Antonia Michaelis: Die Allee der verbotenen Fragen

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Antonia Michaelis: Die Allee der verbotenen Fragen
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783426653869

Informationen zum Buch

Seiten
384

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Er fragte sich später, weshalb er nie hier gewesen war.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Ihr Spiegelbild in einer Schaufensterscheibe öffnet Akelei die Augen: Sie ist nicht mehr das junge Mädchen, dem die ganze Welt offen steht, sondern eine pummelige, mittelalte Frau im pastellgrünen Mantel. Als Finn, ihre Sandkastenliebe, als Spiegelung in der Scheibe hinter ihr auftaucht, kann sie es nicht glauben. Denn auf mysteriöse Weise verschwand er vor 18 Jahren aus Akeleis Leben. Sie erkennt ihre letzte Chance – auf Abenteuer, auf Glück, auf Liebe – und folgt Finn, ohne nachzudenken. Ohne zu wissen, wohin. So geht sie auch einen Weg zurück: in ihre Kindheit, in die Erinnerung und in die Allee der verbotenen Fragen.

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Ein durch und durch besonderes Buch

Akelei, eine biedere Hausfrau aus Mecklenburg-Vorpommern, führt ein eintöniges Leben, als sie plötzlich ihre Jugendliebe entdeckt. Fin, der Junge, mit dem sie eigentlich nicht sprechen durfte, aber eine tiefe innere Bindung hatte, ist vor 18 Jahren von heute auf morgen verschwunden und nun sieht sie ihn völlig unerwartet als Spiegelbild in einem Schaufenster... Akelei denkt nicht die Bohne nach und folgt ihm. Mit einem lebenden Huhn in der Tasche und ohne wirklich wahrzunehmen, dass Fin nicht annähernd älter geworden ist - im Gegensatz zu ihr.

Johann ist als Kind deutscher Eltern in England aufgewachsen und nach dem Schulabschluss auf der Suche nach sich und seinen Wurzeln. Doch gleich zu Beginn seiner Reise durch Europa, die er vor dem Studium absolvieren möchte, haut es ihn fast aus den Socken: auf einem Greifswalder Friedhof entdeckt er einen Grabstein mit seinem Namen, Johann Fin Paul. Das alleine ist schon befremdlich genug, doch was ihn noch mehr verwirrt, ist die Tatsache, dass der hier Begrabene nicht einmal seinen Geburtstag überlebt hat - und zwar exakt den Geburtstag von Johann. Wie groß kann dieser Zufall sein? Doch als wäre das kein ausreichendes Rätsel, drückt der Pfarrer Johann auch noch einen Koffer in die Hand...

Nun geht es auf eine Reise durch die halbe Republik: Johann kann mit dem Inhalt des Koffers nichts anfangen, aber das entmutigt ihn nicht, sich auf die Suche zu machen - unwissend immer die unscheinbare Akelei mit Huhn im Schlepptau.

Ehrlicherweise kann ich das Buch nicht in ein Genre einordnen. Aber warum sollte ich überhaupt? Das Buch ist ein Faszinosum, das mich abwechselnd zum Lachen, Grinsen, aber auch zum Nachdenken gebracht hat. Antonia Michaelis erzeugt dabei eine ganz eigene Spannung, die es mir wirklich schwer gemacht hat, das Buch aus der Hand zu legen. Die Autorin hat nicht nur ein Händchen für ihre Figuren, die auf einen fremden Betrachter vermutlich langweilig wirken würden, hier aber außergewöhnlich und ganz und gar nicht öde sind, sondern auch für einen Sog, der durch enorme Fantasie und einen leichtfüssigen Stil erzeugt wird. Dazu kommt eine beinahe unordentliche Erzählweise, die es nicht immer einfach macht, zu überblicken, wie alles zusammenhängt: einmal erfahren wir aus Akeleis Kindertagen und dem Alltag in der DDR, dann wiederum müssen wir erfassen, wer hier eigentlich wen beobachtet und wie es überhaupt angehen kann, dass an Fin quasi 18 Jahre spurlos vorbeigegangen sind... Und zu guter Letzt: was wird Akelei mit dem auf der Reise Beobachteten und Gelernten machen?

Wirklich ein besonderes Buch, das mich gefangen genommen hat und mir ungewöhnliche, luftig-lockere Lesestunden beschert hat! Für alle Leserinnen, die Lust auf einen etwas anderen Roman haben und dabei ihre Fantasie spielen lassen wollen.

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Die Allee der verbotenen Fragen

Johann ist in England aufgewachsen. Nun möchte er vor dem Beginn seines Studiums Europa bereisen. Sein erstes Ziel ist Deutschland und zwar das kleine Dorf Wieck, in dem seine Eltern bei seiner Geburt gelebt hatten. Dort aber nimmt seine Reiseplanung eine überraschende Wendung als er auf dem Friedhof des Dorfes das Grab eines Kindes findet: Johann Fin Paul 1990-1990. Johann Fin Paul, das ist sein Name und 1990 ist auch er geboren, aber er lebt und dieses Kind ist gestorben. Als der Pastor des Dorfes Johann dann noch einen Koffer übergibt und einen leeren aber beschrifteten Umschlag, beginnt für Johann eine Reise quer durch Deutschland, eine Reise auf den Spuren einer ihm unbekannten Vergangenheit.

Akelei ist in der Kastanienallee aufgewachsen. In jungen Jahren hat sie ihre große Liebe Fin aus den Augen verloren. Mittlerweile ist sie verheiratet, aber kinderlos. Eigentlich hat sie ein Huhn gekauft um es zu Hause schlachten zu lassen und für ihren Mann in Rotweinsauce zuzubereiten. Doch dann entdeckt sie in einem Schaufenster die Spiegelung eines jungen Mannes. Es ist Fin, ihre Jugendliebe, und er ist um keinen Tag gealtert. Akelei glaubt an eine Sinnestäuschung aber sie ist so fasziniert, dass sie dem jungen Mann folgt, einfach so. Sie folgt ihm quer durch Deutschland ebenfalls auf den Spuren einer ihr unbekannten Vergangenheit.

Johann reist und fühlt sich unterwegs verfolgt. Immer wieder findet er Federn, glaubt ein Huhn oder eine Frau mit Huhn zu sehen und auch einen Mann mit Wollpullover. Und immer wieder gerät er in Gefahr. Doch warum ist das so?

Antonia Michaelis entführt ihre Leser in „Die Allee der verbotenen Fragen“ in eine außergewöhnlich zauberhafte und sehr emotionale Geschichte. Eine abenteuerliche Reise bringt zwei Menschen sich selbst und einander näher und öffnet den Blick auf längst vergessene oder verdrängte Dinge. Dabei spielt auch das Leben in der ehemaligen DDR eine große Rolle.

Menschen können viel ertragen und viel bewegen. Sie müssen es nur schaffen bzw. wollen. Dass das möglich ist beweisen die Protagonisten dieses Buches, die zunächst wie aus einem Märchen entsprungen wirken und von Seite zu Seite greifbarer und realer werden. Mit leichter Feder und Huhn versteht es die Autorin zu faszinieren und zu begeistern. Einfach grandios!

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Auf den ersten Blick eine abstruse Geschichte mit Huhn - zwischen den Zeilen so viel mehr

Inhalt:
Johann Fin Paul Smith hat gerade die Schule abgeschlossen. Nun will er eine Europareise machen. Sein erstes Ziel ist das Dörfchen Wieck in der Nähe von Greifswald, wo er die ersten Lebensjahre mit seiner Familie verbracht hat, bevor sie nach England zogen. Er staunt nicht schlecht, als er auf dem örtlichen Friedhof ein Grab mit seinem Namen und seinem Geburtsdatum findet. Dann drückt ihm auch noch der Pfarrer einen Koffer mit Erinnerungsstücken in die Hand. Johann macht sich auf eine gefährliche Schnitzeljagd quer durch Deutschland.

Die Mittdreißigerin Akelei Elena Schulze führt ein langweiliges Leben. Ihr Dasein dreht sich im Großen und Ganzen um Tischdecken, die Auswahl von Übertöpfen und das wöchentliche Zubereiten eines Huhns in Rotweinsauce. Ihr ganzes Leben wird auf den Kopf gestellt, als sich im Schaufenster, das sie gerade betrachtet, ihre Jugendliebe spiegelt. Doch das kann nicht sein! Der Mann sieht noch genau so aus wie vor achtzehn Jahren, kein bisschen älter. Ein Trugbild? Akelei beschließt, ihm zu folgen und mehr über ihn herauszubekommen.

