Tobias O. Meißner: Sieben Heere

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Tobias O. Meißner: Sieben Heere
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783492703123

Informationen zum Buch

Seiten
416

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Als das friedliche Land Akitania im Frühherbst von den sieben Heeren Nafarroas eingenommen wurde, hielt die Welt nicht in ihrer Umdrehung inne.

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Nach einer übermächtigen Invasion besetzt eine gewaltige Armee das Land. Sieben Heere, gebildet aus den skrupellosesten, kaltblütigsten Kriegern, unterwerfen Städte und Dörfer. Die Bewohner beugen sich der erdrückenden Macht der Eroberer - doch dann gelingt es einer Gruppe Aufständischer überraschend, einem der Heere empfindliche Verluste zuzufügen. Es ist der Beginn einer Revolution - und eines gewaltigen Krieges, der alles in den Abgrund reißen wird ...

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Ganz Akitanien ist besetzt - Nein, nicht ganz Akitanien. Ein Dorf reagiert ...

Inhalt
Das akitanische Dorf Hagetmau wird eines Tages aus seinem Alltag gerissen, als ein fremder Trupp von 30 nafarroanischen Soldaren ins Dorf einmarschiert und verkündet, dass Hagetmau, wie auch die anderen umliegenden Dörfer, nun dem benachbarten Reich zugesprochen wird. Es soll sich für die Einwohner in ihrem Tagesablauf nichts ändern, man habe nicht vor Gewalt anzuwenden und erwarte nur, dass die „freundliche Übernahme“ akzeptiert werde.

Und tatsächlich verhalten sich die Soldaren unauffällig und lassen die Dörfler in Ruhe, plündern nicht und zeigen keine Gewalt. Im Gegenteil, sie sind freundlich und zurückhaltend. Nach der ersten Verblüffung und Unsicherheit beginnen die Dorfbewohner, sich mit der neuen Situation zu arrangieren, immerhin erleiden sie keinen Schaden. Doch nicht alle empfinden die Situation hinnehmbar, einige haben ein ungutes Gefühl damit und fühlen sich hintergangen. Doch wie geht man mit einem Feind um, der einem auf den ersten Blick scheinbar nichts antut? Wie wehrt man sich, wenn einen keiner wirklich angreift und keine Gewalt ausgeübt wird? Wie reagiert man auf einen Feind, der den Frieden und den Alltag im Dorf gar nicht verändert und die Bewohner daher gar keinen Schaden haben?

Eines Tages wird den Dorfbewohnern die Entscheidung abgenommen und von nun an heißt es nur noch überleben. Das Dorf und seine Bewohner müssen handeln ...

Meine Meinung
Diese Geschichte ist wirklich außergewöhnlich und hat mir gut gefallen. Mit epischen Schlachten und finsterer Magie hat sie wenig zu tun, dafür aber bietet sie ein überraschendes Szenario, das die beschauliche Welt einer Gruppe Menschen auf den Kopf stellt, in ihnen etwas verändert und sie zu Handlungen führt, deren Entwicklungen mindestens genauso spannend zu beobachten sind, wie große actionreiche Schlachten.

Spannend ist hier besonders die Veränderung der Dorfbewohner und wie sie mit der Situation umgehen. Man begleitet sie als Leser bei ihren Beratungen und ihren Streitereien, welche Strategien die besten sind und wie man sie ausführt. Dabei treffen unterschiedliche Charaktere zusammen, wie eine unerschrockene vorlaute junge Frau, die sich nichts gefallen lassen will, der „böse Junge“ des Dorfes, der für seine Aggressionen bekannt ist, der schüchterne Stotterer, der sich sonst immer im Hintergrund hält, der ambitionierte Sohn der Dorfvorsteherin, der bisher meist nur durch Worte, weniger durch Taten glänzte. Diese und einige andere Dorfbewohner haben nun ihren meist ersten echten Kontakt mit Gewalt und Tod und ich fand es sehr spannend, ihre unterschiedlichen Reaktionen auf die neue Situation zu verfolgen. Nachdem der „erste Stein gefallen ist“ und es kein Zurück mehr gibt müssen sie zu einer eingeschworenen Gruppe werden und viele bisherigen Skrupel und Ansichten verlieren an Bedeutung oder werden verdrängt. Ich habe mich hier sehr oft gefragt, wie ich mich wohl in der Situation der Dorfbewohner verhalten würde. Wie skrupellos kann man werden in einem Krieg? Wie passiert es, dass man eine Grenze überschreitet, die man vorher auch nur in Gedanken nie überschritten hätte?

