Arno Frank: So, und jetzt kommst du

Arno Frank: So, und jetzt kommst du

 
4.0
 
4.2 (2)
521   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Arno Frank: So, und jetzt kommst du
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783608503692

Informationen zum Buch

Seiten
352

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Als meine Mutter zum ersten Mal starb, war ich bei ihr.

Community

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei LChoice kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Aufregend, wenn die Eltern auf der Flucht vor der Polizei ihre Kinder mitschleppen. Aber für die drei Geschwister verwandelt sich das Abenteuer bald in einen Albtraum. Ihre Odyssee führt sie quer durch Europa. Ein Roman wie ein Roadmovie. Eine ebenso tragische wie komische Familiengeschichte. Vater, Mutter und drei Kinder in der pfälzischen Provinz der 80er Jahre. Der Autoverkäufer Jürgen und seine Frau Jutta sind verschuldet, aber glücklich. Als auf einmal das »große Geld« da ist, wandert die Familie fluchtartig nach Südfrankreich aus. Dort leben vor allem die drei Geschwister wie im Paradies, doch die Eltern benehmen sich immer seltsamer – bis ein Zufall enthüllt, dass der Vater ein Hochstapler ist. Er hat das Geld unterschlagen und bereits aufgebraucht, als sich die Schlinge enger zieht. Im letzten Moment flieht die Familie vor dem Zugriff der Behörden und die Jagd durch Europa geht weiter. Es ist ein freier Fall auf Kosten der Kinder, bis es unweigerlich zum Aufprall kommt …

Autoren-Bewertungen

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0  (1)
Charaktere 
 
4.0  (1)
Sprache & Stil 
 
4.0  (1)
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

.

"So, und jetzt kommst du" sagt der Vater des Ich-Erzählers (der, wie ich angesichts von kleinen versteckten Hinweisen im Romantext vermute, denselben Namen trägt wie der Autor) immer dann, wenn er sein Gegenüber sprachlos gemacht hat mit dem neuesten cleveren Trick, den er auf seinem Weg zum Reichtum angewendet hat. Jürgen Frank will nämlich mehr, als mit Frau und Kindern in einer beschaulichen Vorortsiedlung in der Nähe von Kaiserslautern zu leben. Er will Geld, Erfolg, Protz und Prunk und arbeitet mit den verschiedensten Geschäftsideen emsig an seinem Aufstieg.

Dass das nicht so einfach ist, wie er sich und anderen gerne vormacht, will er sich nicht eingestehen und ignoriert geflissentlich die unaufhörlich eintrudelnden Mahnungen und Behördenbriefe, bis schließlich die Polizei an der Tür klingelt und die Familie bei Nacht und Nebel aufbricht, nach Frankreich, wo der Vater geboren ist und wo alles noch viel, viel besser werden soll als in Deutschland. Das wird es auch ... vorerst.

Es ist eine schier unglaubliche Geschichte, die uns Arno Frank hier präsentiert und die, wenn man der Presse Glauben schenken darf, auf seiner eigenen Familiengeschichte basiert: die Geschichte eines unverbesserlichen Hochstaplers, der völlig frei von Skrupeln lügt und betrügt, immer abhaut, wenn es brenzlig wird, und dabei seiner Familie Unvorstellbares zumutet.

Was der Vater genau macht, erfahren wir nicht, denn das weiß der Erzähler als am Ende dreizehn- oder vierzehnjähriger Junge selbst nicht so genau. Er beschreibt nur das, was er selbst erlebt, ein Leben, das in einer völlig durchschnittlichen deutschen Mittelklassefamilie beginnt und später das komplette Spektrum von verschwenderischem Dolce vita an der Côte d'Azur bis zu versifften Bruchbudenunterkünften und Höllenfahrten in klapprigen Uraltautos abdeckt. Die Mutter bleibt bei alledem passiv, klinkt sich schnell aus, wenn es ihr zuviel wird, so dass die drei Kinder größtenteils sich selbst überlassen sind.

