Celeste Ng: Kleine Feuer überall

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Celeste Ng: Kleine Feuer überall
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Little Fires Everywhere
ET (Original)
2018
ISBN-13
9783423281560

Informationen zum Buch

Seiten
384

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Wenn Sie ein Grundstück in der School Section kaufen, einen großzügigen Wohnsitz in den Shaker Country Estates oder eines der von uns in den verschiedenen Vierteln angebotenen Häuser, so erwerben Sie damit auch Anteile an den Golf-, Reit- und Tennisanlagen, am Segelclub, an den ausgezeichneten Schulen, sowie einen dauerhaften Schutz vor Wertverlust und unliebsamen Veränderungen.

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Es brennt! In jedem der Schlafzimmer hat jemand Feuer gelegt. Fassungslos steht Elena Richardson im Bademantel und den Tennisschuhen ihres Sohnes draußen auf dem Rasen und starrt in die Flammen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie die Erfahrung gemacht, »dass Leidenschaft so gefährlich ist wie Feuer«. Deshalb passte sie so gut nach Shaker Heights, den wohlhabenden Vorort von Cleveland, Ohio, in dem der Außenanstrich der Häuser ebenso geregelt ist wie das Alltagsleben seiner Bewohner. Ihr Mann ist Partner einer Anwaltskanzlei, sie selbst schreibt Kolumnen für die Lokalzeitung, die vier halbwüchsigen Kinder sind bis auf das jüngste, Isabel, wohlgeraten. Doch es brennt. Elenas scheinbar unanfechtbares Idyll – alles Asche und Rauch?

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Eine ruhige Geschichte über den Blick hinter perfekte Fassaden

In Shaker Heights gibt es Regeln, viele Regeln, die besagen was man tun und was man nicht tun darf. So darf der Rasen vor dem Haus nicht höher als 15 cm sein, ansonsten kommt ein strenger Brief der Stadt. Auch die Farben der Häuser sind genau geregelt. Je nach Baustil dürfen nur ganz bestimmte verwendet werden, um eine harmonische Ästhetik der Straßenzüge sicherzustellen. Ja, in Shaker Heights gibt es für alles einen Plan und das Motto der Stadt lautet „Die meisten Gemeinden entstehen einfach, die besten sind geplant.“

In dieser scheinbar perfekten Idylle lebt Mrs. Richardson mit ihrem Mann und ihren vier (natürlich geplanten) Kindern. Sie haben ein wunderschönes Haus und leben in Wohlstand ein ruhiges und beschauliches Leben, in das sich nur Izzy, die rebellische Jüngste der Familie, nicht so recht einfügen will.
Da sich Mrs. Richardson gerne als Wohltäterin sieht, vermietet sie eine freie Wohnung an die alleinerziehende Künstlerin Mia, die dort mit ihrer Tochter Pearl einzieht. Die beiden sind in den 15 Lebensjahren des Mädchens nie lange an einem Ort geblieben, aber das soll sich jetzt ändern. In Shaker Heights soll ihr Vagabundenleben ein Ende haben. Doch bereits auf den ersten Seiten des Buches wird klar, dass dies nicht gelingt, denn als diese beiden unterschiedlichen Familien aufeinandertreffen, gerät etwas in Bewegung, das am Ende dafür sorgt, dass einiges durcheinandergewirbelt wird. Jeder der Beteiligten geht verändert aus der Geschichte hervor.

Nach und nach lernt man beide Familien näher kennen. Die Jugendlichen gehen auf die selbe Schule und freunden sich schnell an. Die Entwicklung der Beziehung der jungen Leute wird toll beschrieben. Pearl hat zum ersten Mal in ihrem Leben Freunde und lernt, wie es ist, wenn man nicht nur das Nötigste besitzt.
Ihre Mutter Mia ist Fotografin, die getrieben auf der Suche nach dem nächsten perfekten Motiv ein ruheloses und minimalistisches Vagabundenleben führt. Äußerlichkeiten und die Meinung anderer sind ihr nicht wichtig. Alles was zählt sind sie und Mia.

Anhand dieser beiden Familien und ihren Mitgliedern wird deutlich wie unterschiedlich Menschen mit derselben Situation umgehen, wie sie diese beurteilen und wie wichtig sie sich selbst und ihre Meinung nehmen.

