Cynthia D'Aprix Sweeney: Das Nest

Cynthia D'Aprix Sweeney: Das Nest

 
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Cynthia D'Aprix Sweeney: Das Nest
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Nest
ET (Original)
2016
ISBN-13
9783608980004

Informationen zum Buch

Seiten
416

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Erster Satz
Während die anderen Gäste unter einem Sommerabendhimmel über die Terrasse des Beachclubs flanierten, wo sie verkniffen an ihren Cocktails nippten, um zu überprüfen, ob die Barkeeper wirklich den besten Stoff verwendeten, auf Papierservietten kleine Cupcakes balancierten und dabei passend bemerkten, was für ein Glück sie mit dem Wetter hätten – morgen soll es ja wieder schwül werden – oder Unpassendes über das zu enge Satinkleid der Braut murmelten und sich fragten, ob das ausladende Dekolleté schlecht geschnitten oder schlechter Geschmack war – ein 'Look' wie ihre eigenen Töchter sagen würden – oder der überraschenden Gewichtszunahme zu verdanken und sich dann zuzwinkerten und witzelten, bald müsse sie wohl die Toaster gegen Windeln eintauschen, verließ Leo Plum die Hochzeit seines Cousins mit einer der Kellnerinnen.

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Handlungsort

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Melody, Jack, Bea und Leo sind Geschwister. Sie sind in ihren Vierzigern, stehen mitten im Leben und sie haben immer gewusst, sie würden eines Tages erben. Aber was, wenn die Erbschaft ausbleibt? Ein warmherziger, humorvoller und scharfsinniger Roman darüber, wie der Kampf ums Geld Lebensentwürfe und Familien durcheinanderbringen kann.

Als Kinder haben sie einander geneckt, als Erwachsene verbindet die Geschwister Melody, Jack, Beatrice und Leo Plumb nur noch eine gemeinsame Erbschaft. Mitten in der Finanzkrise brauchen alle dringend Geld. Melody, Hausfrau und Mutter, wachsen die Ausgaben für ihr Vorstadthäuschen und die Collegegebühren ihrer Töchter über den Kopf. Antiquitätenhändler Jack hat hinter dem Rücken seines Ehemanns das Sommerhaus verpfändet. Beatrice, erfolglose Schriftstellerin, will endlich ihr Apartment vergrößern. Doch kurz bevor das Erbe ausbezahlt wird, verwendet ihre Mutter es, um Playboy Leo aus einer Notlage zu helfen. Unfreiwillig wiedervereint, müssen die Geschwister sich mit altem Groll und falschen Gewissheiten auseinandersetzen. Aber vor allem müssen sie irgendwo frisches Geld auftreiben.

Autoren-Bewertungen

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Mehr Schein als Sein

Vier nicht mehr ganz junge Geschwister, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die New Yorker Melody, Jack, Bea und Leo Plumb sind ihr Leben lang davon ausgegangen, dass sie eines Tages von ihrem Vater erben - und das nicht zu knapp. Doch was, wenn diese Annahme nie eintritt? Was geschieht dann mit den Schulden unter anderem aus Studienzeiten, den Bildungsansprüchen der eigenen Kinder und den Sümmchen, die man einfach zur Sicherheit anlegen wollte?

Der vom angelegte Treuhandfonds - auch 'Nest' genannt - soll zum 40. Geburtstag der jüngsten Tochter Melody ausgezahlt werden. Zumindest sind davon alle Geschwister ausgegangen, doch dann kreuzt ihre eigene Mutter ihre jahrelang gehegte Annahme, die sie alle dazu veranlasst hat, über ihren Verhältnissen zu leben. Um so ernüchterter sind Jack, Bea und Melody als sie feststellen müssen, dass ihre eigene Mutter den Fond bereits aufgelöst hat, um die komplette Summe Leo zur Verfügung zu stellen. Leo, ein Luftikus und Frauenheld, ist nämlich in eine unrühmliche Situation geraten und die Mutter, die die Finanzen nach dem Tod ihres Mannes verwaltet, stellt ihm sämtliche Millionen aus dem 'Nest' zur Verfügung, um den drohenden Skandal abzuwenden.

