Ian McEwan: Abbitte

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Ian McEwan: Abbitte
Verlag
ET (D)
2002
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Atonement
ET (Original)
2001
ISBN-13
9783257063264

Informationen zum Buch

Seiten
533

Sonstiges

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Am heißesten Tag im Sommer 1935 wird die dreizehnjährige Briony Tallis im Landhaus ihrer Familie Zeuge eines eigenartigen Geschehens. In der Schwüle des Tages sind alle wie verwandelt: Was treibt die ältere Schwester mit Robbie Turner am Brunnen, was in einer dunklen Ecke der Bibliothek? Und wie ist jenes Wort in dem Brief zu verstehen, den sie nicht öffnen sollte? Mit Briony geht die Phantasie durch. Noch am selben Abend ist das Leben aller Beteiligten für immer verändert...

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Teilweise hervorragend, teilweise langweilig

Ich bin von diesem Buch hin- und her gerissen; teilweise habe ich phantastisch geschriebene Kapitel gelesen, teilweise habe ich mich gelangweilt. Wenn mich der erste Teil nicht gleich in seinen Bann gezogen hätte, hätte ich im zweiten Teil (Robbies Kriegserlebnisse) vermutlich abgebrochen. Aber so wollte ich unbedingt wissen, wie es ausgeht.

Zunächst zu den Charakteren. Leider konnte ich mich mit Briony gar nicht anfreunden. Was sie getan hat erscheint mir unverzeihlich, und dass sie erst so spät „Abbitte“ leistet, ist schon ein starkes Stück. Ich kann keinen Funken Mitleid für sie empfinden.
Cecilias und Robbies Verbitterung bzw. ihren Hass kann ich dagegen sehr gut nachfühlen. Die beiden Charaktere sind sehr stark und präsent beschrieben – gegen sie hat die farblose Briony keine Chance. Gemeinsame Szenen werden von den beiden bzw. einem von ihnen stets dominiert, die anderen Personen fallen in den Hintergrund zurück.
Lola, die Zwillinge, Emily und die übrigen Protagonisten werden – wenn überhaupt – recht kurz und knapp beschrieben, aber mir hat dabei nichts gefehlt.

Was mir beim Lesen gut gefallen hat ist, dass McEwan die handlungserklärenden Details so beiläufig in die Geschichte einstreut. Man liest irgendeine Beschreibung, irgendwelche Gedanken von irgendwelchen Personen und plötzlich – päng! – steht da nur ein Satz, der gleich mehrere Groschen im Kopf des Lesers ins Rollen bringt und ihn hellwach weiterlesen lässt. Das ist wirklich genial.

Der erste Teil des Buches (der „Vorfall“) hat mir sehr gut gefallen. Die Atmosphäre war phantastisch beschrieben, auch das gepflegte vor-sich-hin-leben der englischen Upper Class konnte ich mir gut vorstellen. Besonders interessant fand ich das Erzählen aus verschiedenen Perspektiven und die unterschiedlichen Interpretationen – McEwan zeigt genau auf, wie Missverständnisse entstehen können.

Wie ich oben schon geschrieben habe, fiel mir das Lesen des zweiten Teiles schwer. Ich konnte hier keinen Bezug zum vorhergehenden Geschehen finden, außer dass Robbie wohl keine andere Berufswahl mehr hatte, nachdem er aus dem Gefängnis raus war. Aber das hätte man auch mit weniger Worten schreiben können. In diesem Teil habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich überhaupt noch weiterlesen soll. Aber dann wollte ich doch wissen, wie es mit Cecilia und Robbie weitergeht.

Der dritte Teil (Brionys Erlebnisse als Schwesternschülerin) war dann wieder interessanter, nur konnte ich Briony aufgrund ihrer „Zeugenaussage“ schon nicht mehr leiden und es fällt mir schwer, Geschichten zu lesen, bei denen mir der Hauptcharakter nicht sympathisch ist.

Der letzte Teil (Brionys Geschichte als 77-jährige Frau) war dagegen der Hammer und hat alle vorherige Lesemühe wieder wett gemacht. McEwan landet einen tollen Coup, das ist spitzenklasse!

Meine Bewertung fällt alles in allem ambivalent aus, Trotzdem bin ich froh, das Buch gelesen zu haben, es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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Großartig!

Liebe, Hasst, Leid, Schmerz, Trauer, alles menschliche hat McEwan eingefangen und in seinem Roman großartig miteinander verwoben. Man sieht sich selbst als 13 jährige Briony, mit ihren Gefühlen, der inneren Verwirrung eines Teenagers und ihrer schrecklichen Tat, die alles mit einem Mal verändert. Sie war für mich lebendig und ich fühlte mich zeitweise sehr in meine eigene Vergangenheit als 13 Jährige zurückversetzt. Ich habe schnell gemerkt wie gut ich ihre Empfindungen nachvollziehen konnte.

Ian McEwan hat diese Zeit kurz vor dem 2. Weltkrieg eingefangen, doch der drohende Krieg erscheint hier nur als eine Art Symbol, für das, was die Menschen von denen er erzählt, wirklich verändern wird. Die Ruhe vor dem Sturm wird im ersten Teil des Romans angedeutet. Eine scheinbare familiäre Idylle, je näher man ihr kommt, desto mehr Kratzer bekommt dieses Bild, wie bei einem alten Gemälde, das bei näherer Betrachtung abblättert und Risse aufweist.