Der Autor macht es dabei nicht nur den Protagonisten schwer, sondern auch dem Leser, denn er gibt beiden Seiten Menschlichkeit, sprich, er lässt die Dörfler einige der Besatzer kennenlernen und lässt auch die Leser in die Köpfe einiger Feinde schauen und was Dörfler und Leser dabei sehen sind Menschen, die zuhause Familie und Kinder haben, nach denen sie sich sehnen oder Soldaren, die anstatt feindlich zu reagieren hilfsbereit ihren Schutz anbieten. Aber es sind die Dörfler, die einfach überrannt wurden und ihre Religion und ihre Freiheit aufgeben sollen für Fremde. So sieht man in die Köpfe beider Seiten und es passierte mir nicht nur einmal, dass sich im Laufe der Geschichte meine Sympathien auch verschoben haben. Gerade das Verhalten der Dörfler, die eigentlich zu Beginn die Opfer waren, hat mich oft sehr entsetzt, auch wenn ich ihre Sorgen und Ängste nachvollziehen konnte. Ich schwankte viel hin und her, ich fand niemanden, zu dem ich eine Bindung aufbauen konnte, aber ich konnte mit jedem mitleiden, der den Tod fand. Es gibt hier kein Schwarz und Weiß, aber es gibt aber viele Entwicklungen und auch unerwartete Wendungen und Menschen, die sich durch die Geschehnisse verändern.

Für zarte Gemüter ist der Roman vielleicht mit Vorsicht zu genießen, denn der Tod wird gezeigt, wie er ist: nicht schön. Und er ist oft persönlich, von Angesicht zu Angesicht, was für mich immer schlimmer zu ertragen war, als anonymes Gemetzel. Aber gerade dies gab der Geschichte auch seine besondere Bedeutung und ein Beschönigen hätte nicht gepasst. Die Menschen haben eine Entscheidung getroffen und was diese Entscheidung genau bedeutet, damit müssen sie nun umgehen. Nicht jeder kommt einfach damit klar und bei manch einem zeigte sich im Laufe der Geschichte eine Verhaltensänderung, die mich etwas gruseln lässt und die im nächsten Teil sicherlich noch zu Konflikten führen wird.

Es ist also eine nicht so leicht verdauliche Geschichte, die mich zwar aufgrund der entstandenen Ausgangssituation einer feindlichen Besetzung schnell an „Asterix und Obelix“ erinnert hat, aber die trotz des auch vereinzelt mal aufblitzenden Humors natürlich nicht die Komik dieser Helden besitzt. Der Schreibstil des Autors ist dagegen sehr besonders finde ich. Sein Stil, seine Beschreibungen der Umgebung und der Handlungen erzeugen eine besondere, manchmal poetische Stimmung und eindrucksvolle Bildmomente. Insgesamt ist es keine „hektische“ Geschichte, sie wirkt eher düster, vielleicht auch das ein oder andere Mal etwas zu gedehnt, auch wenn ich die strategischen Gespräche der Charaktere interessant fand. Das Buch endet abrupt, aber als erster Teil einer Trilogie ist das in Ordnung. Man könnte es sogar so stehen lassen und sich selbst überlegen, wie es nach der ersten Etappe weitergehen könnte, aber ich bin natürlich nun doch sehr gespannt darauf, wie sich die nun entstandene Situation weiterentwickelt.

