Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen

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Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
All the Light We Cannot See
ET (Original)
2014
ISBN-13
9783406667510

Informationen zum Buch

Seiten
528

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Erster Satz
Bei Tagesanbruch regnen sie vom Himmel.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am "Muséum National d'Histoire Naturelle" arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell Saint-Malos, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen. Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt...

Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen.

Autoren-Bewertungen

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Ein Roman der Spuren in mir hinterlassen hat

Lange habe ich es nicht geschafft meine Meinung zu diesem Roman zu formulieren. Ich weiß nicht genau weshalb es mir so schwer fällt. Denn Doerrs Roman hat mich sehr beeindruckt und ich muss immer wieder an bestimmte Szenen und Bilder daraus denken. Das passiert mir eher selten, vor allem wenn ich mir auch mit einer Bewertung schwer tue. Natürlich ist die Lektüre echt schon wieder drei Jahre her, aber trotzdem versuche ich gerade mir zu überlegen, was genau mich so beeindruckt hat.

Mir schießen immer wieder bestimmte Bilder in den Kopf, vor allem wen ich an Marie-Laure denke, deren Blindheit so beschrieben wurde, das ich zumindest eine Ahnung davon bekam, wie es wohl ist, die Umgebung nur durch tasten, riechen und hören, nicht aber durch die Augen wahrzunehmen. Allein dies könnte schon eine Erklärung für mich sein, weshalb mich der Roman nicht richtig loslässt.

Aber es ist auch die Mischung aus historischen Ereignissen und eben dieser Figurenkonstellation, wie wir sie hier vorfinden. Ich habe das Gefühl das Doerr genau dies mit einem sehr guten Gespür für seine Figuren erzählt hat.

Werners Leben ist geprägt von seiner Erziehung in Deutschland und ich finde gerade er macht auch nachvollziehbar, wie man in ein Regime hinein wächst. Selbst wenn man nicht Hundertprozentig hinter allem steht, Werner schiebt solche Dinge beiseite um nicht so zu Enden wie sein Vater. Grade in Regimen, wie dem der Nationalsozialisten werden und wurden Ängste auch gezielt genutzt um Menschen an sich zu binden.

Marie-Laures Leben ist zwar geprägt davon, das sie nicht sehen kann, aber das heißt nicht, das sie kein Leben hat. Es ist nur eben anders. Sie wächst in einer liebevollen Umgebung auf. Wie vor allem das Hören die beiden Figuren verbindet, das hat der Autor wirklich wunderbar beschrieben.

Ich kann mich auch gerade an die letzten Kapitel gut erinnern. Welche Ereignisse dazu führen das die Geschichte der beiden Jugendlichen mit einander verbunden wird. Aber auch, wie es Doerr gerade hier gelingt, einen Weg zu finden, das Leid der Menschen und die Zerstörung der Stadt in Worte zu fassen. Krieg ist nie etwas das leicht zu beschreiben,

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Eine wunderbar berührende Geschichte – sprachlich herausragend

Inhalt:
Werner lebt im Ruhrgebiet mit seiner Schwester Jutta in einem Kinderhaus. Er möchte Ingenieur werden und versucht, sich alles Mögliche selbst beizubringen. Bald werden die Oberen auf ihn und seine Fähigkeiten aufmerksam, und er wird in der Eliteschule Schulpforta aufgenommen. Hier werden die Jungen zu Hitlers Rekruten herangezogen.

Marie-Laure ist blind. Mit ihrem Vater, einem Museumsangestellten, muss sie vor dem Krieg aus Paris nach Saint-Malo fliehen, wo ein Großonkel von ihr lebt. Ihr Vater soll den größten Schatz des Museums, einen sagenumwobenen Diamanten, vor den Besatzern in Sicherheit bringen.

Meine Meinung:
Der Roman beginnt 1934 und endet 2014, wobei sich der größte Teil zwischen 1934 und 1944 abspielt. Doerr erzählt von Marie-Laures glücklicher Kindheit mit ihrem Vater, der sich rührend um seine blinde Tochter kümmert und sie trotz ihres Handicaps zu einer selbstständigen und aufgeweckten Person erzieht. Dabei haben mir vor allem die Einblicke in das Leben einer blinden Person gefallen. Das Leben ist so viel komplizierter, wenn der wichtigste Sinn wegfällt. Auch später, als der Krieg ausbricht, kann man sich gut vorstellen, welche Ängste dieses Mädchen ausstehen muss, weil sie ja gar nicht sehen kann, wo die Gefahren lauern.

