Susan Abulhawa: Als die Sonne im Meer verschwand

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Susan Abulhawa: Als die Sonne im Meer verschwand
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Blue Between Sky and Water
ET (Original)
2015
ISBN-13
9783453291706

Informationen zum Buch

Seiten
384

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Von allem, was in Gaza verschwand, fehlten mir die Überraschungseier am meisten.

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Handlungsort

Handlungsorte
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In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist. Sie ist überwältigt von den Eindrücken, erfährt aber auch eine bittere Wahrheit über Jamal. Stehen lediglich die strengen Regeln seiner Kultur zwischen ihnen? Nur muss herausfinden, wohin sie und ihre Liebe gehören.

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Als die Sonne im Meer verschwand

Inhalt
Beit Daras, ein Dorf in Palästina wird 1948 Ziel eines israelischen Angriffs, bei dem die Familie Baraka ihr Zuhause verliert und die Geschwister Nazmiyya, Miriam und Mamduh ein neues Leben in Unterdrückung beginnen müssen. Nazymiyya gründet in Gaza eine große Familie und hält diese so gut es geht zusammen und versucht, allen Schicksalsschlägen zu trotzen. aber Mamduh versucht sein Glück in den USA. Dort wächst auch seine Enkelin Nur auf, um die er sich rührend kümmert, bis das für ihn nicht mehr möglich ist und für das Mädchen eine leidvolle Zeit beginnt. Doch die Familienbande sind stark und Nur macht sich auf den Weg in ihre Heimat ...

Meine Meinung

Dies ist die mehrere Generationen übergreifende Geschichte einer palästinensischen Familie, beginnend mit der Kindheit und Jugend Nazmiyyas über die Gründung einer eigenen Familie mit vielen Kindern und Enkelkindern. Wir lesen von Morden, Flucht und Vertreibung, Flüchtlingslagern und Gefangenschaft, kurz , vom Alltag einer vertriebenen Familie, deren Leben doch irgendwie weitergeht und besonders vom Zusammenhalt der Frauen geprägt wird. Diese Momente im Buch, die den Alltag der Frauen, ihre Sorgen und Nöte, ihr Lachen und Weinen, das Kämpfen ums Überleben, das Lieben und Hassen, das Streiten um Kleinigkeiten und das gemeinsame Kochen und sich kümmern hat mir eigentlich am besten gefallen. Die Frauen und ganz besonders die selbstbewusste Nazmiyya, die ihre große Familie um sich schart und die immer sagt, was sie denkt, haben die Geschichte oft sehr lebendig gemacht.

Neben dieser Erzählperspektive begleiten wir als Leser auch noch die kleine Nur, die in Amerika aufgewachsen ist, weil ihr Großvater Gaza verlassen hatte. Dessen Schicksal wird kurz angerissen und mit Nur weitergeführt, deren leidensvolle Kindheit im Land der Freiheit beginnt, als ihr Großvater stirbt. So sehr mir das kleine Kind auch leid getan hat und so sehr mich gerade die Szenen mit ihrem Großvater berührt und ihr späteres Leiden betrübt haben, so war sie mir als Erwachsene nicht mehr besonders nah. Sie wirkte auf mich längst nicht so authentisch wie Nazmiyya und ich konnte ihr Verhalten als Erwachsene nicht immer nachvollziehen, warum z. B. fragt sie monatelang nicht nach ihrer Familie, wenn sie schon in das Land reist? Das wirkte etwas seltsam und konstruiert.

Ein weiterer Erzählstrang wird einem Geist gewidmet. Der tote Junge zieht sich durch das ganze Buch, auch über sein eigenes Schicksal hinweg und hat eine Erzähler-Funktion. Gleichzeitig ist er in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft immer mit dabei, entweder als Lebender oder als Geist. Dabei wirkte er auf mich aber oft unnatürlich weise. Überhaupt spielten hier viele mystische Einschübe wie Dschinns eine Rolle, was einerseits sicherlich zu der arabischen Kultur gehört und daher auch passt, mir selbst beim Lesen aber manchmal zu viel war.

Die Geschichgte verläuft nicht geradlinig, sondern hat mehr oder weniger große Sprünge, so dass es nicht immer einfach ist, ihr zeitlich zu folgen. Man muss sich daran gewöhnen, bei Lesen die einzelnen Episoden wie einen Teppich miteinander zu verweben und am Ende dann ein Gesamtbild zu haben.

Natürlich wirkt die Geschichte sehr einseitig, denn sie wird aus der Sicht einer palästinensischen Familie erzählt, die die Vergehen ihrer eigenen Leute ausblendet und ein deutliches Feindbild besitzt und hier kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es darum geht, dieses Feindbild immer wieder zu benennen. Andererseits wirkt die Familie so auch authentischer, denn differenzierter wird die Einstellung vieler Betroffenen dort sicherlich nicht aussehen.

Ich bin hin und hergerissen, wie ich das Buch bewerten soll. Einerseits gab es berührende Szenen, die durch die bildliche und blumige Sprache der Autorin besonders hervorgehoben wurden, andererseits wirkte die Geschichte phasenweise auch leblos und seltsam distanziert, weil die Erzählweise oft sprunghaft und im Stil irgendwie unbeteiligt, wie ein Bericht, wirkte. Zudem wurden mir gegen Ende die bildhaften Beschreibungen etwas zu viel, ich fühlte mich übersättigt davon und hatte manchmal das Gefühl, dass einige Beschreibungen auch zu bemüht waren. Die mystischen Einschübe verstärkten meine Ungeduld mit der Geschichte gegen Ende leider dann auch noch. Und die immer mehr aufeinander folgenden Schicksalsschläge, die neben Krieg, Flucht, Missbrauch, Verbannung, Gefangenschaft und Tod auch noch Krankheiten, Fehlgeburten, unglückliche Liebschafen etc. brachten und damit das Gefühl entstehen ließen, diese Familie muss wirklich alle Schicksalsschläge erleiden, die es zu erleiden gibt, störten mich doch sehr, denn es wirkte überstrapaziert. Und wer aufgrund des Klappentextes den Schwerpunkt auf einer tragischen Liebesgeschichte erwartet, wird dies nicht finden, denn sie spielt nur eine kleine Rolle.

Es gab also durchaus berührende Szenen, die ich interessant und gut fand, gerade ein paar der Frauen waren sehr lebendig beschrieben. Aber insgesamt war mir die Geschichte zu konstruiert und zu überladen mit Schicksalen und Klischees und was die bildhaften Beschreibungen und die Esoterik betrifft, für mich irgendwann zu übertrieben.

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Distanzierte Erzählweise und unnahbare Charaktere

Dass dieses Buch keine einfache Lektüre darstellt, ist schon daran gut erkennbar, dass ich es nicht einmal wie sonst schaffe mit einer Inhaltsangabe zu beginnen. Das Buch beginnt in der Vergangenheit in Palästina, zu einer Zeit, als die Fronten zwischen Palästinensern und Israelis noch nicht so verhärtet waren wie heute und die Palästinenser noch in Gebieten wohnen konnten, die heute für sie gar nicht mehr zugänglich sind. Erzählt wird über drei Generationen hinweg die Schicksale einer palästinensischen Familie. Dabei dient der zuerst imaginäre Freund der Großtante und schließlich wiedergeborene Großneffe Khaled von dieser als einführender Erzähler zu jedem Kapitel.

Wie sich schon an meinen ersten Sätzen erkennen lässt, hat es mich ganz schön gefordert, mich auf diese seltsame Erzählweise einzulassen, in der jedes Kapitel mit den Worten des imaginären Freundes, später Großneffen eingeleitet wird und dabei lustig zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her springt. Gerade zu Beginn des Buches habe ich diese Einführungssätze oft mehrmals gelesen, um zu verstehen, wo ich mich gerade befinde und was eigentlich die Aussage dieser Einführung ist.

Die eigentlichen Charaktere des Buches kamen mir leider kaum wirklich nahe. Dafür war der eigentliche Erzählstil für mich gefühlt viel zu distanziert und gerade auch richtig schlimme Erlebnisse, wie Vergewaltigung, Bombenangriffe oder Quälereien durch die verfeindeten Soldaten wurden mit so viel Abstand und schnell wegerzählt, dass sie mich oft nicht wirklich berühren konnten. Die Figur des Erzählers Khaled blieb mir dabei auch noch bis zum Ende ein Rätsel. Die Geschichte mit dem imaginären Freund, der dann plötzlich auf Bildern doch erscheint, war mir zu esoterisch und die leibliche Figur des Khaled mit ihrem schweren Schicksal blieb mir ein Rätsel. Bis jetzt habe ich immer noch nicht verstanden, was eigentlich mit ihm passiert ist und wofür das dienen sollte. Auch die tragische Figur Nur, die wirklich ein schweres Los hat, blieb mir fremd und schwer zu greifen.

Die Geschichte des Konfliktes zwischen Israel und Palästina am Beispiel einer palästinensischen Familie zu erzählen und dabei ganz bewusst die Sicht der einfachen Bevölkerung einzunehmen, finde ich gut und viele Dinge sind mir erst durch dieses Buch auch richtig bewusst geworden. Natürlich sieht und hört man viel über die Medien, aber dabei bleibt der Blick auf das einfache Volk doch auf der Strecke. Das finde ich hier sehr gut.

Gleichzeitig finde ich es schade, dass die Chance mehr Leser für dieses schreckliche Thema zu sensibilisieren meiner Meinung nach vertan wurde, indem zum einen diese seltsame Distanziertheit in der Sprache herrscht und zum anderen auch noch esoterische Elemente eingeflochten werden, die meiner Meinung nach in der Handlung vor allem gestört haben. Irgendwelche höheren Mächte für bestimmte Dinge einzuspannen und es so darzustellen, als würde es sie tatsächlich geben, hat für mich einfach nicht in dieses Buch gepasst.

Positiv hervor zu heben, ist die teilweise sehr metaphorische Sprache der Autorin, mit der sie zum Teil schön Dinge ausdrückt, nur leider hat diese Sprache für mich oft nicht zu den Zeitpunkten gewirkt, wo ich es mir gewünscht hätte.
Gut gefällt mir, dass es sich eigentlich um ein Buch über starke Frauen handelt und gerade der Zusammenhalt zwischen den Frauen sehr gut dargestellt wird.

Alles in allem keine einfach zu bewertende Lektüre und insgesamt kein einfaches Buch. Einige Dinge sind mir sehr intensiv im Gedächtnis geblieben, andererseits war ich einfach froh, als ich das Buch beendet hatte. Alles in allem vergebe ich doch noch 2 Sterne.

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(Aktualisiert: 22 Juni 2015)
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Weder halbwegs objektiv, noch gut erzählt.

Das erste Buch von Susan Abulhawa, "Während die Welt schlief", hatte vor längerer Zeit meine Aufmerksamkeit erregt, da mich das Thema der Autorin sehr interessiert. Vermutlich liegt es zugleich aber auch an meiner Angst einer zu einseitigen Erzählung, dass ich das Buch letztlich noch nicht gelesen habe. Beim zweiten Roman habe ich nun die Gelegenheit ergriffen - nur um festzustellen, dass sich manche Befürchtungen nur allzu perfekt erfüllen...

Als Tochter palästinensischer Flüchtlinge geboren, in Jerusalem, Kuwait und Jordanien aufgewachsen, kam Susan Abulhawa als Teenager in die USA. Ihr Thema ist seit jeher die Situation der Palästinenser und so beschäftigen sich ihre beiden Romane sehr intensiv mit dem Nahen Osten und der arabischen Bevölkerung.

Hier lassen sich auch gewisse Überschneidungen der Biographie der Autorin und der Hauptfigur erkennen: Die Palästinenserin Nur ist in Amerika aufgewachsen und kennt die Heimat ihrer Eltern und Großeltern nur aus den Erzählungen ihres Großvaters. Nachdem sie Jamal, einen Arzt aus Gaza, kennengelernt hat, reist sie zum ersten Mal in die Ecke der Welt, in der ihre Wurzeln liegen.
Die Handlung beginnt jedoch im Jahre 1940 als eine Familie aus ihrem arabischen Dorf flieht und im sogenannten Gaza-Streifen unterkommt. Das Erlebte prägt die Barakas stark und hat auch noch Jahrzehnte später Einfluss auf die Familienmitglieder. Die Dramen und Schicksalsschläge sind unerbittlich und vor allem treffgenau, aber natürlich berühren sie... Und hier liegt für mich die erste Krux, denn das Buch soll selbstverständlich auf die Situation der Palästinenser aufmerksam machen, übertreibt aber meiner Meinung nach. Okay, das ist sicherlich eine narrative Möglichkeit, die man einem Autor zugestehen kann, wenn ihm ein Anliegen sehr am Herzen liegt - auch wenn es mir selbst nicht gefällt, wenn es gar zu einseitig wird. Aber gut, weiter im Text.
Nur, in den USA entwurzelt und durch Verluste traumatisiert, findet in Gaza alte Verbindungen zu ihrer Familie, lernt vieles über die palästinensische Kultur und über Zusammenhalt und Liebe in arabischen Familien. Dabei erzählt die Autorin die Geschichte nicht stringent, sondern springt sowohl in der Zeit als auch in den Erzählperspektiven. So wirkt es ein bisschen so, als würde vor dem Auge des Lesers ein Flickteppich entstehen, der selbstverständlich am Ende als Ganzes funktioniert...