Frank erzählt ungeschminkt, drastisch, auch manchmal unflätig von der mehrjährigen Odyssee der Familie, den Spannungen untereinander, den Freiheiten, die die Kinder genießen, der ständigen unterschwelligen Angst vor dem Auffliegen und auch dem belastenden Halbwissen über das, was der Vater da so treibt. Das ist so absurd, dass es schon wieder vorstellbar ist und auf eine eigenartige Weise spannend.

Stilistisch gelingt es ihm nicht immer, den Ton eines Jungen im Alter des Erzählers zu treffen - er findet ungewöhnliche Metaphern und verwendet eher wenig gebräuchliche Fremdwörter, was diesbezüglich etwas unglaubwürdig wirkt, und die oft falschen französischen Einsprengsel sind auch grundsätzlich verzichtbar. Der Spannungsbogen und die Entwicklung der Charaktere sind aber bei aller Skurrilität des Geschehens glaubhaft und gelungen bis hin zum überzeugenden Schluss, und die 80er Jahre als Hintergrundkulisse sorgen für einen netten Nostalgiefaktor.

Übrigens: Wer sich beim Anblick des faden 80er-Jahre-Schutzumschlags gruselt, sollte ihn abnehmen. Die auf dem Cover eingeprägte Auto-Tankanzeige, deren Zeiger Richtung "Reserve" deutet, passt viel besser zum Buch als das langweilige Polaroidfoto.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

2 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.2
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0  (2)
Charaktere 
 
4.0  (2)
Sprache & Stil 
 
4.5  (2)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Ungewöhnliche Geschichte

Der Autor Arno Frank ist in Deutschland ein angesehener Journalist. Seine Artikel erschienen u.a. in der Taz, im Spiegel und im Musikexpress. Dass er nun, im Jahre 2017, seine abenteuerliche Familiengeschichte mit uns Lesern teilt, überrascht und hat meine Neugier entfacht.

Arno Franks Erzählung lebt von seinem ungewöhnlich poetischen wie analytisch treffsicheren Sprachstil, der häufig ins Ironisch-Sarkastische abdriftet. Das ist nur allzu verständlich, wenn man den Inhalt der Geschichte kennt. Denn was der Autor in den 80ern erlebt hat, könnte sich kein versierter Romancier besser ausdenken. Sein Vater Jürgen war ein Hochstapler. Anfangs verdiente dieser sein Geld noch als Autoverkäufer in Kaiserslautern, doch bald darauf prellte er die Firma. Mit den gestohlenen finanziellen Mitteln setzte man sich dann samt Familie – Frau und 3 Kinder – ins Ausland, genauer nach Nizza, ab. An der Côte d’Azur lässt man es sich gut gehen. D.h., dem Luxus sind keine Grenzen gesetzt und Sohn Frank besucht eine internationale Schule. Doch mit der Zeit wird auch dies zum Alltag und Mutter Jutta depressiv. Denn Vater Jürgen ist kaum zu Hause, weil er unlautere Geschäfte tätigt und spielsüchtig ist. Als dann das Geld aufgebraucht ist und die Polizei auf der Matte steht, entscheidet sich die Familie erneut zur Flucht und ein spannendes wie entbehrungsreiches Roadmovie setzt ein. Erst findet man in Portugal Unterschlupf. Die Familie lebt von der Hand in den Mund und vor allem Mutter Jutta hat darunter zu leiden. Infolge traut sie sich nicht mehr nach draußen, weil sie überall Gefahr wittert. Denn Hunger und Polizei setzen der gesamten Familie zu. Aber auch in Portugal kann man nicht bleiben, da das Geld fehlt. Ob und inwiefern die Familie nach Deutschland zurückkehrt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Insgesamt schildert der Autor diese/seine Odyssee sehr treffsicher und tragikomisch, was wohl seine persönliche Art ist, mit diesem Kapitel seines Lebens umzugehen. Nach der Lektüre der 352 Seiten war ich ehrlich bass erstaunt über die Tatsache, dass es sich um eine echte und keine fiktive Geschichte handelt. Dadurch haben manche etwas lahme bzw. zu detailliert beschreibende Abschnitte eindeutig an Farbe gewonnen. Obschon mich das apathische und phlegmatische Verhalten der Mutter, die sich so gar nicht um das Wohl ihrer Kinder zu scheren scheint, wütend gemacht hat. Aber der habgierige wie geltungssüchtige Vater ist auch nicht anders. Im Gegenteil, er schlägt seine Kinder und Geborgenheit kennt er nicht. Diese verkorkste Familiensituation macht zugleich betroffen und neugierig, denn als Leser vertraut man auf die späte Einsicht der Erwachsenen. Das Schlimme an dieser Fluchgeschichte ist der Schicksal der Kinder, die alles bewusst miterleben und in der Person des Autors auch kritisch bewerten. An der Erzählperspektive ist auch mein einziger Kritikpunkt angesiedelt. Mich hat es z.T. gestört, dass der Autor, wenn er sich schon in eine kindlichen Erzählperspektive hineinversetzt, dies nicht stringent durchzieht, sondern oftmals altklug bis geistig erwachsen argumentiert. Positiv haben mich hingegen die häufigen Reminiszenzen an die 80er-Jahre (Walkman etc.) gestimmt.