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Die Besetzung eines kleinen Dorfes und seine Folgen

In dem kleinen Dorf Hagetmau in Akitania plätschert das Leben friedlich vor sich hin, als eines Tages ein Heer des Nachbarlandes Nafarroa mit 30 Soldaren einmarschiert. Die Übernahme erfolgt friedlich, der Capitar des Heeres setzt eher auf Kooperation und Diplomatie. Außerdem setzt er die Dorfbewohner darüber in Kenntnis, dass insgesamt sieben Heere ebenfalls die benachbarten Dörfer besetzt halten. Zunächst ändert sich im Tagesablauf der Hagetmauer nicht viel, bis eines Abends zwei Soldaren im Suff erschlagen werden.

Laut dem Klappentext könnte man erwarten, dass in dem Buch hauptsächlich brutale Schlachten geschlagen werden, aber das wird dem Buch meines Erachtens nicht gerecht. Es werden zwar auch unschöne Kampfszenen (welcher Kampf ist schon schön?) beschrieben, aber sie machen nicht den Hauptteil der Handlung aus. Vielmehr kommt das Buch in großen Teilen eher ruhig daher und der fantastische Anteil ist sehr gering.
Dennoch ist das Buch alles andere als langweilig, was nicht zuletzt auch an dem genialen Sprachstil des Autors liegt.

Mich erinnert das Buch an ein Strategiespiel, denn die Figuren stehen immer wieder vor der Aufgabe, ihr zukünftiges Schicksal neu durchzuplanen. Ich fand es ungemein spannend, den Bewohnern von Hagetmau bei diesen Planungen zu lauschen, denn sie regten mich zu eigenen Überlegungen und Argumenten an. In einigen Punkten konnte ich den Dorfbewohnern nicht zustimmen und doch kann ich nicht sagen, wie ich mich in der Situation verhalten hätte.

Das Leben in dem 500-Seelendorf Hagetmau war bisher sehr friedlich, beschaulich und bewegte sich in den immer gleichen Bahnen. Die Bewohner hatten in diesem Leben ihren festen Platz. Die Krone, der Akitania unterstellt ist, hat vor Jahren ihr Heer aufgelöst, weil es kein Interesse an Kriegshandlungen hatte. Daher sehen sich die feindlichen Besetzer kaum Widerstand gegenüber. Bis der Tod der beiden Soldaren (nein, es handelt sich hier nicht um einen Schreibfehler, der Autor hat manche Bezeichnungen etwas abgewandelt) das friedliche Dorf in seinen Grundfesten erschüttert. Plötzlich werden die Rollen im Dorf neu verteilt. Können die Hagetmauer das Unmögliche schaffen?

Das ist ein weiterer spannender Punkt in diesem Roman, wie sich die Charaktere unter der neuen Situation entwickeln: schwache Figuren entdecken plötzlich Talente in sich, die ihnen niemand zugetraut hätte, Führungsfiguren geraten dagegen immer mehr unter Druck.

Wie schon oben erwähnt, gibt es auch Kampfszenen, die sogar besonders fies sind, und das nicht, weil sie so blutig sind, sondern eher auf psychologischer Ebene. Mehr möchte ich hier aber nicht verraten.

Dieser Band ist der Auftakt zu einer Trilogie und ich bin nun sehr gespannt, wie es mit Hagetmau und seinen Bewohnern weitergehen wird.

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(Aktualisiert: 23 November 2015)

#1 Rezensent
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Ein Dorf verliert seine Unschuld

"Die Heere Nafarroas kamen, wie der Herbst kommt, langsam und unaufhaltsam, nach und nach alles einfärbend mit ihrem schwarzweißen Rüstzeug aus gebrochenem Licht. Das friedliche Land Akitania hatte kein nennenswertes Heer. Die Menschen waren Bauern, Händler, Handwerker, Viehhirten, Mundschenke, Baumeister und Dichter."

Mit dem Einmarschieren von insgesamt 30 nafarroanischen Soldaren ist nichts mehr in dem kleinen Dorf Hagetmau, wie es vorher war. Obwohl die feindlichen Krieger ohne Blut zu vergießen ihre Heimat besetzen, brodelt der Widerstand in den rund 500 Dörflern. Bis er schließlich in einem einzigen Hitzkopf überkocht und die Situation eskaliert. Ein ganzes Dorf muss eine Tat vertuschen, um sein Fortbestehen zu sichern. Doch wie weit können die Menschen dabei gehen, ohne ihre eigene Menschlichkeit zu verlieren?

