewinnen zu lasen, sie haben keine Chance gegen sie – sie kämpft nicht, um zu siegen, sondern um zu töten. Nach dem Kampf zieht sie in das nächste Dorf, um hier ihre Herausforderung erneut auszusprechen. Stenrei, der von dem engen Dorfleben angeödet ist, folgt ihr fasziniert, obwohl sie keinen Wert auf seine Anwesenheit legt. Was treibt Erenis an, daß sie nur Männer tötet? Warum bezeichnete ein Bewohner aus Stenreis Dorf Erenis als Klingentänzerin? Als Büttel die Verfolgung von Erenis aufnehmen, sieht Stenrei seine Chance, Erenis näherzukommen.

Bei „Klingenfieber“ handelt es sich um ein eher ruhigeres Buch, das ohne gewaltige Schlachtszenen oder phantastische Geschöpfe auskommt. Seine Stärke liegt vielmehr in der bildhaften Sprache des Autors, der es mühelos schafft, ganze Bilder und Stimmungen in wenigen Worten aufleben zu lassen. Selten habe ich es erlebt, daß die Stimmung eines Ortes, in dem Festspielatmosphäre herrscht, in nur einem Satz derart lebendig beschrieben wird.

Das Ende des Buches ist meiner Meinung nach ungewöhnlich für den Autor, damit hatte ich nicht gerechnet, möchte aber nicht weiter darauf eingehen, um nicht zuviel zu verrraten.

Die Charaktere haben mir gut gefallen, vorallem Stenrei und Erenis. Stenrei ist ein Jugendlicher, der von einem Leben voller Abenteuer außerhalb seines Dorfes träumt; sein Heimatdorf und seine Eltern kommen ihm langweilig und einengend vor. Kein Wunder, daß er von Erenis' Ausstrahlung und Schönheit, die sich von den Dorfmädchen abhebt, fasziniert ist und angezogen wird, wie die Motte vom Licht.

Aber nicht nur Steinrei ist von ihr fasziniert, auch mich als Leserin hat sie direkt eingenommen, auch wenn sie bei ihrer einsamen Wanderung durch die Dörfer eine blutige Spur aus toten Männern hinterlässt. Woher kommt sie, wohin geht sie und woher rührt ihr alles verschlingender Hass auf Männer? Nach und nach erfährt der Leser ihre Geschichte und versteht, von welchem Fieber sie ergriffen ist. Ebenso hat mich ihre Art zu kämpfen fasziniert: es ist kein brachiales Töten, sondern ein kunstvoller Tanz mit dem Schwert, hinter dem eine knallharte Ausbildung steht. Als Erenis von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, hat sie ein neues Ziel.

Eine weitere Figur, die den Leser durch das Buch begleitet, ist der Rittrichter Vardrenken, der die Verfolgung von Erenis zu seiner Aufgabe gemacht hat. Ich kann nicht behaupten, daß er mir sehr sympathisch war, im Gegenteil, ihm habe ich ohne mit der Wimper zu zucken, den Tod an den Hals gewünscht.

Mir hat „Klingenfieber“ sehr gut gefallen, auch wenn es im Gegensatz zu früheren Büchern des Autors eher ruhiger ausgefallen ist.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0  (1)
Charaktere 
 
5.0  (1)
Sprache & Stil 
 
5.0  (1)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Prickelnder Soul zum Lesen

„Klingenfieber“ ist kein platter Fantasyreißer, in dem einem permanent Blut und Eingeweide um die Ohren fliegen, weil sich zum x-ten Mal Divisionen abgenudelter Monstren und Mutationen tolkienscher Prägung abmurksen. Zwar werden auch mal die Klingen gekreuzt, doch ist das eher fein ziseliertes Beiwerk. Vielmehr entwirft Tobias O. Meißner ein brillantes Psychogramm verschiedenartigster Charaktere auf dem Weg zu ihrer ureigenen Selbstfindung, deren Schicksale sich in einem Geflecht unterschwelliger Sinnlichkeit kreuzen. Sie alle haben ihre tiefen, teilweise bizarren Abgründe und Obsessionen, die Meißner in seiner geschmeidigen und packenden Formulierungskunst den Leser im Verlauf des Buches sich mehr und mehr erschließen lässt und ihm wohlige, manchmal lüsterne, manchmal aber auch erschrockene Schauer über den Rücken jagt. De Sade meets Fantasy. Geradezu unerhört! Unbedingt lesen!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue