Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

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Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783257069587

Informationen zum Buch

Seiten
368

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Handlungsort

Handlungsorte
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Jules und seine Geschwister Marty und Liz sind grundverschieden, doch ein tragisches Ereignis prägt alle drei: Behütet aufgewachsen, haben sie als Kinder ihre Eltern durch einen Unfall verloren. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg, sie werden sich fremd und verlieren einander aus den Augen. Vor allem der einst so selbstbewusste Jules zieht sich immer mehr in seine Traumwelten zurück. Nur mit der geheimnisvollen Alva schließt er Freundschaft, doch erst Jahre später wird er begreifen, was sie ihm bedeutet – und was sie ihm immer verschwiegen hat. Als Erwachsener begegnet er Alva wieder. Es sieht so aus, als könnten sie die verlorene Zeit zurückgewinnen, doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein.

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Leider nicht mein Buch

Nachdem „Vom Ende der Einsamkeit“ hoch gelobt wurde und ich auch bereits „Spinner“ und „Fast genial“ von Benedict Wells mit Genuss gelesen habe, dachte ich, ich könnte mit diesem Buch gar nichts falsch machen. Doch leider ist dem nicht so.

Mit dem Anfang konnte der Autor mich noch für sein Werk interessieren. Hier lernen wir die deutsch-französische Familie Moreau kennen, die Eltern und die drei Kinder Marty, Liz und Jules. Als der Jüngste, Jules, aus dessen Perspektive erzählt wird, gerade einmal zehn Jahre alt ist, kommen die Eltern bei einem Autounfall ums Leben. Die drei Kinder müssen ins Internat, zwar in dasselbe, aber trotzdem verlieren sie sich dort vollkommen aus den Augen. Jeder ist auf sich allein gestellt und versucht auf seine ganz eigene Weise, mit dem Verlust und der Einsamkeit zurechtzukommen.

Da Jules in der 1. Person erzählt, kommt man eigentlich nur ihm wirklich nahe. Die anderen Charaktere werden nur immer wieder am Rand gestreift. Das gefiel mir nicht so gut. Zuweilen wirkten speziell Marty und Liz ziemlich stereotyp. Zwar war mir Jules recht sympathisch, aber ich konnte vieles doch nicht nachvollziehen, was er machte. Er irrt durchs Leben, verliert seine Jugendfreundin, die ihm als Einzige Halt geben konnte und hadert immer wieder mit seinem Schicksal, bis ihm gegen Ende die Erleuchtung kommt:

"Noch stärker als meine Geschwister habe ich mich gefragt, wie sehr mich Ereignisse aus meiner Kindheit und Jugend bestimmt haben, und erst spät habe ich verstanden, dass in Wahrheit nur ich selbst der Architekt meiner Existenz bin." (S. 337)

Die letzten ca. fünfzig Seiten konnten mich wirklich begeistern, doch die Stecke zwischen Anfang und Ende war anstrengend. Mit den vielen Zeitsprüngen (die Handlung deckt ca. dreißig Jahre ab) kam ich nicht gut klar. Zwar gibt es immer wieder Rückblicke auf das, was in den Lücken geschah, aber für mich war das zum Teil ein ziemliches Durcheinander und auch nicht immer spannend. Vieles ist vorhersehbar, vieles wird wiederholt, und so ziehen sich die Seiten unnötig.

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»Nur gemeinsam können wir die Einsamkeit besiegen.«

Nach dem Zuklappen des Buches bleibt ein überwältigendes Gefühl zurück ... Ich bin überwältigt von all den tiefsinnigen Gedanken darin, von der Sprache, die von einer zarten Melancholie geprägt ist und von den bewegenden Schicksalsschlägen der Protagonisten.
»Vom Ende der Einsamkeit« ist nach »Fast genial« mein zweites Buch von Benedict Wells, aber das erste von ihm, das von mir den Lieblingsbuch-Status erhält.

~ Was sorgt dafür, dass ein Leben wird, wie es wird? ~
(S. 11)

Jules Moreau erzählt hierin die Geschichte seines Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen und den Erkenntnissen, die er daraus zieht. Angefangen bei seiner Kindheit, seinen Eltern und dem schrecklichen Unfall, bei dem sie zu Tode kommen. Jules erzählt, was dieser Schicksalsschlag mit ihm und seinen beiden Geschwistern Marty und Liz angerichtet hat ...

Jules ist ein Träumer, leidenschaftlicher Koch und fotografiert gerne. Aber vor allem - und das ist seine größte Leidenschaft - schreibt er unheimlich gerne (und gut). Die Einsamkeit und das Alleinsein spielt in seinem Leben seit dem Tod der Eltern eine sehr große Rolle. Auch Alva, ein Mädchen mit roten Haaren, das er ›danach‹ in der Schule kennenlernt, nimmt Raum in Jules Leben und Gedankenwelt ein. Mit Alva entwickelt sich eine der schönsten, aber auch tragischsten Liebesgeschichten, die ich jemals gelesen habe ...

~ Zu Hause erwartete mich Stille, ein mir seit Jahren vertrautes Geräusch. Doch wie sehr war mir diese Einsiedlerexistenz inzwischen zuwider, diese Unfähigkeit, am Leben teilzunehmen. Immer nur geträumt, nie wirklich wach gewesen. Sieh dich an, dachte ich, was sehnst du dich in Gesellschaft so oft danach, allein zu sein, wenn du das Alleinsein kaum noch aushältst? ~
(S. 162/163)

Sich mit der Endlichkeit des Lebens auseinandersetzen, das ist es, was Jules in seinem Leben tun muss. Erkenntnisse, wie dass im Leben nicht immer alles gerecht abläuft oder dass man sein eigenes Dasein/seine Gedanken und Handlungen selbst in der Hand hat, sprich, dass man selber dafür verantwortlich ist, was für ein Leben man führen möchte, sind ebenfalls Dinge, die Jules im Laufe der Zeit zu verstehen beginnt und annimmt.
Jules hat wirklich kein leichtes Leben gehabt, umso interessanter fand ich seine Entwicklung, die durch seine Erzählungen der Vergangenheit gut zu verfolgen war. Er macht sich oft Gedanken über die Zeit, Erinnerungen und die Vergangenheit - das Buch hat für mich also sehr viele zum philosophieren einladende Fragen bereitgehalten, die das Ganze zu einem Lesegenuss der besonderen Art gemacht haben.

~ Das Leben ist kein Nullsummenspiel. Es schuldet einem nichts, und die Dinge passieren, wie sie passieren. Manchmal gerecht, so dass alles einen Sinn ergibt, manchmal so ungerecht, dass man an allem zweifelt. ~
(S. 299)

Ich mochte an dieser Geschichte einfach alles: die Sprache, die Protagonisten, den Verlauf, die Tiefgründigkeit, die Tragik und vor allem wie all das enorm bewegende Gefühle in mir hervorrufen konnte.
Wer Bücher mit Tiefgang mag und einer flüssig-fesselnden Geschichte mit viel Liebe und Tragik nicht widerstehen kann, sollte UNBEDINGT zu »Vom Ende der Einsamkeit« greifen. Ich war und bin nach wie vor ziemlich ergriffen davon!

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Meisterhafte Erzählung, die lange nachwirkt

INHALT
Jules Moreau ist 11 Jahre alt, als seine Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen. Danach geht alles sehr schnell, er und seine beiden Geschwister - Marty und Liz - kommen in ein Internat. Dort gehen die drei Geschwister unterschiedlich mit ihrer Trauer um. Jeder scheint seinen eigenen Kampf gegen die Einsamkeit und den Schmerz zu führen, wobei sie sich immer stärker voneinander entfernen. Der stille Jules flüchtet sich in eigene Traumwelt und wird so innerhalb seiner Klasse schnell zum Außenseiter. Nur das rothaarige Mädchen Alva kann zu ihm durchdringen und mit ihm Freundschaft schließen. Später empfindet er mehr für sie, doch ihre Wege trennen sich und Schwester Liz braucht seine Hilfe. Wird sich das Verhältnis zu seinen Geschwistern dadurch bessern? Und wird er Alva jemals wiedersehen?

MEINUNG
Benedict Wells' schnörkelloser und emotional treffsicherer Sprachstil war hinreißend. Ich konnte mich sehr gut in die Hauptperson Jules und in dessen zerrissene Seele einfühlen. Der Unfalltod der Eltern hat die Geschwister getrennt, gleichwohl sie alle das gleiche Heim besuchten. Es ist erschreckend, wie schnell man durch solch ein Ereignis aus der Bahn geworfen werden kann, gerade wenn man noch ein Kind ist und noch unsicher dem Leben gegenübersteht. Liz, die ältere Schwester von Jules, rebelliert, während Jules sich in seine Traumwelt zurückzieht. Gut, dass es Alva gibt, die ihn zu verstehen scheint. Aber auch diese Bindung ist nicht für ewig. Hauptcharakter und Erzähler Jules ist ein Gebrochener zugleich Suchender. Nach den Eltern verlässt ihn auch Alva und er steht allein da, ohne Halt und doppelten Boden. Das Vergangene scheint hin nicht los zu lassen. Unentwegt macht er sich Vorwürfe und kann kein "normales" Leben führen. Diese Leere fängt Wells auf großartige Weise ein, ohne allzu sentimental zu werden. Für Jules wird das Leben mehr und mehr zum Kampf, bis er seinen Bruder und seine Schwester wiedertrift und für kurze Zeit sich seinen Erinnerungen hingibt. Chronologisch nähert sich der Autor ausgehend von den Achtzigern bis jetzt Jules wichtigsten Lebensstationen, wobei er immer wieder feine Analogien zur Kindheit, seinen Geschwistern und der Freundschaft mit Alva spinnt. Als Leser kann und will man den Roman bis zur letzten Seite nicht mehr weglegen, weil er einerseits viel menschliches Drama bietet, aber auch, man mag es kaum glauben, Hoffnung auf bessere Zeiten verbreitet. Benedict Wells Erzählung ist zutiefst menschlich. Er betrachtet die Licht-, aber vermehrt die Schattenseiten des Daseins. Die Themen Verletzlichkeit und Unentschlossenheit spielen eine große Rolle. Alles in allem ist es eine in sich geschlossene, stark verwobene Geschichte mit gelungenem Ende. Meine Quintessenz: Denn zum Schluss ist es immer die Familie, die bleibt und unterstützt.

Hier meine Lieblingszitate:
"Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird."

"Die Einsamkeit in uns können wir nur gemeinsam überwinden."

"Was folgt, ist dunkles Staunen und ein dichter Nebel, nur selten gelichtet von eigenen kurzen Erinnerungen."

FAZIT
Ein Roman, der sich tief ins Gedächtnis eingräbt und noch lange nachhallt. Absolute Leseempfehlung!

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Ein ehrlicher, bewegender Roman über Verlust und Einsamkeit...

Ich wollte schon immer ein Buch von Benedict Wells lesen, weil man mir schon oft von seinen Büchern vorgeschwärmt hat und mit dem vorliegenden Exemplar ist es mir dann endlich gelungen und ich wurde regelrecht überwältigt.

In der Geschichte geht es um Jules und seine Geschwister Marty und Liz. In jungen Jahren verlieren sie die Eltern bei einem Unfall und müssen fortan alleine zurechtkommen im Leben. Ihr gemeinsamer Internatsaufenthalt sorgt nicht gerade dafür, dass sich die Geschwister näher kommen. Wie wird dieser Schicksalsschlag ihr weiteres Leben beeinflussen?

Jules fungiert hier als Ich- Erzähler und mit ihm gemeinsam erleben wir seine Kindheit, seine Jugend und wie er trotz einiger Schicksalsschläge seinen Weg geht. Ich fühlte mich Jules auf Anhieb sehr nahe, man wird von seinem Leben einfach mitgerissen. Doch nicht nur Jules als Hauptcharakter wird sehr gut gezeichnet, wird doch auch das Leben der Geschwister intensiv beleuchtet, die ebenfalls mit dem Leben und seinen Offenbarungen zu kämpfen haben.

Das Besondere an dem Buch für mich ist allerdings die immens tolle Sprache, die der Autor verwendet, denn beim Lesen hatte ich oft eine Gänsehaut und viele zauberhafte Sätze musste ich einfach festhalten, weil sie so intensiv und emotional waren (am besten mit dem Smartphone abfotografieren).

Der Roman hat mich durch eine Berg- und Talfahrt der Gefühle mitgenommen, denn mal kann man schmunzeln, an anderen Stellen muss man jedoch auch schmerzlich weinen. Es ist wirklich kurzweilige Lektüre, die sich unheimlich schnell lesen lässt, fast einem Inhalieren gleich, und dennoch wirkt das Gelesene unglaublich lange nach. Immer wieder habe ich über die ein oder andere Szene nachdenken müssen und wollte mich in die Lage der Protagonisten hineinversetzen.

Für mich ganz klar ein Lesehighlight im Jahr 2016, an die Geschichte werde ich noch lange zurückdenken. Besonders die Szene mit dem Fuchs im zugefrorenen See wird sich auf immer in mein Gedächtnis gebrannt haben.

Fazit: Herzzerreißend emotional und bewegend, ein Buch, dass ihr nicht mehr aus der Hand legen werdet. Ich kann nur eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen, für mich ein Must- Read. Das Buch darf in keinem Regal fehlen!

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