Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe

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Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783462048025

Informationen zum Buch

Seiten
160

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Handlungsort

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Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen im Niemandsland so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt sogar ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest, die Gavrilovs im Garten Schach spielen und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Und an ihre Enkelin Laura. Doch dann kommen Fremde ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreißend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet. Auf kleinem Raum gelingt ihr eine märchenhafte und zugleich fesselnd gegenwärtige Geschichte.

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Baba Dunjas letzte Liebe

Tschernowo ist ein kleines Dorf in der Nähe des Kernreaktors Tschernobyl. Hier lebt niemand freiwillig, sollte man denken. Weit gefehlt. Baba Dunja, eine einfache Frau, bedeutet die Heimat so viel, dass sie dort den Rest ihres Lebens verbringen will. Die Nähe zum Kernreaktor macht ihr nichts aus. Denn sie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist alt, über neunzig, und das Gute für sie am Alter ist, dass sie niemand mehr um Erlaubnis fragen muss. Zum Beispiel, ob sie in ihrem alten Haus wohnen kann und ob sie Spinnennetze hängen lassen darf. Baba Dunja hat alles gesehen und vor nichts mehr Angst. „Der Tod kann kommen, aber bitte höflich.“ (Seite 12)

Für sie ist Tschernowo das Paradies, wenn auch ein verstrahltes. Besonders im Winter ist es stiller als still. "Wenn eine Schneedecke über allem liegt, sind sogar die Träume gedämpft, und nur die Dompfaffen springen durch das Gestrüpp und sorgen für Farbe in der weißen Landschaft." (Seite 32)

Hier läuft das Leben in ruhigen Bahnen ab. Für Baba Dunjas Nachbarin Marja, deren Hahn Konstantin gleich im Kochtopf landet. Sidorow, der noch mit hundert Jahren auf der Suche nach einer Frau ist. Lenotschka, die einen endlos langen Schal strickt und lächelt, wenn man sie anspricht, jedoch nicht antwortet. Das gebildete Ehepaar Gavrilov, das nicht auf Annehmlichkeiten verzichten muss. In Tschernowo verlangt niemand etwas von den Bewohnern. Es zählt das Heute, nicht das Morgen. Die Alten leben von der Selbstversorgung, das Gemüse wächst üppig in ihren Gärten. Nur nicht bei Petrow, der als letzter ein Häuschen im Dorf bezog und der seinen Krebs, von dem sein Körper komplett durchsetzt ist, nicht füttern will. Die Öfen werden mit Holz befeuert, Wasser spenden Brunnen, und an manchen Tagen gibt es auch Strom.

Baba Dunjas Kontakte zur Außenwelt bestehen aus gelegentlichen Busfahrten nach Malyschi. Dann erzählt ihr Boris, der Busfahrer, was er im Fernsehen gesehen hat. Viel über Politik. Die ist natürlich wichtig, doch Baba Dunja ist da pragmatisch, denn „es bleibt trotzdem immer an einem selbst hängen, die Kartoffeln zu düngen, wenn man irgendwann Püree essen will.“ (Seite 46)

Ab und an bekommt Baba Dunja Pakete von ihrer Tochter Irina. Diese ist Ärztin und lebt mit Enkelin Laura in Deutschland. Wenn Baba Dunja daran denkt, dass sie Laura (außer auf Fotos) noch nie gesehen hat, kommt Wehmut auf. Gut, dass gelegentlich Ehemann Jegor vorbeischaut, der aber nicht wirklich stört. Baba Dunja plaudert gern mit ihm. Seit er nämlich tot ist, ist er sehr höflich. Als er noch lebte, war das leider nicht so.

In die Idylle kommt Unruhe, als eines Tages ein Mann seine Tochter mitbringt. Recht schnell wird klar, dass das Kind als Spielball zwischen den getrennten Eltern steht. Das ist für Baba Dunja unhaltbar. Ein Kind hat in Tschernowo nichts zu suchen. Zwar ist Tschernowo ein schöner und guter Ort für seine Bewohner. Niemand wird fortgejagt. Nur wenn jemand noch jung und gesund ist, sollte er sich ein anderes Heim wählen. Schon gar nicht sollte ein kleines Kind aus Rache dem Tode geweiht werden.

Und daher dauert es nicht lange, das liegt der Mann tot auf der Erde, und Baba Dunja nimmt alle Schuld auf sich...

Mit viel Verständnis und Geradlinigkeit lässt Alina Bronsky Baba Dunja erzählen. Die im Grunde kleine Geschichte entfaltet eine große Wirkung. Sie ist poetisch, lebendig, weise und ehrlich, manchmal verschmitzt, dann wieder traurig und anrührend.

Baba Dunja "strahlt" - im wahrsten Sinne des Wortes - eine Lebensfreude aus, die zu Herzen gehend ist. Mit Klugheit und Nachsicht schaut sie auf ihre Mitmenschen und ist der Mittelpunkt der eigenwilligen, schrulligen, sturen und manchmal auch exzentrischen Dorfbewohner, die trotzdem allesamt liebenswert in ihrer Gelassenheit, mit der sie ihr Dasein verbringen, erscheinen.

Man möchte sie in den Arm nehmen und fest drücken. Und auf jeden Fall ein langes Leben wünschen.

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In der Kürze liegt manchmal nicht die Würze

Alina Bronsky gehört zu den wenigen Autorinnen, von denen ich ungesehen jede Neuerscheinung sofort kaufe, und die mich deshalb schon viele Jahre lang begleitet. Dass mir ihre Bücher so sehr gefallen, liegt an den außergewöhnlichen Themen, die sie behandelt, und auch an der Art und dem Stil, wie sie ihre Figuren, deren Denken und Handeln erzählt. Nach der Katastrophe von Tschernobyl kehrt Baba Dunja wieder in ihr altes Dorf zurück. Sie wurde damals gezwungen es zu verlassen, hat es in der Stadt aber nicht lange ausgehalten. Sie ist eh schon alt, denkt sie sich, was soll das bisschen Strahlung denn noch ausrichten können? Andere Menschen erfahren aus der Zeitung oder dem Fernsehen, dass Baba Dunja wieder in Tschernowo wohnt, tun es ihr gleich und alte sowie neue Gesichter beleben das Dorf wieder. Das Wasser kommt aus dem Brunnen, Strom haben sie auch, eine Telefonleitung nicht. Sie können von Glück reden, dass der Bus an der zwei Stunden entfernten Haltestelle noch regelmäßig fährt, aber die Gärten werfen auch genügend Obst und Gemüse ab, solange man alles per Hand bestäubt. Die Bienen sind nämlich noch nicht zurückgekehrt.

Mit Baba Dunja erschuf Alina Bronsky eine sehr eigenwillige Frau. Sie redet mit ihrem toten Mann und dem toten Hahn ihrer Nachbarin Marja, freut sich über all die verstrahlten, aber frischen Sachen, die sie direkt aus ihrem Garten essen kann und ist mit ihrem Leben in Tschernowo absolut zufrieden. Mit ihrer Nachbarin Marja verbringt sie manchmal Zeit und zu Petrow bringt sie Reste ihres Essens, damit er nicht verhungert. Ansonsten ist man eher allein in diesem Dorf, genau deshalb sind ja überhaupt erst alle zurückgekehrt. Baba Dunja spricht hier im Präsens, spricht selbst, spricht als ich und kommentiert dabei mit fast unfreiwilligem Humor ihren Alltag, ihr Handeln und ihre Umgebung. Genau diese Form machte Baba Dunja für mich zu einem greifbaren Charakter, der mich immer wieder überrascht, amüsiert und nachdenklich gemacht hat. Zu meinem Lesevergnügen beigetragen hat auch noch die einmalige Atmosphäre in Tschernowo. Selbstverständlich sind Stimmung, Flair und Umgebung in diesem Dorf am Rande der Todeszone einzigartig und Alina Bronsky schafft es auch noch mit ihrem Stil — mal deutlich, mal metaphorisch oder peotisch — dies alles zum Leben zu erwecken.

Als ich zum ersten Mal dieses Büchlein in der Hand hatte, habe ich sofort den Umfang bemängelt. Mir war von Anfang an klar, dass ich mehr von dieser Geschichte lesen möchte als mickrige 150 Seiten. Nach dem Lesen hat sich dieser Eindruck nicht geändert, allerdings nicht nur wegen Baba Dunja oder der Atmosphäre. Viele Dinge hatten auf den wenigen Seiten einfach keinen Platz. Charakterentwicklung oder gehaltvolle Nebencharaktere, eine Handlung, die über den bloßen Alltag in Tschernowo hinausgeht. All dies wurde zwar angerissen, konnte aber nicht zufriedenstellend durchgeführt werden. So blieb die Veränderung durch die im Klappentext angekündigten Fremden im Dorf sehr kryptisch, ging nie über eine Andeutung hinaus. Weitere Bewohner des Dorfes konnte man zwar relativ schnell anhand ihrer eigenwilligen Verhaltensweisen erkennen, doch tiefer ging es auch bei ihnen nicht. Ein wichtiger Pol in Baba Dunjas Leben bilden ihre Tochter Irina und die Enkelin Laura, die sie aufgrund ihrer Rückkehr in die Todeszone zwar noch nie gesehen hat, aber dennoch herzlich liebt. Viele ihrer Gedanken kreisen um die beiden, man lernt sie zuerst durch Erinnerungen, Briefe und Pakete kennen, alles ein wenig romantisiert in Baba Dunjas Gedanken, später auch persönlich. Doch auch diese beiden Personen kommen über den angedeuteten Status nie hinaus. Vieles muss und soll man sich als Leser wahrscheinlich selbst zusammenreimen, doch wie überhaupt, wenn es so wenige Anhaltspunkte gibt?

In der Kürze liegt die Würze? Das trifft bei Baba Dunjas letzte Liebe leider nicht zu. Mehr Seiten und damit mehr Tiefgang hätten dieser Geschichte gutgetan, jedoch machen die einmalige Baba Dunja und die einzigartige Atmosphäre im Dorf mitten in der Tschernobyl-Todeszone so einiges wieder wett

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Wo meine Wiege stand - da ist mein Heimatland! Oder doch nicht?

Heimat - das ist ein ganz subjektiver Begriff. Die meinige befindet sich in Riga in Lettland. Ich habe dort nie eine Wohnung gehabt und mich dort nicht länger als zwei Monate am Stück aufgehalten, aber das ändert nichts daran, dass ich mich dort am meisten zu Hause, am meisten bei mir fühle.

Für Baba Dunja, Alina Bronskys Heldin - und zwar eine Heldin im allerwahrsten Sinne des Wortes - ist die Heimat an einem Ort, an dem kaum jemand sein will, nämlich in Tschernowo. Das liegt in der Todeszone rund um Tschernobyl, die nach dem Reaktorunglück geräumt und nie wieder besiedelt wurde - aber einige wenige sind aus freiem Willen zurückgekehrt und leben hier so vor sich hin.

Die Sache ist die, dass sie überhaupt nirgendwo anders hin wollen, es genügt ihnen das, was sie hier haben. Das kann zwar kaum jemand von außen verstehen, aber solange niemand diese Heimat abspenstig machen will, stört sie das nicht weiter.

Genau - solange! Denn auf einmal passiert etwas und die Polizei ist da. Und es entwickelt sich eine Solidarität, die vor allem Baba Dunja ganz tief in ihrem Herzen empfindet und die sie für die anderen einstehen lässt - ob diese es nun wollen oder auch nicht.

Baba Dunja ist eine Wahnsinnsfrau - sie ist auf ihre eigene Art tollkühn, ja wahnsinnig und will einfach ihr Leben so leben, wie es ihr passt. Nicht so, wie ihre Tochter Irina, Ärztin im fernen Deutschland, sich das vorstellt und auch nicht so, wie es die Menschen in der Stadt sich für sie ausmalen.

Und irgendwann wird klar: auch anderswo kocht man nur mit Wasser und zwar in vielerlei Hinsicht. Und es ist nicht einmal immer Minze drin, wie es bei Baba Dunja stets der Fall ist!

Ein kleines Buch mit großem Inhalt: Alina Bronsky schreibt spritzig, tragikomisch - und vor allem unglaublich originell. Sie ist die einzige mir bekannte Autorin, die es vermag, aus wenigen Worten einen blumigen, ja wilden Stil zu kreieren und das ist eine Kunst, die man nicht lernen kann - sie ist tief in einem drin verwurzelt sowie Baba Dunja es in der Gegend um Tschernowo ist.

Ein Buch, das auf besondere, spezielle Weise in sich ruht, mit sich in einem ist - obwohl es lebhaft, überraschend und aufwühlend wirkt. Aber auch auf eigenartige Art und Weise beruhigend. Auf mich jedenfalls, denn es bringt mich - zumindest in Gedanken - dahin, wo ich hingehöre und damit zur Ruhe. Heimat ist ein Gefühl, das jeder für sich entwickelt und das keiner ihm nehmen kann. Eine unbedingte Leseempfehlung von mir!

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Wie lebt es sich in der Todeszone?

Ich hatte schon so viel Positives über dieses kleine Büchlein gehört, 
dass ich mir einfach selbst eine Meinung bilden wollte und ich bin doch 
recht positiv angetan.

In der Geschichte geht es um Baba Dunja, 
die nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl wieder heimkehrt, egal ob 
ihre Umgebung verstrahlt ist oder nicht, denn was hat sie als alte Frau 
schon zu befürchten?

Der Autorin gelingt es sehr gut mit 
einfachen Worten die Umgebung von Tschernowo und den Alltag dort zu 
beschreiben, der gar nicht so viel anders ist als der Leser ihn kennt. 
Die Bewohner müssen mit gewissen Einschränkungen leben wie: kein 
Telefon, kein fließend Wasser und der nächste Bus fährt einen 
Zwei-Stunden-Fußmarsch entfernt. Dennoch kommen die Menschen dort 
zurecht und leben.

Baba Dunja agiert in dem Roman als 
Ich-Erzählerin und so lernen wir die Bewohner des Ortes aus ihrer 
Sichtweise kennen. Da gibt es doch schon sehr spezielle Charaktere, die 
einen aber dennoch berühren und mitreißen. Alle Bewohner haben schon ein
 recht hohes Alter erreicht und wissen noch was helfen heißt.

Außer Baba Dunja war mein Liebling Marja, da sie so eine unverblümt offene Art hat.

Nicht
 so gut gefallen hat mir die kleine, eingestreute Episode mit den 
Neuzugängen im Ort, die dann doch nicht lange bleiben und die 
Auswirkungen danach. Ich fand, das passte nicht so richtig in die 
Geschichte.

Sehr gut gefallen haben mir hingegen die Briefe, die 
Baba Dunja an ihre Tochter und ihre Enkelin schreibt, denn gerade die 
haben gezeigt, was für ein besonderer Mensch sie ist.

Fazit: Wer 
mal etwas völlig anderes lesen will, der ist bei diesem Buch 
goldrichtig. Mir hat es gut gefallen und gern empfehle ich es weiter.

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Nette Geschichte ohne Tiefgang

Ich verzichte in meiner Rezension auf eine nochmalige Zusammenfassung der Geschichte, das wurde mittlerweile zur Genüge getan. 

Baba Dunjas letzte Liebe..... Ein dünnes Büchlein, welches ich an einem Tag durchgelesen habe. Kann man in so einem dünnen Bändchen eine Geschichte mit Tiefgang erzählen? Ja, man kann, was andere Autoren schon bewiesen haben. Leider gehört Baba Dunjas letzte Liebe nicht dazu. Ich interessiere mich seit vielen Jahren für das Reaktorunglück in Tschernobyl und habe auch schon einiges dazu gelesen. Daher habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. 

Was bleibt hängen? Für mich am eindrücklichsten war der bescheidene und dennoch zufriedene Lebenstil der alten Leute in Tschernowo. Auf weiten Teilen vermag Bronsky es, eine angenehme Stimmung zu verbreiten, allerdings fehlt mir die Tiefe. Zu Baba Dunja konnte ich eine Verbindung aufbauen, sie wurden lebhaft beschrieben, auch einen Teil der anderen Dorfbewohner hatte Wiedererkennungswert. Allerdings bleiben sonstige Nebencharaktere ziemlich unbestimmt und dunkel, teilweise wurden sie nur kurz angerissen, obwohl sie eigentlich eine elementar wichtige Bedeutung in dem Büchlein einnehmen. Die Ankunft der Fremden machte für mich den Anschein, als ob die Geschichte mit etwas "Action" aufgewertet werden sollte, allerdings fand ich sie fehl am Platze und wurde auch viel zu schnell abgehandelt. Alles in allem empfinde ich das Büchlein "unfertig". Ich hätte mir mehr Hintergrund zu dem Reaktorunglück gewünscht, zu den Lebensumständen dort und ein tieferes Eintauchen in das Leben dieser Leute und in ihren Alltag. Das Thema hätte so vieles hergegeben und es wurde - ja - verschenkt... Irgendwie fühle ich mich, als ob ich auf der Hälfte des Weges am Straßenrand liegen geblieben wäre.

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