Tobias O. Meißner ist der Stephen King der Fantasy. Pointiert führt er die Leser an der Nase herum bis sie sich im verschachtelten Labyrinth ihres eigenen Gehirns verlaufen. Er macht es einem unmöglich, Partei zu ergreifen. Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß. Meißners Schauplätze sind so vielschichtig und voller Beweggründe, dass man sich für keine Seite entscheiden kann. Was würde man selbst tun, wenn Freiheit und Leben auf dem Spiel stünde? Wie weit würde man gehen, um sich selbst und seine Liebsten zu verteidigen? Welche Grenzen darf man ziehen, bevor es zu spät ist und alle Grenzen bereits überschritten sind?

Ein ganzes Dorf verliert seine Unschuld und die Leser mit dazu. In "Sieben Heere" erzählt Tobias O. Meißner eine tragische Geschichte um Widerstand und Freiheit. Seine Figuren sind stark und facettenreich und er vermag durch den Handlungsverlauf und nicht erwartete Wendungen immer wieder zu überraschen. Doch nicht nur die Handlung selbst bohrt sich tief in das Gehirn. Der Autor ist ein Meister der Sprache. Er erfindet eigene Worte und spielt damit ebenso, wie er mit seinen Lesern spielt. Seine Wortgewalt besteht weniger aus Komplexität, als vielmehr aus kurzen, treffenden Sätzen, die Bilder im Kopf erzeugen, denen man sich nicht entziehen kann.

Die Geschichte des kleinen Dorfes ist tragisch und diese Tragik macht dem Leser das Herz schwer. Diese Schwermut macht das Ende erträglicher, denn die Geschichte Hagetmaus und ganz Akitanias ist noch nicht fertig erzählt und eine Verschnaufpause hat das Lesergemüt nach dieser Lektüre bitter nötig.

Wer dieses Buch nicht liest, verpasst eine herausragende Geschichte. Es ist auf so viele verschiedene Arten großartig. Absolute Leseempfehlung!

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Wenn Unschuldslämmer zu den Waffen greifen..

Hier möchte ich kurz auf den Inhalt eingehen, weil der Klappentext diesbezüglich doch etwas irreführend ist. Im Fokus steht die "friedliche Übernahme" Akitanias durch das Nachbarland Nafarroa. Friedlich heißt in diesem Sinne, dass die Heere einfach in das Land einmarschieren, wobei jedes Dorf von einer kleinen Soldaren-Truppe besetzt wird. Im Rahmen dieses Machtwechsel werden die Begebenheiten und Probleme eines Dorfes beschrieben, das -ob aus Zufall oder Pech- eine Widerstandsbewegung bildet.


