Gunnar Homann: All exclusive

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Gunnar Homann: All exclusive
Untertitel
Ein Unterwegsroman
Verlag
ET (D)
2011
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783832195861

Informationen zum Buch

Seiten
140

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Irgendwo über dem Atlantik begreife ich, dass ich jetzt tatsächlich unterwegs bin und alles neu und offen vor mir liegt.

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Am Anfang von Viktors Reise steht nicht viel mehr als ein Greyhound-Ticket und der Wunsch, irgendwann in Kalifornien anzukommen, egal auf welchem Weg bloß nicht über Florida, denn "so kann man ein Stieleis nennen, aber keine Gegend". Auf den Spuren Kerouacs lernt Viktor nicht nur das unbekannte Amerika jenseits der Sehenswürdigkeiten und Touristentummelplätze kennen, sondern auch Casbah Feininger ("Ein außerordentlich bescheuerter Name!"). Die deutsche Soziologiestudentin ist das Gegenteil von Viktor: pflichtbewusst, zielstrebig, nicht abgebrannt "eine Schnepfe aber eine sehr gutaussehende Schnepfe". Aus Selbstschutz bietet Viktor ihr spontan das "Sie" an. Und findet sich flugs in einem Mietwagen mit Frau Feininger wieder. In den kommenden Wochen wird sie erst zu seinem schlimmsten Alptraum und dann zu seinem ganz persönlichen American Dream. Mit großer Zuneigung für seine Charaktere (ja, selbst für Frau Feininger!) begründet Gunnar Homann das Genre der Romantic Road Novel: In All exclusive schickt er sein odd couple auf einen ungeheuer rasanten, irrwitzig komischen und dann wieder unerwartet melancholischen Trip, in dessen Zentrum die bitterernste Frage steht, wie man eigentlich verdammt noch mal leben soll.

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Ein Roadmovie, das keines ist

Viktor ist an der Ostküste der USA und hat im Grunde nur einen Plan: er möchte irgendwann in Kalifornien ankommen. Dafür hat er ein Busticket für die amerikanischen Überlandbusse und den Vorsatz, nicht über die großen Hotspots der Touristen zu fahren, sondern eher querfeldein. Schon auf seiner ersten Fahrt gen Südwesten trifft er auf einen Mann, Hooks, der Soldat ist und in seinem Urlaub seine Schwester besuchen möchte. Ihm schließt sich Viktor an - und trifft durch Hooks bald auf Casbah Feininger, eine junge Studentin, die ebenfalls aus Deutschland stammt und für ihr Soziologie-Studium eine Art Feldforschung in Angriff nehmen möchte. Auch sie ist auf dem Weg nach Kalifornien, nur dass sie einen Mietwagen und ausreichend Geld zur Verfügung hat und auch sonst ganz anders als Viktor ist. Während Viktor ihr das "Sie" anbietet, beschließen die beiden, gemeinsam weiter gen Westen zu fahren...

Dieses Buch lässt mich - ganz offen gesagt - völlig ratlos zurück. Für mich klang es vor der Lektüre nach einem Roadmovie durch das unbekannte(re) Amerika und vielleicht auch nach einem Trip zu sich selbst oder besser gesagt zu der durchaus ernsthaften Frage, was man mit seinem Leben anfangen soll. Viktor und "Frau Feininger" haben komplett unterschiedliche Lebensentwürfe: während Viktor planlos ist und sich durch den Alltag treiben lässt, ist die junge Studentin durchorganisiert, karrierebewusst und korrekt; eben spießig in den Augen des Rucksacktouristen. Doch hier beginnt leider schon ein Manko des Romans: die Figuren bleiben farblos, selbst die des Ich-Erzählers Viktor. Mir ist zum Beispiel bis zum Ende schleierhaft geblieben, warum Viktor diese Reise überhaupt unternimmt. Aber auch diese seltsame Beziehung, die sich zwischen den beiden Reisenden anbahnt, ist mir ein Rätsel - können sie sich doch eigentlich gar nicht leiden. Doch woher stammt dann diese Anziehungskraft? Ist wirklich bloß der Hintern von "Frau Feininger" Schuld? Aber was spricht dann für Viktor? Hm.
Das zweite - für mich noch größere - Problem von "All exclusive" ist, dass ich es kaum als Roadmovie empfunden habe. Kaum ein Ort, an dem Viktor irgendetwas zu sehen bekommt - mal abgesehen von einer Autowaschanlange und ein paar Badezimmerkacheln in Colorado. Auch die Begegnungen mit anderen Menschen sind eher rar gesät und bleiben relativ kurz angerissen. Die Fahrer, mit denen Viktor trampt, faseln nur unwichtiges Zeug, was an der ein oder anderen Stelle vielleicht lustig sein mag, aber theoretisch auch sonst wo passieren könnte. Schlußendlich spielt das Land, dass die beiden bereisen, keine wesentliche Rolle - eine Tatsache, die ich bei einem "Unterwegsroman" nicht begreife. Immerhin Marihuana spielt eine, wenngleich auch eine ziemlich unglaubwürdige, wenn ich ehrlich bin. Denn welcher Touri verkauft in einem fremden Land so ungeniert Drogen an Staatsbedienstete?
Bleibt noch der Stil des Buches. Gunnar Homann, der seit etlichen Jahren für das Magazin Titanic schreibt, kann lustig sein, aber für mich leider viel zu selten in diesem Buch. Stattdessen will er mir verklickern, dass ein junger Mann auf einer Reise seine - wenn auch nicht wohlüberlegten - Ideale über Bord wirft und bald schon genau das Gegenteil davon lebt? Vermutlich war der Autor von dieser Idee selbst nicht besonders überzeugt, denn anders kann ich mir den Zeitraffer, zu dem er im letzten Drittel des Buches greift, nicht erklären: in kürzesten Kapiteln werden plötzlich Jahre abgehandelt, die Sprünge dazwischen sind auch nicht gerade klein... Einen derart lieblosen Umgang mit seinen Figuren und dem Ende eines Romans habe ich wirklich schon lange nicht mehr gelesen und es bleibt bei mir der Eindruck zurück, dass Gunnar Homann da höchstens ein grobes Gerüst für einen Roman vorgelegt hat.

