Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz

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Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz
Verlag
ET (D)
1961
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783423002950

Informationen zum Buch

Seiten
430

Sonstiges

Erster Satz
Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei.

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Die Geschichte des Transportarbeiters Franz Biberkopf, der, aus der Strafanstalt Berlin-Tegel entlassen, als ehrlicher Mann ins Leben zurückfinden möchte, ist der erste deutsche Großstadtroman von literarischem Rang. Das Berlin der Zwanziger Jahre ist der Schauplatz des Geschehens. Dabei wird die Großstadt selbst zum Gegenspieler des gutmütig-jähzornigen Franz Biberkopf, der dieser verlockenden, aber auch unerbittlichen Welt zu trotzen versucht.

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Franz Biberkopf und ich sind lange Zeit keine Freunde geworden, doch am Ende habe ich mich doch noch mit ihm versöhnt.

Berlin Alexanderplatz erzählt die Geschichte des Ex-Sträflings Franz Biberkopf, aber nicht nur das, es zeichnet auch ein buntes Bild vom Berlin der 20er Jahre. Franz Biberkopf muss nach seinem Gefängnisaufenthalt erst wieder ins Leben zurückfinden. Er hat sich vorgenommen, ein ehrliches Leben zu führen, gerät aber früher oder später doch wieder in die falschen Kreise und lässt sich auf kriminelle Machenschaften ein.

Franz Biberkopf ist sicherlich kein Sympathieträger, er ist sogar häufig eine sehr nervige Hauptperson. Seine Naivität und Dummheit machen es dem Leser nicht gerade leicht, manchmal würde man ihn am liebsten schütteln und anschreien, wenn er wieder und wieder den falschen Leuten vertraut. Und doch habe ich mit ihm gefühlt, mit ihm gehofft und mit ihm gelitten und seine Geschichte - nach besagten Startschwierigkeiten - gern verfolgt.

Stilistisch ist das Buch sehr interessant, viele Personen sprechen Berliner Dialekt, manchmal tauchen Gedichte, Liedtext, Zeitungsausschnitte und ähnliches auf. Auch der Autor als allwissender Erzähler mischt sich ein, spricht den Leser persönlich an, gibt Kommentare ab. Alfred Döblin ist es dadurch gelungen, eine sehr abwechslungsreiche und ansprechende Geschichte rund um eine eher uninteressante Hauptperson zu konstruieren. Zusätzlich erhält man durch kleine Szenen und "Fundstücke" einen Eindruck von der Stadt, der 20er Jahre, den Leuten und ihren Probleme.

Abschließend muss ich sagen, dass es in diesem Buch sicher noch sehr viel mehr zu entdecken gibt, als ich beim ersten Lesen wahrnehmen konnte. Ich werde das Buch also in einigen Jahren nochmal lesen und bin überzeugt, dass die Bewertung dann noch besser ausfällt.