Etwas schwer habe ich mich zu Beginn des Buches mit bestimmten Wortschreibweisen oder -neuschöpfungen getan, wie der Bezeichnung Soldaren (für Soldaten), Capitar (für Capitän) oder Generar (für General). Doch daran gewöhnt man sich mit der Zeit beim Lesen.
Von dem Buch habe ich eine Geschichte erwartet, in der sich eine Gruppe mutiger Krieger findet, die sich gegen die Unterdrückung durch die feindliche Übernahme heldenhaft wehrt. Man merkt jedoch schon bald, dass die "Sieben Heere" in eine ganz andere Richtung gehen, das war für mich zwar etwas überraschend, aber auch sehr spannend.
Die kurzen Kapitel und die Spannung, die beim Lesen erzeugt wird, sorgen dafür, dass man sehr zügig liest. Dabei sind die Kapitel immer aus Sicht einer Person beschrieben, die sich jedoch abwechseln. Dadurch rückt eine Gruppe von Personen in den Vordergrund der Erzählung, die auch ausschlaggebend für die Entwicklung der Ereignisse im Dorf Hagetmau sind.
Der Konflikt der sich irgendwann anbahnt zwischen den Besetzern und den Hagetmauern ist sehr spannend, aber auch schwierig zu Lesen, weil es hierbei keine Einteilung in "Gut" und "Böse" gibt, dadurch fiebert man einfach mit und ist dem Verlauf der Geschichte hoffnungslos ausgeliefert.
Auch die Charaktere sind allesamt sehr interessant, auch wenn man nicht mit allen Entscheidungen einverstanden ist, werden sie realistisch dargestellt und umfassend beschrieben. Man erhält dadurch einen guten Eindruck von den einzelnen Figuren und taucht dadurch ganz in das Hagetmauer Dorfleben ein. Gerade die Figuren, deren Verhalten und Beziehung zueinander sind das, was das Buch so interessant gestalten.
In diesem Buch geht es auch gar nicht so sehr um den Konflikt zweier Länder, sondern vielmehr um Konflikt innerhalb eines Dorfes. Dadurch erhält das Buch meiner Meinung nach etwas stark gesellschaftskritisch. Die Ereignisse sind dabei sehr tragisch und an einigen Stellen sehr detailliert, was für leicht besaitete Leser etwas verstörend sein könnte. Doch trotz diesem ernsten Grundton kommt es meiner Meinung nach immer wieder zu Dialogen, die extrem komisch waren.
Zudem spielen die Ereignisse in einer leicht magisch angehauchten Welt, da es Magier und ein Vogel-Pferd-Mischwesen (Gryph) gibt. Dann vielleicht noch ein interessanter Fact zum Schluss: die Länder (Akitanien, Nafarroa) und das Dorf Hagetmau hat/gibt es tatsächlich, auch wenn die Namen das im ersten Moment nicht vermuten lassen.

Fazit:
Die Ereignisse konnte ich so nicht vorhersehen, was für mich sehr spannend und schön zu lesen war. Mich hat das Buch oft mehr als überrascht und somit echt richtig gut gefallen. Ich bin auch schon sehr gespannt wie es im nächsten Band der Trilogie weitergeht!

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Sieben Heere

Das neue Werk aus der Feder von Tobias O. Meißner „Sieben Heere“ ist der Auftakt zu einer fantastischen Reihe über die Bewohner des Dorfes Hagetmau.

Inhaltsangabe (Quelle: Klappentext):
Der letzte aller Kriege hat begonnen…
Es ist die dunkelste Stunde des Reiches Akitanien. Sieben Heere, gebildet aus den skrupellosesten Kriegern, halten Einzug ins Land undbesetzen Städte und Dörfer. Den Bewohnern bleibt nur eine Wahl zwischen bedingungsloser Unterwerfung oder qualvollem Tod. Doch aus Verzweiflung können ungeahnte Kräfte entstehen. Eine einzelne vom Feind besetzte Siedlung erwacht aus seiner Ohnmacht und entwirft einen Plan, der das Kräfteverhältnis in diesem Krieg für immer verändern könnte.

