Peter Manseau: Bibliothek der unerfüllten Träume

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Peter Manseau: Bibliothek der unerfüllten Träume
ET (D)
2009
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Songs for the butcher's daughter
ISBN-13
9783455402001

Informationen zum Buch

Seiten
448

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Schlagworte
Erster Satz
Es ist ein weiter Weg von Kischinjow nach Baltimore.

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Dieser lebenspralle Roman erzählt die Geschichte von Itsik Malpesch: von seiner Kindheit als Sohn eines jüdischen Gänsedaunenfabrikverwalters im russischen Kischinjow, von seiner Liebe zur Metzgerstochter Sascha Bimko und von seiner Odyssee, die ihn nach Amerika bringt, wo er sich zum letzten Dichter jiddischer Sprache ernennt. Itsik Malpesch liebt schon als Junge Geschichten mehr als Talmudstudien. Statt Süßigkeiten kauft er einem Kameraden «Schuld und Sühne» für eine Kopeke pro Seite ab. Seine zweite Leidenschaft gilt Sascha, der jüdischen Metzgerstochter, die einst das Leben der Familie Malpesch während eines Pogroms rettete. Die Verschollene ist die Muse, der Itsik seine Gedichte widmet. Am Ende seiner Odyssee, die ihn über Odessa nach Amerika führt, beschert ihm das Schicksal nicht nur den wichtigen Kontakt zu Zeitungsverleger Knobloch, der in seiner Bibliothek der unerfüllten Träume jiddische Literatur sammelt. Er trifft auch Sascha Bimko wieder. Doch wie so oft im Leben des Itsik Malpesch ist sein Glück nur von kurzer Dauer.

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(Aktualisiert: 03 August 2012)
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Die unerfüllten Träume des Dichters Itsik Malpesch

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte des jüdischen Dichters Itsik Malpesch. Bis zu seinem 10. Lebensjahr wächst Itsik in Kischinjow auf. Obwohl er schon einige Repressalien gegenüber Juden mitbekommt, behält sich Itsik eine sehr naive Art bei, die schließlich dazu führt, dass er überstürzt seine Heimatstadt verlassen muss. Über Irrwege und teilweise irrwitzige Pfade verschlägt es ihn nach New York, wo er weiterhin hofft, als Dichter erfolgreich zu werden. Während seiner gesamten abenteuerlichen Lebensreise hält Itsik immer der Gedanke an seine große Liebe - Sascha Bimko - aufrecht. Obwohl er sie nie gesehen hat und nur weiß, dass sie bei seiner Geburt anwesend war, widmet er sein Leben lang alle Gedichte nur ihr.

Die Lebensgeschichte des Itsik Malpesch wird von seinem Übersetzer eingeleitet, der zu Beginn in die Geschichte einführt und der in kurzen Einschüben immer wieder in Erscheinung tritt. Dabei wird parallel zur fortschreitenden Geschichte von Itsik auch immer weiter die Geschichte des Übersetzers und wie er überhaupt dazu kam, als Übersetzer für Itsik zu arbeiten, erzählt.
Beide Erzählstränge werden jeweils in der Ich-Perspektive der jeweiligen Hauptfigur erzählt und geben somit Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren.

Zu Beginn hat mich die Lebensgeschichte von Itsik sehr fasziniert und ich war sehr gespannt darauf mehr über diesen Menschen zu erfahren. Aufgewachsen als Jude hat er es nicht leicht und macht sich sein Leben auch nicht leichter, in dem er sich jahrelang jeder anderen Sprache verweigert, nur jiddisch zu seiner einzigen Sprache erklärt und mit seiner grenzenlosen Naivität und teilweise echt Dummheit sich selber und auch den Menschen, die ihm nahe stehen, sehr schadet. Itsik kam mir oft vor wie ein Elefant im Porzellanladen. Er meint nichts böse, hinterlässt aber trotzdem viele Scherben und damit Leid.

Das ist auch mein großer Kritikpunkt: Die Hauptfigur Itsik wurde mir im Laufe des Buches immer unsympathischer und ab ca. der Hälfte des Buches hatte ich schon gar keine Lust mehr mich weiterhin mit seinem Leben zu belasten. Wie man sich so selber im Weg stehen kann und dabei mit einer unvorstellbaren Naivität zu Werke gehen kann, bleibt mir einfach ein Rätsel. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass er einfach über gar keine oder kaum Gefühle verfügt. Er berichtet eher über sein Leben, anstatt auch Gefühle zuzulassen und teilweise lies sich seine Lebensgeschichte wie ein Artikel in der Tageszeitung. Das fand ich oft sehr schade, da mir so die Figur des Itsik trotz Ich-Erzählperspektive ein Rätsel blieb.

Gut gefallen hat mir hingegen, wie die Geschichte der Juden ab Beginn des 20. Jahrhunderts bis in unsere heutige Zeit hinein beleuchtet wurde und immer wieder tatsächliche historische Begebenheiten eingeflochten worden sind. Immer wieder erschreckend zu lesen, was diesen armen Menschen nur aufgrund ihres Glaubens angetan wurde, wie sie sich aber auch noch gegenseitig angefeindet haben, wegen unterschiedlicher Glaubensausrichtungen.

Fasziniert bin ich auch davon, dass die einzelnen Abschnitte aus dem Leben des Itsik Malpesch jeweils immer mit einem Buchstaben aus dem jiddischen Alphabet überschrieben sind und immer wieder jiddische Bezeichnungen und Sätze einfließen. Nicht so überzeugt haben mich dagegen die von Itsik geschriebenen Gedichte, die immer wieder abgedruckt werden und mich jetzt nicht so unbedingt begeistert haben. Oft fand ich sie eher störend, da sie mich im Lesefluss unterbrochen haben.

Der Titel des Buches "Die Bibliothek der unerfüllten Träume" wird auch direkt im Buch angesprochen, man kann jedoch wohl das gesamte Leben von Itsik als Bibliothek der unerfüllten Träume ansehen. Sein Leben lang jagt er irgendwelchen Träumen hinter her und erst als über 90jähriger scheint er das Leben endlich begriffen zu haben. Jedoch kann er dann seine Träume nicht mehr erfüllen.

Das Ende des Buches konnte mich dann nochmal halbwegs einfangen. Obwohl ich so ein Ende dann schon fast erwartet hatte, hat es mich zwar aufgeheitert, aber dann auch nicht mehr komplett von dem Buch überzeugen können. Trotzdem war es noch ein Lichtblick und ich war dann doch froh, dass ich das Buch bis zum Ende gelesen und nicht schon vorher aufgegeben habe.

Alles in allem bekommt das Buch von mir noch drei Punkte, da ich die Idee und auch die Geschichte sehr faszinierend fand. Eine andere Hauptfigur hätte dem Buch zwar gut getan, aber vielleicht ist es gerade diese an Dummheit grenzende Naivität, die Itsik doch so lange gut durchs Leben stolpern lässt.

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