Marie-Laure entwickelt sich zu einer starken Persönlichkeit, die ihrem Umfeld große Freude bereitet und im Kampf gegen die Deutschen eine gehörige Portion Mut beweist.

Immer abwechselnd mit den Erzählungen um Marie-Laure erfahren wir Details aus Werners Leben, das in vielerlei Hinsicht anders als das des Mädchens verläuft. Werner will lernen, will ein Wissenschaftler sein. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er sich mit den Nazis arrangieren. Dass er dabei nicht unbedingt ein gutes Gefühl hat, macht ihn nur sympathisch.

Die ganze Handlung läuft darauf hinaus, dass die beiden Protagonisten sich irgendwann begegnen. Zwei junge Menschen auf verschiedenen Seiten des Systems. Die Frage ist, wie sie sich begegnen werden, als Freunde oder als Feinde?

Als wären die Gräuel des Krieges nicht schon spannend genug, hat Doerr noch einen weiteren Handlungsstrang eingeflochten, in dem sich ein deutscher Offizier auf die Suche nach dem wertvollen Edelstein macht und Marie-Laure und ihre Familie dadurch noch mehr in Bedrängnis geraten.

Sprachlich ist Anthony Doerrs Roman hervorragend gelungen. Die Sprache passt ganz wunderbar in die vergangene Zeit. Sie ist gewählt, gehoben, teilweise leicht poetisch. Einfach sehr schön zu lesen.

Auch wenn die Erzählweise sehr ruhig ist und die Handlung nur langsam voranschreitet, konnte mich Doerr von der ersten bis zur letzen Seite nicht zuletzt durch wundervolle Beschreibungen fesseln.

Der Blick auf den 2. Weltkrieg aus der Sicht von Kindern bzw. Jugendlichen macht dieses Buch fast zu einem All-age-Roman.

Anthony Doerr wurde 2015 für diesen Roman mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet – meiner Meinung nach absolut zu Recht.

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Der 8. August 1944 ist ein schicksalhaftes Datum für Saint-Malo. Bis zu diesem Tag hat die alte Korsarenstadt allen Widrigkeiten getrotzt, doch nun legen Bombenangriffe sie zu einem Großteil in Schutt und Asche.

Zu den Überlebenden gehören die sechzehnjährige Marie-Laure, die mit ihrem Vater vor den Deutschen aus Paris zu ihrem Onkel in die vermeintliche Sicherheit Saint-Malo geflohen war, und der achtzehnjährige Werner, ein junger deutscher Soldat, der am Atlantik stationiert ist.

Die beiden kennen sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht, doch was sie verbindet, ist eine nicht alltägliche und von Schwierigkeiten geprägte Kindheit. Marie-Laure ist als Kind erblindet und musste sich die Welt von da an völlig neu erschließen, und Werner ist mit seiner jüngeren Schwester in einem Waisenhaus im Ruhrgebiet aufgewachsen, wo er sich durch seine enorme technische und mathematische Begabung hervorgetan und stets gehofft hat, nicht wie die anderen Jungen aus dem Heim eines Tages im Bergwerk schuften zu müssen. .

Anthony Doerr enthüllt in Rückblenden nach und nach die Vorgeschichte der beiden, in kurzen, knappen Episoden voller wundervoll eingefangener Sinneseindrücke, Beobachtungen, Gedanken und Träume, und verfolgt ihre Lebenswege durch die Brutalitäten des Naziregimes und die Entbehrungen des Krieges bis in die Ruinen von Saint-Malo.

Nicht nur, weil ich die Stadt gut kenne, in der ein Gutteil der Handlung spielt, hat dieser großartige Roman einen tiefen Eindruck auf mich gemacht.

