Christoph Marzi: Lycidas

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Christoph Marzi: Lycidas
Verlag
ET (D)
2005
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783453530065

Informationen zum Buch

Seiten
859

Serieninfo

Sonstiges

Erster Satz
Die Welt ist gierig, und manchmal verschlingt sie kleine Kinder mit Haut und Haaren.

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Handlungsort

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Es geschehen seltsame Dinge in London. Im Waisenhaus des grausamen Mister Dombey traut die kleine Emily Laing ihren Augen nicht, als sie eines Morgens von einer Ratte angesprochen wird, die sich höflich als Lord Hyronimus Brewster vorstellt. Eine Sinnestäuschung? Nein, denn bald darauf bleibt Emily nichts anderes übrig, als an die Existenz von wundersamen Wesen zu glauben - als sie nämlich Zeugin wird, wie ein Werwolf eines der Mädchen aus dem Schlafsaal der Neuzugänge stiehtl. In Begleitung der Ratte - sowie eines Elfen namens Maurice Micklewhite und des mürrischen Alchemisten Wittgenstein- macht sich Emily auf die Suche nach der verschwundenen Mara. Die Spur führt die Gefährten in die uralte Metropole, eine geheimnisvolle Stadt unter der Stadt, ein dunkles, gefährliches Reich, in dem gefallene Engel hausen und antike Gottheiten über das Schicksal der Menschen walten. Doch was steckt wirklich hinter den Kindesentführungen, von denen London regelmäßig heimgesucht! wird? Und wer ist der mysteriöse Herrscher der uralten Metropole, der sich Lycidas nennt?

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Es fing so gut an...

Da die positiven Seiten des Buches (die interessanten Figuren, der Ideenreichtum, die Grautöne, die Überraschungen und Schocks) in anderen Rezensionen schon so ausführlich besprochen und gelobt worden sind, werde ich hauptsächlich meine Kritikpunkte darlegen.

Der Stil:
Der etwas altmodische Stil mit manch altertümlicher Wortwahl, in dem Wittgenstein die Geschichte erzählt, hat mir gut gefallen, und er passt auch gut zum Erzähler. Leider wurde an einer Stelle etwas "außen vor gelassen", was zum restlichen Stil überhaupt nicht passt.
Auch das Stilmittel der oft abgehackten, sehr kurzen und unvollständigen Sätze gefiel mir anfangs. Im letzten Drittel begann es mich allerdings zu nerven, und während der letzten 150 Seiten fand ich es nur noch ätzend.
Enervierend.
Dieser Stil!
Zu viel des Guten.
Bei jeder neuen Stelle dieser Art habe ich nur noch die Augen verdreht und geseufzt.
Eigentlich ein gutes Stilmittel, das aber leider durch übermäßigen Gebrauch abgenutzt wurde und seinen Effekt verlor.

Gewisse Formulierungen:
Immer wieder bin ich über Ausdrücke "gestolpert", die meiner Meinung nach nicht stimmen. Einige Beispiele:
- "ein kleines Kind, dass mit den unsicheren Schritten einer Dreijährigen auf sie zuwankte"
Die Dreijährigen, die ich kenne gehen sicher und wanken keinesfalls.
- "Wenngleich Dorian kaum älter als zwanzig sein durfte, wirkte er doch erwachsen."
(Dies sind Emilys Gedanken, die Dorian mit Neil vergleicht.) Für eine 12-jährige ist ein 20-jähriger erwachsen.
- Eine vor kurzem erblindete Person besucht bekannte Räumlichkeiten zum ersten Mal nach Erblindung: "Die Leselampe, die sie hatte ertasten müssen."
Wieso muss eine blinde Person eine Lampe ertasten? Etwa um sie anzuknipsen? Klar, sie kann die Lampe nicht mehr sehen, aber sie benötigt sie ja nicht, also kann von müssen nicht die Rede sein.
Alles dies sind natürlich Kleinigkeiten, die mich aber im Lesefluss immer wieder unterbrochen haben, und die in ihrer Summe meine Beurteilung des Buches negativ beeinflussen.

