Claire Fuller: Eine englische Ehe

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Claire Fuller: Eine englische Ehe
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Swimming Lessons
ET (Original)
2017
ISBN-13
9783492057912

Informationen zum Buch

Seiten
368

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Gil Coleman blickte aus dem Fenster der Buchhandlung im ersten Stock und sah seine tote Frau unten auf dem Gehweg.

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Handlungsort

Stadt
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Eigentlich hatte sie andere Pläne. Ein selbstbestimmtes Leben, Reisen, vielleicht eine Karriere als Schriftstellerin. Doch als sich Ingrid in ihren Literaturprofessor Gil Coleman verliebt und von ihm schwanger wird, wirft sie für ihn all dies über Bord. Gil liebt seine junge Frau, und dennoch betrügt er sie, lässt sie viel zu oft mit den Kindern in dem kleinen Ort an der englischen Küste allein. In ihren schlaflosen Nächten beginnt sie, Gil heimlich Briefe zu schreiben. Statt ihm ihre innersten Gedanken anzuvertrauen, steckt sie ihre Briefe in die Bücher seiner Bibliothek und verschwindet schließlich auf rätselhafte Weise. Zwölf Jahre später glaubt Gil, seine Frau wieder gesehen zu haben - und ihre gemeinsame Tochter Flora, hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, beginnt nach Antworten zu suchen, ohne zu ahnen, dass sie nur die Bücher ihres Vaters aufschlagen müsste, um sie zu erhalten ...

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Distanz statt Beziehung

Flora liegt gerade mit ihrem aktuellen Liebhaber Richard (die Bezeichnung Freund erscheint mir im Laufe des Buches immer unpassender, sie wehrt ihn ständig ab, sucht Distanz) im Bett, als sie einen Anruf ihrer Schwester erhält: Ihr Vater liegt im Krankenhaus, er hat sich beim Versuch einer Frau zu folgen, die er für seine vor Jahren verschwundene Ehefrau Ingrid hält, verletzt.

Warum Ingrid damals verschwand, erfährt man aus diversen Briefen, in denen sie ihr Beziehungsleben schildert und die sie in den Tausenden von Büchern, die im Haus verteilt sind, versteckt hat. Diese Art distanzierter Kommunikation erscheint mir typisch für die Familie, alle erwarten dass die anderen sie verstehen, ohne jemals ihre Gefühle offen zu äußern. Dass so weder eine Ehe bestehen kann, noch emotional gesunde Kinder daraus hervorgehen, ist eigentlich klar. Der schlechte Gesundheitszustand des Vaters bringt die Schwestern, Richard und am Ende auch noch ein paar alte Freunde zwar zusammen, doch die Distanz überwinden sie trotzdem nicht. Und auch für den Leser bleiben die Figuren sperrig, man sieht zwar ihre Gefühle, kann sie aber nicht nachempfinden.

„Eine englische Ehe“ erzählt eine deprimierende Geschichte. Niemand in diesem Buch ist glücklich und alle reißen sie willentlich oder wissentlich oder unschuldig die anderen mit in ihren Abgrund.

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Eine verkorkste Familie

Gil Coleman, Schriftsteller und leidenschaftlicher Büchersammler (fast könnte man schon Bücher-Messie sagen), stöbert gerade wieder einmal in der örtlichen Buchhandlung, als er glaubt, er habe gerade Ingrid vorbeigehen sehen. Ingrid, seine Frau, die seit zwanzig Jahren verschollen ist, die ihn damals mit den zwei Töchtern alleine zurückließ, deren Verbleib nie geklärt werden konnte. Außer sich verlässt er den Laden, um die Frau zu suchen, doch er stürzt und verletzt sich schwer; die Frau ist weg.

Weil er wegen der Unfallfolgen vorerst nicht alleine leben kann, reisen seine Töchter zu ihm, und es kommt, wie es kommen muss, die alten Konflikte und unverarbeiteten Probleme brechen sich neue Bahn.

In Briefen, die Ingrid kurz vor ihrem Verschwinden an Gil geschrieben und in diversen Büchern versteckt hat, wird parallel dazu die Vorgeschichte deutlich: Mitte der 70er Jahre kommt die Norwegerin Ingrid zum Studium nach England und verwickelt sich in eine Affäre mit Gil, ihrem Professor, eine stürmische Angelegenheit mit vielen Aufs und Abs.

Als Ingrid ungeplant schwanger wird, heiraten die beiden und ziehen in ein Häuschen auf einer Insel im Süden, einen zum Wohnhaus umgebauten früheren Badepavillon. Nach der Geburt ist Ingrid mit dem Baby mehr oder weniger auf sich gestellt, Gil zieht sich in sein "Schreibzimmer" in einem Nebengebäude zurück und beteiligt sich kaum am gemeinsamen Leben.