Doerrs Sprache ist an vielen Stellen zum Niederknien schön, es gibt so viele Sätze, die man sich auf der Zunge zergehen lassen möchte und andere, die in ihrer Schlichtheit und Knappheit Ungeheuerliches fast beiläufig vermitteln, so dass man zweimal hinschauen muss, um die Tragweite des Gesagten wirklich zu erfassen. Es ist kein actionreicher Kriegsroman, vielmehr zeigt das Buch in oft ganz ruhig gezeichneten Bildern die Schrecken und die Tragik des Krieges, die ideologische Verblendung der Nazis und die vielen kleinen und großen Schwierigkeiten, die der Alltag im Krieg mit sich bringt. Ein wirklich großartiges Buch über eine furchtbare Zeit, das emotional ist, ohne jemals kitschig zu werden, und bei aller beschriebenen Grausamkeit auch sehr viel Menschlichkeit ausstrahlt.

Definitiv ein Jahreshighlight, und ein Buch, dass ich noch einmal in Ruhe lesen möchte, um mich dann ganz auf die wunderschöne Sprache zu konzentrieren. Bei diesem ersten Durchgang konnte ich mich kaum bremsen beim Lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.

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Benutzerkommentare

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Eine besondere Geschichte

Ich weiß schon jetzt, dass dieses Buch zu meinen Lese-Highlights dieses Jahres gehören wird, denn es war ein wirklich aussergewöhnliches Buch.
Zu erst einmal besticht es einfach schon optisch. Das wunderschöne und stabile Cover, hat einen ganz eigentümlichen, fast schon mystischen Eindruck. Es glänzt und man hat das Gefühl ein ganz besonderes Buch in den Händen zu halten.
Das dem auch so ist, folgt jetzt in meiner Bewertung des Inhaltes.
Es gibt so viele Romane über den zweiten Weltkrieg, das besetzte Frankreich und die Invasion der Deutschen, aber dieses Buch unterscheidet sich von allen, welche ich zu diesem Thema gelesen habe.
In zwei Ebenen, in der dritten Person, wird diese Geschichte erzählt. Sie beginnt in der frühen Kindheit der beiden Protagonisten und endet in ihrer späten Jugend.
Die Kapitel sind streckenweise sehr kurz, manchmal nur eine Seite lang, aber die Befürchtung, dass sich die permanenten Sprünge zu den Protagonisten und ihren Orten störend auf die Geschichte auswirken, sind unbegründet. Im Gegenteil, diese Form der Erzählung ist sogar aussergewöhnlich gut gelungen, da man niemals einen der beiden Charaktere aus den Augen verliert und sich die Geschichte der beiden gegenseitig auf wundervolle Weise ergänzen. Ja nicht nur ergänzen - die Leben der beiden, ebenso wie die Geschichten, bewegen sich im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander zu, bis sie am Ende aufeinandertreffen.
Werner und Marie-Laure sind hervorragend dargestellt und man erlebt hautnah die Auswirkungen, welche der Krieg auf die beiden hat. Sie verändern sich, sie werden geprägt und sie sind absolut glaubhaft, weil sie nicht die Überhelden sind. Sie haben Charakter und Tiefe.
Aber auch die Nebencharaktere kommen hier nicht zu kurz und wenn auch nur am Rande gestreift, so bekamen sie Leben eingehaucht und bleiben auch so in eindrucksvoller Erinnerung.
Wenn der Autor die Umgebung beschreibt, dann beschreibt er sie mit allen Sinneseindrücken die es gibt. Man hat das Gefühl die Orte nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören, zu riechen und zu fühlen. Es ist ein sehr „sinnreiches“ Buch.
Schön ist auch, dass dieser Autor es nicht nötig hat, Szenen mit gewaltreichen Bildern zu beschreiben. Seine Beschreibungen gehen nie ins Detail, aber dieser bildliche Voyeurismus ist hier auch gar nicht nötig. Der Leser kann sich die Situationen auch so mehr als deutlich vorstellen.
Ansonsten ist es Anthony Doerr gelungen, diesem Roman, trotz der fürchterlichen Umstände, welche im Krieg herrschen, eine gewisse Anmut und Poesie zu verleihen.
Auch das Ende des Buches ist perfekt. Einiges wird geklärt, anderes bleibt offen, aber so ist das Leben.

Fazit:
Dieses Geschichte ist zu tiefste bewegend, unglaublich emphatisch und absolut glaubhaft. Hintergrund ist der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich und es scheint, dass nur das blinde Mädchen wirklich sieht.
Dieses Buch wird mir in sehr starker Erinnerungen bleiben.

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Ein bewegender, sehr lesenswerter historischer Roman

Mit „Alles Licht, das wir nicht sehen“ ist dem amerikanischen Autor Anthony Doerr ein hervorragend erzählter, vielschichtig angelegter historischer Roman gelungen, für den er 2015 zu Recht den Pulitzer-Preis für Belletristik erhielt.
Sehr beeindruckend sind Doerrs anspruchsvoller, sprachgewaltiger Erzählstil und seine eindringlichen, oft poetischen Formulierungen. Trotz sehr kurzer Kapitel von bisweilen nur wenigen Seiten gelingt es Doerr unglaublich gut, eine dichte Atmosphäre und die Emotionen seiner Figuren zu vermitteln. Sehr passend ist die Erzählzeit im Präsens gewählt, die den Leser hervorragend in die Ereignisse jener Zeit eintauchen und vieles hautnah miterleben lässt.
Über eine Zeitspanne von etwa 10 Jahren erstreckt sich diese ergreifende, während des zweiten Weltkriegs angesiedelte Geschichte, die in Nazideutschland und im von den Deutschen besetzten Frankreich spielt.
Im Mittelpunkt der komplexen Geschichte, die unchronologisch, aus unterschiedlichen Perspektiven und mit vielen Zeitsprüngen erzählt wird, stehen die Einzelschicksale der beiden jugendlichen Protagonisten, des Deutschen Werner und der Französin Marie-Laure, in jener grauenvollen Zeit. In zwei unterschiedlichen Handlungssträngen lässt uns der Autor in vielen berührenden Episoden an ihrem Leben Anteil nehmen und miterleben, wie sich ihre Lebenswege auf unheilvolle Weise aufeinander zu bewegen und an einem tragischen Tag im August 1944 für einen kurzen bedeutsamen Moment kreuzen – dem Tag, an dem das von Deutschen besetzte Saint-Malo von den Amerikanern fast völlig in Schutt und Asche gelegt wird.
Durch die ständigen Perspektiv- und Schauplatzwechsel und die Intensität der geschilderten Ereignisse baut sich eine unglaubliche Spannung auf, die den Leser gebannt und fast atemlos immer weiter lesen lässt.
Der dritte Handlungsstrang dreht sich um einen geheimnisvollen Diamanten, das legendäre „Meer der Flammen“, seinen ominösen Fluch und die Jagd des fanatischen deutschen Stabsfeldwebels Reinhold von Rumpel nach im Krieg verschollen Kunstgegenständen. Diese Rahmenhandlung, die eine Verbindung zu den geschickt miteinander verflochtenen Geschichten der beiden Protagonisten herstellt, bringt zusätzlich Spannung und eine sehr mystische Komponente in die Geschichte.
In einer lebendigen, abwechslungsreichen Folge von beeindruckenden Szenen beleuchtet Doerr sehr geschickt viele wichtige historische, aber auch für die Protagonisten bedeutsame Geschehnisse, die sich in Deutschland und Frankreich vor dem Krieg und während des Kriegsgeschehens abgespielt haben.
Der Autor zeichnet ein sehr vielschichtiges, authentisches Bild jener Zeit und der Auswirkungen des Kriegs auf die Menschen. So erleben wir die Flucht der Pariser Bevölkerung vor den einmarschierenden Deutschen mit, Werners Ausbildungszeit in der Napola, seine Erlebnisse bei der Jagd auf Partisanensendern an der Ostfront, die Aktivitäten der Resistance und schließlich die Bombardierung St. Malos.
Die einfühlsame, detaillierte Figurenzeichnung der vielen so unterschiedlichen Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen ist Doerr hervorragend gelungen. Geschickt lässt er uns in den unterschiedlichen Kapiteln anhand vieler kleiner, liebevoll ausgearbeiteter Details an den Sorgen und Nöten, Träumen und Wünschen der beiden sympathischen Hauptfiguren teilhaben und vermittelt ein sehr lebendiges, tiefgründiges Bild ihrer Persönlichkeit. Sehr glaubwürdig und anschaulich hat er das Gefühlsleben und die charakterliche Weiterentwicklung der beiden während der sich zunehmend eskalierenden Geschehnisse herausgearbeitet.
Auf der einen Seite lernen wird den jungen Deutschen Werner kennen, der mit seiner jüngeren Schwester Jutta in einem Waisenhaus im Kohlenpott groß wird und der durch seine herausragende technische Begabung von den Nazis die Chance erhält, in einer speziellen nationalsozialistischen Erziehungsanstalt, einer sogenannten Napola, zu einem Ingenieur für Radio- und Funktechnik ausgebildet zu werden. So wird ihm die Nazi-Ideologie eingetrichtert, er wird wie selbstverständlich Teil des nationalsozialistischen Systems und beginnt als Spezialist in besetzten Gebieten Partisanensender aufspüren und liquidieren. Sehr eindringlich und berührend wird dargestellt, wie sich bei Werner erst allmählich neben blindem Gehorsam ein Gewissen zu regen beginnt, ihm die Augen geöffnet werden und er die menschenverachtenden Machenschaften der Nazis und Zeuge vielen grauenvollen Taten zu hinterfragen beginnt.
Auf der anderen Seite erleben wir die blinde Marie-Laure aus großbürgerlichem Hause, die mit ihrem Vater zu Fuß vor den einmarschierenden Deutschen aus Paris zu ihren Verwandten ins bretonischen Küstenstädtchen Saint-Malo fliehen muss. Ein Geheimauftrag des Vaters bringt beide in große Gefahr, denn im Gepäck führen sie einen bedeutsamen Gegenstand mit sich, der nicht in die Hände des Feindes gelangen darf. Sehr berührend ist ihre enge, fürsorgliche Beziehung beschrieben. Bewundernswert ist Marie-Laures Fähigkeit, sich ihre Welt wegen ihrer Sehbehinderung zu erfühlen und sich den täglichen Herausforderungen trotz aller Widrigkeiten mutig und voller Zuversicht zu stellen. Vor allem die Darstellung ihrer Empfindungen und „sinnlichen“ Wahrnehmungen ist sehr faszinierend und plastisch ausgearbeitet.
Zum gelungenen Abschluss des Romans streift die Geschichte dann nach Kriegsende zwei weitere Zeitepochen, in denen die Schicksale einiger Figuren nochmals aufgegriffen werden und ihr Bild perfekt abrundet wird.