Leo soll sich nun darum bemühen, sie alle auszubezahlen - immerhin war er es, der die Erbschaftsträume zunichte machte. Leo nimmt diese Aufgabe an, verspricht, sich etwas einfallen zu lassen. Doch natürlich hält das alles nicht lange! Leo hat die nächste Frau an der Angel und verschwendet keinen Gedanke mehr daran, dass seine Handlungen seine Schwestern und seinen Bruder um ihren Anteil gebracht hat. Folglich versuchen die drei leer ausgegangenen Geschwister nun zwangsweise selbst, mit der Situation umzugehen und Lösungen zu finden...

"Das Nest" ist witzig und manchmal bitterböse, denn alle vier Hauptpersonen haben ihre Fehler, die natürlich in all der Enttäuschung besonders stark zu Tage treten. All die Jahre haben sie sich darauf verlassen, dass die angehäuften Schulden mit einem Schlag Vergangenheit sind - und nun das!

Cynthia D'Aprix Sweeney hat mit ihrem Debüt einen sehr unterhaltsamen Roman vorgelegt, der vor allem durch seine gegensätzlichen, dennoch glaubhaften Figuren überzeugt. Ich mochte keinen der vier wirklich, aber ich habe ziemlich gerne von ihnen gelesen. Ehrlicherweise ist es einfach ein spannender Ausgangspunkt, wenn auf ein Erbe so schamlos hingearbeitet (im Sinne von Schulden anhäufen) wird und dann alles verschwindet: wie das Tischtuch, das unter all dem Porzellan und Glas auf dem Tisch mit einem Ruck weggezogen wird. Die Schulden bleiben, aber die Basis all dessen ist weg...

Neben den Charakteren sind vor allem auch die Wendungen und die beständigen Wechsel der unterschiedlichen Perspektiven dafür verantwortlich, dass das Buch stets unterhaltsam bleibt. Außerdem spannt die Autorin einen weiten Bogen und legt den Fokus nicht nur auf die finanziellen Schwierigkeiten der Plumbs, sondern gewährt auch Einblicke in den kulturellen Alltag New Yorks, erzählt von frustrierten Schriftstellern, Drogenmissbrauch, generell schlechten Entscheidungen, 9/11 und Homosexualität - um nur einige Themen zu nennen. Um die Tiefe der Hauptpersonen zu verdeutlichen, kommen auch diversen Nebenfiguren zu Wort, so dass Melody, Jack, Bea und Leo noch besser nachvollziehbar sind. Aber genau da ist für mich ein kleiner Minuspunkt zu finden, denn ich empfand die Geschichte ab und an fast ein bisschen überfrachtet.
Dennoch hat mich diesen Buch richtig gut unterhalten!

Kurzum: Eine Geschichte von mehr Schein als Sein. Unterhaltsam, witzig und durchaus klug!

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(Aktualisiert: 24 November 2016)
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Leichter unterhaltsamer Familienroman

Leo, Beatrice, Jack und Melody sind vier New Yorker Geschwister. Sie sind so unterschiedlich wie die vier Vögel auf dem Buchcover. Vor Jahren hat ihr mittlerweile verstorbener Vater eine Geldanlage zu ihren Gunsten getätigt, die sich positiv entwickelt hat und zu gleichen Teilen unter ihnen aufgeteilt werden soll, sobald Melody, die Jüngste, 40 Jahre alt wird. Dieses Geld, von den vieren "Das Nest" genannt, wäre für jeden ein sechsstelliger Dollarbetrag. Doch kurz vor diesem Termin verursacht Leo schuldhaft einen Unfall, es muss eine Entschädigung gezahlt werden, die aus dem Nest-Fonds geschöpft wird, was das zu erwartende Erbe für die Geschwister auf ein Zehntel verringert.