Die Wiederholungen:
Als äußerst unnötig und störend empfand ich auch die häufigen Wiederholungen. Ich habe leider keine Strichliste darüber geführt, wie oft z. B. Emilys und Auroras erster Kontakt geschildert wurde. Auch der erste Satz des Buches, der eigentlich wunderbar ist, wurde etwas zu häufig in Variationen oder wörtlich wiederverwendet. Und bei der Formulierung "... betrat er durch das dortige Portal die Stadt unter der Stadt, wie sie von den Alten genannt wurde" habe ich geschrien. Auf Seite 773 ist diese Information nun wirklich nicht mehr nötig, da schon des öfteren geliefert. (Dies nur als Beispiel, ich könnte noch einige weitere liefern.)

Die Namen:
Auch die Namensgebung gefiel mir anfangs sehr. Ich liebe es, wenn in ein Buch Hinweise auf andere Bücher eingebaut werden, um so mehr, wenn viele dieser Namen aus Werken meines geliebten Charles Dickens stammen. Aber leider waren einige der Namen zu "sprechend", sie verrieten zu viel über die Person. Wer "Das Bildnis des Dorian Gray" gelesen hat, und außerdem James Steerforth aus Dickens "David Copperfield" kennt, weiß, was von Dorian Steerforth zu halten ist. Das ist schade, denn dadurch entgeht den LeserInnen eine Überraschung.

Die Länge:
Siehe auch "Die Wiederholungen". Es war insgesamt zu lang. Eine Straffung und Kürzung hätte ihm meiner Meinung nach gut getan. Ich nehme an, dass ein Teil des Problems sich dadurch erklärt, dass es als Trilogie geplant war, und erst auf Wunsch des Verlags zum Einteiler überarbeitet wurde. Drei 300 Seiten-Bücher hätten mir besser gefallen, als dieses doch sehr dicke Monstrum, das außerdem noch unbequem zu halten war.

Die Tragik:
Zu einem wirklich gelungenen Buch, gehören für mich unabdingbar tragische Szenen dazu. Auch wenn diese schwer zu lesen sind und kein Feel Good verbreiten, verleihen sie doch einem Buch Tiefe und eine weitere Dimension. Nun gibt es in "Lycidas" ja einige wirklich tragische Szenen, die für mich zu den besten Stellen des Buches gehören, nur werden diese im weiteren Verlauf leider wieder aufgehoben. Gut für's Happy End, schlecht für meine Beurteilung.


So, jetzt habe ich genug gemeckert. Ich möchte betonen, dass mir das Buch nicht etwa schlecht gefallen hat; es war insgesamt recht gut (an einzelnen Stellen sogar sehr gut), hätte aber insgesamt noch viel besser sein können.

Lange wollte ich 4 Sterne vergeben, aber ein Stern ging auf den letzten 150 Seiten verloren, als das Lesen aufgrund des nervenden Stils zur Qual wurde.

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Absolut zwiegespalten

Dieses Buch hat mich fertig gemacht ' wirklich. Einerseits gab es da nämlich die Dinge, die ich gut fand und spannend ... und andererseits gab es Dinge, die ich furchtbar nervig fand. Aber der Reihe nach.

Was fand ich gut? An Figuren? Gibt es Lieblingsfiguren?
Nun ich würde sagen ... Wittgenstein hat eindeutig was für sich. Zwar ist er mürrisch, aber er scheint ein gutes Herz zu haben. Ihn mochte ich ... ja, und Dinsdale das Irrlicht mit Manchester-Akzent war auch "nett", von ihm habe ich ebenso gerne gelesen.

Die Geschichte an sich ist verworren. Die Figuren sind nicht wirklich gut oder böse, sie verfolgen nur immer ihre eigenen Ziele. Man kann sie so höchstens in Spieler und Gegenspieler unterteilen. Und die Seiten wechseln auch mal ... nein, man weiß die meiste Zeit nicht wirklich wo man dran ist. Man weiß nicht wem man trauen kann und wem man misstrauen muss. Und es gibt Geheimnisse, die die ganze Zeit über der Geschichte schweben und sie spannend machen. Je länger die Geschichte dauert, desto mehr taucht man ab in diese geheimnisvolle Welt mit einer ' ja, doch ' besonderen Atmosphäre.

Ja, das gefiel mir.
Aber es gibt genügend Sachen die mir leider missfielen.
(Und ich neige nicht dazu immer ein Haar in der Suppe finden zu müssen!)

Zum einen habe ich mich nicht nur einmal gefragt warum gerade diese Erzählperspektive gewählt wurde? Eigentlich erzählt ja Wittgenstein die Geschichte, doch halte ich das nicht unbedingt für nötig. Ich finde dieses hallballwissende-erzählen aus der Ich-Perspektive befremdlich, vor allem da diese nicht einmal konsequent durchgehalten wird (Wir erinnern uns: das Buch wird selbst in Situationen, in denen Wittgenstein nicht dabei ist, komplett von ihm erzählt - bis auf eine Sequenz am Ende mit Neil Trent - dort ist Wittgenstein inkonsequenterweise NICHT der Erzähler). Aber daran möchte ich mich nicht aufhalten, das war nur ein Aspekt.

Des weiteren bin ich nämlich auch kein Fan von abgehackten und kurzen Sätzen. Manchmal ' ja, dann kann man sie gerne verwenden, aber hier wurden sie mir zu oft herangezogen.
Und dann ... ja, dann kommt dieser elende Zeitenmischmasch. Oft wird in der Zeit hin- und hergesprungen und Erinnerungen dazwischen gemischt, die sich nicht wie Erinnerungen lesen. Ich musste höllisch aufpassen und kam trotzdem durcheinander. Das Ganze verstärkt natürlich die 'Geheimniskrämerei' des Buches. Aber diese pseudo-dramatischen Vorausblicke (auch bezüglich des 'Verrats' von Emily), die sich beharrlich und ständig wieder einmischten, empfand ich irgendwann nur noch als plump und nervig ... und eben pseudo-dramatisch. Unpassend.

Zum Schluss möchte ich noch etwas zu den Wiederholungen sagen, die sicher bereits erwähnt wurden, denn diese sind leider noch ein Nervfaktor. Als Leser komme ich mir wirklich verscheißert vor, wenn mir fünf Seiten nach der ersten Erkenntnis die gleiche Erkenntnis wieder verkauft wird als wäre sie neu. Oder wenn mir fünf Seiten nach der ersten Erklärung die gleiche Erklärung gebracht wird, als hätte ich es nicht schon vorher gewusst. Hallo? So doof oder vergesslich bin ich als Leser nun auch wieder nicht. Oder dient das nur dazu um das Buch noch mehr in die Länge zu ziehen? Lang ist es doch schon ohnehin auch ohne Wiederholungen! ... und à pro pos Wiederholungen ... wie wiederholt sich der Autor nur selbst allzu gerne? Die Hölle ist die Wiederholung. Welch Ironie.

Nein, nie hat mich bisher ein Buch so zwiegespalten zurückgelassen wie dieses.
Einerseits möchte ich es gut bewerten, andererseits auch wieder nicht.
Und das führt zu einer logischen Schlussfolgerung, nämlich der neutralen Bewertung mit 3 Punkte.

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Emily Laing wächst in einem Londoner Waisenhaus auf, wo sie wie die anderen Kinder vom Besitzer und seinem Mitarbeiter schlecht behandelt wird und nur eine Nummer ist, weil sich niemand die Mühe macht, sich die Namen der Kinder zu merken. Immerhin hat sie in Aurora Fitzrovia eine Freundin gefunden, wie es keine bessere gibt.

Trotzdem beschließt sie eines Abends die Flucht, weil sie es einfach nicht mehr aushält - und in jener Nacht verschwindet auch die kleine Mara Mushroom, die erst vor wenigen Wochen ins Waisenhaus gekommen ist. Die Zweijährige wird von einer seltsamen Gestalt entführt, und auch Emily macht bald die Bekanntschaft des grummeligen Alchemisten Wittgenstein und des Elfen Maurice Micklewhite.