Lieblingszitat, S. 21:
"Und Telekolleg-Sendungen im Dritten, wo blasse Mathematiker in schlammfarbenen Pullovern schleierhafte Grafiken und Vektoren benäselten."

FAZIT
Ein gelungenes Romandebüt, das sich durch die besondere Erzählkunst des Autors von der Masse abhebt.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

So, und jetzt kommst du

Zum Inhalt
"Eine ebenso tragische wie komische Familiengeschichte. Vater, Mutter und drei Kinder in der pfälzischen Provinz der Achtzigerjahre. Der Autoverkäufer Jürgen und seine Frau Jutta sind verschuldet, aber glücklich. Als auf einmal das »große Geld« da ist, wandert die Familie fluchtartig nach Südfrankreich aus. Dort leben vor allem die drei Geschwister wie im Paradies, doch die Eltern benehmen sich immer seltsamer – bis ein Zufall enthüllt, dass der Vater ein Hochstapler ist. Er hat das Geld unterschlagen und bereits aufgebraucht, als sich die Schlinge enger zieht. Im letzten Moment flieht die Familie vor dem Zugriff der Behörden und die Jagd durch Europa geht weiter. Es ist ein freier Fall auf Kosten der Kinder, bis es unweigerlich zum Aufprall kommt" (Quelle: Klett-Cotta)

Meine Meinung
Der Schreibstil ist flüssig, deshalb fiel mir der Einstig in den Roman nicht schwer. ich finde, Arno Frank hat die Geschichte der Familie nachvollziehbar geschrieben, obwohl ich aber sagen muss, dass mir die Mutter ziemlich blass vorkam, sie nimmt alles so hin, sie hinterfragt meines Erachtens zu wenig bzw. versucht den drohenden Untergang zu wenig entgegenzusetzen bzw. ihn aufzuhalten, der Vater kann schalten und walten wie er möchte, er kommt und geht wie es ihm passt.
Aber dafür fand ich die Kinder wieder stark beschrieben, möglich, dass es auch daran liegt, dass wir die Handlung aus der Sicht des ältesten Kindes erleben und er uns die Werdegang aus seiner Sicht schildert.
So nach und nach merkt man, dass das Buch nicht gut enden wird und die Flucht auf Kosten der Kinder geht, die anfangs noch vom "Wohlstand" geblendet sind, aber nichtsdestotrotz taucht immer wieder die Frage auf, was sein wird, wenn das Geld alle ist, es vermehrt sich ja nicht von allein. Was passiert, merkt man nach und nach, als die Familie von einem Ort zum nächsten ziehen muss und auf die Gutmütigkeit ihrer Mitmenschen angewiesen ist, bis es irgendwann halt nicht mehr weitergeht.
Arno Frank hat uns eine spannende und zugleich erschreckende Geschichte geliefert, die mich bis zum Ende in seinem Bann gezogen hat.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue