Daniela Ohms: Wie Treibholz im Sturm

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Daniela Ohms: Wie Treibholz im Sturm
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783426654316

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Drückend und schwer lag die Hitze über Hamburg, wie eine zähe Schicht aus frisch gekochtem Gelee, die noch nicht erhärtet war, in der aber jede Bewegung zum Erliegen kam, weil es zu anstrengend wäre, dagegen anzukämpfen.

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Eine winzige, unbeheizte Dachkammer auf einem Gutshof in Schleswig-Holstein ist Hannahs Zuhause, seit sie aus Hamburg evakuiert wurde. In einer einzigen Bombennacht hat sie ihre gesamte Familie verloren. Als weitere Flüchtlinge nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem überfüllten Hof eintreffen, muss Hannah die Kammer teilen, und das Wunder geschieht: Der halb verhungerte Soldat Moritz reißt sie aus ihrer Lethargie. Mit ihm sammelt sie Treibholz am Strand, um zu heizen. Mit ihm zusammen will sie den Hungerwinter, der in Schleswig-Holstein herrscht und den Flüchtlingen schwer zusetzt, überleben. Doch als sie sich näherkommen und beginnen, sich ihre Geschichten zu erzählen, muss Hannah erfahren, dass Moritz nicht bleiben kann …

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Großartig und bewegend! Leseempfehlung!

Hannah hat als Einzige aus ihrer Familie die Operation Gomorrha überlebt und ist nun in einer Kammer eines Nebengebäudes auf einem Gut in Schleswig-Holstein untergekommen. Als immer mehr Menschen eintreffen, müssen alle Evakuierten und Flüchtlinge zusammenrutschen - auch die junge Frau muss daraufhin ihr winziges Zimmer teilen. Die bereits zweiten Mitbewohner sind drei ehemalige Wehrmachtssoldaten, mit denen Hannah - nach kleineren Startschwierigkeiten - eine vorsichtige Freundschaft beginnt. Alle Bewohner der häufig unbeheizten Kammer sind stark traumatisiert und haben mit sich zu kämpfen - doch sie sind auch ein Stück weit Überlebenskünstler, die alles dafür geben, um irgendwie über die Runden zu kommen. Gemeinsam wird die Schicksalsgemeinschaft versuchen, sich bestmöglich zu unterstützen und so den Hungerwinter 46/47 zu überleben.
Doch einer der vier macht besondere Sorgen: der junge Mann mit dem roten Schopf, den die anderen beiden - Egon und Freddie - „Fuchs“ nennen, da er kein Wort verlieren mag - nicht einmal seinen Namen. Halb verhungert, wirkt der ehemalige Soldat die meiste Zeit stark in sich gekehrt, abwesend. Trotz dieses Eindrucks schafft ausgerechnet „Fuchs“, Hannah aus ihrer ewigen Trauer und Lethargie zu reißen - mit ihm muss sie nicht reden, aber immerhin leistet er ihr beim Sammeln von Treibholz oder beim Sammeln von Früchten Gesellschaft. Doch als sich Hannah und der „Fuchs“ ganz langsam öffnen, muss die junge Frau erkennen, dass Moritz, wie der „Fuchs“ in Wirklichkeit heißt, nicht bleiben kann…

Daniela Ohms hat bei diesem Roman extrem viel Fingerspitzengefühl bewiesen. Nicht nur, dass sie die mitunter sehr trostlose Situation der Menschen damals realistisch schildert, sie fängt auch ihre persönlichen Sorgen und Nöte derart gelungen ein, dass mir als Leserin kaum etwas anderes übrig geblieben ist, als berührt zu sein. Dabei empfinde ich das Thema als eine Gratwanderung, da das Leid der Flüchtlinge oftmals instrumentalisiert wurde - darüber darf man in meinen Augen aber niemals vergessen, wer Auslöser des ganzen Elends war. Hier hilft vor allem Hannah als Hauptfigur, die gänzlich unschuldig in diese ganze Situation geraten ist und nun stellvertretend für so viele um ihr Leben und ihre Zukunft kämpfen muss. Anhand der ehemaligen Soldaten zeigt die Autorin die Schuld einzelner im Getriebe des Angriffskrieges und ihren individuellen Umgang damit. Sehr eindringlich sind hierbei vor allem die Rückblenden mit den Erlebnissen Moritz’, die die Grenze zwischen Täter und Opfer verwischen lassen. An wirklich keiner Stelle schont Daniela Ohms ihre Leser*innen, sondern sie beleuchtet die Ereignisse bis hin zu den seelischen Verwundungen, die der Vernichtungskrieg bei fast allen hinterlassen hat.

Mit „Wie Treibholz im Sturm“ habe ich einen Roman gelesen, der komplett stimmig in sich ist. Perfekt recherchiert, mit wichtigen Details gespickt und gekonnt erzählt, hat der Roman nicht nur alles, um sehr gut zu unterhalten. Nein, meiner Meinung nach ist er auch ein Lehrstück darüber, was Hass, Vernichtungswahn und Krieg mit unschuldigen, jungen Menschen macht. Mit bemerkenswertem Geschick erzählt die Autorin von Schuld, seelischen Schmerzen, Trauer und dem Versuch, mit all dem leben zu können - und trieb mir dabei nicht nur einmal die Tränen in die Augen.

Ein Roman wie ein Lehrstück - vor allem wenn man nach all den Emotionen beim Nachwort angelangt und begreift, dass Daniela Ohms einen grandiosen wie wichtigen Bogen zu heutigen Flüchtlingsströmen zieht. Ich wünsche mir, dass dieses Buch viele, viele Leser*innen findet!

Schlicht und ergreifend großartig! Anfang Juni kann ich mit Sicherheit feststellen, dass „Wie Treibholz im Sturm“ zu meinen absoluten Highlights dieses Jahr zählen wird.

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Ein Jahreshighlight

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wird Hannahs Heimatstadt Hamburg schwer zerbombt. Sie verliert dabei ihre gesamte Familie und das Dach über dem Kopf. Mit Tausenden von Flüchtlingen landet sie auf einem Gut in Schleswig-Holstein. Die Verletzungen des Körpers und der Seele nagen schwer an den Menschen, die hier auf engstem Raum Hunger und Kälte erdulden und verzweifelt ums Überleben und einen Neuanfang kämpfen. Bei Hannah werden drei junge Soldaten frisch von der Ostfront einquartiert. Auch sie leiden unter schweren Kriegstraumata, einer unter ihnen, der rothaarige Fuchs, hat sogar das Sprechen verlernt. Nach und nach akzeptieren die vier die Zweckgemeinschaft und fangen an, gemeinsam nach Nahrung und Holz zu suchen und durch zögerliche Nähe und Freundschaft zur Ruhe zu kommen. Dabei ist es vor allem der stumme und scheue Fuchs, für den Hannah Gefühle entwickelt. Nur zu gerne würde sie erfahren, was ihm passiert ist, denn sie glaubt, ihm helfen zu können, aus seiner Depression herauszufinden.

Wer den Klappentext von Daniela Ohms neuem Roman „Wie Treibholz im Sturm“ gelesen hat, der ahnt, dass es sich hier nicht um eine einfache leichte Liebesgeschichte handelt. Dieses Buch erzählt mit eindringlichen und ehrlichen Worten vielmehr von den Menschen, die den Krieg überlebt haben. Von denen, die ihre Heimat verloren und ihre Liebsten sterben gesehen haben , aber auch von den Soldaten, die der Krieg zu grauenhaften Taten gezwungen hat, weil sie Befehlen gefolgt sind aber auch, weil sie nichts weiter als einfach überleben wollten. Alle Darsteller der Geschichte haben mehr oder weniger schwere Traumata zu verarbeiten. Auch die Frauen, die daheim geblieben sind, mussten Schlimmes erleben. Die immense Zahl der Flüchtlinge stellte dabei die Bevölkerung auf dem Land vor große logistische und versorgungstechnische Probleme. Und die seelischen Wunden wurden nicht behandelt, sondern jeder musste selbst versuchen damit umzugehen. Wenn ein ganzes Volk einen Krieg überlebt hat, gibt es niemanden mehr, der unverletzt geblieben ist.

Das Buch schildert nicht nur die Situation nach Kriegsende sondern erzählt auch in Rückblenden, was die Protagonisten, vor allem Hannah und der Fuchs, im Krieg erlebt haben. Vor allem diese Abschnitte sind erschütternd und wühlen den Leser auf. Die Geschichte verfolgt einen auch nachdem man den Roman zur Seite gelegt hat. Man spürt, dass es genau solche Schicksale zu Tausenden damals gegeben hat – und sie heute noch nach jedem Krieg überall auf der Welt gibt. Die Verzweiflung und die Schuldgefühle aber auch das Sehnen der Flüchtlinge nach einer neuen Zukunft und nach Liebe und Vergebung sind übermächtig und die Autorin findet dafür eine wahrhaftige Sprache mit der sie auch unsägliche Gräuel und tiefsten Schmerz einfühlsam beschreibt.