Das ist erst der Anfang zahlreicher Neuentdeckungen, die Emily in London macht, das sie zu kennen glaubte, denn von ihren neuen Bekannten lernt sie, dass es eine Stadt unter der Stadt gibt, in verlassenen U-Bahn-Schächten, Tunnelröhren und uralten Gängen liegt die "Uralte Metropole", in der es von seltsamen Gestalten wimmelt, manche nur skurril, andere schaurig, wieder andere richtig böse.

Auf der Spur der entführten Mara, deren Familie entscheidend an der Geschichte der Uralten Metropole beteiligt war, und beim Versuch, dem geheimnisumwitterten Lycidas auf die Schliche zu kommen, der unter der Erde Jagd auf Kinderseelen macht, muss sich Emily mit ihren Begleitern nicht nur zahlreichen Gefahren, sondern auch ihren ureigensten Ängsten stellen...

Wenn man gemein sein wollte, könnte man Christoph Marzi vorwerfen, diverse Mythen, Legenden und literarische Vorlagen in einen Topf geschmissen und einmal kräftig umgerührt zu haben - aber die Verquickung von ägyptischer und germanischer Mythologie, christlicher Tradition, Sagenfiguren, Gruselelementen und der Geschichte der Stadt London gelingt ganz wunderbar. Die herrlich verschrobenen Charakterköpfe im Mittelpunkt der Handlung tun ihr übriges, insbesondere die Wortgefechte zwischen dem von Kindern häufig genervten Wittgenstein und der hartnäckigen Emily sind köstlich zu lesen.

Stilistisch hätte man noch ein wenig feilen können, denn die über weite Strecken viktorianisch anmutende Sprachebene wird gelegentlich von Slangausdrücken und dem einen oder anderen zu häufig verwendeten Stilmittel durchbrochen. Dem Spaß an dem Buch haben diese kleinen Mängelchen allerdings nicht geschadet. Wer Mythen und Legenden und etwas gruselige spannende Phantastik mag und vielleicht auch noch ein Faible für London hat, ist hiermit bestens bedient.

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Die Atmosphäre hat mir sehr gut gefallen, wie Charles Dickens - nur viel leichter zu lesen. Einige Ausdrücke, die Abwandlungen des ersten Satzes und viele Beschreibungen haben dieses Gefühl bestärkt.

Etwas gewöhnen musste ich mich daran, dass die Geschichte aus Wittgensteins Sicht erzählt wurde. Bei "ich" dachte ich anfangs immer an Emily. Bei mir kam es so an, dass Wittgenstein zwischendurch immer mal wieder die Rolle des Erzählers hatte - daher auch die Einwürfe, die erst 100 Seiten später aufgeklärt wurden (weil es eben auch erst später passierte, und die ganzen Geschehnisse und Verwicklungen erstmal erzählt werden mussten). Aber die Geschichte war so fesselnd, dass es mich nicht weiter gestört hat. Auf den ersten Seiten nach dem Einwurf fragte ich mich noch wie es dort nun weitergeht, aber dann haben mich neue Beschreibungen gefangen genommen und ich habe die Frage vergessen, bis sie aufgelöst wurde.

Noch etwas zu Wittgenstein: ich liebe seinen Humor! Bestimmte Sätze die er oft benutzt (Fragen Sie nicht!) haben es mir da genauso angetan wie manche von seinen Antworten, z.B. :

"Wie waren Sie als Kind?"

"Klein."

Die Geschichte ist in einer wunderbaren Sprache geschrieben, mit vielen Anspielungen auf Literatur, Film und Musik. Und mit Weisheiten und Sätzen, die einen zum Nachdenken anregen. Es gibt dort auch eine Erklärung zu den Göttern der alten und neuen Zeit, von der ich begeistert war.

Das Buch ist auch voller interessanter Personen. Ein Elf mit einer Vorliebe für Schokolade, ein mürrischer Alchemist, sprechende Ratten, gefallene Engel, Tunnelstreicher, ... Und die meisten davon kann man nicht einfach in Weiß und Schwarz einteilen, sondern sie befinden sich irgendwo im grauen Bereich.