Der Schreibstil von Tobias O. Meißner ist recht angenehm und klar formuliert. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und auch die kurzen Kapitel, welche oftmals einen Perspektivewechsel mit sich führten, haben zur zusätzlichen Spannung verholfen. Zu Beginn des Buches musste ich mich erst mal an die Wortneuschöpfungen des Autors gewöhnen – wie z.B. Soldaren anstatt Soldaten – dies ging aber relativ schnell und haben dann auch nicht mehr zum Abbruch des Leseflusses geführt.
In „Sieben Heere“ wird die feindliche, aber friedliche Übernahme des Dorfes Hagetmau durch Soldaren des Landes Nafarroa beschrieben. Man erhält hierbei einen sehr gut beschriebenen Einblick in die einzelnen Vorgänge – was die Dorfbewohner denken, welche Sorgen sie haben, aber auch die Soldaren werden beleuchtet. Es entsteht ein Konflikt – wie wird das Dorf mit der Belagerung umgehen? Wie reagieren sie auf die feindlichen Soldaren, die ihnen bisher keine Gewalt oder ähnliches angedroht haben. Durch den recht vielseitigen Wechsel der Perspektiven erhält man in beide Parteien einen Einblick, kann dessen Denkweise besser nachvollziehen und erhält Informationen über ihr Handeln. Dies hat zur Folge, dass man mit beiden gegnerischen Parteien bangt, sich um sie fürchtet und man als Leser nicht weiß, auf welcher Seite man eigentlich steht. Das hat mir so ausgezeichnet an diesem Werk gefallen, dass keine typische Schwarz-Weiß- Malerei betrieben wird. Man fühlt mit beiden Seiten mit. Sowohl die Dorfbewohner als auch die Soldaren erhalten ein Gesicht oder eine Vergangenheit. Sie sind keine graue Masse, man leidet mit ihnen und ist gespannt, wie es ihnen auf den nächsten Seiten ergehen wird. Dies hat für mich aber auch zur Folge gehabt, dass ich mich keiner Seite geschweige denn einem einzelnen Charakter richtig zugehörig fühlte. Meine Sympathien waren verstreut, haben sich teilweise auch verschoben – einen richtigen Lieblingscharakter, mit dem ich ganz fest mit gefiebert hatte, hatte ich leider nicht. Ich wusste als Leser nicht, welchen Ausgang ich mir eigentlich für den Ausgang des Buches wünsche, wem ich eher einen Erfolg gegönnt habe. Somit konnte ich keine direkte Beziehung zu den Charakteren aufbauen und das fand ich etwas schade, denn irgendwie hat mir das gefehlt. Die handelnden Personen allgemein sind recht vielseitig und vielschichtig aufgebaut. Besonders hat mir die Entwicklung einiger Charaktere im Verlauf der Belagerung gefallen. So hat sich der ein oder andere Dorfbewohner im Verlauf der Geschichte ganz schön gewandelt. Ist z.B. vom stotternden und scheuen Jungen zu einem selbstsicheren und kühlen Kopf geworden, welcher die Dorfbewohner mit seinen strategischen Überlegungen lenkt.
Interessant fand ich auch die ausgeführten Diskussionen unter den Dorfbewohnern, wenn beredet werden musste, wie man sich nun zu verhalten hat – wenn schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden mussten. Das Für und Wider wurde abgewogen und auf beiden Seiten wurden Ideen und Überlegungen angebracht. Somit erhält man als Leser einen Einblick, warum die Dorfbewohner so gehandelt haben und nicht anders.
Schließlich kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen und im späteren Verlauf des Buches wird dieses immer blutiger und brutaler. Diese Szenen werden recht detailliert erzählt, es ist also nicht unbedingt etwas für schwache Nerven. Aber andererseits finde ich es gut, dass der Krieg nun mal auch so brutal und blutig dargestellt wird, wie er nun mal ist, dass beschrieben wird, wie die Halswirbel brechen und dass man damit ein Menschenleben auslöscht und somit auch, welche Konsequenzen das mit sich bringt. Die Gewaltszenen werden nicht verharmlost.
Oftmals hatte ich bei diesem Werk das Gefühl, dass es stark sozialkritische Tendenzen hat. Oftmals schwingt ein Unterton mit, welcher Gesellschaftskritik ausübt. Und damit hatte ich persönlich so ein bisschen meine Probleme. Das liegt aber daran, dass ich anhand des Klappentextes einfach ein vollkommen anderes Werk erwartet habe. Ich hatte mir ein fantastisches Epos mit Schlachten erhofft. Stattdessen habe ich ein sozialkritisches Werk erhalten, welches eher in einer fantastisch angehauchten Welt spielt. Der Klappentext setzt falsche Hoffnungen in das Werk und hat mir persönlich etwas den Lesespaß genommen. Dieses Buch ist wirklich nicht schlecht, das steht für mich außer Frage – bloß habe ich einen Fantasy- Roman erwartet, welchen ich leider nicht wirklich erhalten habe.

Mit „Sieben Heere“ hat Tobias O. Meißner ein sozialkritisches Werk in einer fantastisch angehauchten Welt erschaffen, welches seinen Schwerpunkt auf die charakterliche Entwicklung legt. Aber auch, was passieren könnte, wenn ein Dorf einer feindlichen Belagerung durch Soldaren des Nachbarlandes ausgesetzt wird. Eine recht interessante Fallstudie, doch aufgrund der falschen Erwartungen an das Buch kann ich leider nur 3,5 Sterne vergeben.

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