Eines der Themen ist es aufzuzeigen, wie trügerisch makellose Fassaden sein können und dass scheinbar Mittellose in mancher Hinsicht reicher bzw. zufriedener leben. Der ruhige Schreibstil spiegelt die Atmosphäre in Shaker Heights perfekt wieder. Doch er ist genauso trügerisch und indem sich die Autorin den Personen immer wieder aus einer anderen Perspektive nähert entsteht am Ende ein Gesamtbild, dass mit den anfänglichen Eindrücken kaum noch etwas zu tun hat.
Hier geht es um das ganz normale Leben, das manchmal aus den Fugen gerät, was dramatische Folgen haben kann.

Besonders gut gefallen haben mir die Frauenfiguren, egal welcher Altersgruppe, gesellschaftlicher Stellung oder Nationalität. Jede dieser Frauen hat ihre ganz eigene Geschichte, ihre Stärken und ihre Schwächen, die sie menschlich und verletzlich machen.
Interessant sind hier die unterschiedlichen Blickwinkel, aus denen die Autorin Mütter und die Beziehung zu ihren Kindern betrachtet.

Fazit: Eine ruhige Geschichte, die einen Blick hinter scheinbar perfekte Fassaden wirft und zeigt wie stark Frauen sein können, besonders wenn es um ihre Kinder geht.

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Wie es dazu kam

Die Familien Warren und Richardson sind ganz zufällig aneinander geraten. Und zwar in vielerlei Hinsicht: Durch Zufall hat Mia Warren mit ihrer Tochter Pearl ein Häuschen - bzw. einen Teil davon - von den Richardsons gemietet, ein weiterer Zufall ergab, dass sich die Kinder untereinander gut verstanden, zufällig wurde Mia zur Haushaltshilfe der Richardsons und ein weiterer Zufall bedingte die Nähe von Izzy, der jüngsten Richardson-Tochter, zu Mia. Und diese Izzy ist, die zufällig das Haus ihrer Familie angezündet hat. Angezündet haben soll.

Ganz schön viele Zufälle, meinen Sie? Ja, aber so ist es nun mal im Leben. In vielen Familien gibt es Geheimnisse, was in den meisten Fällen verständlich, unumgänglich, nachvollziehbar oder zumindest entschuldbar ist. Doch sind es diese den anderen vorenthaltenen Fakten, die zum Feuer geführt haben? Oder etwas ganz anderes? Zum Beispiel viele Kleinigkeiten? Denn: Wenn man genau hinschaut, gab es sie schon vorher - die kleinen Feuer überall. Auf völlig unterschiedliche Art und Weise.

Wie hängt das mit diesen beiden so unterschiedlichen Familien zusammen, die es - rein zufällig, wie gesagt - miteinander zu tun bekamen? Die unkonventionelle alleinerziehende Künstlerin Mia mit ihrer Tochter Pearl, einem mehr oder weniger normalen Teenager und die komplette, mehr oder weniger harmonische Familie Richardson, bestehend aus den Eltern und vier halbwüchsigen Kindern.

Im Verlauf der Lektüre lernen wir jeden Einzelnen näher kennen und erkennen, dass jeder seinen Platz in diesem nicht gerade unkomplizierten Gefüge hat. Und sehen, wie sich alles zusammenfügt. Und wieder auseinander bringt. Oder auch nicht. Auf jeden Fall werden dem Leser die Hintergründe, die zum Brand führten, enthüllt. Schritt für Schritt.

Eine ungewöhnliche Geschichte ist es, die Celeste Ng hier anbietet, die auf eine eher zurückgenommene Art - oder vielleicht gerade deswegen - besonders eindringlich und rüberkommt. Ich mag den Stil der Autorin, der die Geschichte gleichsam von hinten aufrollt und alles nach und nach aufdeckt. Dramatisch ist es zu Beginn und zum Ende hin.

Dem ein oder anderen mag dies sperrig erscheinen, doch insgesamt ist es aus meiner Sicht eine ausgesprochen lohnenswerte Lektüre, in der alle Beteiligten auf ihre eigene Art und Weise zu Wort kommen und die mich lange nicht loslassen wird!

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