Es kommen viele Figuren vor, die man aus Mythen und Religion kennt. Jedoch erscheinen diese oft in einem anderen Licht und sind nicht unbedingt so, wie man sie zu kennen glaubt. Dadurch ist man gefordert, einiges neu zu überdenken - sind diese Figuren wirklich das, was sie nach den alten Erzählungen zu sein scheinen?

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#1 Rezensent
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Waisenkind Emily Laing ein 13jähriges Mädchen, das im Waisenhaus von allen nur "Missgeburt" wegen ihres fehlenden Auges genannt wird und deren einzige Freundin das "Schokoladenmädchen" Aurora ist, stolpert unvermutet in eine unglaubliche Geschichte. Zuerst wird Emily von einer Ratte, die sich Lord Brewster nennt, angesprochen, und dann wird auch das Kleinkind Mara von einem Werwolf aus dem Waisenhaus geraubt. Emily macht sich auf die Suche und schließlich nimmt sich der Eigenbrötler und Alchemist Wittgenstein des Mädchens an. Emily muss erkennen, dass in London nicht so ist, wie es auf den ersten Anblick erscheint.

"Lycidas" ist eine Mischung aus Fantasy & Horror, Krimi & Abenteuer. Das Buch erinnert in der Dichte des Erzählstils und der einerseits modernen, andererseits absichtlich alt anmutenden Sprache an Bücher von Charles Dickens, doch auch Motive von John Milton, Gustav Meyrink, Neil Gaiman oder Oscar Wilde können aufmerksame Leser/innen in ganz neuem Gewand entdecken. "Lycidas" muss man vermutlich mehrmals lesen, um alle Anspielungen und Zitate auf Literatur und Film entdecken und verstehen zu können. Die Charaktere, die Christoph Marzi erschaffen hat, sind skurril, humorvoll, mutig, bösartig und manchmal schizophren: Allen voran die Figuren, die sich aus mehreren literarischen Vorbildern zusammensetzen.

Der Autor ist kaum zu bremsen, bringt auf jeder Seite eine neue Idee unter, und dennoch fordert das Buch auch einen langen Atem, fordert Geduld. Anspielungen auf weitere Handlungsstränge werden hunderte von Seiten vor der dazugehörenden Auflösung gemacht. Die eigene Neugierde, die das Buch wiederum vorantreibt, wird so oft erst spät befriedigt. Ein weiteres Stilmittel des Autors ist das fast ständige Wiederholen bestimmter Phrasen. Das kann manchmal auch ganz schön nerven. Andererseits ist "Lycidas" ein einziger Genuss und ich ertappte mich oft dabei, dass ich Sätze mehrmals und extra langsam weiterlas, damit der über 800 Seiten starke Wälzer nicht so schnell ein Ende nahm. Die Atmosphäre ist oft sehr düster, viele Beschreibungen brutal. Auch wegen der vielen literarischen Anspielungen und der anspruchsvoll-anstrengenden Sprache ist das Buch nicht für Kinder geeignet, sondern spricht eher Erwachsene und ältere Jugendliche an.

Sehr positiv ist auch, dass "Lycidas" zwei Fortsetzungen folgen werden - das Buch bietet aber ein in sich stimmiges Ende. Ein Feuerwerk an Ideen, für das man aber auch in der richtigen Stimmung sein muss. Aber dann ist das Buch für mich absolut empfehlenswert.

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Alles beginnt im Waisenhaus in Rotherhithe, wo die Kinder unter der grausamen Herrschaft Reverend Dombeys zu leiden haben. So auch die zwölfjährige Emily. Als sie ihrer täglichen Arbeit in der Küche nachgeht, spricht sie wundersamerweise eine Ratte an, die ihr aufträgt, die kleine Mara Mushroom, welche erst kürzlich eingeliefert wurde, im Auge zu behalten. Doch wird diese wenige Tage später von einem (Emily kann es selbst kaum glauben) Werwolf entführt. Emily ergreift die Gelegenheit, die ihr der Tumult im Waisenhaus bietet, und flüchtet in das winterliche London. "Zufälligerweise" trifft sie auf den mürrischen Alchemisten Wittgenstein, der ihr von der Uralten Metropole, der geheimnissumwobenen Stadt unter der Stadt, berichtet. Zusammen mit ihm und dem Elfen Maurice Micklewhite soll sie Mara aus den Fängen von Lycidas, dem Herrscher der Uralten Metropole, befreien.

