Beate Teresa Hanika: Das Marillenmädchen

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Beate Teresa Hanika: Das Marillenmädchen
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783442757053

Informationen zum Buch

Seiten
256

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Ich möchte dir eine Geschichte erzählen.

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Handlungsort

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»Sie schmeckte nach Rauch und dem verbrannten Boden des Topfes und gleichzeitig süß, diese Marmelade, sodass man nur einen Löffel nehmen wollte und dann war es auch genug. Genug Erinnerung, genug, dass mein Herz aufgewühlt wurde und schneller schlug, als gut für mich war.« Ein Marillenbaum in einem alten Wiener Garten. Seit ihrer Kindheit in den 1940er Jahren kocht Elisabetta jeden Sommer Marmelade ein. Und jedes Mal, wenn sie ein Glas aus dem alten Kellerregal in die Hand nimmt, es öffnet und den süßen Duft einatmet, erinnert sie sich an ihr Leben, an ihre in Dachau ermordete Familie, an ihre große Liebe Franz, an ihre Tochter Esther und ihre Enkelin Rahel. Elisabetta lebt zurückgezogen in ihrer Welt mit den Stimmen der Vergangenheit. Als die Tänzerin Pola bei ihr zur Untermiete einzieht, reißen die alten Wunden auf.

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Ein literarischer Genuss

Elisabetta Shapiro lebt in Wien - eine alte Dame mit einem fast ebenso alten Marillenbaum im Garten und reichlich Marmeladegläsern im Keller. Jedes Jahr seit ihrer Kindheit in den 1940ern kocht Elisabetta diese Marmelade aus den Früchten des Marillenbaumes hinter dem Haus. Selbst wenn die Ernte schlecht ausfällt und sie nur ein Glas füllen kann...
Wenn sie ein Glas öffnet und den köstlichen Duft einatmet, kommen die Erinnerungen an ihre Familie und an ihre große Liebe zurück.
Erinnerungen, die bis heute schmerzen und der traumatisierten Elisabetta einiges abverlangen. Und dann zieht in ihr Haus, in die Wohnung über ihr, eine junge Deutsche ein - Pola. Auch sie hat mit ihren Erinnerungen zu kämpfen, die allerdings deutlich jüngerer Natur sind.
Und so wechselt die Geschichte zwischen den beiden Frauen und ihren Leben, die auf eine Art und Weise miteinander verbunden sind, die es zu ergründen gilt.
Die Untermieterin reißt unwissentlich alte Wunden auf und bringt Elisabettas Familiengeschichte ans Licht - eine Geschichte, die vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart reicht...

Zugegebenermaßen musste ich mich auf die Geschichte sehr konzentrieren und habe nicht nur einmal festgestellt, dass ich einen freien Kopf brauche, wenn ich die Zusammenhänge und Hintergründe des Romans begreifen wollte. Aber sobald ich mich komplett auf die Handlung einlassen konnte, habe ich "Das Marillenmädchen" einfach nur sehr gerne gelesen. Es ist kein einfaches Buch, nein, aber es hat unglaublich viel Gefühl für seine Figuren und vermittelt nicht selten subtil ihre Zusammenhänge.

Aber das noch Bemerkenswertere ist in meinen Augen die Sprache der Autorin, die mich regelrecht gefangen hat. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt ein so poetisches, hoch literarisches Buch gelesen habe, dass sich derart einfühlsam mit einem solch schmerzhaften Thema befasst hat.

Ich gestehe, dass ich die Autorin gerne an der ein oder anderen Stelle befragt hätte - zum Beispiel, warum sie die Geschichte so geschrieben hat, wie sie nun mal ist; nach ihrer Intention; danach, was sie bei ihren Lesern bewirken möchte. Und zu letzt, wie sie auf diese Geschichte gekommen ist - ob es gar eine Vorlage dafür gibt.

Fazit: Ein wunderbares Buch, das seinen Raum und vielleicht die richtige Zeit braucht, um sich komplett entfalten zu können.

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(Aktualisiert: 24 Dezember 2016)
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Bittersüße Marillen

Beate Teresa Hanika - Das Marillenmädchen

Wien,1940 und Jetzt
Die Familie Shapiro lebt im Wien, der 40jahre. Drei Schwestern und ein Haus mit Garten, in dem ein Marillenbaum steht. Das tut er heute noch und
zwischen seinen gelben Früchten hängt eine bittersüße Geschichte, die uns Elisabetta, als junges Mädchen und als alte Frau erzählt.