Abulhawas Stil ist sehr blumig, was durchaus in der Tradition arabischer Erzähler gesehen werden kann, mich aber zunehmend ermüdet hat, denn ich fand ihn zu ausufernd und ab einem gewissen Punkt auch langweilig. Vielleicht neige ich dann doch zu nüchternen Erzählungen - auch wenn ich experimentelle Stile durchaus auch gerne ausprobiere und nicht generell damit scheitere. Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich nicht nur die auffällige Häufung an Tragik, sondern auch die zahlreichen Zufälle. Und nicht genug: zusätzlich zum klischeehaften Aberglauben der Menschen, bekommt der Leser es auch noch mit Übernatürlichem zu tun, indem die Autorin einen Dschinn in die Geschichte einbaut. Dass dann auch noch einzelne Figuren Kontakt mit Nachfahren haben, mag ich da schon gar nicht mehr erwähnen... So lässt mich einiges an der Geschichte verwirrt zurück - aber wenn ich ehrlich bin: so etwas passiert wohl ab und an. Es gibt Bücher, die lassen einen einfach ratlos zurück und in der Regel mache ich - wenn ich sie überhaupt zu Ende lese - einen Haken dran und gut ist. Doch bei "Als die Sonne im Meer verschwand" gelingt mir das nicht, denn mich ärgert die sehr einseitige Darstellung des Konflikts. Keine Frage, es gibt auf jeder Seite schlimme Dinge, die geschehen sind und die man verurteilen sollte - aber dieses Buch empfinde ich schon als eine Art Propaganda. Kritik wird nicht an israelischen Soldaten geäußert, sondern generell an "den Juden"; Leidtragende sind ausschließlich die Palästinenser - und im besonderen Fokus natürlich Frauen und Kinder. Das ist so simpel wie antisemitisch und hasserfüllt.
Muss ich zum Ende noch erwähnen, dass die westlich aufgewachsene Nur sich selbstverständlich ihrer Wurzeln besinnt und ein wunderbares Leben an einem Brennpunkt der Erde führt? Das ist wirklich einfach und ich glaube im Übrigen auch nicht an einen genetisch verankerten Lebensstil.

Fazit: Dieses Buch gehört zu den wenigen, bei denen ich nicht eine Sekunde nachdenken muss, ob ich sie in mein Regal stelle. Es hatte keinen halben Tag nach Beendigung der Lektüre meine Wohnung bereits verlassen. Und von dem Wunsch, das erste Buch der Autorin zu lesen, war ich auch umgehend geheilt.

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Eine Familie in Gaza

Wer wissen will, wovon Susan Abulhawas zweiter Roman handelt, sollte NICHT den Klappentext lesen. Dieser lässt vermuten, dass es hauptsächlich um eine Romanze geht. Dies ist jedoch nicht der Fall. Klar, es gibt diese Liebesgeschichte, doch nimmt sie nur einen verhältnismäßig kleinen Raum ein. Ansonsten begleiten wir Leser mehrere Generationen einer palästinensischen Familie. Abulhawa erzählt von Krieg und Vertreibung, von Krankheit, Tod und Hoffnung, von Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt.

Obwohl hier Dinge geschehen, die einem die Haare sträuben und zu Herzen gehen sollten, blieb ich als Leserin seltsam distanziert. Ich schreibe dies dem eher berichtartigen Erzählstil zu. Es wird oft einfach geschildert, was geschieht, ohne die Gefühle und Gedanken der Handelnden miteinzubeziehen, ohne Dialoge, die die Figuren lebendig werden lassen.

Die Autorin erzählt nicht immer chronologisch, sondern springt hin und her und beleuchtet einzelne Ausschnitte. Ich hatte öfter Probleme mit der zeitlichen Einordnung. Auch die Perspektive wechselt immer wieder. Das fand ich allerdings gut, denn so bekommt man einen umfassenderen Überblick.

Hinzu kommt, dass hier viele unerklärliche Dinge geschehen, die ich persönlich für Humbug halte, die aber im Buch als Tatsache hingestellt werden. Zum Beispiel steht eine der Frauen in Kontakt mit einem Dschinn, ein Mädchen hat einen Freund aus der Zukunft … Irgendwann schaffte ich es, beim Lesen über diesen „Unsinn“ hinwegsehen, von da an war es leichter.

Die Sprache, die Susan Abulhawa verwendet, ist recht schön. Wie im Arabischen üblich, wird oft blumig umschrieben, was dem Ganzen einen leicht poetischen Touch verleiht. Dadurch konnte mich der Roman schließlich doch fesseln.

Im Anhang findet sich ein Glossar und ein (nicht ganz vollständiger) Stammbaum, die ich immer wieder zu Rate ziehen musste.

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Das Leben der Familie Baraka...

Das Buch wurde mir empfohlen und da ich mich für die Geschichte Palästinas interessiere, begann ich gespannt zu lesen.

Die Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf, in dem alles in Ordnung ist, bis es von israelischen Soldaten überfallen wird. Die Familie Baraka muss fliehen und ein langer Leidensweg beginnt. Werden sie ihre Reise heil überstehen?

Für mich ist es der erste Roman der Autorin. Susan Abulhawa erzählt gekonnt die Geschichte einer Familie, die sich über vier Generationen erstreckt. Die Autorin verwendet eine so bildhafte und vor allem verspielte Sprache, dass es für mich ein Genuss war dieses Buch zu lesen, allein der Wortwahl wegen.

Ansonsten ist die Erzählweise sehr speziell, denn wir springen immer mal wieder in der Zeit. Mal sind einige Monate vergangen, mal viele Jahre. Diese Sprünge nachvollziehen zu können fiel mir nicht immer leicht, denn selten wird eine Jahreszahl angegeben und man muss schon sehr aufmerksam lesen, um ungefähr zu wissen in welchem Jahr man sich befindet und wie alt die Protagonisten sind.

Hauptakteure sind stets die Frauen, in die man sich sehr gut hineinversetzen und ihre Ängste und Probleme nachvollziehen kann.

Die Handlung um die kleine Mariam, ihrer Familie und die der Folgegenerationen ist vor allem sehr emotional und bedrückend. Die Geschichte ist durch Leid, aber auch den festen Glauben an Gott geprägt.

Mir hat vor allem gefallen, dass man durch den Roman einen tiefen Einblick in eine fremde Kultur erhält und zudem etwas über die Geschichte Gazas erfährt, fernab der grausigen Nachrichten, die man aus diesem Land sonst kennt.

Fazit: Für mich eine tief bewegende Geschichte, die mich sehr berührt hat und die mir gewiss noch einige Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Ich empfehle das Buch gern weiter.

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Ein Land ohne Frieden

das ist die Heimat der Palästinenser schon seit vielen Jahren - zudem ist es kein eigenständiger, von der ganzen Welt akzeptierter Staat. Die Unruhe und Zerrissenheit schlagen sich nicht nur in der Politik, sondern auch im "Kleinen", im familiären Umfeld nieder. Vertreibung, Evakuation, Angriffe, Exil und damit verbundene Entwicklungen gehören zum Alltag der Menschen.

Davon handelt Susan Abulhawas Buch: sie erzählt von der Familie Baraka, die 1948 aus Beit Daras fliehen muss und in Gaza unterkommt, doch sowohl durch Tod als auch durch Auswanderung weiterhin getrennt wird. Während eine Tochter bei den Angriffen umkommt, wandert der Bruder nach langen Jahren der Fremdarbeit in Ägypten schließlich in die Staaten aus, Nazmiyya, die älteste Schwester, bleibt in Gaza und gründet eine große Familie, in der nach elf Söhnen endlich die ersehnte Tochter geboren wird. Anrührend wird dargestellt, wie sie trotz all der widrigen Umstände eine ausgesprochen glückliche Ehe führt. Und es wird - was aus meiner Sicht für einen Roman, der ja keine Objektivität transportieren muss, voll und ganz in Ordnung ist - ausschließlich die Perspektive und Situation der Palästinenser dargestellt. Was die politische Situation angeht, ist die Darstellung also ausgesprochen einseitig.