Ich bin vierzehn Jahre alt - soviel zu der Annahme, "Lycidas" sei nichts für Kinder. Doch muss ich zugeben, dass es keine leichte Lektüre ist. Einige Texte musste ich ein zweites Mal lesen, um den Zusammenhang zu verstehen. Doch letztendlich kann man dies nicht als negativ abwerten, denn dieses Buch ist einfach wundervoll!

Die Figuren sind so ausführlich beschrieben, dass man am Ende nicht sagen kann, wer gut ist und wer nicht, denn selbst Lycidas hat seine Beweggründe. Es gibt keine klaren Grenzen zwischen Gut und Böse, wie beispielsweile in Märchen. Zudem ist der Schreibstil überaus interessant. Manche der altertümlichen Ausdrücke kannte ich nicht. Doch das hielt mich keinesfalls vom Lesen ab (wozu sonst gibt es ein Wörterbuch?). Es ist wahrlich ein sehr vielfältiges Buch. Es handelt sich nicht nur um die Gegenwart. die Vergangenheit ist von nicht geringerer Bedeutung. Das reizt mich besonders. Auch lässt der Autor viele Dinge in einem anderen Licht darstehen als sonst. Anubis, zum Beispiel, ist eine alte Gottheit. Doch hat auch er nicht nur Gutes im Sinn und verfolgt hauptsächlich seine eigenen Ziele. Ich möchte nicht zu viel verraten, doch könnte ich noch viele andere Personen aus "Lycidas" aufzählen, die von Christoph Marzi ein neues Gesicht bekommen haben. Ich gebe Lycidas fünf Leseratten, denn es ist das beste Buch, das ich bisher gelesen habe.

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Ich muss sagen, ich hab Marzi's Werk von vorne bis hinten und von hinten bis vorne gelesen, konnte aber beim besten Willen nichts finden, was einer solchen Bezeichnung gerecht geworden wäre. *räusper* Die "Story" - die eigentlich nur eine schlechte Kopie von Neil Gaiman's "Neverwhere" (dt. "Niemalsland") darstellt und hier und da Anleihen von Charles Dickens "David Copperfield" oder "Oliver Twist" nimmt - ist in einer teils merkwürdig abgehackten Sprache beschrieben und mit nervigen Wiederholung gespickt (Ironie des Schicksals, denn dabei ist es gerade Marzi, der eine seiner Figuren bemerken lässt, die Hölle wäre die Wiederholung ... *abermals räusper*

Ich sag nur, Selbsterkenntnis ...), was die Geschichte ansich angeht, kann sie also wenig überzeugen; das Gleiche gilt für die Figuren, die einem - zumindest wenn man schon einmal in den Genuss von Gaiman's "Neverwhere" gekommen ist - merkwürdig bekannt vorkommen (z.B. Lycidas = Islington oder Mr. Fox/Mr. Wolf = Mr. Vandemar/Mr. Croup, Letztere wurden von Gaiman übrigens witzigerweise auch genau so - wie "Fuchs und Wolf" -, beschrieben, Marzi hat das wohl zu ernst genommen ...) und somit alles andere als überzeugend rüberkommen. Ich will Marzi ja gar nicht sein Schreibtalent absprechen, denn das hat er zweifellos; nur hat er mit "Lycidas" nun wirklich kein Meisterwerk abgeliefert. Sollte es eine Parodie oder gar Persiflage auf Gaiman's/Dickens Werke sein, okay. Aber dafür nimmt es sich selbst viel zu ernst, abgesehen davon sehe ich Marzi's Talent, seine Erzählungen besonders humorvoll/witzig darzustellen, als eher begrenzt an. Lange Rede, kurzer Sinn: Marzi hat Talent, das er mit diesem überflüssigen und platt dahergekommenen Roman jedoch restlos vergeudet hat. Schade drum!