Für mich war diese Geschichte ein großes Jahreshighlight. „Wie Treibholz im Sturm“ könnte nicht aktueller sein, obwohl die Geschehnisse doch schon über 60 Jahre zurückliegen. Es gehört zu den Büchern, an denen ein Leser schwer zu kauen hat aber die geschrieben werden müssen und die unbedingt gelesen werden sollten. Unterhaltung muss nicht immer einfach und leicht sein, um den Leser zu begeistern. Und am Ende findet Daniela Ohms dann Worte der Zuversicht und für einen Teil ihrer Heldinnen und Helden ein neues Glück und auch einen Weg, um hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen und die verlorenen Menschen lebendig im Herzen zu behalten.

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Wie ein Sog

?Wie gehst du damit um, deine gesamte Familie in einer Nacht zu verlieren?
Wie gehst du damit um, Unschuldige ermordet zu haben?
Wie überlebst du, wenn du rein gar nichts mehr hast?
Welche Freiheit kann es für dich geben, wenn du in dir selbst gefangen bleibst?

Dieses Buch beantwortet diese Fragen und noch mehr. Es hat nur wenige Seiten gedauert, und ich war voll und ganz drin in der Geschichte. Es war wie ein Strudel, der einen nicht mehr freigibt- übrigens auch jetzt, nachdem ich das Buch bereits beendet habe, gelingt es mir nicht. Dies ist kein Buch das man auf einem Liegestuhl im Urlaub liest, es zuklappt und das Ganze damit erledigt ist. Dieses Buch ermuntert zu weiterer Recherche, nimmt einen emotional mit und beschäftigt. Und sehr viele Menschen dürften sich auch aufgrund ihrer persönlichen oder ihrer Familiengeschichte von diesem Werk angesprochen fühlen- etliche Nachfragen nach Verschollenen oder Gefallenen des zweiten Weltkriegs geben auch heute noch beim Roten Kreuz ein. Da zeigt sich, dass dieses Thema nach wie vor nicht erledigt ist.

Der Klappentext lässt eine mehr oder minder klassische Liebesgeschichte mit dem ein oder anderen kitschigen Moment vermuten, auch das Cover unterstreicht diesen Eindruck. Beides wird dem Buch in keinster Weise gerecht. Ja, Liebe spielt eine Rolle. Aber es ist eine verzweifelte Liebe, ein Strohhalm den man ergreift, um nicht in der Dunkelheit zu versinken. Etwas derart tiefgründiges und aufrüttelndes habe ich schon lange nicht mehr gelesen und ich kann nur hoffen, dass wir noch viele weitere so glänzend recherchierte und eindringliche Werke von dieser Autorin zu erwarten haben.

Am wichtigsten in einer solchen Erzählung sind meiner Meinung nach die Charaktere. Um eine solche Geschichte glaubwürdig rüberbringen zu können bedarf es interessanter, tiefgründiger und vor allem authentischer Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann. Bei diesem Roman bin ich voll auf meine Kosten gekommen und noch mehr. Ich mochte mich gar nicht mehr trennen von Hannah und allen anderen Figuren. Die Autorin schafft es auch Nebenfiguren Leben einzuhauchen, die dem ganzen Bild erst so richtig Farbe geben.

Mein Fazit: Wer dieses Buch nicht liest, ist selber Schuld.?

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Wie Treibholz im Sturm

Die Autorin Daniela Ohms entführt uns in ihrem Roman "Wie Treibholz im Sturm" auf einen Gutshof in Schleswig-Holstein zu der jungen Hannah. Sie hat in einer Nacht bei Bombenangriffen in Hamburg ihre gesamte Familie verloren. Eine kleine Dachkammer ist ihr neues Zuhause, das sie mit drei Soldaten teilen muß. Ein Soldat, der nicht spricht, zieht sie besonders an. Können sie Vertrauen zueinander aufbauen?