Der zweite Teil erscheint mir als eine Art Zwischenteil. Die Grausamkeiten des Krieges und dazu Robbies Liebe zu Cecilia, das einzige aus der er seine Kraft schöpft. Der Krieg wird einem Nahe gebracht und man erhascht eine Ahnung davon wie es wohl wirklich war und diese Ahnung ist schon schrecklich genug.
Dann widmet sich Ian McEwan einer inzwischen 18-jährigen Briony. Es ist auch hier wieder bemerkenswert wie er alltägliche Situationen und Geschehnisse mit der Handlung verwebt, vor allem auch den Alltag einer Krankenschwester. Aber auch Brionys Schuldgefühle, die sie nach all den Jahren nicht loslassen.

Ich bin froh das der Autor es geschafft hat seinen Roman nicht kitschig enden zu lassen... ein anderer Autor... wer weiß? Ist das Ende befriedigend? Ja irgendwie schon, es ist auf seine Art vielleicht sogar perfekt. Traurig, ja das auch, aber irgendwie schön, ja das trifft es: schön!
Vielleicht kann man die Geschichte nicht immer ertragen, weil die Menschen in Abbitte sich nicht verzeihend in den Armen liegen, weil es keine perfekte Liebesgeschichte ist. Vielmehr uns ein einziger Tag, eine einzige Minute, wie schnell sich unser Leben verändern kann und wie eine falsch verstandene Geste, Beobachtung alles vorherige auslöscht, das Leben für immer in andere Bahnen lenkt und das wir oft nie wieder etwas daran ändern können.

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Das Landhaus der Familie Tallis im Sommer 1935. Es herrscht glühende Hitze, die Bewohner wissen nicht so recht etwas mit dem Tag anzufangen, da beobachtet die 13jährige Briony etwas, das sie falsch versteht und verändert dadurch das Schicksal der kompletten Familie.

Vorweg muss ich sagen, dass ich den - meiner Meinung nach sehr gelungenen - Film schon gesehen hatte, bevor ich das Buch gelesen habe. Damit habe ich mir zwar das Ende schon vorweg genommen, dennoch hat mich das Buch keine Sekunde gelangweilt. Vor allem im ersten Teil ist die Stimmung sehr dicht, man kann sich die Hitze und die Lethargie der Familie sehr gut vorstellen. Die Handlung schreitet fast unerträglich langsam voran und doch ist es interessant, Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln zu beobachten und die Gedanken und Gefühle der Bewohner des Hauses so genau beobachten zu können. Man merkt nur sehr langsam, wie die Stimmung dieses luftig-leichten Sommertages plötzlich kippt und sich alles verändert...

Das Tempo des Romans nimmt in den weiteren Teilen deutlich zu doch leider übernimmt ab dem 2. Teil der Krieg die Hauptrolle in der Geschichte. Dass dies so ausgeweitet wurde und man auch recht viele langweilige Details über sich ergehen lassen muss, fand ich etwas schade. Das liegt aber möglicherweise einfach an meiner persönlichen Abneigung gegenüber Filmen und Büchern, die den 2. Weltkrieg thematisieren.

Das Ende ist wirklich gelungen und relativiert alles, was man vorher gelesen hat. Am liebsten möchte man danach nochmal von vorne Anfangen und das Buch mit diesem Wissen erneut lesen.

Vom Stil Ian McEwans war ich begeistert, ich finde es bemerkenswert, wie er die englische Sprache in all ihren Nuancen ausschöpft und aus einem beinahe unendlichen Vorrat an Wörtern zu schöpfen scheint. Es war zwar am Anfang nicht leicht, sich an die Sprache zu gewöhnen (ich habe das Buch im Original gelesen), jedoch ist das Buch trotz allem nicht kompliziert zu lesen oder hochgestochen geschrieben.

"Abbitte" ist definitiv ein Buch, das mich fasziniert und bewegt hat. Auch unsere Diskussionen im Rahmen des Lesekreises waren sehr interessant und brachten noch einmal Aspekte zu Tage, die man beim einfachen Lesen ohne anschließende Diskussion nicht bemerkt hätte.

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#1 Rezensent
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Die 13 jährige Briony, früher ein aufgeschlossenes, lebendiges Mädchen, ist nun eher introvertiert. Sie lebt in ihrer eigenen Fantasiewelt, beobachtet die Menschen in ihrem Umfeld und möchte diese Erfahrungen später in einem Roman zum Ausdruck bringen. Als sie an einem Sommertag den nicht für sie bestimmten Brief liest und gleich im Anschluß darauf ein Verbrechen geschieht, ist es Briony, die mit ihrer Fantasie Menschen ins Unglück stürzt.

Normalerweise ist es für mich eher ein Gütesiegel, wenn Marcel Reich-Ranicki ein Buch nicht empfiehlt. Von "Abbitte" jedoch war der Literaturpapst so begeistert, dass ich den Roman eine ganze Weile vor mir hergeschoben habe. Deshalb hat es mich auch sehr überrascht, wie flüssig Ian McEwans Werk zu lesen war, wie wunderbar dieser Autor erzählen kann. Brionys Schicksal und das ihrer Familie wird in Kapiteln erzählt, die einige Jahre vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, währenddessen und mehrere Jahrzehnte danach spielen. Doch jedes Kapitel ist einer bestimmten Person gewidmet, bezieht sich nicht nur auf Briony, sondern beleuchtet das Leben anderer Betroffener.

Hatte ich erst mit dem Buch begonnen, verlor ich mich in der wunderbaren Sprache, in der spannenden Erzählung. "Abbitte" ist jedem zu empfehlen, der einen anspruchsvollen und dennoch flüssig geschriebenen Roman lesen möchte.

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