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Wer einen Roman erwartet, in dem es Drachen und Zwerge, Elfen und Orks gibt, indem Schlachten geschlagen, Helden geboren werden, indem das Gute strahlend und das Böse dunkel sind, der wird von diesem Roman enttäuscht sein. Hier begegnen dem Leser Figuren, die er schon lange kennt, aus Religion und Mythologie, Legenden und Märchen. Und doch setzt Christoph Marzi diese Kreaturen in einen neuen, überraschenden Zusammenhang, verändert das Attribut, das ihnen gegeben wurde, findet neue Erklärungen für Exsistenz und Handeln dieser Wesen.

Lycidas ist nicht einfach nur spannend, es ist in einer wunderbaren Sprache geschrieben, herrlich alt und doch jung, so vielfältig. Manche Ausdrücke oder Redewendungen habe ich schon lange nicht mehr gehört und doch sind sie in dem Buch so selbstverständlich. Und Lycidas ist ein Buch zum Nachdenken, soviel Philosophie ohne erhobenem Zeigefinger und das in einem Fantasy-Roman.

Allerdings muß man sich auch auf das Buch einlassen wollen. Es entwickelt sich manchmal gemächlich und wird dann rasant, nur um wieder gemächlich zu werden. Und es läßt sich nicht in kleinen Häppchen lesen. Dieses Buch verlangt vom Leser Aufmerksamkeit und Zeit, es fordert Umdenken und anders sehen lernen. Lycidas ist alles in allem ein Lesegenuß der ganz besonderen Art, Fantasy für Leser, die normaler Fantasy nichts abgewinnen können, Märchen für Realisten. Ein zeitloses Buch, daß zwischen Gestern und heute eine ungewöhnliche Brücke schlägt und einen Leser zurücklässt, dessen Sicht auf die Dinge sich vielleicht sogar verändert hat.

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"Die Welt ist gierig, und manchmal verschlingt sie kleine Kinder mit Haut und Haaren"

Es geschehen seltsame Dinge in London. Im Waisenhaus des grausamen Mister Dombey traut die kleine Emily Laing ihren Augen nicht, als sie eines Morgens in der Küche von einer Ratte angesprochen wird, die sich ihr höflich als Lord Hironymus Brewster vorstellt. Eine Sinnestäuschung? Nein, denn bald darauf bleibt Emily nichts anderes übrig, als an die Existenz von wundersamen Wesen zu glauben - als sie nämlich Zeugin wird, wie ein Werwolf eines der Mädchen aus dem Schlafsaal für Neuzugänge stiehlt. In Begleitung der Ratte - sowie eine Elfen namens Maurice Micklewhite und des mürrischen Alchemisten Wittgenstein - macht sich Emily auf die Suche nach der verschwundenen Mara. Die Spur führt die Gefährten in die Uralte Metropole, eine geheimnisvolle Stadt unter der Stadt, ein dunkles, gefährliches Reich, in dem gefallene Engel hausen und antike Gottheiten über das Schicksal der Menschen walten. Doch was steckt wirklich hinter den Kindesentführungen, von denen London regelmäßig heimgesucht wird? Und wer ist der mysteriöse Herrscher der Uralten Metropole, der sich Lycidas nennt?

Emily Laing ist ein Waisenkind. Ein Waisenkind mit einem Glasauge. Emily verbrachte ihr ganzes Leben in dem Waisenhaus Rotherhithe, das der üblen Gestalt von Mr. Dombey gehört. Ihre einzigen Freunde sind ihr Stoffbär, den ihr Mrs. Philbrick schenkte als ein Rohrstock, der eigentlich nicht für Emily bestimmt war, sie mitten im Gesicht traf und ihr dabei ihr Augenlicht raubte, und die dunkelhäutige Aurora Fitzrovia, die ebenfalls das Schicksal eines Waisenkindes teilt. Eines Tages überschlagen sich die Ereignisse, als Lord Brewster, eine Ratte, das Mädchen anspricht und ihr aufgibt, auf den Neuzugang Mara acht zu geben. Verängstigt und verwirrt muss Emily mit ansehen, wie ein Werwolf die kleine Mara entführt und ehe sie sich versieht, steht sie im Mittelpunkt von mysteriösen Zufällen. Aber: Zufälle gibt es nicht, wie Wittgenstein zu sagen pflegt…

"Lycidas" ist ein phänomenales Werk. Es ist perfekt gestaltet und wohl überlegt. Emily und Aurora machen sich in Begleitung von ihren Gefährten in die Uralte Metropole auf, um einem uralten Geheimnis aufzulauern. Dabei geschehen wundersame Dinge, skurrile Gestalten kreuzen ihren Weg und sie geraten immer tiefer in die verstrickte Geschichte hinein.

Dieses Buch ist nicht in ein bestimmtes Genre einzuordnen. Wenn überhaupt, dann passt es am ehesten zur phantastischen Literatur. Hat man es einmal zur Hand genommen, so kommt man nur schwer davon los. Der Leser fühlt mit der Geschichte, die Spannung packt zu und lässt nicht mehr so schnell los. Dabei ist vor allem das selbständige Denken gefordert. Man ertappt sich oft dabei, wenn man in den Gedanken die Geschehnisse noch einmal durchgeht und versucht, auf des Rätsels Lösung zu kommen. Ein besonderes Schmankerl ist die scheinbar zufällige Verwendung von Namen aus Dickens-Werken und die hin und wieder zufällig ähnelnden Handlungen zu Dickens- und Gaiman - Romanen. Aber wie schon gesagt: Zufälle gibt es nicht!

Christoph Marzi ist hiermit ein besonderes Werk gelungen und man darf gespannt sein auf die Fortsetzung.

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Lycidas

Zu dem Buch gibt es eigentlich ziemlich viel zu sagen aber ich versuche mich mal kurz zu fassen. Die Rezension könnte teilweise leichte Spoiler enthalten allerdings wirds nicht aus dem Rahmen fallen. Ich selbst habe das Buch angefangen zu lesen, es wieder weg gelegt es dann aber doch weiter gelesen und es dann zwar nicht verschlungen aber doch relativ schnell durch gelesen. Die Story gefällt mir ziemlich gut sie ist undurchsichtig und man müsste schon ziemlich seltsam denken um zu erahnen was passiert, es fängt damit an das der Alltag des Hauptcharakters erzählt wurde, wie schwer sie es doch hatte und bla, bla, bla das war so ziemlich der langweiligste Teil des Buches und ich habe das Buch nach den ersten paar Seiten weggelegt Emily, der Hauptcharakter, war mir einfach unsympathisch sie hatte was Mary Sue ähnliches, wie ich finde. Dann habe ich das Buch aber doch weiter gelesen mehr aus Langeweile wie sich dann herausstellte begann es dann nur ein paar Seiten später undurchsichtig zu werden und es fing endlich richtig an, mehr oder weniger. Danach habe ich das Buch kaum noch aus der Hand gelegt.
Die Charakter fand ich anfangs seltsam aber vor allem mit Wittgensteins Humor konnte ich mich gut anfreunden, Micklewhite ist auch einer meiner Lieblingsfiguren irgendwie überzeugt auch er mir seiner Schwäche für Schokolade und seiner Freundlichen Art, Dorian Steerforth war allerdings meine absolute Lieblingsfigur ein Blender der meinen Hassfiguren Emily und Aurora, ihres Zeichens beste Freundin Emilys, ärger bereitet hatte was ich an der Stelle richtig genial von ihm fand, auch wen er ja einer der Bösen ist obwohl man in diesem Buch nicht von gut und böse Sprechen kann die Charaktere machen eben das was für sie am Besten ist was dann durchaus verständlich ist.
Der Schreibstil und die Sprache fand ich wirklich gut es war mal was anderes, die sich wiederholenden Gedanken wie "dieses Kind!" und Sprüche wie "Fragen sie nicht" fand ich einfach toll nur schade das Emily letzteres auch in ihren Sprachgebrauch invitiert hatte. Manche scheinen diese Wiederholungen und andere nicht wirklich gut zu finden aber ich liebe sie.
Sonst kann man glaube ich nichts mehr dazu sagen außer das dieses Buch wirklich gut ist und auch wen es an manchen Stellen wie am Anfang etwas zähflüssig ist lässt es sich mit Geduld wirklich gut lesen.

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