Nach "Winterhonig" ist dies der zweite Roman, den ich von Daniela Ohms lese. Und mit dieser Geschichte erweist sie außerordentliches Können.



Nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. nach früheren Evakuierungen muß das Leben weitergehen, trotz Verlust, Trauer, schlimmen Ereignissen. So auch auf dem Gutshof, auf dem Hannah jetzt lebt. Trotz Ende des Krieges ist das Leben, das Überleben, ein beständiger Kampf. Auf dem Gutshof sind viele Flüchtlinge untergebracht, mit dem nahenden Winter auch Soldaten, die normalerweise in den Wäldern zu überleben versuchen, ohne ein Dach über dem Kopf, ohne Versorgung.



Durch das Zusammenleben in der Kammer lernen sich Hannah und die drei Soldaten kennen, es entwickelt sich so etwas wie eine Freundschaft, eine Überlebensgemeinschaft, die versuchen, Nahrung und Brennmaterial zu besorgen.



Moritz, oder "Der Fuchs", wie er von den zwei anderen Soldaten genannt wird, und Hannah kommen sich näher, aber der Krieg, all die Geschehnisse, lassen Moritz nicht los und reißen ihn hin und her.



Die Geschichte wird aus Hannahs Perspektive erzählt, aber manchmal auch in Moritz seiner, sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit, so daß der Leser die Personen genauer kennenlernen kann.



Hannah möchte Moritz verstehen, möchte wissen, was die Soldaten im Krieg durchgemacht haben.



Die Autorin versteht es ausgezeichnet, uns die Sicht der Soldaten, der Kämpfenden, in aller Deutlichkeit nahezubringen. Der Krieg hat sowohl der Zivilbevölkerung als auch den Soldaten sehr viel zugemutet. Trotzdem gilt es, weiterzumachen, weiterzuleben.



Diese Geschichte ist nicht einfach zu lesen. Sie geht zu Herzen und manchmal muß man beim Lesen pausieren.



Trotzdem empfehle ich diesen Roman weiter. Man kann viel daraus lernen.

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Wie Treibholz im Sturm - absolute Leseempfehlung!!

Nach dem ersten Roman der Autorin Daniela Ohms (Winterhonig) war ich sehr gespannt auf diesen Roman - und wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil: Ein intensiveres Leseerlebnis, das den Leser in die Kriegs- und Nachkriegsjahre zurückkatapultiert und anhand des Kennenlernens zahlreicher Personen, die den Roman bevölkern; hauptsächlich jedoch den beiden Hauptprotagonisten Hannah und den stummen Soldaten, der aus dem Krieg zurückkehrt und zufällig mit ihr und zwei weiteren Kriegsheimkehrern die Dachstube eines Gutshofs in Schleswig-Holstein teilt, bis zur letzten Seite nicht loslässt, hatte ich selten. Besonders auffallend war für mich, dass auch die "Nebenfiguren" wie Egon, Freddie - aber auch Herr von Kobelenz sehr gut angelegt waren und die Autoren auch diesen sehr viel Leben 'einhauchte'.


Der Roman beginnt in Hamburg, 1943 und man erlebt quasi mit, wie Hannah Riedel, Apothekertochter, verheiratet, ein Kind (4) nur durch Glück einen Fliegerangriff im Grindelviertel überlebt - jedoch an diesem Tag ihre gesamte Familie verliert...
Traumatisiert wird sie aus Hamburg evakuiert und findet, wie so viele Flüchtlinge, eine vorläufige Bleibe auf einem Gutshof in Schleswig-Holstein. Dort teilt sie sich kurz darauf eine fast nicht beheizbare Dachkammer mit drei Soldaten, von denen einer kein Wort spricht und von den Freunden "Fuchs" genannt wird, da er rotes Haar hat. Von diesem stummen - oder sollte man besser sagen, verstummten Menschen, der Schreckliches im Krieg durchmachen musste, fühlt sich Hannah unweigerlich angezogen und möchte ihm helfen, verliebt sich trotz dessen Stummheit in ihn...