Meine Meinung:
Wer die Bücher von Antonia Michaelis kennt, weiß, dass sie gerne mit den Realitäten spielt. Sie liebt es, den Leser an der Nase herumzuführen, ihn lange Zeit im Unklaren zu lassen, was Wirklichkeit und was Einbildung ist, was Gegenwart und was Erinnerung, was ist und was sein könnte. Auch in „Die Allee der verbotenen Fragen“ treibt sie dieses Spiel wieder meisterhaft. Lange Zeit tappt man im Dunkeln darüber, was hier los ist, wie das alles sein kann, ob das überhaupt sein kann. Ich liebe das ja, aber ich kann auch verstehen, wenn es vielleicht manchem Leser zu viel ist, zu surreal. Es schien mir, als gäbe es tausend Knoten in dieser verworrenen Geschichte. Unglaublich, aber am Ende sind sie alle gelöst.

Wie immer erfreut Antonia Michaelis auch in ihrem neuesten Werk mit einem wunderbar poetischen Schreibstil, der angefüllt ist mit treffenden Metaphern.

Er sah aus, als hätte jemand ihn hergebracht und dann vergessen. Sein Rücken war tief gebeugt, vor ihm stand eine leere Kaffeetasse, und daneben hatte er seine mageren, sehnigen Finger abgelegt wie fremde Gegenstände. (S. 191)

Die Erzählung wechselt ständig zwischen zwei Perspektiven. Einmal begleiten wir Johann, dann wieder Akelei. So kann man sich in beide Protagonisten sehr gut einfühlen. Dabei werden von beiden Seiten immer mehr kleine Puzzlestückchen offengelegt, die sich schließlich zu einem ganzen, runden Bild zusammenfügen.

Johann wirkt, obwohl nur halb so alt wie Akelei, wesentlich gefestigter. Zwar ist er noch auf der Suche nach seiner Zukunft, aber er hat eine Basis, auf der aufbauen kann: seine Eltern und seine zwei jüngeren Geschwister.

Akelei dagegen wirkt seltsam verloren. Sie lebt vor sich hin, versieht ihren Haushalt sorgfältig, aber ohne Leidenschaft. Mit Akelei erinnern wir uns an die Zeit in der DDR vor der Wende. In dieser Zeit wuchs sie wohlbehütet in der Kastanienallee auf. Punktgenau werden die Geheimnisse hinter der Fassade auseinandergenommen, die ihr damaliges Leben bestimmten.

Beginnt der Roman einfach nur mysteriös und seltsam, wird es schon bald richtig spannend. Nicht nur, weil man unbedingt herausfinden möchte, was hinter den ganzen Ungereimtheiten steckt, sondern auch weil es für die Protagonisten gefährlich wird. Dies erinnert schon fast an einen Kriminalroman. Aber auch die Liebe kommt nicht zu kurz, mit großen Gefühlen, mit Höhen und Tiefen. Auch an Humor hat die Autorin nicht gespart. Manche Szenen sind so witzig, wozu vor allem das Huhn beiträgt, das mit Akelei reist. Seine „Kommentare“ sind einfach herrlich: „Boook?“

Fazit:
Wer Antonia Michaelis mag, wird auch dieses Buch lieben. Selbstfindung, Liebe, Krimi, Humor – alles ist darin enthalten und verspricht unterhaltsame, aber auch spannende und zum Nachdenken anregende Lesestunden. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für diesen besonderen Roman mit Huhn.

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Spannungspoesie

Da ist Johann, ein junger Deutscher, der in England gelebt hat, seit er denken kann. Er landet im Dorf – einem kleinen Kaff in Mecklenburg-Vorpommern nahe Rostock, in dem seine Eltern zum Zeitpunkt seiner Geburt lebten und was muss er finden? Einen Grabstein mit seinem Namen und seinem Geburts-und auch Todesdatum drauf. Gottseidank ist er sehr, sehr lebendig.

Aber was hat es damit auf sich? Johann will den Dingen auf den Grund gehen und somit beginnt für ihn eine Odyssee durch Deutschland. Aber nicht nur für ihn, denn an seine Fersen heften sich andere Menschen. Da ist einmal Akelei, eine Hausfrau mittleren Alters, die sich durch seinen Anblick fatal an ihre erste Liebe erinnert fühlt. Und dann ein Mann in einem grauen Pullover...

Bald zeigen sich neue Wege wie auch Überraschungen für alle, die an diesen Entwicklungen Anteil haben. Die Reise führt nach Berlin, nach München, nach Hamburg, in weitere Orte sowie in gewisse Gegenden des Herzens. Und ein Huhn ist überall mit dabei.