Die junge Nur, die palästiensische Wurzeln hat und in den Vereinigten Staaten unter schwierigsten Umständen aufwächst, kommt als Erwachsene aus beruflichen Gründen nach Gaza und entdeckt überraschende Verbindungen zu den Menschen dort. Ihr Leben nimmt eine völlig neue Wendung.

Die Autorin macht in ihrem Buch deutlich, dass für Familie Baraka auch der Tod keine Trennung bedeutet: einige Familienmitglieder spielen weit darüber hinaus eine Rolle, kommunizieren mit ihren Nachfahren, nehmen durch ihre Präsenz Einfluß auf die Handlung. Auch vor dem Einsatz von Dschinns macht Susan Abulhawa nicht halt, was mir eindeutig des Guten zu viel war. Das trug im ohnehin nicht sehr strukturiert dargestellten Handlungsverlauf weiterhin zur Verwirrung bei. Zudem ist die Erzählweise zwar teilweise mitreißend und vor allem berührend, doch die Autorin hält dies nicht dauerhaft durch und verliert immer wieder den Faden, auch gibt es durchaus Längen in diesem Buch, was stellenweise eine Herausforderung für den Leser bedeutet. Für mich eher kein Buch, das ich weiterempfehle - will man etwas über das Leben der Palästinenser und ihre Nöte erfahren, ist diese Lektüre - wie ich finde - eher verwirrend.

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Manchmal ist weniger mehr

Zuerst einmal muss man sagen, dass der Klappentext eine etwas andere Geschichte erwarten lässt, als sich letztendlich dann herausstellt.
Die Liebesgeschichte ist eher die Rahmenhandlung einer Geschichte über den palästinensisch-israelischen Konflikt in all seiner Grausamkeit.
Es geht hier vor allem um eine ganze Familie die, ausgehend von ihrer Flucht aus ihrer Heimatstadt, von einem Drama ins nächste gerät und eigentlich immer an der Grenze dessen ist, was ein Mensch ertragen kann. Alles Schreckliche was geschehen kann, trifft diese Familie.
Dieses Buch hat eine ganz klare Mission. E soll auf das Schicksal und das Leid der palästinensischen Bevölkerung aufmerksam machen und das gelingt auch gut. Dennoch wird hier, was man aber durchaus nachvollziehen kann, von einem sehr einseitigen Blickwinkel aus geschrieben, welcher wieder schnell zu einer negativen Verallgemeinerung über die jüdischen Welt führt, denn nicht jeder Jude oder jede Jüdin führen Krieg. Hier aber wird die jüdische Bevölkerung als in jeder Hinsicht böse und grausam hingestellt.
In jeder Armee eines jeden Landes gibt es Soldaten, die mit der Macht, die sie haben, nicht umgehen können. Man darf aber nicht einzelne Soldaten mit einem ganzen Volk gleichsetzen. Hier reiht sich ein Massaker an das andere und es gibt ganz klare Regeln: Die Juden sind die Schlächter, die Palästinenser die Opfer. Niemals wurden in diesem Buch auch nur ansatzweise Selbstmordattentate erwähnt, welchen ebenfalls unschuldige Menschen jeden Alters zum Opfer fielen. Niemals wurde der ewige Beschuss Israels aus Gaza erwähnt, niemals dass dieser Konflikt meist den Regeln von Provokation und Reaktion folgt. Tatsache ist, es gibt ein Ungleichgewicht der Kräfte, aber es gibt auch immer wieder Menschen, die genau dies mit dem Wissen provozieren und in Kauf nehmen, dass Unschuldige dabei sterben werden.
Ich hätte mich eines solchen Kommentars noch enthalten, wäre dieses Buch nicht mit einem solchen Hass auf das jüdische Volk geschrieben worden.