Das geht in den darauffolgenden Jahren so weiter, und Ingrid fragt sich immer öfter, ob das jetzt alles war - Kinder, Alltag, nicht mal ein abgeschlossenes Studium und nur wenig Anerkennung von ihrem Mann. Trost findet sie nur beim Schwimmen im Meer, und selbst das nimmt ihr Gil manchmal krumm, während er sich nach wie vor ins Schreiben und in seine Bücher flüchtet.

Das Buch beginnt vielversprechend mit dem Satz "Gil Coleman blickte aus dem Fenster der Buchhandlung im ersten Stock und sah seine tote Frau unten auf dem Gehweg", der die Neugier weckt und Appetit auf eine ungewöhnliche Familiengeschichte macht. Auch der Aufbau des Buches, in dem sich die auktorial erzählte Gegenwartshandlung mit Ingrids Briefen, in denen sie ihre eigene Geschichte schildert, abwechseln, ist geschickt gewählt. Bei den Colemans wirkt sich die Vergangenheit besonders stark in die Gegenwart hinein aus.

Mit den Personen warmzuwerden fällt allerdings recht schwer. Insbesondere Flora, die jüngere Tochter, aber auch Ingrid und Gil sind spröde und schwer fassbar, ihre Beziehung zu anderen sind nicht ohne Gefühle und Leidenschaften, aber durch die Bank verkorkst und manchmal sogar regelrecht ungesund. Selbst die Anfänge von Gils und Ingrids Studentin-Professor-Affäre kommen seltsam freudlos und humorlos daher, und Ingrids weiteres Leben ist auch weitgehend trostlos, sie verliert sich selbst, während sie auf der Insel quasi festsitzt und von ihren Mutterpflichten und düsteren Gedanken erdrückt wird.

Die Figuren erscheinen oft überspannt, tun Dinge, die kaum nachzuvollziehen und spürbar auf "Merkwürdigkeit" hin konstruiert sind: Flora malt ihrem Freund mit Edding ein Skelett auf die Haut, das er tagelang nicht abwäscht; Ingrid versteckt ihre Briefe in Büchern, statt sie Gil zu geben; Flora läuft ständig in einem alten Ballkleid herum, das mal ihrer Mutter gehört hat ... Für mich war das zuviel des Guten bzw. Seltsamen und dem Gesamteindruck des Buches ziemlich abträglich.

Bei aller Kritik hat mich das Buch aber trotzdem bei der Stange gehalten, weil ich wissen wollte, was wirklich mit Ingrid passiert ist und weil es in beiden Handlungssträngen einige überraschende Wendungen gab. Am Ende war ich dann auch halbwegs versöhnt.

Eine Extra-Erwähnung verdient das schlicht-schöne Cover und das in hübschem Wellenmuster gehaltene Vorsatzblatt.

Die Übersetzung hingegen hat mich oft geärgert, hier wurde viel zu viel wörtlich übersetzt, im Deutschen unübliche Begriffe verwendet (beispielsweise heißt es Fruchtblase, nicht Fruchtwasserblase) oder ganz falsch übersetzt. Und kein Mensch sagt in einem alltäglichen Familiengespräch "Mobiltelefon". Ich habe mich immer wieder gefragt, ob mir das Buch im Original nicht vielleicht um einiges besser gefallen hätte, wenn mir nicht ständig solche sperrigen Stellen das Lesen verleidet hätten.

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Szenen einer (englischen) Ehe - mit Schwimmlektionen...