FAZIT
Ein hervorragend erzählter, vielschichtiger und fesselnder historischer Roman, der vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs spielt und mich sehr überzeugen konnte. Sehr lesenswert!

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Berührende Geschichte

Marie, ein blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater vor dem Krieg nach Saint-Malo zu einem Onkel geflohen. Als der Vater verhaftet und in ein Lager gesteckt wird, ist Marie ganz auf ihren Onkel und dessen Haushälterin angewiesen. Zur selben Zeit lebt Werner, ein technisch hoch begabter Waisenjunge, mit seiner Schwester in Deutschland bei einer Pflegefamilie. Werners Begabung bleibt nicht unerkannt, deshalb landet er in einer Schule der Nazis, in der besonders ausgewählte Kinder für Spezialeinsätze an der Front ausgebildet werden. Schließlich kreuzen sich ihre Wege, nur für kurze Zeit, aber mit sehr intensiven Gefühlen. Für eine kurze Zeit vergessen sie den Krieg, der sie zwingt, gegeneinander zu kämpfen, weil sie auf unterschiedlichen Seiten stehen.

Man lernt die Kinder in ihrem jeweiligen Umfeld in ihren frühen Jahren kennen und erlebt mit, wie sie die Kriegsjahre empfinden und sich langsam zu Jugendlichen entwickeln. Der Krieg verwirrt sie, doch er gehört zum Leben, so dass sie ihn lange nicht kritisch hinterfragen, und wenn doch, dann nur in Gedanken. Gerade Werner wächst in einer Umgebung auf, in der schon die Kleinsten geschult und gedrillt werden, um staatstreue Bürger zu werden. Es erscheint nur logisch, dass er sein technisches Talent dem Staat zur Verfügung stellt.

Die Handlung springt in kurzen Kapiteln, manchmal in reinen Momentaufnahmen, zwischen den beiden jungen Menschen hin und her und schildert ihr Heranwachsen. Ihnen fehlt jegliche Zukunftsperspektive, oft genug geht es ums bloße Überleben. Sie fügen sich, weil sie es nicht anders kennen. Die Anforderungen lassen sie früh erwachsen werden. Als sie dann schließlich ganz auf sich alleine gestellt sind, handeln sie schließlich instinktiv so, wie sie es selbst für richtig halten. Widerstand gegen das Regime mit den wenigen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen.

Abgesehen von den häufigen Wechseln zwischen den Schauplätzen, an die man sich irgendwann auch gewöhnt, gefiel mit das Buch sehr gut. Anthony Doerr pflegt einen Stil, der die schönen wie die schrecklichen Momente zu etwas Eindrucksvollem macht. Das Licht aus dem Titel ist allgegenwärtig, egal ob über dem Meer, dem es unterschiedliche Farben verleiht, oder im Funkeln eines Diamanten; es ist selbst dann noch von Bedeutung, wenn man blind ist oder im verschütteten Keller im Dunkeln sitzt. Eine berührende Geschichte.

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Ein Lesehighlight

Ich weiß schon jetzt, dass dieses Buch zu meinen Lese-Highlights dieses Jahres gehören wird, denn es war ein wirklich aussergewöhnliches Buch.
Zu erst einmal besticht es einfach schon optisch. Das wunderschöne und stabile Cover, hat einen ganz eigentümlichen, fast schon mystischen Eindruck. Es glänzt und man hat das Gefühl ein ganz besonderes Buch in den Händen zu halten.
Das dem auch so ist, folgt jetzt in meiner Bewertung des Inhaltes.
Es gibt so viele Romane über den zweiten Weltkrieg, das besetzte Frankreich und die Invasion der Deutschen, aber dieses Buch unterscheidet sich von allen, welche ich zu diesem Thema gelesen habe.
In zwei Ebenen, in der dritten Person, wird diese Geschichte erzählt. Sie beginnt in der frühen Kindheit der beiden Protagonisten und endet in ihrer späten Jugend.
Die Kapitel sind streckenweise sehr kurz, manchmal nur eine Seite lang, aber die Befürchtung, dass sich die permanenten Sprünge zu den Protagonisten und ihren Orten störend auf die Geschichte auswirken, sind unbegründet. Im Gegenteil, diese Form der Erzählung ist sogar aussergewöhnlich gut gelungen, da man niemals einen der beiden Charaktere aus den Augen verliert und sich die Geschichte der beiden gegenseitig auf wundervolle Weise ergänzen. Ja nicht nur ergänzen - die Leben der beiden, ebenso wie die Geschichten, bewegen sich im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander zu, bis sie am Ende aufeinandertreffen.
Werner und Marie-Laure sind hervorragend dargestellt und man erlebt hautnah die Auswirkungen, welche der Krieg auf die beiden hat. Sie verändern sich, sie werden geprägt und sie sind absolut glaubhaft, weil sie nicht die Überhelden sind. Sie haben Charakter und Tiefe.
Aber auch die Nebencharaktere kommen hier nicht zu kurz und wenn auch nur am Rande gestreift, so bekamen sie Leben eingehaucht und bleiben auch so in eindrucksvoller Erinnerung.
Wenn der Autor die Umgebung beschreibt, dann beschreibt er sie mit allen Sinneseindrücken die es gibt. Man hat das Gefühl die Orte nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören, zu riechen und zu fühlen. Es ist ein sehr „sinnreiches“ Buch.
Schön ist auch, dass dieser Autor es nicht nötig hat, Szenen mit gewaltreichen Bildern zu beschreiben. Seine Beschreibungen gehen nie ins Detail, aber dieser bildliche Voyeurismus ist hier auch gar nicht nötig. Der Leser kann sich die Situationen auch so mehr als deutlich vorstellen.
Ansonsten ist es Anthony Doerr gelungen, diesem Roman, trotz der fürchterlichen Umstände, welche im Krieg herrschen, eine gewisse Anmut und Poesie zu verleihen.
Auch das Ende des Buches ist perfekt. Einiges wird geklärt, anderes bleibt offen, aber so ist das Leben.

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