Auch was den Inhalt der Geschichte angeht, bin ich nicht überzeugt, denn es gab zu viele Zufälle, zu viele Tragödien, zu viele Dschins, Geister der Toten und Reinkarnationen, als dass ich diese Geschichte wirklich hätte ernst nehmen können. Die Protagonistin Nur blieb farblos, was mit Sicherheit an den großen Zeitsprüngen liegen mag, welche dieser Roman immer wieder macht und den Leser damit ein wenig verwirrt zurücklässt. Bisweilen verliert man den Überblick über Zeit und Gegenwart.
Ausser dem palästinensischen Volk sind alle, bis auf wenige Ausnahmen, schlecht und die in Amerika aufgewachsene Nur lebt von nun an, ohne Anpassungsschwierigkeiten in einer vom Krieg zerstörten, nur mit dem Notwenigsten ausgestatteten Stadt, und verbringt dort eine glückliche Zeit. Das ist zuviel des Guten und nicht glaubhaft.
Manchmal ist weniger einfach mehr.

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Unglaubwürdig

Zuerst einmal muss man sagen, dass der Klappentext eine etwas andere Geschichte erwarten lässt, als sich letztendlich dann herausstellt.
Die Liebesgeschichte ist eher die Rahmenhandlung einer Geschichte über den palästinensisch-israelischen Konflikt in all seiner Grausamkeit.
Es geht hier vor allem um eine ganze Familie die, ausgehend von ihrer Flucht aus ihrer Heimatstadt, von einem Drama ins nächste gerät und eigentlich immer an der Grenze dessen ist, was ein Mensch ertragen kann. Alles Schreckliche was geschehen kann, trifft diese Familie.
Dieses Buch hat eine ganz klare Mission. E soll auf das Schicksal und das Leid der palästinensischen Bevölkerung aufmerksam machen und das gelingt auch gut. Dennoch wird hier, was man aber durchaus nachvollziehen kann, von einem sehr einseitigen Blickwinkel aus geschrieben, welcher wieder schnell zu einer negativen Verallgemeinerung über die jüdischen Welt führt, denn nicht jeder Jude oder jede Jüdin führen Krieg. Hier aber wird die jüdische Bevölkerung als in jeder Hinsicht böse und grausam hingestellt.
In jeder Armee eines jeden Landes gibt es Soldaten, die mit der Macht, die sie haben, nicht umgehen können. Man darf aber nicht einzelne Soldaten mit einem ganzen Volk gleichsetzen. Hier reiht sich ein Massaker an das andere und es gibt ganz klare Regeln: Die Juden sind die Schlächter, die Palästinenser die Opfer. Niemals wurden in diesem Buch auch nur ansatzweise Selbstmordattentate erwähnt, welchen ebenfalls unschuldige Menschen jeden Alters zum Opfer fielen. Niemals wurde der ewige Beschuss Israels aus Gaza erwähnt, niemals dass dieser Konflikt meist den Regeln von Provokation und Reaktion folgt. Tatsache ist, es gibt ein Ungleichgewicht der Kräfte, aber es gibt auch immer wieder Menschen, die genau dies mit dem Wissen provozieren und in Kauf nehmen, dass Unschuldige dabei sterben werden.
Ich hätte mich eines solchen Kommentars noch enthalten, wäre dieses Buch nicht mit einem solchen Hass auf das jüdische Volk geschrieben worden.

Auch was den Inhalt der Geschichte angeht, bin ich nicht überzeugt, denn es gab zu viele Zufälle, zu viele Tragödien, zu viele Dschins, Geister der Toten und Reinkarnationen, als dass ich diese Geschichte wirklich hätte ernst nehmen können. Die Protagonistin Nur blieb farblos, was mit Sicherheit an den großen Zeitsprüngen liegen mag, welche dieser Roman immer wieder macht und den Leser damit ein wenig verwirrt zurücklässt. Bisweilen verliert man den Überblick über Zeit und Gegenwart.
Ausser dem palästinensischen Volk sind alle, bis auf wenige Ausnahmen, schlecht und die in Amerika aufgewachsene Nur lebt von nun an, ohne Anpassungsschwierigkeiten in einer vom Krieg zerstörten, nur mit dem Notwenigsten ausgestatteten Stadt, und verbringt dort eine glückliche Zeit. Das ist zuviel des Guten und nicht glaubhaft.
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