Die zweite wichtigste Hauptfigur im Roman ist dieser "Fuchs", der knapp 18jährig, aus Ostpreußen stammend, den Zug mit hunderten anderer Soldaten besteigen muss und unterwegs bereits ahnt, was auf ihn zukommen wird. Er freundet sich mit einem älteren Kameraden an, da dieser ihn an seinen kleinen Bruder erinnert und wird gemeinsam mit Glaubitza einem Bataillon zugeteilt, das in Russland hinter der Frontlinie Partisanen bekämpfen sollen.... Es ist schier unglaublich, wie intensiv die Gefühle des kaum dem Kindesalter entwachsenen Fuchs von der Autorin dargestellt werden; seinen inneren Zwiespalt, seine erlebten Schrecken und sein unbeugsamer Überlebenswille:
Die Lektüre der Kriegsszenen, die Daniela Ohms nicht ausspart, sind ein Kernthema des Romans und umkreist die Themen Schuld - und Sühne; Verantwortung und Menschlichkeit, die in Zeiten des zweiten Weltkrieges - währenddessen und auch hinterher - quasi ausser Kraft gesetzt werden und viele Männer traumatisierten, nicht wenige zeitlebens, da eine Unterstützung in psychologischem Sinne, wie es heute der Fall ist, nicht gegeben war. Es geht aber auch um Freundschaft, ja um Liebe in Kriegs- und Nachkriegszeiten; um das schwierige Weiterleben, um Vertriebene und Flüchtlinge, die einander noch teils Jahrzehnte suchen sollten, da ganze Familien ausgelöscht - oder in Flüchtlingstrecks auseinandergerissen wurden.....

Die Konsequenzen von Traumata, Flucht und Vertreibung, besonders hier der früheren Gebiete Deutschlands wie Ostpreußen, Schlesien, Masuren z.B. greift die Autorin nicht nur auf, sondern beleuchtet sie in aller literarisch zur Verfügung stehenden Schärfe. Auch die "Wolfskinder" sind ein Thema und auch die Verfolgung und Ermordung der Juden - hier in Form von Klara, der besten Freundin Hannahs in der Zeit ihrer Kindheit, die aus einer jüdischen Familie stammte...

Ich hatte das Glück, mich in einer autorenbegleiteten Leserunde mit anderen LeserInnen austauschen zu können und mir ging es wie einigen anderen: Der Roman ist keine leichte Kost und der Stil von Daniela Ohms sowie der Verlauf der Handlungsstränge im Roman, die sich zeitlich von 1943 bis etwa 1949 erstrecken; von Hamburg über Weißrussland, Ostpreußen bis nach Schleswig-Holstein verortet sind, zeigen anhand der großen Authentizität von sowohl Hannah als auch dem Fuchs deutlich auf, welche Spuren und seelischen Verletzungen ein Krieg stets bei Menschen hinterlässt.
Dies kann und konnte in manchen Menschen solche irreparablen Schäden an der Seele verursachen, dass es kaum möglich war, wieder ein normales Leben führen zu können, die Wiese des Friedens wieder mit von Blut besudelten Stiefeln betreten zu können, wie es so treffend im Roman formuliert wurde. Auch lädt der Roman dazu ein, betreffende Themen wie Flucht, Vertreibung, Wolfskinder etc. durch eigene Recherchen noch zu vertiefen.

Fazit:

Daniela Ohms ist es unglaublich gut gelungen, eine Geschichte aus sehr dunklen Zeiten des 2. Weltkrieges zu erzählen, bei der man als Leser nahe an den sehr authentisch dargestellten Figuren "dran" ist; mit ihnen leidet, mitfiebert, sich freut, entsetzt ist und Hoffnung hat: Eine solche Intensivität, aber auch einen Roman, der mich emotional sehr mitgenommen hat und der mich mitunter an die Grenzen meiner Belastbarkeit beim Lesen brachte, habe ich sehr selten gelesen und möchte ihn dennoch absolut weiterempfehlen: Sehr gut recherchiert, exemplarisch für so viele Menschen, denen großes Leid zugefügt wurde durch den 2. Weltkrieg, die alles hinter sich lassen mussten und als Flüchtlinge geduldet wurden, schlägt die Autorin in ihrem Nachwort noch einen Bogen in die heutige Zeit, in denen erstmals die Zahlen von Flüchtlingen vergleichbar sind mit denen nach dem 2. Weltkrieg: Somit ist es für mich auch ein Plädoyer für Menschlichkeit und Frieden, der in allen Zeiten oftmals brüchig war: Es gilt, ihn zu erhalten, gerade in unserer Zeit!
Von mir erhält der Roman die volle Punktezahl, 5* und 100° auf der Histo-Couch sowie eine absolute Leseempfehlung!

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