Ein sehr schöne und ungewöhnliche Geschichte ist hier erschaffen worden: Antonia Michaelis begeistert mich wieder einmal mit ihrer ebenso zauberhaften wie frechen Sprache und dem mehr als originellen Stil.

Vor allem aber war ich nach der Lektüre - und bin es noch - eigentümlich beschwingt, auf eine besondere, ausgelassene Art und Weise. Antonia Michaelis hat mir gezeigt, dass man seinem Leben eine neue Richtung geben kann, auch wenn man glaubt, es geht nicht mehr weiter. Ein Buch, das mir viel Kraft gegeben hat, Kraft, Lebensmut und auch gute Laune. Das ist wahre Dichtkunst: Spannungspoesie vom Allerfeinsten, aber mit einem gehörigen Schuss Humor darin!

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Ein berührender Roman mit viel Poesie und einer erschreckenden Wahrheit

Was geschieht, wenn eine Frau auf ihre Jugendliebe trifft und bemerkt, dass die letzten Jahre ihres Lebens an ihr vorbeigegangen sind. Mit einem Mann verheiratet, den sie nicht liebt und einem Huhn in der Tasche, das ihre einzige und beste Freundin ist, beschließt die inzwischen sechsunddreißigjährige Akelei ihren Gefühlen zu folgen. Sie heftet sich an die Spuren des Mannes, den sie noch immer liebt, und stört sich nicht an der Tatsache, dass er viel zu jung für ihre einstige Liebe ist. Eine Reise quer durch Deutschland nimmt ihren Lauf, die längst vergessene Geheimnisse ans Tageslicht spült und tief in eine Vergangenheit blicken lässt, die nicht nur Akelei einige böse Überraschungen beschert.

„Die Allee der verbotenen Fragen“ ist ein bewegender Roman, in dem Antonia Michaelis die Geschichte einer zarten Liebe erzählt, die durch fremde Schuld schwerwiegende Risse erfährt. Mit viel Gefühl, einer spürbaren Tiefgründigkeit und dem dazu passenden Humor geht sie dabei vor und überrascht ihre Leser mit einer ganz eigenen Art, den Dingen auf den Grund zu gehen. Deshalb erscheinen einige der Figuren ein wenig bizarr, während andere wiederum sehr bodenständig sind. Eine Mischung, die überaus unterhaltsam in Erscheinung tritt und durch regelmäßige Perspektivwechsel eine gewisse Unordnung beschert. Deshalb dauert es auch einige Zeit, bis das Durcheinander geordnet ist und sich Ereignisse aus der Gegenwart mit Vorfällen aus der Vergangenheit zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen. Hinzu kommt, dass der verwendete Schreibstil viele bildhafte und poetische Elemente enthält, die den Leser tief berühren, während das Wissen über vergangenes Unrecht ihn wütend werden lässt.

Fazit:
Mit „Die Allee der verbotenen Fragen“ hat Antonis Michaelis einen ganz besonderer Roman geschrieben, der voller Gefühle, Gedanken und Handlungen ist. Ein Buch, bei dem sich der Leser Zeit nehmen sollte, um dessen Vielfalt zu genießen.

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(Aktualisiert: 10 Mai 2016)
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Eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit

Inhalt:
Elena Akelei Schulze führt ein langweiliges, spießiges, kinderloses Leben an der Seite ihres ungeliebten Mannes Hermann. Sie ist Mitte 30 und ohne Perspektiven. An einem ganz normalen Tag sieht sie in einer Schaufensterscheibe das Spiegelbild ihrer Jugendliebe. Komischerweise ist er nicht gealtert, er ist immer noch jungendlich, sowie damals, als er auf einmal verschwand. Spontan macht sie sich auf und folgt ihm, begleitet wird sie von einem Huhn, das sie eigentlich abends in Rotweinsoße zubereiten sollte und das im Laufe der Geschichte zu einer "Freundin" wird und eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

Johann Fin Paul Smith hat gerade die Schule abgeschlossen und besucht auf einer Europareise sein Heimatdorf. Er entdeckt einen Grabstein mit seinem Namen und seinem Geburtsdatum. Ein Pfarrer überreicht ihm eine mysteriösen Koffer. Das ist erst der Anfang einer abenteuerlichen Reise zu seinen Wurzeln. Er macht sich auf, seine Vergangenheit zu enträtseln, Akelei und das Huhn folgen ihm.

Meine Meinung:
Für mich war es das erste Buch dieser Autorin. Anfangs kam mir die Geschichte sehr surreal und mysteriös vor, im Laufe des Geschehens haben sich dann aber sämtliche Knoten entwirrt und alles war auf einmal logisch.
Akelei hat eine sehr behütete Jugend erlebt. Nach außen hin war alles perfekt. Was allerdings hinter der sehr heilen Fassade passiert ist, war teilweise so schrecklich, dass es aus ihrer Erinnerung verschwunden ist. Auf dem Weg, den sie mit Johann geht, findet sie immer mehr Puzzlestücke,die das Bild ihrer Vergangenheit wieder vervollständigen. Durch die Dinge, die Johann aus dem Koffer holt, kommen nach und nach die Erinnerungen zurück. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse, die Lücke zwischen der Vergangenheit und de Gegenwart wird geschlossen.

Johann wirkt mit seinen 18 Jahren fast gefestigter und erwachsener als Akelei. Er hat ein Ziel und verfolgt es ohne wenn und aber. Obwohl ihm Steine in den Weg gelegt werden, bleibt er dabei.

Die Erzählung wechselt ständig zwischen zwei Perspektiven: einmal erleben wir die Geschichte aus Johanns Sicht, dann wieder erzählt Akelei. Sie arbeitet ihre Vergangenheit in Träumen auf. Dadurch lernt man die junge Akelei kennen und es kristalliert sich heraus, wie sich durch das nochmalige Erleben der Vergangenheit ihre Persönlichkeit verändert und sie vom "grauen Mäuschen" zu einer Frau wird, die weiß, was sie will.

Der Schreibstil von Antonia Michaelis gefällt mir sehr gut. Sie schreibt sehr poetisch mit herrlichen Metaphern! Manchmal habe ich Tränen gelacht, manchmal auch welche geweint.

Die Protagonisten sind sehr authentisch dargestellt! Gerade in Akelei konnte ich. Ich gut hineinversetzen und habe mit ihr gehofft und gelitten. Auch die "Nebenrollen" sind toll besetzt, jeder Charakter hat mich überzeugt. Selbst das Huhn wird zu einer authentischen Persönlichkeit.

Fazit:
In diesem Buch ist Krimi, Liebe, Humor und Psychologie enthalten, von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

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Eine originelle Geschichte die auf verschiedenste Arten berührt

Ich liebe Antonias Bücher! Dementsprechend gespannt war ich auf ihr neustes Werk "Die Allee der verbotenen Fragen". Der Titel könnte nicht passender sein und auch das Cover passt perfekt zu dem Inhalt des Buches. Der Klappentext verrät nicht mehr, als es die ersten Seiten des Buches. Er gibt einen guten Eindruck von dem, auf das sich der Leser in diesem Buch freuen darf. Ein gelungenes Rundum-Paket also ;)

Schon auf den ersten Seiten konnte die Autorin mich mit ihrer wunderschönen Sprache, ihrer leicht schrägen und zugleich witzigen, traurigen, schönen und nachdenklich stimmenden Geschichte packen. Akelei als Protagonistin mochte ich auf Anhieb. Alles an ihr ist durchschnittlich, mal abgesehen von ihrem Namen. Sie führt ein gutes Leben mit einem Mann, der gut zu ihr ist, den sie aber nicht liebt. Ein Leben, in dem sie alles hat und das doch nicht ihren tiefsten Wünschen und ihrem Wesen entspricht. Als sie auf einmal Finn in der Stadt bemerkt, der Nachbarsjunge der vor 18 Jahren verschwand und seitdem scheinbar keinen Tag gealtert ist, folgt sie diesem quer durch Deutschland...ein Huhn mit einem ganz bemerkenswerten Charakter immer in der Handtasche.

An Antonia Michaelis Büchern schätze ich besonders, dass sie ihren ganz eigenen Stil haben. Sie sind weit vom Mainstream entfernt und dennoch erreicht die Autorin eine Vielzahl von Lesern, die sich einfach nach "etwas anderem" sehnen. Kaum eine Autorin schafft es, mich so zu berühren, wie Antonia Michaelis es tut. Und das ist ihr auch hier wieder gelungen. Während Akelei Finn durch Deutschland nachreisst, beginnt der Leser über sein eigenes Leben nachzudenken. Bin ich heute da, wo ich ich mich vor fünf, vor zehn oder sogar mehr Jahren gesehen habe? Bin ich "angekommen"? Außerdem bleibt dem Leser gar nichts anderes übrig als durchgehend mitzufiebern, wie Akeleis und Johanns Geschichten miteinander zusammenhängen.