Bea, Jack und Melody jedoch haben schon seit langem mit dieser Finanzspritze gerechnet und obwohl sie recht wohlsituiert sind, haben sie es geschafft, über ihre Verhältnisse zu leben und sich in mehr oder weniger tiefe finanzielle Schwierigkeiten zu manövrieren, für die das "Nest" die langersehnte Rettung bedeutet hätte. Was nun? Als den dreien klar wird, dass sie das Geld von Leo wohl nicht zurückbekommen werden, entwickelt jeder seine eigene Strategie, mit der angespannten Finanzlage fertigzuwerden.

Die Geschwister sind nun gezwungen zu handeln, sich zu ändern, Verantwortung zu übernehmen, was Auswirkungen auf ihr Leben und ihre familiären Beziehungen hat. Dies ist spannend zu lesen. Doch geht es in der Geschichte nicht nur ums Geld, vielmehr ist sie vor allem ein Kaleidoskop des Lebens in New York in etlichen Facetten. Der Bogen, der gespannt wird, reicht über New Yorker Kulturleben, Jugendprobleme, Homosexualität, Probleme illegaler Einwanderer bis zu den Ereignissen des 11. September 2001. Es gibt es Schilderungen des alltäglichen Lebens, Rückblicke in die Vergangenheit der Geschwister, und einige Kapitel drehen sich auch um ihre Lebenspartner, Kinder, Kollegen und sonstigen Bezugspersonen.

Das ist interessant und kurzweilig beschrieben, die Charaktere der Personen sind gut herausgearbeitet, doch aufgrund der Vielfalt der Personen und Handlungsstränge bleibt einiges zu knapp, was ich mir am Ende etwas ausführlicher ausgearbeitet gewünscht hätte. Etwas mehr Tiefe wäre schön gewesen. Und man versteht das Buch besser, wenn man sich ein wenig mit den Lebensumständen in den USA und insbesondere mit New Yorker Gegebenheiten und Personen auskennt (ich musste einige Namen und Örtlichkeiten nachschlagen).

Fazit: unterhaltsame Lektüre für Liebhaber von Alltagsgeschichten und Familiengeschichten.

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Benutzerkommentare

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Familiengeschichte vom Flügge werden

Auf dem Cover vier verschiedene Vögel. Und so verschieden sind auch die vier Plumb- Geschwister aus New York. Was sie verbindet ist die Aussicht auf ihr Erbe, das sie in ihren 40igern erhalten werden, liebevoll von allen das Nest genannt, der vermeintlich sichere Rückzugsort auf den alle so sehnsüchtig warten. Doch von dem erhofften und fest eingeplanten Geld ist nach einem Unfall von einem der Geschwister kaum noch etwas übrig. Notgedrungen müssen sich die Geschwister nicht nur miteinander, sondern auch mit ihrer eigenen Lebensplanung auseinandersetzen. Eine spannende, gut erzählte Tragikomödie mit unerwarteten Wendungen und tiefen Einblicken, atmosphärisch dicht und mit authentischen Charakteren in einem flüssig, angenehmen Schreibstil. Eine mal etwas anders erzählte Familiengeschichte, die mich überzeugt hat.

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Einen sicheren Hafen

bzw. eine Heimat im Sinne von Geborgenheit und Rückhalt haben die vier Plumb-Kinder - zumindest auf dem Papier seit Ewigkeiten erwachsen - schon lange nicht mehr, wenn sie überhaupt je sowas hatten. Früh zu Halbwaisen geworden, hat sich ihre exzentrische, stets dem Alkohol zugeneigte Mutter doch eigentlich nur um sich selbst gekümmert. Und auch sonst, untereinander gab es stets wenig Halt: dafür waren und sind Leo, Bea, Jack und Melody einfach zu unterschiedlich. Doch über all die Jahre, durch alle Widrigkeiten hindurch, gab es immer etwas, woran sie sich festhalten konnten, nämlich das "Nest" - einen erklecklichen Fond für alle vier, der ihnen offenstehen sollte, wenn Melody, die Jüngste von ihnen, ihren vierzigsten Geburtstag hinter sich hat, was zu Beginn dieses Buches nicht mehr lange dauern wird. Allerdings wird dieser Fond ausgerechnet von ihrer Mutter, der unzuverlässigsten Person unter der Sonne verwaltet und so erfüllt sie auch in diesem Falle nicht die Erwartungen aller. Denn Leo, der Älteste, gerät in eine Notsituation, in der sie ihm kurzerhand die gesamte Summe - mehrere Millionen - zur Verfügung stellt.

Ein schwerer Schlag für die restlichen Geschwister, hatten sie doch schon alle mit dem Geld gerechnet. Und es teilweise bereits einkalkuliert in ihre Lebensplanung. Und nun?

Wir lernen in diesem Roman alle vier Plumb-Geschwister und ihr jeweiliges Umfeld, ihre Familien kennen, es wird uns vorgeführt, was Familie NICHT sein sollte. Oder kann Leo das Geld rechtzeitig retournieren? Springen die anderen über ihren Schatten und helfen sich gegenseitig aus der Patsche? Lesen Sie selbst, es passiert so einiges Unvorhergesehene und sie werden Bekanntschaft mit einigen Charakteren der besonderen Art machen.

Die Autorin Cynthia D'Aprix Sweeney hat einen klassischen Familienroman geschaffen und gleichzeitig etwas überraschend Neues. Wie in diesem Genre üblich, werden die Charaktere demaskiert und zeigen in der Krise ihr wahres Gesicht. Ebenso wie ihr Umfeld - in einigen Fällen entspricht dies den Erwartungen, die der Leser früh entwickelt, in anderen wird man total überrascht. Trotzdem - ich zumindest war durchgehend froh, am Rande zu stehen und nicht zu dieser Familie zu gehören, die etwas Gestörtes, etwas Zerstörendes an sich hat. Aber - haben das nicht alle Familien? Nun, ich würde sagen, definitiv nicht in diesem Ausmaß, wenn überhaupt.

Das Buch liest sich ausgesprochen süffig, der Stil ist sowohl ausdrucksstark als auch unterhaltsam, die Charaktere gut gezeichnet. Einige wenige Male war ich ein bisschen enttäuscht von den inhaltlichen Entwicklungen - hier hätte es ein wenig mehr, da wieder etwas weniger sein dürfen. Doch das sind persönliche Wünsche, die ebenso auf meinen Lese- wie auch auf meinen Lebenserfahrungen fußen. Insgesamt ist dies ein spritziger, unterhaltsamer, teilweise auch erschütternder, ja schockierender, doch immer wieder auch humorvoller Roman über eine New Yorker Familie der Gegenwart. Eine brilliante Unterhaltung an dunklen Herbsttagen!

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Locker, leicht und ein wenig zynisch


Von queenbee_1611




Geld ist kein Problem. In dem Bewusstsein wachsen vier Geschwister auf, die davon ausgehen, dass sie irgendwann ein erhebliches Vermögen erben. Entsprechend hat man auch einen gehobenen Lebensstandard, baut eher Schulden auf, als dass man sich Geld zur Seite legt und überträgt die eigene Lebenseinstellung auch noch auf die Stammhalter. Das Vermögen, auf das alle spekulieren, bekommt nun jedoch ein einzelner, der entgegen der gemachten Versprechungen natürlich nicht vorhat den übrigen Geschwistern ihren Anteil auszuzahlen. Doch die bleiben nicht untätig und versuchen auf ihre Art und Weise ihren Anteil am Kuchen zu erhalten. Wer eine solche Familie hat, braucht keine Feinde mehr.

Die Autorin versteht es den Leser bei der Stange zu halten. Ständige Wendungen in der Geschichte und Perspektivwechsel lassen einen Spannungsbogen entstehen, der Spannung und Interesse erzeugt. Auf alle Fälle ein Buch, wenn man ein locker, leichtes und auch ein wenig zynisches Buch lesen möchte.

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