"Eine englische Ehe" von Claire Fuller ist ein Débutroman, der (aus dem Englischen Original mit dem Titel "Swimming Lessons" übersetzt von Susanne Höbel) im Piper-Verlag als HC, gebunden mit Lesebändchen, 2017 erschienen. Das schöne Cover, das sowohl im Original als auch auf Deutsch das Buchäußere ziert, passt sehr gut zu einer Frau, die es liebt, frühmorgens im Meer zu baden...
Der Roman beginnt im Prolog mit einer Szene, in der Gil Coleman, ein Literaturprofessor und angesehener Schriftsteller Anfang 40, seine seit vielen Jahren totgeglaubte Frau Ingrid zu sehen und kurz später verunglückt. Flora, seine jüngste Tochter und Nan, die Ältere, fahren zu ihrem Vater, da er in der nächsten Zeit nicht alleine sein kann....
Ingrid, die Studentin, die sich einst in ihren Professor Gil verliebte und mit ihm eine Liebesbeziehung einging, entgegen der Warnungen einiger Freunde diesen auch heiratete, verschwand spurlos und verließ die Familie, als Flora gerade 10 Jahre alt war. Auffallend ist hier der große Altersunterschied des Ehepaares, wobei Ingrid wusste, bevor sie die Ehe mit ihm einging, dass er als Frauenheld verschrien war. Gil sammelt zeitlebens Bücher wegen der Anmerkungen und Kritzeleien von Lesern oder Fotos, Quittungen etc. die sich oft in Büchern befinden, so ist sein Haus voller Bücher.Während Nan sich mit dem Verlust der Mutter abfindet und in deren Rolle schlüpft, trifft es die jüngere Flora umso heftiger, die sich fortan nach ihrer Mutter sehnt und in deren Kleider schlüpft...
In Rückblicken beschreibt Ingrid in Briefen an Gil, die sie stets (thematisch passend) in seine Bücher steckte und die seine häufige Abwesenheit und ihre Sehnsucht nach ihm bezeugen, die Anfänge ihrer Beziehung. Der zweite Erzählstrang handelt von Flora, die wohl vieles mit der Mutter gemeinsam hat und ebenso gerne frühmorgens im Meer schwimmen geht - die Familie lebt an der englischen Küste, der Strand ist unweit vom Haus. In den Worten Ingrids liegt anfangs eine gewisse Naivität, die ihrem Alter geschuldet ist - sie ist Anfang 20 - und der unschönen Situation, meist mit den Mädchen alleine zu sein, während Gil unter der Behauptung, sich mit Verlagsmitarbeitern zu treffen oder Besprechungen zu haben, seine Bücher betreffend, sie betrügt.
Als Nan, die erste Tochter, zur Welt kommt, wird Ingrid bewusst, dass nun die Idee, mit ihrer Studienfreundin Louise zu reisen und sich die Welt anzusehen, in weite unerreichbare Ferne rückt...
Während Floras Geschichte in der Gegenwart spielt, ihren Freund Richard mit einschließt, der für den erkrankten Vater eine Hilfe sein möchte und die morbiden Familienstrukturen, auch anhand diverser Reaktionen von Flora, erkennt, liest man immer mehr von Ingrids Briefen, die in die (eheliche) Vergangenheit reisen: Mich hat die Tatsache, dass der wesentlich ältere Gil mit einer solch jungen und lebensfrohen Frau eine Familie gründen wollte (für sein eigenes Ego?) und sie dann nicht nur alleine lässt, sondern auch betrügt, sehr an diesem Protagonisten geärgert: Seine Selbstsucht und auch die Verantwortungslosigkeit für beide Töchter sind anhand seines beschriebenen Verhaltens sehr ersichtlich; während er seine Familie kurzerhand an der Küste "parkt", vergnügt er sich gerne in London und führt im Grunde sein voriges Leben weiter, während Ingrid die Freiheit gesucht hatte und in ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau gefangen war. Die einzige Freiheit findet sie beim allmorgendlichen Schwimmen im Meer, wo sie bis zur Boje schwimmt und - zurück.
Während gegen Ende des Romans die Emotionen hochschlagen, wird das neue Buch von Gil ein Erfolg - den er im Grunde seiner Frau Ingrid zu verdanken hat. Es folgt eine weitere Kränkung Ingrids...
Der Stil von Claire Fuller hat mir sehr imponiert und auch gefallen; sie erzählt in sensibler Sprache und eher leisen Tönen vom Schicksal einer jungen Frau, die in ein Leben "geschubst" wurde, das sie im Grunde gar nicht wollte. Statt einem eintönigen und verantwortungsvollen Eheleben wollte sie die Welt bereisen, Abenteuer erleben - und eigene Wünsche und Vorstellungen erfüllen. Diese tragische Entwicklung und das Schwimmen als Ausgleich und Ingrids Ausdruck von Lebensfreude und Freiheit durchziehen den gesamten Roman. Die Figur des Gil war mir sehr unsympathisch, da ich ihn selbstsüchtig, untreu und durch stete Abwesenheit glänzend beschrieben fand. Für Ingrid hätte ich mir ein Leben gewünscht, das nach ihren Vorstellungen hätte verlaufen können. Das Trauma , in diesem Falle die elementare Erfahrung des Verlusts der Mutter, kommt durch Flora sehr gut zum Tragen.
Andere Themen des Romans sind auch Verrat, Betrug, Verzweiflung, aber auch Freundschaft, die bei Jonathan sowohl zu Gil als auch zu Ingrid zutage tritt. Leider bleibt bis zum Ende unklar, ob Ingrid noch am Leben ist - oder dieses vielleicht selbst beendet hat. Ich habe da meine eigene Theorie...

Fazit:
Ein ernsthafter, durchaus lesenswerter und sehr sensibel geschriebener Roman über den verhinderten Lebensentwurf einer jungen Frau; tragisch, teils von Melancholie begleitet, dessen englischen Titel ich hier noch passender fand. Ich vergebe gerne 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Leser von Beziehungsromanen, die zum Nachdenken anregen.

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