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Franz Biberkopf wird nach vier Jahren aus dem Gefängnis entlassen, wo er wegen Totschlags an seiner Freundin eingesessen hat. Er fühlt sich draußen zunächst unsicher, denn nun muß er sein Leben wieder selbst regeln statt es geregelt zu bekommen. Aber er nimmt sich vor, „anständig“ zu bleiben. Das gelingt ihm als Straßen- und Zeitungsverkäufer zunächst so einigermaßen. Einen ersten Schlag bekommt er, als ein Kumpel eine neue „Geldquelle“ von Franz überfällt. Franz beginnt zu trinken und gerät an den Psychopathen Reinhold. Dieser hat kurzlebige Frauengeschichten, und trifft mit Franz ein Arrangement darüber, daß dieser ihm die Frauen abnimmt, wenn er sie leid ist. Als Franz dieses Arrangement dann beendet, lockt ihn Reinhold in die Einbrecherkolonne, der er selbst angehört. Franz versteht erst, worauf er sich eingelassen hat, als er Schmiere stehen soll, und weigert sich, weil er doch anständig bleiben will (was angesichts seiner „Arbeit“ als Zuhälter schon reichlich naiv wirkt). Reinhold fühlt sich nun bedroht und wirft Franz auf der Rückfahrt aus dem Auto, Franz wird überfahren und verliert den rechten Arm. Trotzdem hegt er keine Rachegefühle gegenüber Reinhold, was dieser nicht glauben kann und will. Auch diessem Bedrohungsgefühl heraus macht sich Reinhold an Franz' Freundin, eine Prostituierte, heran und erwürgt sie im Affekt. Franz hat zwar mit dem Mord nichts zu tun, zieht es aber doch vor zu verschwinden. Nach einem Streit unter den Kriminellen packt Reinholds Helfer beim Verscharren der Prostituierten der Polizei gegenüber aus, nun werden Franz und Reinhold gesucht. Während einer Kneipenrazzia schießt Franz einen Polizisten an, in der Untersuchungshaft verweigert er die Nahrungsaufnahme und wird in eine geschlossene Anstalt verlegt. Reinhold wird entdeckt und für den Mord an der Prostituierten verurteilt. Franz hat ein spirituelles Erlebnis mit dem Tod, und nach der Entlassung aus der Anstalt nimmt er einen neuen Anlauf für sein Leben, indem er eine Stelle als Hilfsportier antritt.

Als Psychogramm eines Charakters, der, einmal auf die schiefe Bahn geraten, diese nicht verlassen kann, ist der Roman auf jeden Fall interessant. Der Erzähler, der sich häufig direkt an den Leser wendet, hegt offenbar Sympathie für diesen Franz, was ich nicht teilen kann. Im wohlwollendsten Fall könnte man Biberkopf naiv nennen, tatsächlich aber liegt wohl eher ausgesprochene Charakterschwäche gepaart mit Lernresistenz vor, eine Kombination, die mich furchtbar nervt. Ich weiß, daß es solche Menschen gibt, aber sie nerven mich auch im realen Leben und eigentlich muß ich darüber nicht auch noch lesen. Das wurde teilweise durch die farbige Milieustudie aufgewogen: Die Figuren haben schon alle einen sehr eigenen Zug und ihr Umgang miteinander war ähnlich speziell. Allerdings war mir keine der Figuren irgendwie sympathisch, auch für Mitleid oder eine andere Form der Anteilnahme reichte es einfach nicht. Es geht nicht darum, daß keine für mich als Identifikationsfigur taugte, das halte ich auch nicht für notwendig, aber wenigstens irgendein Gefühl jenseits von Gleichgültigkeit wäre schon gut gewesen (über Franz mit den Augen zu rollen reicht da auch nicht).

Die mehrfache Verfilmung dieses Romans überrascht mich nicht, seine ganze Struktur ist so szenenhaft und bildlich angelegt, daß es förmlich danach schreit. Dies wird von Stil und Sprachduktus noch unterstrichen. Döblin verwendet auch außerhalb der Dialoge und Gedankengänge einen sehr mündlichen, expressiven Ausdruck: Teilsätze, Jargon und Dialekt, Präsens als Erzählzeit usw. Damit wird ein gewisses Gefühl von Tempo und Gleichzeitigkeit erzeugt. Mir ist klar, daß Döblin diese Sprachform sicher mit Bedacht gewählt hat, und auch, daß sie im Kontext des Romans eine eigene und die Handlung stützende Rolle spielt – gefallen hat es mir trotzdem nicht. Und dies gilt gleichermaßen für die mit dem Holzhammer daherkommenden Opferbezüge vom Schlachthof bis zur Sammlung altestamentarischer Szenen in eher biblischer oder übertragener Fassung, weniger wäre hier für mich mehr gewesen. Spaß gemacht hat mir dann aber wieder das eingebaute „Liederquiz“ von Schnitter Tod, über Auf, auf zum Kampf! bis zu Die Wacht am Rhein. Gerade der stilistische Aspekt ist im wesentlichen für die Bewertung verantwortlich, die andernfalls besser ausgefallen wäre.

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