Rahel, Judith und Elisabetta, so haben der Arzt und die Opernsängerin ihre Töchter genannt.
Elisabetta jedoch, schimpft sich selbst "Kobold", da ihre Schwestern mit Schönheit und Anmut überschüttet wurden, sie selbst ist ein drahtiges Energiebündel mit struppigen Haaren.

Manchmal tut es weh, wenn die Jungs sich hinter dem Zaunloch streiten, nur um einen Blick auf die sonnenbadenden Schwestern zu erhaschen.
Leider ist auch Franz, der Nachbarsjunge dabei, mit dem sie sich schon den ganzen Sommer um die Wette neckt und prügelt, die beiden gehen nicht zimperlich miteinander um.
Elisabetta verliebt sich in Franz.
Während eines Fliegeralarms, fasst sich Franz ein Herz und packt Elisabetta. Im Schutz der Dunkelheit küsst er sie solange, bis die Sirene schweigt.
Eines Nachmittags muß Elisabetta mitansehen, wie Soldaten in glänzenden Stiefeln, ihre gesamte Familie festnehmen, sie kommen nie zurück.

Nun ist sie alt und denkt an das Glas Marillenmarmelade, das ihre Mutter damals mit Arsen verfeinerte. Für den Notfall..
Eine junge Tänzerin bewohnt eine Kammer in dem Shapiro-Haus und sorgt für frischen Wind in Elisabettas grauen Gedanken.
Das Mädchen kann eine ganz andere Geschichte erzählen und so unwahrscheinlich es klingt, es hat sich ein Netz über beider Schicksale gelegt.
Elisabetta wird von ihren Schwestern heimgesucht, deren Geister erzählen ihr alles, was in Dachau geschah. Rahels ruheloser Hass zermürbt sie, doch der kleine Kobold von damals, möchte Vergebung.

Allein von der schönen Sprache her, liebe ich dieses Buch, heiß und innig.
Es ist keine Poesie, die das Hirn zuklebt und verknotet, jeder Satz ergibt ein klares Bild im Kopfkino.

Aber das ganz Besondere an dem Buch ist:
- Es ist witzig, wütend, zynisch, ironisch, ja sogar romantisch.
- Es ist zur gleichen Zeit gefühlsgeladen, wie emotionslos und gleichmütig.
- Es kommt eine Harmonie auf, die man guten Gewissens gar nicht wahrhaben will.
- Es sollte grausam und vernichtend sein, aber da, lässt uns Elisabettas eigentümliche Art und ihr Entschluss, nicht mehr hassen zu wollen, außen vor.

Die Autorin ist sich bewusst, dass es genügend verantwortungsvolle Leser gibt, die nicht immer eine eiskalte Hand erwarten, die nach ihnen greift, dass sie trotzdem verstehen, ihre Erkenntnisse gerecht verwalten. Feine Töne verlieren nicht an Schärfe, nur weil sie "leise" sind. So konnte ich mich
auf diese wunderbare Geschichte konzentrieren und erst am Schluss, gestattete ich mir ein paar Tränen, weil es traurig und schön zugleich war.

Ich bin begeistert! Bitte mehr davon!

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Ein Baum der Erinnerungen

Der Marillenbaum im Garten bringt seit eh und je Beständigkeit in Elisabettas Leben. Seine Früchte – mal mehr, mal weniger – verarbeitet sie zu Marmelade, die in sorgsam etikettierten Gläsern im Keller aufgehoben werden. Seit ihre Schwester und ihre Eltern in den vierziger Jahren abgeholt und nach Dachau gebracht wurden, kocht sie ihre Marillenmarmelade und sie erinnert sich dabei an ihre Familie, an ihre Liebe Franz und an die Tochter Esther und die Enkelin Rahel.
Obwohl Elisabetta eine Russin als Untermieterin hat, lebt sie zurückgezogen und meidet Kontakte. Dann ist die Russin plötzlich nicht mehr da und stattdessen ist die Tänzerin Pola eingezogen.
Der Schreibstil ist ungewöhnlich und nicht einfach zu lesen, aber auch ein wenig poetisch. Am Anfang ist es nicht einfach, die Zusammenhänge zu erkennen. Dass es zwei Rahels gab, trägt mir zur Verwirrung bei. Die unterschiedlichen Zeitebenen erleben wir in Gedanken der Protagonistinnen. Elisabettas Gedanken flattern hin und her, so dass es etwas verschwommen anmutet, wirr wie die Gedanken einer einsamen alten Frau. Ihre Schwestern Rahel und Judith sind in ihren Gedanken sehr real. Rahel wirkt sehr erzieherisch, während Judith nachsichtig ist. So lernen wir so nach und nach Elisabettas Leben kennen, das einen sehr berührt. Aber auch wenn sie um ihre Lieben trauert, lässt sie Verbitterung und Hass doch nicht an sich herankommen.
Pola hat auch keine einfache Vergangenheit, aber sie hat eine Freundschaft erlebt, die tiefer nicht sein konnte. Sie schleicht sich in Elisabettas Leben und ist einfach da. Die beiden nähern sich zaghaft und dann erkennt man, dass ihre Geschichten zusammenhängen.
Es ist eine traurige Geschichte, aus der aber auch manchmal ein wenig trockener Humor hervorblitzt. So gibt es in dieser jüdischen Familie ein Schildkröte, die den Namen Hitler erhält. Aber es ist auch eine Geschichte, die Hoffnung gibt und Versöhnung zulässt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat mich das Buch immer mehr gepackt.
Ein außergewöhnliches Buch, auf das man sich einlassen muss.

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Eine Jüdin überlebt den Zweiten Weltkrieg

Der Marillenbaum in Elisabettas Garten und die Marmelade, die sie aus seinen Früchten kocht - zwei Konstanten, die sich durch ihr Leben ziehen, weshalb ihr Vorratskeller Gläser mit Jahreszahlen beherbergt, die einem Weinkeller Konkurrenz machen könnten

Ja, die Jüdin Elisabetta hat den Zweiten Weltkrieg überlebt und das, ohne Wien zu verlassen! Da muss doch mehr als Zufall im Spiel sein? Ist es auch, aber bis man es erfasst, hat man mehrere Leben gelebt bzw. diese erlesen, zumal die Romanhandlung auf zwei Zeitebenen spielt, die es nicht gerade einfacher machen, die Zusammenhänge zu erfassen..

Zumindest für mich nicht, die ich schon durch den auf mich außerordentlich komplex wirkenden Stil ordentlich ins Straucheln geraten bin und mich mit dem Buch trotz des anrührenden Inhalts bis zum Schluss nicht anfreunden konnte. Nein, es ist definitiv nicht meine Sprache, die die Autorin spricht, auch wenn es sicher eine sehr anspruchsvolle und poetische ist und ich es mir selbst anzukreiden habe, dass ich damit nicht zurecht komme. Wenn der Inhalt nicht - zumindest teilweise - ausgesprochen eindringlich gewesen wäre, wäre dieses Buch sogar komplett an mir vorbeigegangen. Nun, Bücher sind wie Menschen: man kann nicht mit jedem. Und dieses ist eines, das für andere Leser als für mich gedacht ist!

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Ein Marillenbaum und viele Erinnerungen

Elisabetta kocht seit ihrer Kindheit in den 1940er Jahren jeden Sommer Marmelade ein und jedes mal wenn sie ein Glas davon in die Hand nimmt und den süßen Duft einatmet, erinnert sie sich an ihr Leben und an ihre Familie die in Dachau ermordet wurde.

In diesem Buch steckt wohl so viel Poesie, mit der ich leider nichts anfangen konnte. Es gibt diese Bücher die einen einfach nicht mit sich reißen, obwohl viele wirklich begeistert sind. Leider ging es mir mit diesem Buch so, den ich konnte Elisabettas Erinnerungen die wirklich sehr wirr sind, nicht oft folgen. wenn ich das Buch nicht in einer Leserunde gelesen hätte, wäre der Inhalt wirklich total an mir vorbei gerauscht. Es gibt in dieser Geschichte für mich schon mal eine Rahel zu viel, den es gibt eine in der Vergangenheit und eine in der Gegenwart und Beate Teresa Hanika hat die Vergangenheit und die Gegenwart so in den Erinnerungen von Elisabetta verwebt, das ich es nicht geschafft habe, die Geschichte wirklich zu verstehen.

Der Text war zwar flüssig zu lesen, aber die Sprache und eben diese ganzen wirren Erinnerungen machten mir es nicht leicht, das Buch überhaupt zu ende zu lesen. So vieles habe ich nicht verstanden, was andere in der Leserunde wohl zwischen den Zeilen lesen konnten und an mir einfach vorbei ist.

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