Der Protagonist Viktor versucht sich jahrelang am Schreiben eines Romans und lässt es schließlich - nach der Lektüre von "All exclusive" hätte ich mir dies bei diesem auch gewünscht. Die Danksagung lässt den Schluss zu, dass es bei diesem Buch durchaus auch persönliche Erlebnisse des Autors eine Rolle spielten - bleibt zu hoffen, dass er damit all seine autobiographischen Ambitionen befriedigt hat.

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Ein Buch für zwischendurch

Gunnar Homanns Buch „All exclusive“ trägt den Untertitel „ein Unterwegsroman“ und das genügt auch schon fast als erste Beschreibung. Der Protagonist, Viktor aus Deutschland, fasst den Entschluss, einmal durch Amerika zu reisen – von Osten nach Westen. Warum er das tut, blieb mir bis zum Schluss verborgen, aber es hat vermutlich etwas mit dem Ruf des Abenteuers zu tun. So richtig abenteuerlich wird es dann aber nicht, alleine reist er nur einige Kilometer, den größten Teil mit „Frau Feininger“, die er zu Beginn überhaupt nicht ausstehen kann. Wieso er trotzdem mit ihr reist? Ich weiß es nicht, aber selbstverständlich bahnt sich da eine merkwürdige Affäre zwischen den beiden an. Merkwürdig, weil die zwei nicht zusammen passen, das auch wissen und er sie bis zum Schluss „Frau Feininger“ nennt (soviel sei verraten).

Das Buch ist locker geschrieben. Ich als Leser hatte das Gefühl, mit der Handlung dahinzutreiben. Keine großen Hindernisse, keine große Spannung, keine Überraschungen, aber eine schnell lesbare Geschichte, aus der Ich-Perspektive des Protagonisten erzählt.

Leider wirft das Buch viel mehr Fragen auf, als es beantwortet: Warum diese Amerikareise? Wieso bandeln Viktor und Frau Feininger an? Warum verkauft er gefundene Drogen und niemand wundert sich, wo er das Zeug herhat? Und immer wieder: Wieso lässt sich Viktor von Frau Feininger eigentlich so viel gefallen, obwohl er sie längst durchschaut hat? Und kann er sie überhaupt leiden?

Der letzte Teil des Buches spielt dann wieder in Deutschland und passt leider meiner Meinung nach überhaupt nicht zum Rest des Buches, das man auch getrost davor hätte beenden können. Das gute Gefühl (einfach ein entspannendes Buch zu lesen), dass man im Laufe der Handlung trotz der Unklarheiten bekommen hat, wird durch das Ende sehr deutlich auf den Boden der Tatsachen zurückgezogen.

Mir ist nicht klar, ob das Buch autobiographische Elemente enthält. Es scheint jedoch als wolle der Autor dem Leser sagen, dass sich Träume irgendwann nicht mehr verwirklichen lassen, da man zu sehr von äußeren Umständen beeinflusst wird (die Amerikareise gelingt Viktor, aber ansonsten hat er sein Leben nicht mehr selbst in der Hand).

Ein Buch, das als lockere Unterwegsgeschichte anfängt und dann doch sehr nachdenklich endet.

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