Das Buch ist aus Akeleis, aber auch aus Johanns Sicht geschrieben. Dies gefiel mir besonders gut, denn auch Johann ist ein sehr sympathischer Charakter, dessen Gedanken und Gefühle ich sehr gerne gelesen habe. Das Highlight war jedoch das Huhn, bzw. Akeleis Gespräche mit dem Huhn. Eben sollte es noch mit Rotweinsauce auf den Tisch, im nächsten Moment findet es sich gemeinsam mit Akelei in verschiedenen Städten und den dazugehörenden Hostels und Bahnen wieder.

Die meiste Zeit über tappt der Leser im Dunkeln. So ging es zumindest mir. War Johann wirklich Finn? Und wie konnte es sein, dass er nicht gealtert ist? Was sind die "verbotenen Fragen"? Gerade im Mittelteil hatte ich wirklich keine Ahnung, wohin mich das Buch führen würde. Ein Junge der nicht alterte? Das Ende klärt jedoch alle Fragen (bis auf eine vielleicht?). Mir hat das Ende sehr, sehr gut gefallen auch wenn ich weiß, dass es nicht Jedermanns Sache sein wird.
Fazit: Eine berührende, witzige und vor allem originelle, leicht schräge Geschichte :)

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Wenn das Leben mit dir spielt...

Die Romane der Autorin sind stets sehr speziell und genau deshalb lese ich sie so gerne, weil sie einen aus dem Alltag ausbrechen lassen. Gespannt begann ich mit der Lektüre und erhielt so viel mehr als einen Roman.

In der Geschichte geht es um Akelei, deren Leben alles andere als toll ist. Mit Mitte 30 hat sie einen ungeliebten Ehemann, ist kinderlos und optisch ist sie ebenfalls kein Highlight mehr. Als sie plötzlich glaubt in einer Schaufensterscheibe das Spiegelbild ihrer Jugendliebe Finn gesehen zu haben, begibt sie sich auf eine Reise, die alles Bisherige in Frage stellt. Was hat das Schicksal mit ihr vor?

Die Handlung wird uns über zwei Perspektiven nahe gebracht, denn mal begleiten wir Akelei und mal Johann, der gerade durch Europa tourt.

Bei den Parts mit Akelei ist am witzigsten die Sache mit dem Huhn. Ich glaube ich habe noch nie einen Roman gelesen, in dem ein Huhn eine tragende Rolle spielt. Akelei wuchs mir sehr schnell ans Herz, weil man direkt nachvollziehen konnte, warum sie mit ihrem Leben nicht so wirklich zufrieden ist und neuen Schwung braucht. Die Rückblenden auf ihre Vergangenheit fand ich hoch spannend, gaben sie doch auch Einblicke in das Leben von DDR- Bürgern. Aufgrund ihrer Erfahrungen verwundert es kaum, dass sie teilweise etwas unbeholfen und naiv wirkt.

Im Gegensatz dazu steht der junge Johann, der mit seinen 18 Lenzen schon außerordentlich reif wirkt. Er zieht das durch was er sich vorgenommen hat und lässt sich auch von Rückschlägen nicht aufhalten.

Die Schreibe der Autorin hat etwas enorm Poetisches. Die sprachlichen Bilder gefielen mir gut. Ich muss mich da zwar immer erst einlesen, da vieles schon sehr speziell wirkt, aber ist man erst einmal drin, möchte man es nicht mehr missen. Nach meinem Gefühl muss man zwischen den Zeilen lesen können, um alles aus der Geschichte richtig aufzunehmen.

Im Buch wird vor allem klar wie wichtig es ist die eigenen Wurzeln zu kennen.

Das Ende des Romans lässt keine Fragen offen, jedoch hat es mich geschockt zurückgelassen. Die Auflösung ist wirklich enorm sonderbar, was vielleicht nicht jeder mag.

Fazit: Ein Buch, das zum Lachen und zum Weinen einlädt und durch seine Sprache unverwechselbar ist. Für Fans der Autorin ein Muss. Allen anderen sei gesagt: Lasst euch auf die Geschichte ein, ihr werdet sie mögen. Prädikat gut!

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